Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie ist ein heute gängiges Verfahren zur Zertrümmerung von Harn-, Gallen-, Nieren-und Speichelsteinen.

Die hochenergetischen Stoßwellen (Schallwellen) zur Zertrümmerung der Steine werden außerhalb des Körpers (extrakorporal) erzeugt und auf den Stein fokussiert. Im Erfolgsfall können die Reste der „zertrümmerten“ Steine auf natürlichem Weg ausgeschieden werden, was dem Patienten einen chirurgischen Eingriff mit stationärem Aufenthalt und den damit verbundenen Risiken erspart.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie?

Besonderes Merkmal der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) ist die Erzeugung der Druckwellen außerhalb des Körpers. Im Gegensatz dazu existiert auch die intrakorporale Lithotripsie, bei der die Stoßwellen durch eine endoskopisch eingebrachte Sonde erzeugt werden.

Die weitaus häufigste Anwendung der ESWL betrifft die Zertrümmerung von Harn- und Nierensteinen. Das Verfahren ist aber auch zur Behandlung von Gallen- und Speichelsteinen geeignet, wenn die Konsistenz der Steine gewisse Bedingungen erfüllt. Die ESWL wurde von der Dornier System GmbH, Friedrichshafen, entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Großhadern, München, erstmals 1980 zur klinischen Anwendungsreife gebracht. Die Geräte zur Erzeugung der extrakorporalen Stoßwellen haben sich mittlerweile deutlich verändert in Richtung Effizienz und niedrigerer Betriebskosten.

Insgesamt hat sich die ESWL als Standardverfahren zur nichtinvasiven Entfernung von Harn- und Nierensteinen durchgesetzt. Die hochenergetischen kurzgepulsten Stoßwellen werden so ausgerichtet, dass sie eine relativ große Eintrittsfläche an der Haut nutzen und erst im Körper konzentrisch in dem zu zerstörenden Stein zusammenlaufen und ihre Wirkung entfalten. Die Hauteintrittsstelle und das Gewebe unmittelbar darunter überstehen den Durchtritt der Druckwellen weitestgehend unverletzt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Hauptanwendungsgebiete liegen in der Zertrümmerung von Nieren- und Harnsteinen. In weitaus weniger Fällen werden auch Gallen- und Speichelsteine behandelt. Moderne Geräte können auch zur Behandlung von Kalkablagerungen an Gelenken verwendet werden wie z. B. zur Behandlung der sogenannten Kalkschulter (Tendinosis calcarea).

Seit einigen Jahren wird die ESWL auch zur Behandlung schlecht heilender Knochenbrüche oder Osteotomien (Pseudarthrosen) eingesetzt. Zur genauen Lokalisierung der Steine sind die Lithotriptoren mit einem speziellen Röntgen- und einem Ultraschallgerät ausgerüstet, die es erlauben, den Patienten oder den Stoßwellengenerator so zu positionieren, dass sich der Stein exakt (millimetergenau) im Fokus der Stoßwelle befindet. Die Stoßwellenerzeugung erfolgt je nach Gerätetyp nach verschiedenen physikalisch-technischen Prinzipien.

Es wird zwischen elektromagnetischer, elektrohydraulischer und piezoelektrischer Erzeugung der Stoßwellen unterschieden. Während der Behandlung ist es wichtig, dass der Übergang der Druckwellen vom Druckwellengenerator in den Körper möglichst störungsfrei erfolgt. Das wird durch einen guten Körperkontakt der in Silikon eingehüllten Wasserblase des Stoßwellengenerators an der Eintrittsstelle der Druckwellen erreicht. Die Behandlung erfolgt in der Regel unter einer leichten Analgesierung bei Verzicht auf Vollnarkose und dauert etwa 20 bis 30 Minuten.

Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie ist ein heute gängiges Verfahren zur Zertrümmerung von Harn-, Gallen-, Nieren-und Speichelsteinen. Die Abbildung zeigt eine Illustration der Gallenblase mit Gallensteinen.

Während der Behandlung werden ca. 2.000 bis 3.000 Stoßwellen erzeugt, wobei die Frequenz der individuellen Herzfrequenz angepasst werden kann, um mögliche Herzrhythmusstörungen zu vermeiden. Die Stoßwellen werden daher in der Regel in einer Frequenz von 60 bis 80 Impulsen pro Minute abgegeben. Erfahrungen haben gezeigt, dass eine niedrige Frequenz in obiger Größenordnung effektiver ist als eine höhere Frequenz mit 120 Stoßwellen pro Minute, weil sich nach jeder Stoßwelle mikroskopisch kleine Kavitationsbläschen bilden, die vor der nächsten Stoßwelle erst wieder zerfallen sollten, da ansonsten ein großer Teil der Energie der Stoßwelle durch die Bläschen aufgefangen wird und unwirksam verpufft.

Die fokussierten Stoßwellen erzeugen in den Steinen kleinräumige Druck-, Zug- und Scherwirkungen, die zur Desintegration der Steine in kleine Bruchstücke führt. Etwa 90 % der diagnostizierten Nieren- und Harnsteine sind mittels Lithotripsie behandelbar, von denen ca. 80 % erfolgreich desintegriert werden. Falls eine Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt, kann nach mehreren Tagen Wartezeit ein erneuter Versuch erfolgen. Während der Behandlung wird die Lage des zu behandelnden Steins automatisch per Röntgen und Ultraschall überprüft, um die exakte Fokussierung der Stoßwellen auf den Stein ständig zu gewährleisten. Meist ist ein Klinikaufenthalt von ein bis zwei Tagen notwendig. Es gibt aber auch spezialisierte Praxen, die eine ambulante ESWL anbieten.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Kontraindikationen für die Anwendung einer extrakorporalen Stoßwellentherapie sind bei Patienten gegeben, die unter irgendeiner Form der Blutgerinnungshemmung leiden oder die zur Vorbeugung vor Thrombosen und Schlaganfällen koagulationshemmende Medikamente einnehmen, da es während der Behandlung zu inneren Gewebeverletzungen kommen kann, die dann zu Komplikationen führen könnten.

Besonders große Steine mit einer Länge von über 2,5 cm und nicht genau lokalisierbare Steine sind für eine Behandlung mittels ESWL nicht geeignet. Da es sich bei der ESWL um ein nicht-invasives Verfahren handelt, entfallen sämtliche Risiken, die mit einer Operation verbunden sind, dazu zählen auch minimalinvasive Verfahren. Insgesamt stellt die ESWL das risikoärmste Verfahren zur Behandlung von Harn-, Nieren-, Gallen- und Speichelsteinen dar. Chronische Langzeitschäden sind bisher keine bekannt.

Die Risiken einer ESWL liegen hauptsächlich darin, dass z. B. bei einer Nierensteinzertrümmerung meist auch ein wenig Nierengewebe geschädigt wird, so dass der Urin vorübergehend Blut enthalten kann. Das geschädigte Nierengewebe regeneriert sich innerhalb weniger Wochen und heilt vollkommen aus. Weitere Risiken liegen darin, dass der Abgang der Steinfragmente vorübergehend schmerzhafte Koliken auslöst oder dass ein Harnstau verursacht wird, der einer Drainage-Behandlung bedarf. Nierenkoliken treten bei ca. 30 % erfolgreich behandelten Patienten auf.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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