Enterobakterien

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Enterobakterien wird eine Bakterienfamilie genannt, der zahlreiche unterschiedliche Arten angehören. Mitunter sind sie Bestandteil der natürlichen Darmflora, können aber auch verschiedene Erkrankungen auslösen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Enterobakterien?

Enterobakterien (Enterobacteriaceae) ist die Sammelbezeichnung für unterschiedliche Bakterienarten. Sie sind vorwiegend im Darm von Mensch und Tier zu finden. Einige Arten der stäbchenförmigen Bakterien sind für die Entstehung von schweren Erkrankungen wie Typhus, der Pest oder Ruhr verantwortlich.

Andere Subformen, zu denen u. a. Escherichia coli zählt, lösen nur dann Infektionen aus, wenn sie in Körperregionen vordringen, in die sie nicht gehören. Dabei kann es sich um die Harnwege oder die Augen handeln.

Die Enterobakterien werden der Klasse der Gammaproteobacteria zugerechnet und gehören der Abteilung (Divisio) der Proteobacteria an. Dort bilden sie eine eigene Bakterienfamilie. Die Bezeichnung Enterobakterien entstammt dem altgriechischen Begriff „Enteron“, der übersetzt Darm bedeutet. So gelten zahlreiche Enterobakterien als typische Bewohner des Darms. Dennoch werden auch viele freilebende Bakterien, die nicht im Darm angesiedelt sind, der Familie der Enterobacteriaceae zugerechnet.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Eine Vielzahl der Enterobakterien lebt im Darm von Menschen und Tieren. Aber auch in der Umwelt sind sie im Wasser oder im Erdboden zu finden. Zu den wichtigsten Vertretern der Enterobacteriaceae zählt Escherichia coli, das auch als Kolibakterium bezeichnet wird. Weitere bedeutende Gattungen sind Proteus wie Proteus mirabilis und Proteus vulgaris, Klebsiellen wie Klebsiella pneumoniae, Salmonellen, Shigellen, Cronobacter, Citrobacter, Enterobacter, Erwinia sowie Edwardsiella. Zu den gefürchtetsten Vertretern gehören die Yersinien, da Yersinia pestis die Pest verursachen kann.

Die meisten Enterobakterien sind gramnegativ anaerob. Sie haben das Aussehen eines Stäbchens und erreichen eine Länge zwischen 1 und 5 µm. Ihr Durchmesser liegt bei ca. 0,5 bis 1 µm. Über Oxidase verfügen die Enterobakterien nicht, wodurch sie sich gut von anderen Bakterien unterscheiden lassen.

Die meisten Arten sind mit Flagellen ausgestattet, die ihnen Beweglichkeit gestatten. Bei manchen Enterobakterien-Gattungen ist allerdings keine Beweglichkeit möglich. Die Enterobakterien gelten als gramnegativ, da sich ihre Zellwand aus einigen Mureinschichten sowie einer zweiten Außenmembran zusammensetzt.

Der Stoffwechsel der Enterobakterien erfolgt fakultativ anaerob. Das bedeutet, dass sie via Oxidation bei Vorhandensein von Sauerstoff Substanzen abbauen können. Ohne Sauerstoff ist wiederum das Betreiben von Gärung möglich.

Um die einzelnen Gattungen voneinander unterscheiden zu können, werden zwei anaerobe Stoffwechselwege genutzt. Dabei handelt es sich um die gemischte Säuregärung sowie die 2,3-Butandiol-Gärung. Durch die gemischte Säuregärung kommt es zu Neben- und Endprodukten wie Säuren. Zu diesen gehören in erster Linie Milchsäure, Bernsteinsäure und Essigsäure. Dagegen fehlt es an Butandiol. Im Rahmen der 2,3-Butandiol-Gärung gehen aus dem Gärungsvorgang weniger Säuremengen hervor. Dafür entstehen größere Mengen an dem Alkohol 2,3-Butandiol. Zu den Merkmalen der 2,3-Butandiol-Gärung gehört auch das Zwischenerzeugnis Acetoin. Ferner erfolgt eine deutlich höhere Produktion von CO2 (Gas).

Typisch ist eine Butandiolgärung bei Enterobakterien wie Klebsiella, Serratia, Erwinia sowie Enterobacter. Zu einer gemischten Säuregärung kommt es dagegen bei Proteus, Escherichia coli und Salmonellen.

Auf der Zelloberfläche der Enterobakterien befinden sich Antigene, durch die sie sich identifizieren und unterteilen lassen. So gibt es u. a. F-, H-, K- und O-Antigene.

Bedeutung & Funktion

Manche Enterobakterien wie Escherichia coli sind ein natürlicher Bestandteil der menschlichen Darmflora. Die ersten Bakterienstämme besiedeln den Körper des Menschen schon kurz nach dessen Geburt. Bis ins Erwachsenenalter tummeln sich unzählige Vertreter der Enterobacteriaceae in Dick- und Dünndarm, wobei im Dickdarm erheblich mehr Bakterien vorhanden sind als im Dünndarm.

Die Darmflora hat maßgeblichen Anteil an der Abwehr von Krankheitserregern. So üben die dort ansässigen Mikroorganismen Einfluss auf die Vitaminversorgung aus, unterstützen die Verdauung, regen die Darmperistaltik an und versorgen die Epithelschicht des Darms mit Energie.

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Krankheiten & Beschwerden

Durch Enterobakterien kann es jedoch auch zu unterschiedlichen Erkrankungen kommen. So sind zum Beispiel enterotoxische Escherichia coli, Salmonellen und Shigellen oft die Auslöser von Durchfallerkrankungen.

Dagegen können enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) und Yersinien eine Entzündung des Darms (Enteritis) verursachen, die mit blutigem Durchfall einhergeht. Durchfall durch Salmonellen entsteht zumeist durch verdorbene Lebensmittel. Häufig setzt dabei parallel Erbrechen ein. Als typische Infektionsquellen gelten Schweinefleisch, Rindfleisch und Geflügelfleisch sowie Mayonnaise, rohe Eier und Cremes.

Infektionen der Harnwege entstehen zumeist durch Escherichia coli, Proteus, Serratia, Klebsiella, Morganella, Citrobacter und Providencia.

Bei einer Blasenentzündung (Zystitis) steigen die Bakterien aus dem Darm via Harnröhre in die Harnblase auf. Ungefähr 80 Prozent aller Blasenentzündungen gehen auf das Konto von Escherichia coli. Besonders betroffen von der Erkrankung ist das weibliche Geschlecht. So fällt die Harnröhre bei Frauen kürzer aus als bei Männern. Aus diesem Grund müssen die Bakterien nur einen kürzeren Weg zurücklegen. Des Weiteren ist die weibliche Harnröhrenöffnung dichter am After angesiedelt als beim männlichen Geschlecht.

Für eine bakterielle Lungenentzündung sind oftmals Enterobakterien wie Klebsiellen ursächlich. Sie wird von der Subform Klebsiella pneumoniae hervorgerufen. Ebenfalls bedenklich sind Yersinienarten wie Yersinia enterocolitica, Yersinia pseudotuberculosis sowie Yersinia pestis. Durch sie entstehen Entzündungen des Dick- und Dünndarms (Enterokolitis), eine Lymphknotenentzündung (Lymphadenitis) sowie die Pest. Diese hochansteckende Erkrankung wurde schon in der Antike als „Schwarzer Tod“ gefürchtet, da sie zahlreiche Opfer forderte. In der heutigen Zeit tritt die Pest jedoch nur noch sehr selten auf. Sie wird nach Beulenpest, Lungenpest und Pestsepsis unterschieden.

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