Entfiebern

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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In der Medizin wird eine Körpertemperatur von über 38 Grad als Fieber bezeichnet. Steigt die Kurve auf über 39,5 Grad, dann ist von hohem Fieber die Rede. Das Entfiebern ist eine Maßnahme, welche dazu dient, diesem Symptom entgegenzuwirken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Entfiebern?

Die Körpertemperatur eines Menschen schwankt im Laufe eines Tages. Sie wird in einem Teil des Zwischenhirns, dem Hypothalamus reguliert. Fieber setzt körpereigene Abwehrkräfte frei. So werden die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) angeregt, mehr zu arbeiten. Eine vermehrte Ausschüttung von Interferon setzt ebenfalls ein und beide Aktivitäten im Hypothalamus bewirken die natürliche Entfieberung.

Eine warme Mahlzeit oder anstrengende Tätigkeiten, wie etwa Sport, sorgen mitunter für einen Temperaturanstieg von etwa 2 Grad. Ältere Menschen und Kleinkinder haben zudem oft eine erhöhte Körpertemperatur, wenn ihr Flüssigkeitshaushalt nicht in Ordnung ist. In diesem Fall erfolgt die Entfieberung durch die Gabe von Getränken. Sollte dies auf oralem Weg nicht möglich sein, ist der Aufenthalt in einem Krankenhaus erforderlich. Den Betroffenen wird durch die Verabreichung von Infusionen die erforderliche Flüssigkeit verabreicht. Eine einfache Kochsalzlösung ohne die Zugabe von Medikamenten sorgt dann für die Entfieberung.

Funktion, Wirkung & Ziele

Selbst wenn Fieber keine eigenständige Erkrankung darstellt, kann es zu ernsthaften Schäden im Körper führen. Die Entfieberung ist daher lebenswichtig. Wenn bei Säuglingen die hohe Körpertemperatur nicht rechtzeitig behandelt wird, reagiert ihr Körper mit Krämpfen, die sehr rasch zum Tod führen können.

Fieberkrämpfe sind gefährlich und können etwa durch die Gabe von viel Flüssigkeit unterbunden werden. Auch bei Erwachsenen zeigen sich bei sehr hohem Fieber die Anzeichen von Krämpfen. Zu beobachten ist ebenfalls, dass sie, vergleichbar mit einem Delirium, an Wahrnehmungsstörungen leiden. Mitunter führt dies zu bleibenden Hirnschäden.

Leichtes Fieber lässt sich zunächst mit einfachen Hausmitteln eindämmen. Wadenwickel gelten seit vielen Jahren als Rezept gegen eine hohe Körpertemperatur. Zu diesem Zweck wird ein Handtuch mit kaltem Wasser getränkt und auf die Unterschenkel des Betroffenen gelegt. In vielen Fällen sinkt dadurch die Körpertemperatur. Die Entfieberung darf jedoch nicht zu schnell vor sich gehen. Das verträgt der Kreislauf nicht und ein Kollaps wäre das Ergebnis.

Unter ärztlicher Aufsicht erfolgt eine Entfieberung auch medikamentös. Der Fachmann verabreicht ein geeignetes Medikament, welches das Fieber senkt. Dabei achtet er darauf, dass er zugleich den auslösenden Faktor bekämpft. Sowohl Viren als auch Bakterien können für Fieber verantwortlich sein. Die Untersuchung des Urins und/oder des Blutes gibt Aufschluss.

Eine Blutsenkung zeigt innerhalb von Minuten, ob sich im Körper eine Entzündung gebildet hat und diese der Grund für das Fieber ist. Bei der Entfieberung unter ärztlicher Aufsicht gehört die Kontrolle der Vitalfunktionen routinemäßig dazu. Bei Menschen, die dauerhaft bettlägerig sind, neigen die belasteten Hautpartien zur Bildung von Nekrosen. Das heißt, dass die Haut unzureichend durchblutet wird und abstirbt. In diesen Fällen erfolgt eine Entfieberung, indem die nekrotischen Stellen entfernt werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Schüttelfrost ist ein Symptom für Fieber. Selbst in großer Hitze fängt der Betroffene plötzlich an, zu frieren. Weder eine dicke Decke noch heißer Tee oder die Wärmflasche verhindern, dass er am ganzen Körper zittert. Das liegt daran, dass Muskelkontraktionen Wärme erzeugen. Durch die erhöhte Temperatur ist diese Körperfunktion eingeschränkt und der Mensch friert.

In einem solchen Fall muss rasch für eine Entfieberung gesorgt werden. Fiebersenkende Mittel und Wadenwickel gehören zu den Notfallmaßnahmen. Falls keine erkennbare Verbesserung des Zustands eintritt, ist ärztlicher Rat erforderlich. Das gilt auch dann, wenn die Entfieberung zu rasch eintritt. Sinkt die hohe Körpertemperatur innerhalb kurzer Zeit, ist dies eine große Belastung für das Herz- Kreislauf-System und muss ärztlich behandelt werden. Dieser akute Notfall wird auch als Krisis bezeichnet.

Eine Entfieberung sollte nicht ohne Untersuchung des Betroffenen erfolgen. Dabei wird festgestellt, ob Bakterien oder Viren die Ursachen für den Temperaturanstieg sind. Auch ein Tumor oder eine maligne Lymphknotenentzündung kann für das Fieber verantwortlich sein. Die Gabe von Antibiotika oder anderen fiebersenkenden Medikamenten ist also erst dann gezielt möglich, wenn Blut- und Urin getestet wurden.

Bei der lytischen Entfieberung tritt der Temperaturrückgang langsam ein. Das Zeitmaß liegt hier etwa bei 24 Stunden. Sie ist nur unter ärztlicher Aufsicht möglich. Unter dem Fachbegriff Lyse gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Das Ziel ist bei allen gleich: Bakterien,Viren oder Abflusshindernisse werden durch geeignete Medikamente aufgelöst oder zerstört.

Abflusshindernisse innerhalb des Körpers können Blutgerinnsel oder Steine sein. Das Entfernen von Nieren- und Gallensteinen führt also automatisch auch zur Entfieberung des Patienten.

Eine Eigenbehandlung mit Medikamenten, welche noch als Rest in der Hausapotheke vorhanden sind, kann allerdings auch schlimme Folgen haben. Das gilt etwa für die unüberlegte Einnahme von Antibiotika. MRSA (Methicillin-resistant Staphylococcus aureus), auch bekannt unter dem Begriff 'Multiresistente Krankheitskeime', entstanden unter anderem dadurch, dass die Einnahme von Antibiotika zu häufig und dabei unüberlegt geschah. Mittlerweile gibt es Keime, die gegen jegliche Medikation immun sind, weshalb Patienten daher teils nicht behandelt werden können. Entfieberung ist zwar wichtig, wenn die Fieberkurve über mehrere Tage zu hoch ist, die Gabe von Penicillin ist somit aber nicht grundsätzlich erforderlich und bedarf immer einer vorher stattfindenden Untersuchung. 

Bücher über Fieber

Quellen

  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Speer, C.P., Gahr, M. (Hrsg.): Pädiatrie. Springer, Berlin 2013

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