Endoskopisch Retrograde Cholangiopankreatikographie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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Die endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) ist ein bildgebendes Verfahren auf der Grundlage von Röntgenstrahlung. Sie dient zur bildlichen Darstellung der Gallen- und Pankreasgänge. Diese Methode ist ein invasives Diagnoseverfahren und birgt daher auch Risiken.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Endoskopisch Retrograde Cholangiopankreatikographie?

Bei Verdacht auf Gallenwegs- oder Pankreaserkrankungen wird häufig eine endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein invasives Diagnose-Verfahren, welches mithilfe von Röntgenstrahlung arbeitet.

Bei diesem Verfahren können pathologische Veränderungen im Bereich der Gallen- und Pankreasgänge festgestellt werden. Sie wird nur angewendet, wenn die Untersuchung durch eine Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie (MRCP) keine eindeutigen Diagnoseergebnisse bringt. Die MRCP ist im Gegensatz zur ERCP ein nichtinvasives Verfahren. Manchmal werden bei dieser Methode aber nicht alle Veränderungen entdeckt.

Sollten nicht diagnostizierte Veränderungen in diesem Bereich vorliegen, können diese durch die ERCP jedoch eindeutig dargestellt werden. Zusätzlich zu den diagnostischen Untersuchungen werden bei Bedarf auch kleine chirurgische Eingriffe vorgenommen. Die Bezeichnung "Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikografie" kennzeichnet die Anwendung eines Endoskops, welches retrograd, also vom Ausgang her, unter dem Einsatz von Kontrastmitteln eine Sonde in die Gallen- oder Pankreasgänge einführt und dort diesen Bereich bildlich darstellt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie wird bei Verdacht auf Gallensteine, Verengung der Gallenwege durch entzündliche Veränderungen oder Tumoren des Gallenganges und bei chronischen Entzündungen, Zysten oder Tumoren der Bauchspeicheldrüse eingesetzt. Es ist eine invasive Untersuchungsmethode, die mithilfe von Röntgenstrahlung die Gallen- und Pankreasgänge bildlich darstellt.

Aufgrund der doch vorhandenen Risiken durch Strahlung, Kontrastmittel und des invasiven Eingriffs wird diese Methode nur durchgeführt, wenn MRCP und Ultraschall-Untersuchungen zu keinem Ergebnis geführt haben. Während einer ERCP können bei Bedarf auch kleine chirurgische Eingriffe unternommen werden. Das betrifft die Entnahme von Gewebeproben, die Erweiterung der Mündung der Gangsysteme, die Ausdehnung oder Überbrückung von Engstellen durch Stents. Der Ablauf einer endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie gleicht einer Magenspiegelung. Über den Mund wird ein an einem Schlauch befestigtes Endoskop bis über den Magen hinaus in den Zwölffingerdarm eingeführt.

Dort wird an der Vaterschen Papille Kontrastmittel entgegen der Ausflussrichtung der Gallenflüssigkeit und der Bauchspeicheldrüsensekrete (retrograd) injiziert und eine Sonde aus dem Endoskop ausgefahren. Anschließend erfolgt über die Vatersche Papille die Einführung der Sonde in die Gallen- oder Pankreasgänge. Die Vatersche Papille stellt den gemeinsamen Ausgang von Gallen- und Pankreasgang dar. Am Ende des Gerätes befinden sich eine Lichtquelle und eine Kamera. Damit kann dieser Bereich sichtbar gemacht werden. Die Sonde (Katheter) zeichnet mittels Röntgenstrahlung das Innere des Gallen- und Pankreasganges auf und kann so Steine, Verengungen oder Tumoren feststellen.

Die ERCP ist ein bildgebendes Verfahren auf der Grundlage von Röntgenstrahlung. Sie dient zur bildlichen Darstellung der Gallen- und Pankreasgänge.

Bei Bedarf können auch kleine Eingriffe durchgeführt werden. So kann es vorkommen, dass die Vatersche Papille zu eng ist und somit einen Gallenabflussstau verursacht. Mittels dem Endoskop kann die Papillenöffnung erweitert werden. Dazu wird sie mithilfe eines speziellen Katheters mit einem elektrisch bewegten Draht aufgeschnitten. Bei Verengungen der Gänge durch Entzündungen oder Tumoren werden häufig sogenannte Stents aus Kunststoff- oder Metallröhrchen gesetzt, um den Abfluss von Galle und Bauchspeicheldrüsensekret wieder zu gewährleisten. Der Gallengang kann auch mit einer sonografisch arbeitenden Sonde untersucht werden. Diese Methode wird als intraduktaler Ultraschall bezeichnet. Gallensteine, die sich nah am Gallenausgang befinden, können mit dem Endoskop auch entfernt werden.

Das Hauptanliegen der ERCP besteht darin, Gallensteine, Gallengangskarzinome, Entzündungen der Gallenwege, Pankreaskarzinome und unklare Gallenabflussstörungen zu diagnostizieren. Als Vorteil der endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie erweist sich das Erkennen von Veränderungen des Gallen- und Pankreasganges, ohne dass eine offene Operation durchgeführt werden muss. Deshalb kann eine rein diagnostische ERCP auch ambulant durchgeführt werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie erkennt zwar unentdeckte Veränderungen im Bereich des Gallen- und Pankreasganges sehr gut. Sie birgt jedoch auch wie jeder invasive Eingriff gewisse Risiken. Die Untersuchung wird in einer Kurznarkose durchgeführt. Wie bei jeder Narkose kann es zu den üblichen Narkoserisiken kommen.

Im Vorfeld muss mit dem Patienten abgeklärt werden, ob eventuell Allergien gegen bestimmte Narkose- und Kontrastmittel bestehen. Das Kontrastmittel kann unter Umständen die Gallengänge und die Bauchspeicheldrüse reizen. Daher ist in seltenen Fällen die Ausbildung einer Pankreatitis möglich. Bei dem Eingriff können auch Verletzungen von Kehlkopf, Speiseröhre b.z.w. Magen-Darm-Wand mit entsprechenden Blutungen auftreten. Auch die Risiken von Röntgenstrahlung sind zu beachten. Deshalb sollte diese Methode nur durchgeführt werden, wenn keine andere Möglichkeit zu einer aussagekräftigen Diagnose besteht. Besonders schwangeren Frauen ist dieses Verfahren nicht zu empfehlen, weil das ungeborene Kind durch den Einfluss der Röntgenstrahlung gefährdet ist.

Im Vorwege des Eingriffs ist es wichtig, dass der Patient über die Risiken aufgeklärt wird. In diesem Gespräch sollten auch wichtige Fragen zu Allergien, Vorerkrankungen oder Einnahme von Medikamenten geklärt werden. Medikamente, die das Blut verdünnen, können das Blutungsrisiko bei diesem Eingriff erhöhen. Deshalb muss mit dem Arzt geklärt werden, in welchem Rahmen die Untersuchung trotzdem durchgeführt werden kann. Vielleicht ist das Blutungsrisiko nicht so hoch oder es besteht die Möglichkeit, die Einnahme von Blutverdünnern zeitweilig abzusetzen. Damit die Untersuchung zum Erfolg führt, ist es auch wichtig, dass sich keine Speisereste im Verdauungstrakt befinden. Deshalb sollten die Patienten vor der ERCP die Vorgaben des Arztes zu einer Nahrungskarenz von mindestens sechs Stunden dringend einhalten.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kramme, R.: Medizintechnik. Springer, Berlin 2011

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