Erkennen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Der erste Prozess der Wahrnehmung ist die Empfindung an den Sinneszellen der Wahrnehmungsstrukturen. Zu dem Erkennen einer Wahrnehmung wird im Gehirn ein Abgleich zwischen aktuell wahrgenommenen Reizen und Reizen aus der Wahrnehmungserinnerung vorgenommen. Erst dieser Abgleich ermöglicht dem Menschen die Interpretation.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Erkennen?

Die anatomischen Sinnessysteme des Menschen ermöglichen ihm die Aufnahme von Reizen aus der Umgebung und aus dem eigenen Inneren. Die Reizaufnahme erfolgt durch die Sinneszellen des jeweiligen Wahrnehmungssystems. Um sich an Bild von der eigenen Umgebung oder Prozessen innerhalb des eigenen Körpers zu machen, ist die Reizaufnahme allerdings lediglich die erste Wahrnehmungsinstanz. Über afferente Nervenbahnen erreichen Wahrnehmungsinformationen über das Rückenmark das Gehirn, wo die Interpretation, Einordnung und Erkennung der Reize erst beginnt. Im Gehirn setzt sich das Bild zusammen.

Die Wahrnehmungspsychologie teilt den Prozess der Wahrnehmung in drei verschiedene Stufen ein: Empfindung, Organisation und Einordnung. Die erste Stufe lässt bei Sehwahrnehmungen zum Beispiel ein Abbild des Objektes entstehen. Der Schritt der Organisation organisiert das Bild zu einer festen Form aus Einzelformen. Erst im letzten Schritt wird dem Sinneseindruck Bedeutung zugeteilt: die Wahrnehmung wird also erkannt.

Die Erkennung findet auf Basis vorausgegangener Wahrnehmungen statt, die im Gehirn gespeichert sind und dem Vergleich mit jeder neuen Wahrnehmung dienen. Erst durch das Vergleichen, Kategorisieren und Einschätzen seiner Wahrnehmung erkennt der Mensch im Falle des Sehsinns beispielsweise ein bestimmtes Bild als Mensch oder Gegenstand. Das Erkennen ist somit einer der letzten Schritte in der Wahrnehmungskette.

Funktion & Aufgabe

Wie alle Lebewesen erfasst der Mensch die physikalischen Eigenschaften seiner Umwelt und seinen eigenen Körper mit den Sinnen. Zwischen dem Erkannten und dem eigentlich Wahrgenommenen bestehen allerdings mehr oder weniger große Unterschiede. Was das Sinnesorgan erfasst, muss also nicht zwingend dem entsprechen, was letztlich erkannt wird. Dieses Phänomen lässt sich zum Beispiel durch optische Täuschungen nachvollziehen.

Die subjektive Wahrnehmung entspricht außerdem nicht in jedem Fall den objektiv einwirkenden Reizen aus der physikalischen Welt, die eine Wahrnehmung erst anstoßen. Auf dem Weg zwischen Erfassen des Sinnesorgans und dem Schritt des Erkennens filtert das Gehirn Informationen aus einer Wahrnehmung aus, fasst Informationen zusammen, teilt die Wahrnehmung in Kategorien ein und ordnet die einzelnen Bereiche der Wahrnehmung nach ihrer erfahrungsgemäßen Wichtigkeit.

Die Erkennung findet auf Basis vorausgegangener Wahrnehmungen statt, die im Gehirn gespeichert sind und dem Vergleich mit jeder neuen Wahrnehmung dienen.

Bei Wahrnehmungen des Sehsystems muss das Gehirn auf dem Weg zur Erkennung zum Beispiel zuerst einzelne Objekte aus der Gesamtwahrnehmung herausfiltern, diese Objekte durch einen Abgleich mit Wahrnehmungserinnerungen erkennen und im letzten Schritt das Gesamtbild verstehen.

Die Objekterkennung setzt beispielsweise auf Prägnanz als Prinzip. Figuren werden nach dem Prägnanz-Prinzip mit einer möglichst einfachen Struktur wahrgenommen. Das Prinzip der Nähe lässt den Menschen Bildelemente außerdem als zusammengehörig empfinden, sobald sie besonders nah aneinander liegen. Zusätzlich lässt das Prinzip der Ähnlichkeit den Menschen alle Bildteile mit derselben Form oder Farbe als ein Ganzes wahrnehmen. Symmetrische Strukturen gehören für Menschen zum gleichen Objekt. Gleiche Bewegungen oder ein Erscheinen und Verschwinden zur gleichen Zeit erzeugen ebenso viel Zusammengehörigkeit wie geschlossene Linien einer Fläche, gemeinsame Regionen als abgegrenzte Gebiete oder kontinuierliche Bildfortsetzungen unterbrochener Elemente.

Ein Sehwahrnehmungseindruck wird anhand dieser und anderer Prinzipien von einem Gesamteindruck zu vielen extrahierten Gestaltinformationen. Erst nach diesen Prozessen werden die einzelnen Objekte erkannt und mit interpretativem Sinn versehen. Zur Erkennung und Interpretation von Objekten extrahiert das Gehirn bei Seheindrücken also Informationen zum Standort der Objekte und zur Zusammengehörigkeit erkannter Linien. Bei der Objekterkennung folgt die Interpretation der extrahierten Objekte, indem sie mit der Seherinnerung abgeglichen werden.

Dieser Abgleich erfolgt durch Merkmalanalyse. Jedes Objekt repräsentiert einen bestimmten Satz an abstrakten Merkmalen und lässt sich anhand dieser Merkmale wiedererkennen. Das eigentliche Erkennen einer Wahrnehmung entspricht so erst der Zuordnung, bei der ein Objekt eingeordnet wird und so zum Repräsentanten einer bestimmten Kategorie wird.

Bei komplexen Objekten erfolgt zur Erkennung eine Zerlegung in einfachere Komponenten. Die Erkennung der Unterobjekte und ihrer Anordnung zueinander lässt den Menschen das Gesamtobjekt erkennen. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert die Erkennung in allen anderen Sinnessystemen.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Wahrnehmung ist ein komplexer Prozess. Unterschiedliche Wahrnehmungsstörungen an verschiedenen Sinnesstrukturen können die subjektive Wahrnehmung von den objektiv einwirkenden Reizen mehr oder weniger stark abweichen lassen.

Wenn Läsionen in Nervenstrukturen die Wahrnehmung beeinträchtigen, liegt ein körperliches Leiden zu Grunde. Ist das nicht der Fall, so liegt vermutlich eine psychische Wahrnehmungsstörung vor. Erfahrungen, Interessen und Aufmerksamkeit können Sinneseindrücke zum Beispiel beeinflussen. Die Unversehrtheit der anatomischen Wahrnehmungsstrukturen ermöglicht die objektive Reizaufnahme. Die Erfahrungen, Interessen und Aufmerksamkeit ermöglichen allerdings erst das subjektive Erkennen und die Interpretation einer Wahrnehmung.

In jedem Teilbereich der Wahrnehmung können Störungen vorliegen. So kann auch ein Mensch mit unversehrten Sinnesorganen an Wahrnehmungsstörungen leiden. Visuelle Wahrnehmungsstörungen äußern sich häufig in der Unfähigkeit zur Erkennung von gleichen Formen oder der räumlichen Lage. Andere Störungen aus dem Bereich visueller Wahrnehmung haben mit der Gesichtserkennung zu tun.

Bei auditiven Wahrnehmungsstörungen liegt oft eine Unfähigkeit zur Geräuscheinordnung oder der Einzelerkennung von Lauten vor. Viele Erkennungsstörungen sind momentane Wahrnehmungsschwächen. Manchmal sind Wahrnehmungsstörungen Auswirkungen von übergreifenden Entwicklungsstörungen und liegen an einer mangelnden Förderung. Allerdings kommt als Ursache ebenso eine gestörte Verbindung zwischen dem Wahrnehmungsinhalt und seiner Repräsentation innerhalb des Wahrnehmungsgedächtnisses infrage.

Erkennungsstörungen können außerdem an physischen Erkrankungen wie Alzheimer liegen oder durch psychische Erkrankungen ausgelöst werden.

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