Ernährung und Diät bei Lebererkrankung Teil 1

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Dezember 2016
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Viele Menschen werden sogleich beim Hören oder Lesen des Satzes Ernährung und Diät bei Lebererkrankung abwehrend die Hände heben, weil sie glauben, eine Kostvorschrift bestehe nur aus Verboten. Das hat seinen Grund nicht selten darin, dass der Arzt bisher meist bei Erkrankungen eine große Reihe von Nahrungsmitteln auf eine Verbotsliste setzte, anstatt zuerst das Erlaubte zu nennen und auch die Möglichkeiten der Abwechslung im Diätspeiseplan zu zeigen.

Inhaltsverzeichnis

Gelbsucht als typische Lebererkrankung

Die Lebererkrankungen treten außerordentlich häufig auf, doch können wir durch die genaue Kenntnis der Stoffwechselvorgänge in der Leber und ihrer Beeinflussungsmöglichkeiten die früher so gefürchteten Folgeerscheinungen dieser Art von Erkrankungen vermeiden oder zumindest stark abschwächen. Eine bedeutende Rolle kommt dabei der Ernährungsbehandlung zu. Es soll daher hier unsere Aufgabe sein, das Verständnis des Lesers und seine Aufmerksamkeit für eine einfach zu handhabende Nahrungszubereitung bei Lebererkrankung zu wecken.

Unter den Lebererkrankungen kommt heute der epidemischen Gelbsucht (Virushepatitis) eine große Bedeutung zu. Kinder zeigen eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber dieser Infektionskrankheit. Allerdings verläuft diese Erkrankung bei ganz jungen Menschen zumeist leicht, während sie beim Erwachsenen des Öfteren die Funktion der Leberzellen mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Diese Tatsache berechtigt aber nicht dazu, die Gelbsucht bei Kindern zu bagatellisieren, sondern erfordert die gleiche sorgfältige Beachtung ärztlicher und diätischer Maßnahmen wie beim Erwachsenen.

Verlauf von Lebererkranungen

In den ersten 14 Tagen der epidemischen Gelbsucht fühlt sich der Erkrankte besonders unwohl und hat oft starke Beschwerden im Bereich des Magen-Darmtrakts. Auch ist der Appetit auffällig vermindert. In diesem akuten Zustand bedarf die Leber besonderer Schonung. Von allen Nahrungsmitteln beanspruchen Eiweiße, beispielsweise Fleisch und Wurst, auch Milch und Käse sowie Eier und Fette (Butter, Margarine, Öle, Schmalz) die Stoffwechseltätigkeit der Leber ganz beträchtlich, denn diese ist es, die die Eiweißstoffe für den menschlichen Organismus umwandeln muß. Dagegen wird sie von den Kohlenhydraten der Nahrung gar nicht belastet.

Wir bevorzugen daher in den ersten 14 Tagen der Erkrankung (oft kürzere, sehr selten längere Zeit) eine kohlenhydratreiche Kost. Darunter versteht man vor allem stärkehaltige Produkte, deren Art gewechselt werden kann. Es können also Haferflocken, Vollkornmehle, Naturreis, Müsli, aber auch Nudeln, Grieß und Maisstärke Verwendung finden, wobei wir den Vollkornprodukten wegen ihres höheren Vitamin- und Mineralgehaltes den Vorzug geben. Alle diese Produkte kann man durch entsprechende küchentechnische Vorbereitung soweit aufschließen, dass sie den Verdauungskanal nur wenig beanspruchen. Schon im Mund beginnt die Einwirkung kohlenhydratspaltender Wirkstoffe (Fermente) auf die Nahrung, wodurch Magen und Darm wesentlich entlastet werden. Stärke wird im Darm zu Traubenzucker bzw. Fruchtzucker gespalten und aufgesogen. Diesen Zuckerarten, die vom Darm aus über den Blutweg der Leber zufließen, wirken ernährend und schützend auf die Leber. Wegen dieser leberzellschützenden Wirkung, die in gleicher Weise auf Vitamine und Mineralien zutrifft, wird der Traubenzucker gern zum Süßen der Speisen und getränke verwandt.

Ernährung & Diät

Infogramm zur Anatomie und Aufbau der Leber. Klicken, um zu vergrößern.

Küchentechnisch werden diese genannten Nahrungsmittel in reichlich Flüssigkeit, Wasser oder fettlos zubereiteter Gemüsebrühe, gekocht. In Verbindung mit Getreideerzeugnissen können auch Fruchtsuppen und –breie zubereitet werden. Stets sollte Rohkost, ein geriebener Apfel – auch in Verbindung mit eingeweichten rohen Haferflocken oder Müsli -, frisch gewonnene rohe Obst- und Gemüsesäfte, die man auch in gekochte Speisen hineingegeben kann, verabreicht werden. Die Frischkost ist nicht nur sehr bekömmlich, sondern unterstützt die Leber in der Wiederaufnahme ihrer vollen Stoffwechselleistungsfähigkeit.

Von den Brotsorten sollte vor allem das aus Vollkornprodukten hergestellte und sehr gut verträgliche Knäckebrot genossen werden, aber auch altbackene Brötchen, geröstetes altbackenes Weißbrot und Zwieback kommen in Betracht. Als Brotaufstrich können Bienenhonig, auch Kunsthonig, Marmelade und Gelees genommen werden. Als Getränk empfehlen wir die verschiedenen Teesorten. Schwarzer Tee fördert die Leberdurchblutung und ist daher ärztlich sehr vertretbar. Kaffee dagegen muss wegen seiner Reizwirkung auf die Magen- und Darmwände entschieden abgelehnt werden. Auch Alkohol ist wegen seiner leberzellschädigenden Wirkung unbedingt zu meiden. Die Gesamtflüssigkeitsmenge ist in der akuten Krankheitsperiode auf etwa ein Liter (Suppen usw. einbegriffen) zu beschränken, da die Leber auch in den Wasserhaushalt des Körpers stark eingreift.

Ernährungstipps

Das Würzen der Speisen ist allerdings eine Kunst für sich, da wir im Entzündungszustand der Leber vom Salz abraten müssen, dass jede Entzündung im Körper verschlimmert. Deshalb sollten nur Petersilie und Kräuter aller Art verwendet werden. Im folgenden seien einige Ernährungstipps gegeben:

1. Frühstück:

Tee mit Traubenzucker gesüßt oder Malzkaffee. Zwieback, Toast oder Knäckebrot mit Marmelade oder Gelee.

2. Frühstück:

Ein Teller Haferflockensuppe oder Müsli mit Fruchtsaft oder Vollkornmehlsuppe.

Mittagessen:

Gerstenschleim oder Grießbrei mit Apfelkompott oder Gemüsebrühe mit Reis. Als Nachtisch Müsli mit Apfel.

Nachmittag:

Hagebuttentee mit Traubenzucker, Knäckebrot, Zwieback, Toast mit Marmelade oder Gelee.

Abendbrot:

Brühgrießsuppe oder Weizenvollkornbrei.

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