Entzündete Mundwinkel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Dezember 2017
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Wenn entzündete Mundwinkel eingerissen sind, entstehen schmerzhafte Beschwerden. Vor allem spannen sie beim Essen, beim Zähneputzen, beim Essen oder beim Kontakt mit Speichel. Die Mundwinkel sind gerötet, eingerissen oder schuppig. Dazu entsteht ohne ein Spannungsgefühl, beispielsweise beim Sprechen, Gähnen oder Lachen. Diese typischen Symptome können einseitig oder auch beidseitig auftreten.

In der trockenen Heizungsluft oder bei Kälte reißen die Lippen manchmal leicht ein. Dann können sich daraus Mundwinkelrhagaden bilden. Mit etwas Pflegecreme sollte dieses Problem jedoch bald behoben sein. Heilen die entzündeten Mundwinkel jedoch nach einigen Tagen immer noch nicht ab, ist es ratsam, den Arzt aufzusuchen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind entzündete Mundwinkel?

Sind die Mundwinkel schmerzhaft entzündet, kennt der Mediziner für diese Symptomatik die Fachbegriffen Angulus infectiosus (oris), Cheilitis angularis, Faulecken, Mundwinkelrhagaden und Perlèche.

Die Mundwinkelrhagaden sind über alle Altergruppen hinweg weit verbreitet und können aus den verschiedensten Gründen auftreten. Eine unmittelbare gesundheitliche Bedrohung geht von Fissuren und Entzündungen im Mundwinkelbereich in der Regel nicht aus.

Doch da sie Ausdruck ernstzunehmender Erkrankungen oder von Mangelernährung sein können, sollte besonders bei länger andauernden Entzündungen der Arzt aufgesucht werden.

Ursachen

Mundwinkelrhagaden können verschiedene Ursachen haben oder durch diese begünstigt werden. Dazu gehören ganz allgemeine Gründe wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder eine mechanische Beanspruchung. Sehr kalte und auch sehr warme Luft können die Lippen trocke und spröde werden lassen. In einem geschlossenen, beheizten Raum werden Lippen ebenfalls gern trocken. Eine hohe Luftfeuchtigkeit und auch das viel praktizierte Lecken der Mundwinkel gehören genauso dazu wie das nervöse Kauen auf der Lippe oder allgemein eine sehr trockene Haut.

Fehlende Nährstoffe oder zuviel Chili im Essen sorgen mitunter für wunde Lippen. Dazu gehört ein Mangel an Vitamin B2, B3, B6, B12, Eisen oder Zink. Kontaktallergene, die sich in manchen Kosmetikprodukten oder im Lippenstift finden, Nickel, das Material der eigenen Zahnprothese oder eine zu reichliche Verwendung von Zahnpasta können über eine Reizung die empfindliche Haut der Lippen verletzen und entzünden. Ein Ungleichgewicht in der Hormonsituation, z. B. in der Schwangerschaft oder während der Wechseljahre, sorgt manchmal für eine hohe Empfindlichkeit der Haut und damit auch der Lippen. Eine Entzündung ist dann der nächste Schritt.

Eine schlecht sitzende Zahnprothese kann die Lippen reizen. Das Symptom der entzündeten Mundwinkel entsteht manchmal nach einer Behandlung mit Antibiotika. Krankheiten, die selbst für eine Entzündung der Haut sorgen können, sind vor allem Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Diabetes mellitus sowie durch den manchmal unkontrollierbaren Speichelfluss das Down-Syndrom und Morbus Parkinson.

Letzten Endes können alle Reizungen, Verletzungen und aufgesprungene Lippen in einer Entzündung münden, die durch Infektionen verursacht wird. Verantwortlich dafür sind vor allem körpereigene Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken, Viren - und hier besonders das Herpes simplex Virus - und Pilze, beispielsweise Soor oder Candida albicans.

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Krankheiten mit diesem Symptom

Diagnose & Verlauf

In der trockenen Heizungsluft oder bei Kälte reißen die Lippen manchmal leicht ein. Dann können sich daraus Mundwinkelrhagaden bilden. Mit etwas Pflegecreme sollte dieses Problem jedoch bald behoben sein.

Treten entzündete Mundwinkel immer wieder oder für eine längere Zeit auf, ist der Hausarzt oder der Hautarzt der richtige medizinische Ansprechpartner. Für die Anamnese der Symptome wird er nach weiteren Beschwerden, Behandlungen und Vorerkrankungen fragen.

Die Diagnose erfolgt zuerst einmal durch eine Inspektion (visuelle Begutachtung) der betroffenen Hautpartien und zusätzlichen Untersuchungen, um die Ursache für die entzündeten Mundwinkel zu finden. Beispielsweise deuten Bläschen an der Lippe auf eine akute Herpes-Infektion. Oder bei der Entzündung der Mundschleimhaut könnte es sich um einen Pilzbefall handeln.

Ein Abstrich von der Lippe dient der späteren mikroskopischen oder Laboruntersuchen nach möglichen Krankheitserregern wie Bakterien, Viren oder Pilze. Die Blutuntersuchung gibt Auskunft über den Allgemeinzustand des Patienten. Möglicherweise erweist sich der Patient aber auch als zuckerkrank.

Eine Anämie oder weitere Mangelerscheinungen sind damit auch nachweisbar. Auch den Allergietest wird der Arzt eventuell bei Verdacht auf eine Überempfindlichkeitsreaktion in Betracht ziehen. Eine zahnärztliche Untersuchung wäre anschließend angeraten, wenn es ansonsten keine Hinweise auf die Ursache gibt.

Komplikationen

Ist die Rede von einer Mundwinkelrhagade, dann handelt es sich um entzündete und eingerissene Mundwinkel. Es besteht die Gefahr, dass eine auf Bakterien oder Pilzen basierende Ausbreitung auf andere Bereiche des Gesichts oder auch der Mundhöhle stattfindet.

Werden Bakterien und Pilze mit den Mitteln der klassischen Schulmedizin oder auch den Möglichkeiten der Homöopathie effizient behandelt, kann deren Ausbreitung verhindert werden. Sind die Bakterien und Pilze erfolgreich behandelt, können sich Infektionen und Mykosen nicht im Gesicht ausbreiten. Eine Schorfbildung ist in den meisten Fällen nicht zu vermeiden. Eine Steigerung dieser Symptomatik ist die Geschwulstbildung, die zu Einschränkungen der Mundöffnung führen kann.

Auch blutige und schmerzhafte Geschwüre an den Mundwinkeln werden häufig als Komplikation beobachtet und müssen umgehend behandelt werden. Die Gefahr einer antibiotischen oder antimykotischen Ausbreitung ist immer zu beachten.

Von einem schweren Verlauf mit gravierenderen Komplikationen ist die Rede, wenn es durch Bakterien, Viren oder Pilze zu einer Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut) kommt. Diese kann allerdings auch durch allergische oder toxische Reaktionen bzw. durch physikalische Irritationen hervorgerufen werden. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer massiven Einschränkung der Kau- und Schluckfunktion. Infolge dessen kann es dann sogar zu Mangelernährung und Dehydrierung kommen. Ulzerationen, sekundäre Infektionen sowie ein ZNS- oder Augenbefall müssen zusammenfassend als Komplikationen genannt werden. Befinden sich die Betroffenen in einer Antibiotika- oder Zytostatikatherapie, kann es genau wie bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem zu einer Candidose (Infektionskrankheiten durch Pilze der Gattung Candida ) kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei entzündeten Mundwinkeln ist der Arztbesuch zunächst nicht unbedingt notwendig: Sofern nicht gleichzeitig noch andere Krankheitssymptome auftreten, kann bei Mundwinkelrhagaden in ein paar Tagen nichts versäumt oder verschleppt werden. Oft reicht die Behandlung mit Hausmitteln (Creme), um die Entzündung zum Verschwinden zu bringen. Grundsätzlich sollte das Auftreten von entzündeten Mundwinkeln allerdings zum Anlass genommen werden, einmal über Ernährung nachzudenken – Fissuren der Mundwinkel stehen häufig im Zusammenhang mit einer mangelhaften Versorgung mit B-Vitaminen und/oder Eisen.

Hält die Symptomatik länger als eine Woche an, ist sehr schmerzhaft oder tritt in Abständen von wenigen Wochen immer wieder auf, ist ein Arztbesuch angeraten: Nur durch eine gründliche Diagnostik können ein eventuell zugrunde liegender Vitamin- oder Mineralstoffmangel, eine Allergie, eine Infektion mit Bakterien oder Hefepilzen oder eine systemische Erkrankung sicher festgestellt und eine geeignete Behandlung eingeleitet werden.

Zuständig sind der Hausarzt oder ein Hautarzt. Bei Verdacht darauf, dass schlecht sitzender und/oder mangelhaft gepflegter loser Zahnersatz die Mundwinkelrhagaden verursacht, werden Hausarzt oder Hautarzt einen Besuch beim Zahnarzt empfehlen. Dieser wird eine Beratung zur Zahnersatz-Hygiene durchführen und die Prothese gegebenenfalls neu anpassen.

Behandlung & Therapie

Der Arzt wird in erster Linie eine Salbe verordnen, die die Lippen fettet und langfristig geschmeidig hält. Oder er verschreibt eine Paste , die antibiotisch, antiviral oder antimykotisch wirkt. Wurde jedoch eine Kontaktallergie festgestellt, hilft fast nur der möglichst umfassende Verzicht auf diesen Stoff.

Um jedoch langfristig therapeutischen Erfolg zu erzielen, sollte die zugrunde liegende Mangelerscheinung oder Erkrankung behandelt werden. Beispielsweise helfen bei einem speziellen Vitamin- oder Eisenmangel nur hochdosierte Präparate, möglicherweise auch injiziert, sowie eine Ernährungsumstellung.

Diabetes mellitus, Leberzirrhose oder andere Stoffwechselerkrankungen bzw. Organleiden müssen therapiert werden, und das gründlich und auf lange Sicht. Dann erst werden Symptome wie die entzündeten Mundwinkel schneller heilen oder gar nicht erst entstehen.

Besonders im Winter ist eine geeignete Lippenpflege zu verwenden. Nur dann bleibt die Haut in den Mundwinkeln elastisch und reißt auch bei Beanspruchung nicht so schnell ein.

Aussicht & Prognose

Eingerissene oder entzündete Mundwinkel heilen üblicherweise innerhalb weniger Tage wieder ab, insofern das Grundleiden vollständig auskuriert und die Mundwinkel geschont werden. Eine geschwächte Immunabwehr oder etwa Diabetes kann zu einer Verzögerung des Heilungsprozesses führen. Oft entwickeln sich die entzündlichen Verletzungen außerdem zu einem chronischen Problem mit einer eher negativen Prognose.

Liegt den eingerissenen Mundwinkeln eine Allergie oder gar eine Viren- oder Pilzinfektion zugrunde, zieht sich die Behandlung ebenfalls länger hin. Entzündungen in Folge einer Herpes-Erkrankung können nach einer Infektion immer wieder auftreten, lassen sich durch eine umfassende Behandlung jedoch ebenfalls reduzieren.

Generell ist die Aussicht bei Mundwinkelrhagaden gut: werden die Beschwerden früh behandelt und die Auslöser behoben, heilen die Risse ohne Langzeitfolgen ab. Allenfalls zur Bildung von Narben kann es bei chronischen Beschwerden kommen.

Für eine aussagekräftige Prognose müssen Konstitution und mögliche Vorerkrankungen des Betroffenen miteinbezogen werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern, älteren Menschen und Patienten mit einer Immunschwäche kann die Genesung einige Tage bis Woche dauern.

Die abschließende Prognose sollte auch bei einem augenscheinlich harmlosen Symptom wie eingerissenen Mundwinkeln von einem Arzt gestellt werden.

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Vorbeugung

Damit entzündete Mundwinkel gar nicht erst entstehen, sollten die Lippen vor allem trocken bleiben. Es gibt Pasten, die verhindern, dass sich zuviel Feuchtigkeit in den Mundwinkeln sammelt. Kontaktallergien und mechanische Reizungen können mit etwas Disziplin vermieden werden. Mit Zahnpasta oder anderen hautirritierenden Kosmetika sollte sparsam umgegangen werden.

Mittelfristig kann ein Nährstoffmangel mit einer speziell darauf ausgerichteten Ernährung beseitigt werden. Stark salzhaltige, saure oder scharfe Lebensmittel sind nur mit Vorsicht zu genießen. Supplemente wie Zinkpräparate, Eisen und Vitamin C für eine bessere Eisenaufnahme sowie ein ausgewogener Vitamin-B-Komplex helfen dabei.

Das können Sie selbst tun

Entzündete Mundwinkel sind in aller Regel nicht gefährlich, aber schmerzhaft und unästhetisch, weshalb sie die Lebensqualität der Betroffenen einschränken. Ob und was diese selbst dagegen tun können, hängt von den Ursachen für die entzündeten Mundwinkel ab.

Chronische Entzündungen werden oftmals durch Mangelernährung verursacht. Personen, die regelmäßig Reduktionsdiäten durchführen, sollten deshalb Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Insbesondere die Vitamine B2, B3, B6 und B12 sowie die Spurenelemente Eisen und Zink müssen in ausreichender Menge zugeführt werden. Bei Personen, die sich einseitig und ungesund ernähren, reicht es oftmals bereits, mehr pflanzliche Kost, insbesondere frisches Obst und Gemüse, in den Speiseplan zu integrieren.

Ist das Raumklima am Arbeitsplatz teil des Problems, sollten Betroffene zuhause auf eine hohe Luftfeuchtigkeit und gut gelüftete Räume achten. Auf mechanische Reizungen durch elektrische Zahnbürsten oder Mundduschen sollte lieber verzichtet werden, bis die Mundwinkel ausgeheilt sind.

Wenn entzündete Mundwinkel nicht abheilen, liegt das auch daran, dass die Patienten die Fissuren ständig, häufig auch unbewusst, berühren. Die Hautstellen werden so permanent verunreinigt. Betroffene sollten sich bewusst machen, wie oft sie ihr Gesicht berühren und versuchen, sich anders zu konditionieren. Darüber hinaus sollte der Mund beim Essen, Gähnen, Sprechen oder Lachen nicht soweit geöffnet werden, dass es zu einer Spannung der Mundwinkel kommt, da dies die Fissuren noch tiefer einreißen lässt. Eine gute Pflegecreme sorgt dafür, dass die gereizten Hautstellen nicht austrocknen.

Bücher über eingerissene Mundwinkel

Quellen

  • Altmeyer, P., et al.: Dermatologische Differenzialdiagnose. Springer, Heidelberg 2012
  • Bork, K., Burgdorf, W., Hoede, N.: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten. Klinik, Diagnostik und Therapie Atlas und Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2008
  • Herrmann, K., Trinkkeller, U.: Dermatologie und medizinische Kosmetik. Springer, Berlin Heidelberg 2015

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