Faktor-XI-Mangel

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 19. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Faktor-XI-Mangel

Bei dem Faktor-XI-Mangel handelt es sich um eine Gerinnungsstörung. Der Faktor XI ist ein Gerinnungsfaktor, ein Teil in der Gerinnungskaskade, der wiederum andere Teile aktiviert und dessen Ausfall deshalb den Ablauf der gesamten Gerinnungskaskade beeinträchtigt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Faktor-XI-Mangel?

Faktor XI ist ein Proenzym der Serinprotease Faktor XIa und spielt eine Rolle in der Blutgerinnung. Dort steht es gemeinsam mit Präkallikrein, High-Molekular-Weight-Kininogen (HMWK) und Faktor XII am Anfang der Gerinnungskaskade. Das Enzym wird in der Leber synthetisiert und hat eine Halbwertszeit von 52 Stunden.

Es zirkuliert als inaktive Form im Blut und ist in den Blutplättchen vorhanden. Im Plasma liegt es in einer Konzentration von fünf Milligramm pro Deziliter vor. Die Aktivierung erfolgt über negativ geladene Oberflächen. In vitro kann die Aktivierung beispielsweise über Kaolin oder Silicium erfolgen. Im Körper erfolgt sie wahrscheinlich über Proteoglykane aus freigelegten Gefäßwänden oder RNA, das ist jedoch noch nicht genau nachgewiesen.

Während der Faktor XI im Blut zirkuliert, ist er an HMWK gebunden. Dadurch wird eine Bindung an negativ geladene Oberflächen ermöglicht, hier besonders an die Phospholipidoberfläche von aktivierten Blutplättchen. Unter Anwesenheit von Calcium und Phospholipiden wird durch Faktor XIa Faktor IX zu Faktor Xa aktiviert. Außerdem wird der TAFI (Thrombin activable fibrinolysis inhibitor) von Faktor XIa aktiviert.

Der Faktor XIa wiederum wird aktiviert von Faktor XII, Thrombin oder er kann sich auch selbst aktivieren. Inaktiviert wird der Faktor XI durch Antithrombin, Alpha-1-Antitrypsin, durch Alpha-2-Antiplasmin Plasmininhibitor, C1 Inhibitor und Protein-Z abhängige Proteaseinhibitoren (ZPI). Liegt der Faktor XI nicht in ausreichender Menge vor, tritt eine Gerinnungsstörung ein, die als Faktor-XI-Mangel bezeichnet wird.

Ursachen

Der Faktor-XI-Mangel kann entweder erworben oder angeboren sein. Erworben werden kann er durch eine Lebererkrankung, die die Leber an einer ausreichenden Synthetisierung der Gerinnungsfaktoren hindert. Ebenso durch einen Vitamin-K-Mangel, der oft durch Medikamente zur Gerinnungshemmung hervorgerufen wird.

Bei Autoimmunerkrankungen durch Antikörper gegen Gerinnungsfaktoren oder durch Eiweißverlust bei Nierenerkrankungen. Eine weitere Ursache für den Mangel sind Verbrauchskoagulopathien. Eine Verbrauchskoagulopathie entsteht durch eine intravasale Aktivierung der Blutgerinnung.

Dadurch kommt es zu einem hohen Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten, wodurch ein Mangel hervorgerufen wird. Als Auslöser kommt ein Schock jeder Art in Frage, beispielsweise durch Polytraumata nach Unfällen, ebenso wie durch geburtshilfliche oder Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie und Eklampsie.

Auch ausgedehnte Nekrosen, beispielsweise bei Verbrennungen können einen Faktor-XI-Mangel begünstigen. Auch massive Hämolysen, wie sie nach einem Transfusionszwischenfall auftreten können, eine Sepsis durch gramnegative Bakterien oder Vergiftungen durch Schlangenbisse gelten als Ursachen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der angeborene Faktor-XI-Mangel ist selten, tritt aber gehäuft in bestimmten ethnischen Gruppen auf, beispielsweise bei den Ashkenazi-Juden oder bei Japanern. Der Mangel wird rezessiv vererbt. Es können Genmutationen im für den Faktor XI zuständigen Gen auftreten oder manchmal kann es auch zu einem vollständigen Fehlen dieses Gens kommen.

Diese angeborene Variante wird als Hämophilie C, PTA-Mangelsyndrom oder Rosenthal-Syndrom bezeichnet. Bei dem Faktor-XI-Mangel treten unterschiedliche Schweregrade auf. Die normale Aktivität von Faktor XI liegt bei siebzig bis hundertfünfzig Prozent. Bei einem partiellen Mangel fällt dieser Wert auf zwanzig bis siebzig Prozent.

Ein partieller Mangel wird von einer heterozygoten Mutation des entsprechenden Gens verursacht. Bei einer homozygoten Vererbung kommt es zu einem schweren Mangel. Hier liegt die Aktivität von Faktor XI manchmal unter fünfzehn Prozent.

Der Faktor-XI-Mangel kann einmal als Typ I auftreten. Das bedeutet eine Verminderung der Aktivität und der Proteinkonzentration der Gerinnungsfaktoren im Blut. Typ II dagegen hat die normale Proteinkonzentration vorliegen, aber die Aktivität ist vermindert. Das nennt man eine Funktionsstörung des Gerinnungsfaktors.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Faktor-XI-Mangel führt zu einer erhöhten Blutungsneigung, im Vergleich zu gesunden Menschen kann es leichter und schneller zu Blutungen kommen. Die Erkrankung kann aber auch völlig symptomlos verlaufen. Treten Symptome auf, so sind es überwiegend moderate Blutungen.

Diese Blutungen erfolgen meist nach Verletzungen oder chirurgischen Eingriffen. Insbesondere Zirkumzisionen, Zahnextraktionen und Eingriffe im HNO- und Urogenitalbereich sind für höhere Blutungsneigungen bei dieser Mangelerkrankung bekannt. Zu Spontanblutungen kommt es normalerweise nicht, aber bei Frauen kann eine verlängerte Regelblutung auftreten.

Nach chirurgischen Eingriffen werden bei unbehandelten Patienten mit Faktor-XI-Mangel gelegentlich signifikante Hämatome beobachtet. Bei einem Faktor-XI-Mangel kann man allerdings nur eine geringe Korrelation zwischen dem Schweregrad der Blutungen und dem Faktor XI Spiegel feststellen.

Behandlung & Therapie

Um einen Faktor-XI-Mangel festzustellen, muss der Faktor XI Spiegel überprüft werden. Eine Verlängerung der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT) führt in die gleiche Richtung. Bei einem schweren Defekt liegt der Faktor XI Spiegel unter zwanzig Einheiten pro Deziliter. Ein partieller Mangel wird bei einem Wert zwischen zwanzig und siebzig Einheiten pro Deziliter diagnostiziert.

Die Diagnose muss gegen die Diagnosen von Mangelzuständen der anderen Gerinnungsfaktoren, II, V, VII, VIII, IX, X oder XIII abgegrenzt werden, gegen kombinierte Mangelerkrankungen von Faktro V und VIII, gegen das von-Willebrand-Syndrom und eine Thrombozyten-Funktionsstörung.




Vorbeugung

Eine Dauerbehandlung ist nicht notwendig, da es zu keinen Spontanblutungen kommt. Im Fall von Blutungen oder Situationen, bei denen mit Blutungen gerechnet werden muss, ist eine Behandlung erforderlich. Vor einer Zahnextraktion oder einem chirurgischen Eingriff werden die Patienten mit Faktor-XI-Mangel mit einem Faktor XI Konzentrat oder frisch gefrorenem Plasma behandelt. Manchmal werden auch Antifibrinolytika wie Aminocapronsäure und Transexamsäure gegeben, denn der Faktor-XI-Mangel führt zu einem hyperfibrinolytischen Status.

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