Epiphyseolysis capitis femoris

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Als Epiphyseolysis capitis femoris wird eine orthopädische Erkrankung an der Hüfte bezeichnet. Sie ist auch als Jugendliche Hüftkopflösung bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Epiphyseolysis capitis femoris?

Bei einer Epiphyseolysis capitis femoris (ECF) kommt es zum Ablösen und Abgleiten des Schenkelhalskopfes innerhalb der Schenkelhalswachstumsfuge. Da sich die Erkrankung stets in der Kindheit zeigt, trägt sie auch die Bezeichnung Jugendliche Hüftkopflösung oder juvenile Epiphysenlösung.

Besonders betroffen von der Epiphyseolysis capitis femoris sind Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren. Dabei zeigt sich die ECF bei Jungen drei Mal so häufig wie bei Mädchen. Bei vielen der erkrankten Kinder besteht Übergewicht. Ein akuter Verlauf der Hüftgelenkserkrankung zeigt sich nur selten, sodass sie zumeist einen chronischen Verlauf nimmt. In der Hälfte aller Fälle kommt es auf beiden Körperseiten zu einer Ablösung des Schenkelhalskopfes.

Mediziner unterscheiden bei der Epiphyseolysis capitis femoris zwischen drei Formen: die drohende, die plötzliche und die schleichende ECF. Bei der drohenden Form beginnt die Epiphysenlösung erst. Im Rahmen einer Röntgenuntersuchung ist lediglich eine aufgelockerte Epiphysenfuge erkennbar. Die plötzlich auftretende akute Form kommt nur selten vor. Dabei löst sich die Wachstumsfuge komplett ab. Die meisten betroffenen Kinder leiden unter der schleichenden ECF, bei der der Hüftkopf allmählich vom Oberschenkelknochen abgleitet.

Ursachen

Die genaue Ursache der Epiphyseolysis capitis femoris ließ sich bislang nicht finden. Eher selten wird die Epiphysenlösung durch einen Unfall ausgelöst. Bei den meisten Kindern besteht allerdings entweder Übergewicht oder ein hohes Wachstum. Aus diesem Grund vermuten etliche Mediziner hormonelle Störungen als Urheber der ECF. Dabei haben Wachstumshormone einen höheren Anteil als die Sexualhormone.

Durch die Epiphyseolysis capitis femoris kommt es zum vollständigen Ablösen der Epiphysenfuge. Da diese eine Verbindung zwischen Schenkelhals und Hüftkopf herstellt, führt dies zu einer Beeinträchtigung der Hüftkopfblutversorgung. Dadurch erhöht sich das Risiko eines Absterbens des Hüftkopfes. Während es zum Abgleiten des Schenkelhalses kommt, verbleibt der Hüftkopf selbst in der Hüftpfanne.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zu den typischen Symptomen einer Epiphyseolysis capitis femoris gehören Schmerzen am Knie. Diese zeigen sich in der Kniegelenksregion oder an der Oberschenkelvorderseite. Die Schmerzen, die eher gering ausfallen, können auch an der Leiste auftreten. Mitunter bestehen zudem eine geringfügige Beinverkürzung und ein Hinken der Hüfte. Wird das Hüftgelenk gebeugt, schränkt sich die Innenrotation (Einwärtsdrehung) ein.

Liegt eine Epiphysenlösung auf beiden Körperseiten vor, zeigt sich das sogenannte Scherenphänomen. Das bedeutet, dass sich die Unterschenkel beim Beugen der Knie überkreuzen. Tritt die akute ECF auf, leiden die betroffenen Kinder unter erheblichen Schmerzen und abrupt einsetzenden Bewegungseinschränkungen. In den meisten Fällen ist ein Unfall dafür verantwortlich.

Kommt es durch das Abrutschen des Hüftkopfes zum Durchtrennen der Blutgefäße, besteht die Gefahr einer Hüftkopfnekrose, bei der das Hüftgewebe abstirbt. Außerdem kann das Knorpelgewebe untergehen, was wiederum zu einem erheblichen Mobilitätsverlust führt. In beiden Fällen erfolgt ein frühzeitiger Verschleiß der Gelenke, der bei Kindern stark negative Auswirkungen hat.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Epiphyseolysis capitis femoris zu diagnostizieren, fällt nicht immer leicht. Grund dafür ist der Umstand, dass sich die Schmerzen im Kniebereich oft nicht von anderen Beschwerden dieser Art unterscheiden lassen. So bleibt die ECF nicht selten einige Zeit unentdeckt. Erst im späteren Verlauf können Hinweise auf die Epiphysenlösung gefunden werden.

Zu den Diagnosemaßnahmen zählt die Röntgenuntersuchung. Auf diese Weise ist eine genauere Beurteilung des Abrutschstatus möglich. Für die Untersuchung muss der Patient die Hüfte um 70 Grad beugen und um 50 Grad abspreizen. Um festzustellen, ob sich die Epiphyse auf beiden Körperseiten ablöst, sollte auch das zweite Hüftgelenk untersucht werden.

Zur Absicherung der Diagnose erfolgt mitunter eine Kernspintomographie (MRT). Wird die ECF rechtzeitig behandelt, nimmt sie in der Regel einen positiven Verlauf. So kann die Erkrankung ohne Fehlstellungen ausheilen. Kommt es jedoch zu einer Fehlstellung, droht ein frühzeitig einsetzender Hüftgelenksverschleiß.

Komplikationen

Durch die Epiphyseolysis capitis femoris kommt es in den meisten Fällen zu starken Schmerzen an den Knien. Diese können in Form von Ruheschmerzen oder Belastungsschmerzen auftreten. In der Regel wird dadurch die Bewegung des Patienten im Alltag eingeschränkt, welche auch durch die Beinverkürzung verstärkt wird.

Dabei können Schmerzen ebenfalls an der Leiste auftreten und die Lebensqualität verringern. Im schlimmsten Falle können Blutgefäße durchtrennt werden, was zu einer starken Bewegungseinschränkung führt. Vor allem Kinder sind von der Epiphyseolysis capitis femoris stark betroffen, da es zu Folgeschäden im Erwachsenenalter kommen kann.

In den meisten Fällen wird eine kausale Behandlung der Epiphyseolysis capitis femoris durchgeführt. Dabei können akute Schmerzen und Symptome durch eine Therapie eingeschränkt werden. Der Betroffene muss allerdings seine Gelenke und den Körper schonen und darf keine außergewöhnlichen Belastungen durchführen.

Sollte es zum Abrutschen des Knochens kommen, ist in der Regel ein operativer Eingriff notwendig. Dabei können auch verschiedene Fixierelemente im Knie angebracht werden, um eine Belastung zu ermöglichen. Danach kommt es in den meisten Fällen zu keinen weiteren Komplikationen. Allerdings ist das Risiko erhöht, dass die Epiphyseolysis capitis femoris auch auf dem zweiten Knie auftritt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Werden Störungen des Wachstums bemerkt, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten in der Hüftregion, ist es ratsam, diese von einem Arzt abklären zu lassen. Werden nach einem Unfall Veränderungen der Fortbewegungen bemerkt, sind diese schnellstmöglich untersuchen und behandeln zu lassen. Bei Bewegungseinschränkungen, Knochenveränderungen oder Schmerzen ist eine ärztliche Versorgung notwendig. Die Treten Gangunsicherheiten, Koordinationsprobleme oder ein Humpeln auf, besteht Anlass zur Besorgnis.

Das allgemeine Unfallrisiko steigt und das Wohlbefinden ist deutlich beeinträchtigt. Eine Schiefhaltung des Körpers ist von einem Arzt untersuchen zu lassen, da dauerhafte Beeinträchtigungen auftreten können. Kommt es zu Muskelbeschwerden, Versteifungen oder Verspannungen wird ein Arzt benötigt. Kopfschmerzen, emotionaler Stress oder psychische Probleme sind ebenfalls mit einem Arzt zu besprechen.

Kommt es über eine längere Zeit zu Schlafproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten, Defiziten der Aufmerksamkeit oder einer auffallenden Änderung der Stimmung, sollten diese Anzeichen einem Arzt berichtet werden. Vor einer Medikamenteneinnahme ist die Rücksprache mit einem Mediziner ratsam, um mögliche Nebenwirkungen und Risiken zu klären. Treten während des Bewegungsablaufes stechende Schmerzen auf, gilt dies als äußerst ungewöhnlich. Können gewohnte körperliche Aktivitäten nicht mehr ausgeführt werden, ist ein Arztbesuch notwendig. Bilden sich Blutergüsse oder Verfärbungen der Haut wiederholt in der Hüftregion, sind diese einem Arzt vorzustellen.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung einer Epiphyseolysis capitis femoris sollte durch einen erfahrenen Kinderorthopäden erfolgen. Die Therapie richtet sich nach der jeweils vorliegenden Form der Erkrankung. Handelt es sich um eine akute ECF-Form, dürfen keine weiteren Belastungen der Hüfte mehr erfolgen. Ist die Verschiebung nur gering ausgeprägt, reicht mitunter schon eine konservative Behandlung aus. Diese erfolgt durch Dauerzug des betroffenen Beins.

Besteht jedoch eine umfangreiche Verschiebung, muss in der Regel eine Operation durchgeführt werden. Nicht selten liegt durch das Abrutschen auch ein Bluterguss (Hämatom) vor, der im Rahmen des Eingriffs ebenfalls behandelt wird. Nach der Reposition fixiert der Chirurg den Hüftkopf wieder. Die operative Versorgung erfolgt in den meisten Fällen mit Schrauben oder Drahtstiften. Liegt ein größerer Gleitwinkel vor, findet oftmals eine Schenkelhalskorrekturosteotomie statt.

Im Rahmen der Operation ist es zudem möglich, auch die zweite Hüftkopfseite prophylaktisch mit Schrauben zu fixieren, um ihrem Abrutschen entgegenzuwirken. Dies gilt als wichtig, weil das Risiko, dass auch auf der anderen Seite eine Epiphyseolysis capitis femoris auftritt, zwischen 16 und 60 Prozent liegt. Als besonders groß gilt die Gefahr bei Mädchen. Allerdings ist ein vorbeugender Eingriff unter Medizinern nicht unumstritten. Wichtig ist, mit der Therapie so früh wie möglich zu beginnen.

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Aussicht & Prognose

Bei der Epiphyseolysis capitis femoris ist der entscheidende Faktor für die Prognose und den Verlauf der Erkrankung die Zeit, die bis zu einer Diagnose und anschließenden Behandlung vergeht. Je weniger Zeit verstreicht, desto besser stehen auch die Heilungschancen für die betroffenen Kinder.

Besonders bei der akuten Form mit einem plötzlichen Abrutschen des Hüftkopfes muss eine Therapie schnell erfolgen und kann so schwerwiegende Spätfolgen verhindern. Weitere Faktoren, die über den Verlauf bei einer Hüftkopflösung entscheiden, sind unter anderem, wie plötzlich der Hüftkopf abrutscht (akute oder chronische Form), in welchem Winkel der Kopf zum Schaft abrutscht und welches Therapieverfahren angewandt wurde.

Das Absterben des Hüftkopfes, die sogenannte Hüftkopfnekrose ensteht durch eine mangelnde Versorgung des Kopfes. Sie stellt die wohl schwerwiegendste Komplikation der Epiphyseolysis capitis femoris dar. Durch eine rechtzeitige Operation kann dies aber in vielen Fällen verhindert werden. Zu den weiteren Folgeschäden der Epiphyseolysis capitis femoris zählen eine schon im jüngeren Alter auftretende Arthrose, Fehlstellungen im Hüftgelenk und damit verbundene Beschwerden, wie Bewegungseinschränkung und Schmerzen in der betroffenen Hüfte. Wird die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert und kann das Hüftgelenk ohne eine im Anschluss weiterhin bestehende Fehlstellung operiert werden, ist die Prognose der Hüftkopflösung heutzutage aber gut.

Vorbeugung

Spezielle Vorbeugemaßnahmen gegen eine Epiphyseolysis capitis femoris gibt es nur wenige. So wird empfohlen, Übergewicht und körperliche Überbelastungen zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Im Alltag sollte auf die Einhaltung des Normalgewichts geachtet werden. Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung kann das Gewicht des Patienten reduziert werden. Der BMI kann selbstständig errechnet werden und gibt Auskunft über den Bereich es Idealgewichts in jedem Lebensalter. Zur Unterstützung empfiehlt es sich, neben der Ernährungskontrolle eine ausreichende Bewegung zu fördern. Sportliche Aktivitäten unterstützen das Wohlbefinden und helfen bei einer Gewichtsreduktion.

Bei allen körperlichen Tätigkeiten ist auf eine starke Belastung der Knochen zu verzichten. Insbesondere der Hüftbereich sollte vor einer Überbeanspruchung geschützt werden. Zusätzlich sind einseitige Körperhaltungen und Fehlbelastungen zu vermeiden. Schulungen für eine gesunde Sitzposition oder Trainings für eine gute Körperhaltung in allen Lebenslagen helfen dabei. Ausgleichende Bewegungen und die Ausübung von Sportarten die als besonders schonend gelten sind hilfreich.

Treten Schmerzen der Hüfte oder des Knies ein, ist eine ausreichende Ruhe und Schonung einzuleiten. Die Gelenke sind vor Belastungen zu schützen und sollten unmittelbar mit dem Eintreten von Beschwerden gekühlt werden. Vor sportlichen Aktivitäten können Knieschoner oder Bandagen angelegt werden. Damit erhält das Knie bei allen Bewegungen eine zusätzliche Stabilität. Zur Linderung der Schmerzen können Naturheilprodukte direkt auf die Haut aufgetragen werden. Die Verwendung von Produkten, die Arnika oder Aloe vera enthalten empfehlen sich.

Bücher über schmerzfreie Hüften

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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