Epiglottitis (Kehldeckelentzündung)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Dezember 2017
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Die Epiglottitis - auch Kehldeckelentzündung - ist eine durch Bakterien verursachte Erkrankung. Diese Krankheit tritt im 21. Jahrhundert zwar selten auf, jedoch besteht bei Verdacht ein sofortiger Handlungsbedarf, da sie lebensbedrohlich ist und unbehandelt zum Tod führt. Am häufigsten tritt die Kehldeckelentzündung bei Kindern unter 6 Jahren auf, jedoch können sich auch Erwachsene mit der Epiglottitis infizieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Epiglottitis?

Die Epiglottitis ist eine bakterielle Infektion, bei der es zu einer lebensbedrohlichen Entzündung des Kehldeckels kommen kann. Der Kehldeckel (Epiglottis) ist Bestandteil des Kehlkopfes und dient als Trennung zwischen Luft- und Speiseröhre. Beim Schlucken legt sich der Kehldeckel über den Eingang des Kehlkopfes und verschließt die Luftröhre, so dass Nahrung und Flüssigkeit in die Speiseröhre gelangen können.

Bei der Epiglottitis schwellen die Schleimhäute des Kehldeckels als auch das Gewebe der weiteren Umgebung wie z.B. Kehlkopfmuskulatur oder unterer Rachenraum an. Durch diese massiven Schwellungen kann die Luftröhre teilweise oder ganz verschlossen werden, was zu einer akuten Atemnot oder zum Ersticken führen kann. Die Epiglottitis ist nicht zu verwechseln mit dem Pseudokrupp, welcher ähnliche Symptome aufweist. In der Regel erkranken Kinder im Vorschulalter an der Epiglottitis, seltener Erwachsene. Die Epiglottitis kommt ausschließlich beim Menschen vor.

Ursachen

Die Ursache für eine Epiglottitis ist eine Infektion mit Bakterien. Jedoch unterscheidet sich die Ursache bzw. das Bakterium für die Epiglottitis bei Kindern und bei Erwachsenen.

Bei Kindern ist die Ursache i.d.R. eine Infektion mit dem Bakterium „Haemophilus influenzae Typ B“. Die Übertragung des Erregers erfolgt durch die sog. Kontakt- oder Tröpfcheninfektion. Bei Erwachsenen wird eine Epiglottitis oftmals durch Pneumokokken ausgelöst. Die Erreger sind „Streptococcus pneumoniae“ und „Staphylococcus aureus“.

Die Epiglottitis tritt oftmals ohne eine andere vorhergehende Erkrankung auf. In Ausnahmefällen kann zuvor eine unbehandelte Infektion des Nasen-Rachen-Raumes vorgelegen haben, welche sich ausgebreitet hat. Aufgrund gründlicher Impfmaßnahmen ist die Epiglottitis jedoch nur noch selten zu finden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die akute Epiglottitis stellt ein fulminant verlaufendes Krankheitsbild dar, bei welchem es innerhalb weniger Stunden zur Ausprägung der schweren Symptomatik kommt. Aus vollständiger Gesundheit heraus treten typischerweise hohes Fieber und eine rapide Verschlechterung des Allgemeinzustandes auf. Die Schwellung des Kehldeckels führt zu Halsschmerzen und schmerzhaften Schluckstörungen mit vermehrtem Speichelfluss.

Die Kinder können oder wollen nicht mehr sprechen und verweigern feste und flüssige Nahrung. Der Speichel läuft typischerweise aus dem Mund heraus. Ein weiteres Hauptsymptom der Epiglottitis ist der inspiratorische Stridor, ein pfeifendes Atemgeräusch, welches bei der Einatmung auftrifft. Anschließend folgt ein schnarchendes Ausatmen, die sogenannte karchelnde Atmung.

Durch die zunehmende Schwellung der Epiglottis kommt es zur Verlegung der oberen Atemwege mit stärker werdender Atemnot. Um die Atmung zu erleichtern, nehmen die Patienten eine typische Körperhaltung ein. Sitzend, mit nach vorne gebeugtem Oberkörper nehmen sie den Kopf in den Nacken und atmen bei geöffnetem Mund um die Atemwege zu erweitern.

Auffällig ist auch die veränderte Sprache. Sie imponiert als „kloßige“, häufig schmerzhafte Sprechweise. Im Bereich von Hals und Kopf lassen sich oftmals geschwollene Lymphknoten ertasten. Husten ist dagegen ein untypisches Symptom der akuten Epiglottitis und tritt eher selten auf.

Diagnose & Verlauf

Vorsicht: bei Epiglottis besteht Erstickungsgefahr!

Die Epiglottitis wird durch den Arzt diagnostiziert. Man erkennt sie an den Symptomen wie Atemnot, hohes Fieber, starker Speichelfluss, starke Halsschmerzen sowie Schmerzen beim Schlucken. Weitere Anzeichen sind u.a. Verweigerung der Nahrungsaufnahme, Probleme beim Sprechen als auch die Weigerung auf dem Rücken zu liegen.

Beim Abtasten des Halses findet man stark geschwollene Lymphknoten. Liegen diese Symptome weniger ausgeprägt vor, so kann die Infektion mittels eines Blutbildes festgestellt werden. Mithilfe der Blutprobe lässt sich auch die Art des Erregers feststellen, was eine exaktere Behandlung der Epiglottitis ermöglicht.

Die Symptome bei einer Epiglottitis entwickeln und verschlimmern sich innerhalb weniger Stunden, so dass nur aufgrund der Symptomatik der Erkrankte sofort ins Krankenhaus überwiesen wird. Da bei der Epiglottitis die Schleimhäute um den Kehldeckel sehr stark anschwellen, kommt es im weiteren Verlauf zu einer schweren Atemnot, die bis zum Erstickungstod führen kann. Wird die Erkrankung rechtzeitig behandelt, heilt die Epiglottitis meist ohne Folgen aus.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer anhaltenden Atemnot oder Störungen der Atmung sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es während des Nachtschlafes zu Unterbrechungen aufgrund der Atembeschwerden, ist unverzüglich ein Arztbesuch notwendig. Leidet der Betroffene unter Halsschmerzen, einem Engegefühl im Hals oder starken Schluckbeschwerden, sind diese Symptome ärztlich untersuchen und behandeln zu lassen. Ein Arztbesuch sollte stattfinden, wenn die Stimmgebung unterbrochen ist oder die Stimme dauerhaft heiser klingt. Ist die Zufuhr der Nahrung über mehrere Tage nicht möglich oder wird sie vehement verweigert, droht eine Unterversorgung des Organismus.

Ein Arztbesuch ist nötig, um eine medizinische Behandlung einleiten zu können. Kommt es zu einer Verweigerung der Aufnahme von Flüssigkeiten, erhöht sich das Risiko einer Dehydration. Damit kann ein lebensbedrohlicher Zustand eintreten, der schnellstmöglich behandelt werden muss. Sobald der Betroffene bemerkt, dass seine Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich anschwellen, sollte er einen Arzt konsultieren. Bei einem allgemeinen Krankheitsgefühl, auffallendem Unwohlsein oder einer körperlichen Schwäche empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Treten Beschwerden wie Schwindel, Gangunsicherheiten oder Störungen des Bewusstseins auf, ist ein Arztbesuch dringend geboten. Probleme des Herzrhythmus, Herzrasen oder ein erhöhter Blutdruck geben Anlass zur Sorge. Um keine lebensbedrohlichen Zustände oder dauerhafte Schäden auszulösen, sollte schnellstmöglich ein Arztbesuch erfolgen.

Behandlung & Therapie

Besteht der Verdacht auf eine Epiglottitis, muss der Erkrankte umgehend ins Krankenhaus eingeliefert werden, so dass rechtzeitig eine adäquate Therapie erfolgen kann. Schon beim Transport ins Krankenhaus gilt es bestimmte Dinge zu berücksichtigen. Der Transportweg sollte so kurz wie möglich sein und unter ärztlicher oder notärztlicher Begleitung erfolgen.

Aufgrund der Schwellungen ist die Atmung beeinträchtigt, so dass auf eine aufrecht sitzende Position zu achten ist. Erkrankte geraten aufgrund der verminderten Atmung leicht in Panik, so dass man stets beruhigend auf die Patienten einwirken sollte. Beruhigungsmittel sind bei einer Epiglottitis kontraindiziert, da sich diese negativ auf die Atmung auswirken.

Oberste Priorität bei einer Epiglottitis ist es die Atemwege freizuhalten. Es erfolgt i.d.R. eine Intubation, die so frühzeitig wie möglich erfolgen soll. Hierbei wird ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt, welcher zur weiteren Beatmung dient. Als weitere Maßnahme können auch sog. Adrenalin-Sprays verabreicht werden, um die Schwellung zu vermindern. Bei äußerst schwerwiegenden Fällen, bei denen die Atemwege so stark zugeschwollen sind, dass eine Intubation nicht mehr möglich ist, wird eine Tracheotomie, ein sog. Luftröhrenschnitt durchgeführt.

Nach Sicherung der Atemwege wird die Epiglottitis mithilfe von Antibiotika behandelt. Bei Kindern wird das Bakterium mit dem Wirkstoff Cefotaxim, bei Erwachsenen mit Cefuroxim behandelt. Des Weiteren werden auch sog. Kortikosteroide verwendet, welche abschwellend und entzündungshemmend wirken. Rechtzeitig behandelt, heilt die Epiglottitis folgenlos aus.

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Vorbeugung

Die Epiglottitis wird durch Bakterien verursacht. Mithilfe einer Schutzimpfung kann der Erkrankung vorgebeugt werden. Empfohlen wird die Impfung namens Haemophilus influeanzae Typ B - allg. bekannt als Hib - durch die STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch-Institus) für den Säugling. Als sog. Kombinationsimpfung wird zusammen mit anderen Kinderkrankheiten der Wirkstoff gegen Epiglottitis injiziert.

Das können Sie selbst tun

Kinder, die unter einer Kehldeckelentzündung leiden, erwachen häufig in der Nacht und zeigen ein panisches Verhalten, da sie zu wenig Luft bekommen. Damit die Atemnot durch die Angst nicht weiter ansteigt, ist es wichtig, beruhigend auf das Kind einzuwirken. Ruhige Gespräche mit dem Kind und körperliche Nähe unterstützen, damit das Kind wieder langsam atmen kann. In den Schlafräumen sollte über Nacht ein Fenster geöffnet sein, damit stets genügend Sauerstoff im Raum vorhanden ist. Bei einer nächtlichen Attacke der Atemnot ist das Fenster weit zu öffnen. Die frische Luft ist hilfreich, da die Kühle zu einer Verminderung der Schwellung der Schleimhäute beiträgt.

Zusätzlich kann es als angenehm empfunden werden, wenn in der Badewanne oder in der Dusche heißes Wasser angestellt wird. Durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit stellt sich ein beruhigendes Gefühl ein. Statistisch bewiesen ist der Erfolg dieser Methode jedoch nicht.

Bei einer Epiglottitis sind lautes Sprechen und Schreien zu vermeiden. Die Aufnahme von scharfen Lebensmitteln, wie Chilli oder Pfeffer ist nicht zu empfehlen. Diese reizen die Atemwege zusätzlich und führen zu einer Zunahme der Beschwerden. Auf den Konsum von Schadstoffen wie Nikotin und Alkohol ist ebenfalls zu verzichten. Sie greifen ebenfalls die Atemwege an und beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit des Kehlkopfes.

Bücher über Atemnot & Erste Hilfe

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Muntau, A.C.: Intensivkurs Pädiatrie. Urban & Fischer, München 2011
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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