Englische Schweißkrankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Die englische Schweißkrankheit war eine mysteriöse ansteckende Infektionskrankheit des 15. und 16. Jahrhunderts, deren Ursache bis heute nicht bekannt ist. Ihren Namen verdankt sie der ungewöhnlichen übel riechenden Schweißbildung während des Krankheitsverlaufes sowie ihrem hauptsächlichen Auftreten in England. Meist nahm diese Erkrankung einen rasanten Verlauf und endete tödlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die englische Schweißkrankheit?

Die englische Schweißkrankheit, auch als englischer Schweiß bezeichnet, war eine sehr ansteckende Infektionskrankheit, die plötzlich begann und oft innerhalb weniger Stunden zum Tode führte. Erstmalig trat diese Erkrankung im August des Jahres 1485 in England in Erscheinung. Sie erreichte schnell die englische Hauptstadt London und forderte dort Tausende von Todesopfern.

Der Begriff englischer Schweiß oder englische Schweißkrankheit ist auf die Bildung großer Mengen übel riechenden Schweißes zurückzuführen. Der englische Schweiß breitete sich in fünf Seuchenwellen aus. Nach dem dem Jahre 1578 trat diese Erkrankung zumindest in England nicht mehr auf. Danach gab es in Europa zwar noch ähnliche Seuchen.

Aber die dabei auftretenden Infektionen wurden zusätzlich von Ekzemen begleitet, was bei den klassischen fünf Ausbrüchen nicht der Fall war. Epidemien der englischen Schweißkrankheit fanden in den Jahren 1485/86, 1507, 1517, 1528/29 sowie 1551/52 statt. Jede Seuchenwelle forderte mehrere Tausend Todesopfer, wobei der Krankheitsverlauf bei den einzelnen Epidemien durchaus unterschiedlich heftig war.

So gab es während der zweiten Epidemie im Verhältnis zu den Erkrankten weniger Todesfälle als während der ersten Krankheitswelle. Ausgangspunkt der Epidemien war immer England. Aber die Seuche breitete sich während eines Ausbruchs immer auch europaweit aus. Zwar fanden die ersten vier Seuchen zusammen mit Ausbruchswellen der Pest statt.

Allerdings unterschieden sich die Symptome beider Krankheiten erheblich. Trotzdem bezeichneten zeitgenössische Chronisten die Krankheitsausbrüche zusammen mit der Pest als Pestilenz. Die englische Schweißkrankheit führte jedoch oft noch schneller zum Tode als die Pest selber. Nach der zweiten Krankheitswelle mit weniger Toten forderte die dritte Epidemie im Jahre 1517 europaweit eine hohe Zahl an Todesopfern.

So soll in vielen Städten die Hälfte der Bevölkerung verstorben sein. Noch schwerer war der vierte Ausbruch in den Jahren 1528/29. Während dieser Epidemie erkrankten parallel dazu auch viele Vögel an einer rätselhaften Erkrankung. Möglicherweise handelte es sich um denselben Erreger.

Rätselhaft ist auch die Tatsache, dass diese Erkrankung im Jahre 1485 plötzlich auftauchte und ebenso plötzlich nach dem Jahre 1578 wieder verschwand, ohne jemals wiederzukehren. Allerdings erschien in den folgenden Jahrhunderten in Europa eine ähnliche Erkrankung, die aber mit einem Hautausschlag verbunden war. Damit unterschied sich diese als Picardsches Schweißfieber bezeichnete Erkrankung von der englischen Schweißkrankheit.

Ursachen

Zu der Ursache der englischen Schweißkrankheit ist bis heute nichts bekannt. Nach der Übertragung und dem Verlauf muss es sich jedoch um eine Infektionskrankheit gehandelt haben. Die Krankheit wurde sehr schnell von Mensch zu Mensch übertragen. Um welchen Erreger es sich handelte, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Vermutet wurden unter anderem Grippeviren, Hantaviren, über Läuse und Flöhe übertragene Erreger oder Parasiten. Auch Vergiftungen mit dem sogenannten Mutterkorn wurden für die Seuche verantwortlich gemacht. Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da das eindeutig festgestellte Ansteckungspotenzial eher für eine Infektion spricht.

Großen Einfluss auf den Ausbruch der Seuchen haben wahrscheinlich auch die katastrophalen hygienischen Verhältnisse in dieser Zeit gehabt. Warum von der Erkrankung meist kräftige Männer im Alter zwischen 15 und 42 Jahren betroffen waren, ist ebenfalls rätselhaft. Frauen, Kinder und ältere Menschen erkrankten eher selten am englischen Schweiß. Möglicherweise spielt die Ausbreitung auf den kriegerischen Schlachtfeldern eine Rolle.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die englische Schweißkrankheit war gekennzeichnet durch einen plötzlichen Beginn mit massiven Angstzuständen, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel, Halsschmerzen, Schulterschmerzen und Gliederschmerzen sowie extremer Erschöpfung. Dieses Stadium währte nur kurz zwischen einer halben Stunde und drei Stunden. Erst danach kam es zum plötzlichen Schwitzen unter hohem Fieber.

Der Schweiß war sehr übel riechend. Der Schweißausbruch erfolgte unvermittelt und scheinbar ohne Grund. Die Symptomatik verschärfte sich rasant unter Ausbildung von Übelkeit, Erbrechen, heftigen Kopfschmerzen, rasendem Puls, extremem Durst, deliranten Zuständen und Nasenbluten. Typisch waren Herzrasen und starke Herzschmerzen.

Ein Anfall führte sehr häufig zum Tod. Wer den ersten Anfall jedoch überstand, konnte oft noch mehrere Anfälle erleben und an diesen versterben. Es gab aber auch Menschen, welche die englische Schweißkrankheit überlebten. Dazu zählt unter anderem die berühmte Anne Boleyn, eine Frau von König Heinrich VIII. Überlebende litten aber häufig ihr ganzes Leben an Anfällen heftigen Herzrasens und nächtlicher Schweißausbrüche.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die englische Schweißkrankheit wurde anhand der auftretenden Symptome erkannt. Welcher Erreger für die Erkrankung verantwortlich war, konnte nie in Erfahrung gebracht werden. Zwar wurden im Jahre 2001 einige Opfer dieser Seuche identifiziert. Allerdings konnte bei ihnen die Erreger-DNA nicht analysiert werden.

Komplikationen

Bei der englischen Schweißkrankheit kommt es zu erheblichen Beschwerden und Komplikationen. Diese Krankheit tritt heute allerdings nicht mehr auf, sodass es auch nicht zu besonderen Komplikationen kommen kann. Allerdings führte die englische Schweißkrankheit in den meisten Fällen zum Tode des Patienten aufgrund der eingeschränkten Behandlungsmöglichkeiten der früheren Epochen. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen an hohem Fieber und an Gliederschmerzen.

Es treten auch Angstzustände und Panikattacken auf. Die Patienten leiden weiterhin an Schüttelfrost und Halsschmerzen. Die Schmerzen können auch die Schultern betreffen, sodass es zu erheblichen Bewegungseinschränkungen des Patienten kommt. In den meisten Fällen kommt es durch das hohe Fieber auch zu einem sehr starken Schwitzen. Der Puls erhöht sich durch die englische Schweißkrankheit enorm. Nicht in jedem Fall führte die englische Schweißkrankheit zum Tode.

Allerdings konnten die Menschen erneut an dieser Krankheit erkranken und daran weiterhin versterben. Nicht selten führte die Schweißkrankheit allerdings zu nächtlichen Schweißausbrüchen und Herzbeschwerden auch nach einem Abklingen. Da die Krankheit heute nicht mehr auftritt, muss sie auch nicht behandelt werden. Durch diese Krankheit wird die Lebenserwartung der Patienten erheblich eingeschränkt und verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Obwohl die Erkrankung heutzutage im Normalfall nicht mehr auftritt, ist bei den ersten Anzeichen des Krankheitsbildes ein Arztbesuch notwendig. Ohne eine Behandlung droht ein tödlicher Verlauf, daher ist ein frühzeitiges Aufsuchen eines Arztes von besonderer Wichtigkeit ist. Beschwerden wie plötzliche und unerklärbare Angstzustände und Schweißausbrüche gelten als ungewöhnlich. Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an oder nehmen sie an Intensität zu, ist ein Arztbesuch schnellstmöglich vorzunehmen. Ein Arzt sollte konsultiert werden, sobald sich ohne einen ersichtlichen Grund starke Kopf- und Gliederschmerzen einstellen.

Bei einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Schwindel und Gangunsicherheiten ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Hohes Fieber, Übelkeit und unerwartetes Erbrechen sind von einem Arzt untersuchen und behandeln zu lassen. Starkes Nasenbluten, Störungen des Herzrhythmus, ein erhöhter Blutdruck und Herzrasen sollten von einem Arzt abgeklärt werden. Es besteht ein lebensbedrohlicher Zustand, der ein sofortiges Eingreifen und eine medizinische Versorgung erfordern. Ein Arztbesuch ist bei Schmerzen im Brustkorb und bei einem anhaltenden Unwohlsein notwendig. Sinkt das gewohnte Leistungsniveau, kommt es zu Konzentrationsproblemen und einer allgemeinen Schwäche, wird ein Arzt benötigt. Nehmen die Beschwerden innerhalb von Minuten oder weniger Stunden rasant zu, muss ein Notarzt gerufen werden. Bis zu dessen Eintreffen sind Erste Hilfe Maßnahmen vorzunehmen.

Behandlung & Therapie

Heute tritt die englische Schweißkrankheit scheinbar nicht mehr auf. Eine heutige Therapie der Erkrankung würde sich an der Art des verursachenden Erregers orientieren. In der damaligen Zeit gab es überhaupt keine Behandlungsmöglichkeiten, zumal die Erkrankung plötzlich und ohne jede Vorwarnung ausbrach. Der Krankheitsverlauf war dem Zufall überlassen.

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Vorbeugung

Da die englische Schweißkrankheit heute nicht mehr auftritt, sind Empfehlungen zu ihrer Vorbeugung nicht relevant. In der damaligen Zeit hätten höhere Hygienestandards sicherlich einen Ausbruch der Erkrankung verhindern können.

Das können Sie selbst tun

Die Englische Schweißkrankheit wurde zuletzt im späten 16. Jahrhundert beobachtet. Da die Ursachen der mysteriösen Seuche nie geklärt werden konnten, lassen sich für den höchst unwahrscheinlichen Fall eines erneuten Ausbruchs der Krankheit auch keine Selbsthilfemaßnahmen ableiten. Wie bei allen aggressiven Infektionskrankheiten sollte im Erstfall sofort ein Arzt konsultiert und das Ansteckungsrisiko für Dritte minimiert werden.

Im historischen Kontext waren alle damals bekannten Selbsthilfemaßnahmen nutzlos. Auch die, insbesondere von adligen und wohlhabenden bürgerlichen Familien, praktizierte Flucht auf das Land schützte nicht vor einer Ansteckung oder dem Ausbruch der Krankheit.

Bücher über Infektionskrankheiten

Quellen

  • Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010
  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Thieme Verlag, Stuttgart 2008
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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