Enteroviren

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Enteroviren sind unbehüllte, ikosaedrische Viren, deren Erbgut in Form von RNA vorliegt. Deshalb gehören sie zu den RNA-Viren. Sie vermehren sich im Zellplasma der befallenen Wirtszelle. Als Krankheitserreger beim Menschen können sie zu vielen unspezifischen Symptomen führen, insbesondere zu Beschwerden des Magen-Darm-Trakts und grippalen Infeklten. Das gehäufte Auftreten von Sommer-Grippe in den heißen Tagen ist oft auf Enteroviren zurückzuführen. Davon abgesehen sind sie jedoch auch Verursacher bekannter Krankheiten wie Polio (Kinderlähmung) und Hepatitis A.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Enteroviren?

Enteroviren sind eine Virus-Gattung, zu der insgesamt 9 Spezies mit vielen verschiedenen Subtypen gezählt werden. Es handelt sich um einzelsträngige RNA-Viren, auch als Pico-RNA-Viren bezeichnet. Enteroviren besitzen eine ikosaedrische Form und sind im Schnitt ca. 25 nm groß. Sie sind nicht behüllt.

Die Erbinformation dieser Viren liegt in Form von RNA vor und zwar als Einzelstrang mit positiver Polarisierung. Aufgrund der positiven Polarisierung kann die RNA der Viren bei ihrer Vermehrung in der Wirtszelle direkt in Protein übersetzt werden. Im Gegensatz dazu müssen DNA-haltige Viren ihr Erbgut erst in RNA umwandeln.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Enteroviren kommen nicht nur beim Menschen vor, sondern auch bei Schweinen, Nagern, Rindern und verschiedenen Affenarten. Eine geographische Beschränkung des Verbreitungsgebietes gibt es dagegen nicht, die Enteroviren kommen weltweit vor. Allerdings sind manche der durch sie verursachten Krankheiten in Entwicklungsländern wesentlich häufiger, da dort die nötigen präventiven Maßnahmen, wie eine flächendeckende Impfung oder gewisse hygienische Standards, nicht ausreichend umgesetzt werden können. Enteroviren sind säurestabil.

Es werden in der Regel folgende für den Menschen bedeutsame Typen von Enteroviren unterschieden: Polioviren, Hepatitis-A-Viren, Coxsackie-Viren, Echoviren und Humane Enteroviren 68-71 und 73.

Als Übertragungswege kommen Tröpfchen- und Schmierinfektion in Frage, wobei die fäkal-orale Ansteckung (Schmierinfektion) wesentlich häufiger ist. Sie kann beispielsweise über mit Stuhl oder mit Speichel kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser, Spielsachen und Hände erfolgen. Auch mit Fäkalien verunreinigte Schwimmbäder oder Seen sind eine bedeutungsvolle Infektionsquelle. Daher treten Infektionen mit Enteroviren in der gemäßigten Klimazone besonders gehäuft im Sommer auf.

Steckt sich eine schwangere Frau mit Enteroviren an, kann sie über die Plazenta auch das Kind infizieren, was unter Umständen schwerwiegende Folgen bis zu einer Erkrankung des Säuglings an Pneumonie zur Folge haben kann.

Die Inkubationszeit bei einer Infektion mit Enteroviren kann zwei bis 35 Tage betragen, bewegt sich im Schnitt jedoch meist zwischen fünf und sieben Tagen. Enteroviren vermehren sich nach der Infektion des Patienten in dessen Darmwand und den mesenterialen Lymphknoten des Betroffenen. Von dort aus können sie in die Blutbahn des Patienten gelangen; es kann zu einer vorübergehenden Virämie kommen. Anschließend ist der Befall fast jedes Organs im Körper möglich. Daher kann es auch viele unterschiedliche Symptome geben, die allein nicht für eine eindeutige klinische Diagnose reichen. Der Nachweis erfolgt in der Regel über Virus-Anzucht in der Zellkultur oder genetische Methoden wie qr-RT-PCR.

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Krankheiten & Beschwerden

Es existiert keine feste Verknüpfung zwischen einem Typ von Enteroviren und einem bestimmten Krankheitsbild. Die Symptome sind oft unspezifisch und überschneiden sich sowohl zwischen den verschiedenen Enteroviren als auch anderen Krankheitserregern. Allerdings werden einige Enteroviren bei bestimmten Krankheitsbildern besonders häufig nachgewiesen, sodass sie durchaus als typisch gelten. Zu den häufigsten unspezifischen Symptomen gehören Beschwerden des Magen-Darm Trakts.

Polioviren, von denen vor allem Kinder betroffen sind, verursachen grippale Infekte oder aspetische Meningititden (Gehirnentzündungen), unter Umständen mit Betroffenheit des zentralen Nervensystems. Die bekannteste Folge einer Infektion mit Polioviren ist wohl die Kinderlähmung. Zu den Symptomen von Polio gehören Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Gliederschmerzen und Nackensteife. Eine dauerhafte Lähmung entsteht jedoch nur bei einem Teil der Infizierten. Wirksamster Schutz gegen die Krankheit ist eine Impfung. Eine Heilung von Polio ist nicht möglich. Heute ist Polio in den meisten Ländern aufgrund des guten Impfstatusses der Bevölkerung nicht mehr verbreitet.

Coxsackie-Viren sind ebenfalls Auslöser grippaler Infekte, führen jedoch auch zu Infektionen der Atemwege oder des Herzmuskels, sowie der Hand-Fuß-Mund-Krankheit und der Bornholm-Erkrankung. Besonders gefährdet durch Coxsackie-Viren sind Neugeborene und Kinder.

Echoviren äußern sich in unspezifischen fieberhaften Erkrankungen und respiratorischen Infekten. Zu den Symptomen gehört auch Durchfall. Besonders oft werden Echoviren bei aseptischer Meningittis und Entzündungen des Herzbeutels oder des Herzmuskels nachgewiesen.

Das Hepatitis-A-Virus trägt auch die Bezeichnung Enterovirus 72 und ist der Erreger von Hepatitis A. Nach der Verbreitung über das Blut der infizierten Person erfolgt ein Befall der Leber, der zu einer Entzündung (Hepatitis) führt.

Die sogenannten Humanen Enteroviren 68-71 und 73 lösen meist akute Atemwegsinfekte aus. Teilweise treten auch Polio-ähnliche Symptome auf.

Die meisten Infektionen mit Enteroviren, bis zu 90-95 %, bleiben jedoch komplett symptomfrei und werden daher oft gar nicht bemerkt. Die Therapie einer Infektion mit Enteroviren erfolgt symptomatisch und hängt stark davon ab, welches Organsystem betroffen ist. Eine medikamentöse Therapie der Ursachen ist bisher nicht möglich. Nach einer Infektion mit Enteroviren besitzt der Körper eine dauerhafte serotyp-spezifische Immunität gegen den Virus-Typ, mit dem eine Infektion erfolgte.

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