Endokrine Orbitopathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Oktober 2017
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Die endokrine Orbitopathie ist eine immunologisch bedingte Entzündung. Sie betrifft hauptsächlich den Orbitainhalt, zieht jedoch auch die Augenmuskeln und die Lider in Mitleidenschaft. Die Therapie der Erkrankung gestaltet sich als schwierig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine endokrine Orbitopathie?

Als endokrine Orbitopathie bezeichnet man eine Entzündung des Orbitainhalts. Sie ist immunologisch bedingt und betrifft das Gewebe der Orbita sowie die Augenmuskeln und die Lider. Die Erkrankung tritt meist in Folge einer hyperthyreoten Stoffwechsellage auf und ist somit eine häufige Begleiterkrankung verschiedener Autoimmunthyreopathien wie etwa Morbus Basedow.

Die Bezeichnung der Erkrankung setzt sich aus den Begriffen „Endokrin“, welcher „hormonell bedingt“ bedeutet und „Orbita“ für Augenhöhle zusammen. Die endokrine Orbitopathie ist also eine hormonell bedingte Erkrankung der Augenhöhlen und des umliegenden Gewebes.

Ursachen

Die Ursachen für eine endokrine Orbitopathie sind in der Erkrankung Morbus Basedow zu finden. Rund 85% der Menschen, die an Morbus Basedow leiden, entwickeln im Verlaufe der Erkrankung eine Schädigung der Augenhöhlen.

Der Zeitpunkt kann dabei vollkommen unterschiedlich sein. So kann die endokrine Orbitopathie bereits vor dem Morbus Basedow ausbrechen, sich jedoch auch erst Jahre später zeigen. Auch eine vollkommene Heilung der auslösenden Erkrankung kann einen Ausbruch der Orbitopathie nicht immer verhindern.

Endokrine Orbitopathie tritt nur selten ohne erkennbare Schilddrüsenerkrankung auf. Morbus Basedow ist also die Hauptursache der Erkrankung. In sehr seltenen Fällen kann jedoch auch die so genannte Hashimoto-Thyreoiditis eine hormonell bedingte Erkrankung der Augenhöhlen auslösen.

Da Morbus Basedow meist die Hauptursache ist, können die Ursachen für den Ausbruch der Immunerkrankung auch als Ursache für die endokrine Orbitopathie gesehen werden. Das sind in der Regel genetische Dispositionen, Virusinfektionen oder Stress. Auch der übermäßige Konsum von Zigaretten kann Morbus Basedow und damit die endokrine Orbitopathie begünstigen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der Augenarzt kann die Diagnose der endokrine Orbitopathie anhand verschiedener Untersuchungen stellen. Im Vorfeld ermittelt er auftretende Symptome. Gibt der Patient an, unter tränenden oder brennenden Augen zu leiden oder Doppelbilder zu sehen, sind das etwa erste Anzeichen. Auch zeitweilige oder dauerhafte Erblindung ist ein eindeutiges Symptom.

Nach dem Gespräch mit dem Patienten bestimmt der Arzt den Augendruck und untersucht die Beweglichkeit der Augenmuskeln. Auch das Gesichtsfeld und die Augenmuskulatur werden mittels Ultraschall untersucht. Zuletzt wird die Lidspaltenweite bestimmt und das charakteristische Hervortreten der Augen untersucht. Liegt nach diesen Untersuchungen ein konkreter Verdacht vor, kann der Augenarzt eine Kernspinuntersuchung anordnen, um die Ausprägung der endokrine Orbitopathie zu ermitteln. Anhand der Ergebnisse dieser Untersuchung wird beurteilt, welche Therapieformen in Frage kommen.

Der Verlauf der Erkrankung hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Wird früh reagiert, können Spätfolgen vermieden werden, während vorhandene Schädigungen bei einer späten Behandlung meist bestehen bleiben.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schwellen ohne einen ersichtlichen Grund die Augenlider an, sollte ein Arzt aufgesucht werden, sobald die Beschwerden über mehrere Tage anhalten. Kommt es zu einer Zunahme der Schwellung, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Bei Beeinträchtigungen des Sehens erhöht sich die allgemeine Unfallgefährdung. Kommt es zu Veränderungen des Sehbildes, besteht Grund zur Besorgnis. Können die Augenbewegungen nicht mehr wie gewohnt koordiniert werden oder kommt es zu einer Wahrnehmung von Doppelbildern, gilt dies als besonders ungewöhnlich. Ein Arztbesuch ist notwendig, um eine medizinische Behandlung einzuleiten und eine Linderung der Beschwerden zu erwirken.

Bei Problemen des Herzrhythmus und Herzrasen ist ein Arzt aufzusuchen. Halten die Herzbeschwerden über eine längere Zeit an, steigt das Risiko eines Herzmuskelversagens. Damit besteht ein lebensbedrohlicher Zustand, dem rechtzeitig entgegen gewirkt werden muss. Tritt der Augapfel in einer ungewöhnlichen Form hervor, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei einer optisch wahrnehmbaren Vergrößerung der Schilddrüse, Veränderungen der Augenhöhle sowie der Lidspalte und einer gleichzeitigen Erhöhung der Herzfrequenz ist ein Arztbesuch notwendig. Treten aufgrund der Beschwerden Angstzustände oder Panik ein, sollte ein Arzt oder ein Therapeut um Hilfe und Unterstützung gebeten werden. Bei Änderungen des Verhaltens, Stimmungsschwankungen oder emotionalen Problemen wird ebenfalls ein Arzt benötigt.

Behandlung & Therapie

Unter Spezialisten gibt es unterschiedliche Meinungen über die bestmögliche Therapie bei einer endokrine Orbitopathie. Es gibt jedoch einige Behandlungsmöglichkeiten, die erfolgversprechend sind. An erster Stelle steht dabei immer die Beseitigung des Morbus Basedow.

Dazu muss die Schilddrüse mit Hilfe verschiedener Medikamente optimal eingestellt werden. Ist dies nicht möglich oder bringt keinen Erfolg, wird die Schilddrüse oder Teile davon operativ entfernt. Dadurch kann endokrine Orbitopathie in vielen Fällen zumindest gemildert werden. Abhängig sind die Erfolgsaussichten in erster Linie davon, wie weit die Erkrankung schon fortgeschritten ist. Schädigungen der Sehkraft lassen sich nur selten vollständig beheben.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Radiojodtherapie. Dabei handelt es sich um eine Therapie mit Jod, welche nur selten angewendet wird. Grund dafür ist das Risiko, die endokrine Orbitopathie noch zu verschlimmern oder gar eine weitere Erkrankung auszulösen. Lediglich, wenn die endokrine Orbitopathie nicht im Zusammenhang mit Morbus Basedow auftritt, ist eine Radiojodtherapie zu empfehlen.

Sind die Chancen auf eine Heilung der endokrinen Orbitopathie zu gering, können zumindest die Symptome gelindert werden. Hierzu werden verschiedene Wirkstoffe wie Kortison und Antioxidantien verschrieben. Auch Methotrexat wird in niedrigen Dosierungen eingesetzt.

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Vorbeugung

Endokrine Orbitopathie lässt sich nicht direkt vorbeugen. Allerdings kann das Erkrankungsrisiko gesenkt werden. So hilft es bereits, Stress weitestgehend zu vermeiden und auf verschiedene Entspannungstechniken zurückzugreifen. Autogenes Training ist etwa eine Möglichkeit, um Stress abzubauen.

Der Verzicht auf Zigaretten ist ebenfalls eine vorbeugende Maßnahme. Wer erblich vorbelastet ist, hat durch das Rauchen ein weitaus höheres Risiko, an Morbus Basedow und damit an endokriner Orbitopathie zu erkranken, als Nichtraucher.

Deshalb empfiehlt es sich, Nichtraucher zu werden oder weiterhin auf Zigaretten zu verzichten. Daneben ist es vor allem wichtig, das Immunsystem zu stärken. Wer viel Sport treibt, sich gesund ernährt und sein Wohlbefinden steigert, kann das Erkrankungsrisiko minimieren.

Das können Sie selbst tun

Patienten, betroffen von einer endokrinen Orbitopathie, sollten die Augen nicht unnötigen Belastungen aussetzen. Dunkelheit oder zu starke Lichteinflüsse können für das Sehen zusätzlich beanspruchend sein. Beim Lesen oder Tätigkeiten an Bildschirmen ist ebenfalls auf eine gute Sichtmöglichkeit zu achten. Kommt es zum Zusammenziehen der Stirnmuskeln oder Anspannungen der Augen, ist ein Optiker aufzusuchen, damit eine Option gefunden wird, um eine ausreichende Entlastung zu schaffen.

Kosmetische Artikel wie Lidschatten oder Wimperntusche sollten nicht aufgetragen werden. Dies belastet die Augenlider und kann bei geschwollen Augen zu einer Verstärkung der Beschwerden führen. Das Reiben und Scheuern an den Augen ist grundsätzlich zu vermeiden. Die Reizbarkeit der Haut würde dadurch an Intensität zunehmen. Der Patient kann beruhigende Salben oder Cremes auftragen, um die Augenregion zu entlasten und die Symptome zu lindern. Ausreichender Schlaf und regelmäßige Ruhephasen helfen ebenfalls, um das Wohlbefinden zu stärken. Das Rauchen sollte eingestellt werden und der Aufenthalt in Räumlichkeiten, in denen geraucht wird, ist zu unterlassen.

Für eine mentale Stärkung können die Patienten Entspannungstechniken anwenden. Diese bauen den Alltagsstress ab und fördern die innere Stabilität. Zusätzlich helfen eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie ausreichende körperliche Aktivitäten. Diese unterstützen das Immunsystem, was bei der Entzündungserkrankung besonders beansprucht wird.

Bücher über Morbus Basedow

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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