Färberwaid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Färberwaid, botanisch Isatis tinctoria, ist eine Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler und stammt aus Westasien. Aus der zweijährigen Pflanze, in Europa als Färberpflanze kultiviert, wurde ein tiefblauer Farbstoff gewonnen, der Indigo.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Färberwaid

Der Name verrät es bereits. Der Färberwaid, oft kurz Waid genannt, wurde als Rohstoff zum Färben von Stoffen, insbesondere Leinen, verwendet. Aus ihr stammt der blaue Farbstoff Indigo. Die Geschichte der Isatis tinctoria führt bis in die Antike zurück. Aus Caesars Aufzeichnungen über seine Feldzüge ist bekannt, dass sich Kelten und Briten mit einem blaugrünen Farbstoff die Gesichter anmalten, um den Feinden in der Schlacht möglichst furchterregend gegenüberzutreten.

Entsprechende Funde im englischen Dragonby, im Norden von North Lincolnshire, deuten darauf hin, dass es sich um Färberwaid gehandelt haben muss. Bei der Farbgebung mittelalterlicher Kleidung spielte die Textilfarbe aus der Pflanze, die als König der Farbstoffe galt, eine zentrale Rolle. Ihren Ursprung hat sie in Westasien, kam aber bereits im Altertum nach Europa. Bis ins 17. Jahrhundert hinein wurde Färberwaid in England, Südfrankreich, dem Elsass und in Deutschland angebaut.

Bei der Farbgebung mittelalterlicher Kleidung spielte die Textilfarbe aus der Pflanze, die als König der Farbstoffe galt, eine zentrale Rolle.

Durch den Waidanbau gelangten ganze Anbaugegenden zu Reichtum. So wurde die Stadt Erfurt in Thüringen, wo seit dem 9. Jahrhundert riesige Anbauflächen standen, so wohlhabend, dass sie den Grundstein für ihre Universität legen konnte. Die Thüringer lieferten ihren Waid in die damalige Tuchstadt Köln und über die Hafenstädte Bremen, Lübeck und Hamburg ging der Export auch nach Großbritannien und in die Niederlande. Dem Färberwaid lief jedoch der indische Indigo den Rang ab, da er etwa 30mal mehr Farbstoff lieferte.

Ganz in Vergessenheit geriet das Kraut mit der Herstellung eines synthetischen Indigo Ende des 19.Jahrhunderts. Heute ist Isatis tinctoria eine verwilderte Pflanze, aber immer noch in ganz Europa zu finden. Sie wächst an Felsen, in Weinbergen, an Hängen, in Steinbrüchen und in Unkrautkorridoren. Der Färberwaid ist recht anspruchslos und mag einen trockenen, nährstoffreichen, kalkhaltigen Boden. Die Pflanze wird bis zu 1.80 Meter groß und ist von Mai bis Juli mit winzigen gelben Blüten bestückt. Aus ihnen entwickeln sich im Herbst schwarzbraune Schoten mit den Samen. Die vegetative Vermehrung des Krauts erfolgt durch die Wurzelsprossen.

Wirkung & Anwendung

Auch als Färberwaid in der Herstellung der Textilfarbe Indigo keine Rolle mehr spielte, behielt die Pflanze ihre Bedeutung als Heilkraut. Schon seit 3000 Jahren schwört die Traditionelle Chinesische Medizin auf ihre heilende Wirkung. Die Chinesen verwendeten die Wurzel (Isatis Radix) des Krauts gegen grippale Infekte, Mumps und Masern ein. Auch als die SARS-Epidemie 2003 in China ausbrach, wurde Färberwaid, das bei den Chinesen Banlangen heißt, gegen die Infektionskrankheit eingesetzt, die von einem bis dahin unbekannten Coronavirus ausgelöst wurde.

Eine evidenzbasierte Wirkung gegen Viren konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden. Dennoch setzt auch die Homöopathie auf Färberwaid gegen bestimmte Viruserkrankungen. Hahnemann hat zu Lebzeiten die Blätter der Pflanze zudem gegen Würmer, Gelbsucht und Melancholie verabreicht. Hahnemann beobachtete zudem Pferde, die an Druse, einer hochansteckenden bakteriellen Infektion erkrankt waren, dass sie das Kraut kauten und Linderung ihrer Symptome zeigten.

Die Vermutung liegt nahe, dass hier die Senföle ihre antibakterielle Wirkung entfalteten. Aus neueren Untersuchungen geht hervor, dass das Kraut große Mengen des krebvorbeugenden Glucobrassicin enthält, 20mal mehr als Brokkoli. Der krebshemmende Effekt betrifft insbesondere Brustkrebs, da Glucobrassicin imstande ist, Giftstoffe im Organismus zu neutralisieren, dazu zählen vor allem Östrogenderivate.

Mit solchen Ergebnissen wurden die Naturheilkundigen bestätigt, die schon im Mittelalter um die zytostatische Wirkung des Färberwaid wussten. Hildegard von Bingen schätzte Waid ebenfalls als Heilkraut. Sie kochte einen Sud aus der Pflanze, mischte ihn mit Geierfett und Hirschtalg und stellte daraus eine Salbe her, die sie ihren Patienten gegen Lähmungen auftrug.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Heute gewinnt Isatis tinctoria auch in anderen Bereichen immer mehr an Bedeutung. So ist sie häufig Bestandteil kosmetischer Produkte gegen strapazierte Haut. In der Holzverarbeitung wird der Einsatz von Färberwaid geschätzt wegen seiner fungiziden und insektiziden Wirkung. Er lässt sich effektiv gegen Hausbockkäfer und Kellerschwamm einsetzen und wird daher für biologische Holzschutzmittel verwendet.

Als Bestandteil in biologischen Farben ist die Pflanze ebenfalls häufig zu finden. Die Einsatzmöglichkeiten in der Färberwaid-Pflanze in der Naturmedizin sind ebenfalls vielfältig. Verwendet wird die ganze Pflanze: Blätter, Blüten und Wurzeln. Aus den Wurzeln lässt sich ein Bitterlikör gegen Erkältungen herstellen. Mit einer Tinktur aus getrockneten Blättern werden Psoriasis-Patienten mit beachtlichen Erfolgen behandelt. Flechten und Ekzeme sprechen ebenfalls sehr gut auf den Färberwaid an. Aus den Samen gepresste Öle wirken gegen eine Vielzahl von Hauterkrankungen.

Die wertvollen Glukosinolate (Senfölglykoside) machen Färberwaid zu einem natürlichen Antibiotika mit antimikrobiellen Eigenschaften gegen Bakterien und Pilze. Es sind vor allem diese Öle, die pharmazeutisch wirksam sind, etwa gegen Magengeschwüre und bei Magen-Darm-Problemen. Auch zur Fiebersenkung, Blutstillung bei kleineren Wunden, gegen Entzündungen und zur Immunstärkung lässt sich das Kraut nutzen.

Zum Gurgeln gegen Halsentzündungen und Husten wird ein Tee aus Wurzeln oder Blättern zubereitet. Auch Pilzinfektionen des Mund-Rachen-Raumes lassen sich damit behandeln. Mit den frischen Blättern des Färberwaid wirken im Frühjahrssalat blutreinigend. Und im Herbst liefern die Samen ein delikates Speiseöl.

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