Erhöhter Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Der Cholesterinspiegel trifft eine Aussage über die Menge des im Blut enthaltenen Cholesterins. Ein erhöhter Cholesterinspiegel oder Hypercholesterinämie bezeichnet somit eine krankhafte oder gestörte Menge an Cholesterin im Blut. Cholesterin ist ein Fettstoff, der für den Aufbau der jede Zelle umgebenden Zellmembranen, für etliche Hormone sowie für die Produktion von Gallensäure bedeutsam ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein erhöhter Cholesterinspiegel?

HDL-Cholesterin („gutes Cholesterin“), eine bestimmte Cholesterin-Art entfernt Fettstoffe aus den Blutgefäßen. LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“) führt den Blutgefäßen dagegen Fettstoffe zu, die dort gesundheitsschädliche Ablagerungen bilden können. Wird von einem erhöhten Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) gesprochen, so ist das schädliche LDL-Cholesterin gemeint.

Welcher LDL-Cholesterinspiegel für den einzelnen Menschen noch gesundheitsverträglich ist, hängt davon ab, ob noch weitere Risikofaktoren existieren, die eine Arteriosklerose fördern können. Solche Risikofaktoren sind z. B. Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen.

Bei einem mittleren Risikoprofil wird ein LDL-Cholesterinspiegel von bis zu 115 Milligramm pro Deziliter als unbedenklich angesehen. Bei erhöhtem Risiko sollte der Cholesterinspiegel 100 mg/dl nicht überschreiten. Menschen mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Diabetis mellitus oder einer mindestens mittelschweren, chronischen Nierenschädigung sollten einen Cholesterinspiegel von höchstens 70 mg/dl aufweisen.

Ursachen

Ein erhöhter Cholesterinspiegel beruht teilweise auf genetischer Veranlagung. Aber auch die individuelle Lebensweise hat Einfluss auf den Cholesterinspiegel: Übergewicht, zu fettreiche Ernährung und zu wenig körperliche Bewegung fördern die Entstehung eines erhöhten Cholesterinspiegels.

Über 50 % der in der westlichen Hemisphäre lebenden Menschen weisen heute einen erhöhten Cholesterinspiegel auf. Bei Patienten, die von Geburt an - ausschließlich erblich bedingt – eine Hypercholesterinämie besitzen (familiäre Hypercholesterinämie), muss der Cholesterinspiegel medikamentös und durch Einhaltung einer Diät gesenkt werden.

Die Veranlagung zu einem erhöhten Cholesterinspiegel macht sich dadurch bemerkbar, dass die Körperzellen weniger gut oder gar nicht in der Lage sind, Fettstoffe aus dem Blut aufzunehmen, da ihnen eine ausreichende Anzahl zur Fettaufnahme bereiter, sogenannter Rezeptoren fehlt. Das LDL-Cholesterin verbleibt daher mit gesundheitsschädigenden Auswirkungen im Blut.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Auswirkungen eines erhöhten Cholesterinspiegels sind nicht kurzfristig zu bemerken. Auf lange Sicht können allerdings gravierende gesundheitliche Folgen eintreten.

Eine Hypercholesterinämie vergrößert die Gefahr einer Arterienverkalkung, die dann zu einer schwerwiegenden Erkrankung der Herzkranzgefäße führen und ebenso einen Herzinfarkt auslösen kann.

Die Gefahr, dass sich Blutgefäße bei erhöhtem Cholesterinspiegel durch zunehmende Verkalkung verengen, kann aber außer dem Herz z. B. auch die Beine betreffen. Sollte ein Blutgefäß gefährlich stark verengt werden, das für die Versorgung des Gehirns zuständig ist, kommt es zu einem Schlaganfall.

Erreicht der erhöhte Cholesterinspiegel einen Wert von 250 mg/dl, ist das Risiko eines Herzinfarktes um 100 % erhöht. Bei 300 mg/dl hat sich die Gefahr bereits vervierfacht.

Eine Hypercholesterinämie kann sich auch in Form von gelblichen Cholesterin-Ablagerungen zum Beispiel an Sehnen, Augenlidern und in der Haut bemerkbar machen.

Komplikationen

Zu viel Cholesterin im Blut kann dazu führen, dass sich das Cholesterin an den Wänden der Arterien ablagert. Dadurch kann sich Arteriosklerose beschleunigen. Blutgefäße werden in steife, verkalkte Röhren verwandelt, die den Bluttransport immer schlechter unterstützen. Folglich muss das Herz stärker pumpen und der Blutdruck steigt an.

Die Blutversorgung nimmt dort ab, wo Gefäße durch Ablagerungen stark verengt sind. Folglich können Nieren, Gehirnzellen, Herzmuskeln, Muskeln in den Beinen und Zellen der Augen zu wenig Sauerstoff enthalten. Ihre Funktionen lassen nach.

Weiterführende Komplikationen können Demenz, Schmerzen in den Beinen bei Bewegung oder am Herzen bei Belastung sein. Zudem können sich Ablagerungen von den Gefäßwänden lösen. Die Klümpchen werden vom Blutstrom weggetragen und können an anderen Stellen Gefäße komplett verschließen. Geschieht dies am Herzmuskel, kann es zu einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt kommen.

Ist das Gehirn von einem Gefäßverschluss betroffen, kann es zu einem Schlaganfall mit gravierenden Folgen kommen. Betroffene können viele Körperfunktionen verlieren und auch an einem Schlaganfall sterben. Mit einem erhöhtem Cholesterinspiegel können auch eine Herzschwäche und/oder eine Herzinsuffizienz einhergehen. Zudem können die Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden, etwa in Form einer Nierenschwäche oder einer Niereninsuffizienz. Cholesterin kann sich auch in der Haut und in den Sehnen ablagern.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arztbesuch sollte stattfinden, sobald der Betroffene unter einer starken Gewichtszunahme leidet. Bei Übergewicht oder Fettleibigkeit besteht Grund zur Besorgnis und eine ärztliche Untersuchung sollte eingeleitet werden. Kommt es zu Schweißausbrüchen, verminderten Bewegungsmöglichkeiten oder Bluthochdruck, ist ein Arzt zu konsultieren. Bei Schlafstörungen, Veränderungen des Herzrhythmus, einem allgemeinen Unwohlsein oder Herzrasen ist ein Arztbesuch notwendig. Treten Knochen- und Gelenkbeschwerden auf, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei Schmerzen, Muskelproblemen sowie Atemnot wird ein Arzt benötigt. Leidet der Betroffene unter Störungen der Durchblutung, besteht Grund zur Besorgnis.

Ein Arzt ist zu kontaktieren, wenn es hormonelle Probleme, Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit vorliegen. Treten Funktionsstörungen einzelner Systeme auf oder kommt es zu Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei Störungen des Bewusstseins, Schwindel sowie Vergesslichkeit ist eine ärztliche Untersuchung notwendig. Störungen der Erektion sowie des Sehens oder Hörens sind besorgniserregend und müssen von einem Arzt behandelt werden. Ein Druckgefühl im Körperinneren, ein Krankheitsgefühl oder allgemeine Schwäche sind einem Arzt vorzustellen. Schmerzen in den Armen oder Beinen sind von einem Arzt abklären zu lassen. Irritationen auf der Haut, ein Kribbeln in den Gliedmaßen oder Taubheitsgefühle am Körper sollten ebenfalls untersucht und behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Vor Beginn einer Therapie eines erhöhten Cholesterinspiegels muss zunächst festgestellt werden, ob weitere, eine Arterienverkalkung begünstigende Risikofaktoren gegeben sind, wie z. B. Übergewicht, zu fettreiche Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel, Bluthochdruck oder Diabetes. Aus diesem Gesamtbild ergibt sich der Zielwert, auf den der Cholesterinspiegel gesenkt werden muss.

Eine erste Maßnahme ist die Umstellung der Ernährung auf cholesterinarme und ballaststoffreiche Kost. Außerdem gilt es, den erhöhten Cholesterinspiegel durch körperliche Betätigung zu senken. Andere Krankheiten, wie Diabetes, die eine Hypercholesterinämie begünstigen, werden parallel therapiert.

Sogenannte Cholesterin-Aufnahme-Hemmer bewirken bei erhöhtem Cholesterinspiegel, dass das in der Nahrung befindliche Cholesterin vom Dünndarm nicht in den Körper aufgenommen wird. Nikotinsäure unterdrückt das Freisetzen von Fettsäure aus Fettgeweben, was eine Reduzierung des erhöhten Cholesterinspiegel bewirkt. Gleichzeitig wird das HDL-Cholesterin erhöht.

Sogenannte Austauscherharze verhindern, dass von der Leber in den Darm ausgeschüttete Gallensäure wieder zurück in den Körper gelangt. Dies führt dazu, dass die Leber die nun fehlende Gallensäure mithilfe des im Blut befindlichen Cholesterins ersetzt, so dass die Hypercholesterinämie reduziert wird.

Pflanzliche Wirkstoffe wie z. B. Knoblauch werden ergänzend gegen den erhöhten Cholesterinspiegel eingesetzt. Wird eineHypercholesterinämie diagnostiziert, sind regelmäßige Untersuchungen der Blutfettwerte zu empfehlen.

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Vorbeugung

Um einen erhöhten Cholesterinspiegel zu vermeiden, sollte auf eine gesunde Lebensweise geachtet werden. Dazu zählt eine Ernährung mit fettarmer Mischkost. Fisch und Geflügel enthalten nur einen geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren.

Auch ist eine ballaststoffreiche Nahrung (z. B. Brot, Früchte und Gemüse) zu präferieren. Olivenöl und Sonnenblumenöl wirken sich positiv auf den erhöhten Cholesterinspiegel aus. Sogar in Maßen genossener Rotwein soll die Hypercholesterinämie senken und erhöht das positive HDL-Cholesterin.

Fettreiche Milchprodukte, Butter, Sahne, Eigelb, Nüsse und Süßwaren sollten dagegen gemieden werden. Bewegung in der Form eines regelmäßigen Ausdauertrainings ist zu empfehlen. Auf das Rauchen sollte verzichtet werden, da es das Herzinfarktrisiko vervielfacht.

Das können Sie selbst tun

Eine Änderung des Lebensstils trägt in vielen Fällen bereits wesentlich zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels bei. Bei der Ernährung sollte Wert auf eine fettarme und ballaststoffreiche Kost mit viel frischem Gemüse und Obst sowie Vollkornprodukten gelegt werden. Auf fettes Fleisch wird besser ganz verzichtet, Geflügel und Fisch sind eine gute Alternative zur deftigen Hausmannskost.

Zur Zubereitung empfiehlt sich die Verwendung pflanzlicher Fette, die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind, wie etwa Oliven-, Sonnenblumen- oder Walnussöl. Viele pflanzliche Öle sowie Lachs, Hering und Makrele weisen einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren auf, die helfen können, das „schlechte“ LDL-Cholesterin zu senken. Um Übergewicht abzubauen, sollte auch der Konsum von Zucker und Alkohol eingeschränkt werden: Der mäßige Genuss von Rotwein (maximal ein bis zwei Gläser pro Tag) kann jedoch den Anteil des HDL-Cholesterins im Blut steigern und die schädliche Wirkung des LDL-Cholesterins hemmen.

Regelmäßige Bewegung, am besten an der frischen Luft, kann ebenfalls zur Senkung der Blutfettwerte beitragen: Die Ausübung einer Ausdauersportart wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren wirkt sich zudem positiv auf Kondition und Körpergewicht aus. Rauchen erhöht in Verbindung mit einer Hypercholesterinämie das Risiko eines Herzinfarktes und anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf Nikotinkonsum sollte daher vollständig verzichtet werden.

Bücher über Cholesterin

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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