Endokarditisprophylaxe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. September 2017
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Durch die vorbeugende Gabe von Antibiotika bei der Endokarditisprophylaxe soll die Ansiedlung von Bakterien nach zahnärztlichen und anderen Eingriffen im Herzen verhindert werden. Heute wird die Endokarditisprophylaxe nur noch Hochrisikopatienten empfohlen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Endokarditisprophylaxe?

Eine Endokarditisprophylaxe soll einer Endokarditis vorbeugen. Sie wird in der Regel bei chirurgischen oder endoskopischen Eingriffen empfohlen. Dazu gehören vor allem zahnärztliche Eingriffe, die mit einer Verletzung des Zahnfleisches einhergehen.

Zahnextraktionen, Wurzelbehandlungen und Zahnsteinentfernungen sind somit Indikationen für eine Endokarditisprophylaxe. Auch andere ärztliche Eingriffe an den oberen Atemwegen gehören zu den Indikationen. Früher wurden Endokarditisprophylaxen noch bei vielen weiteren Eingriffen empfohlen. Die Indikationen wurden jedoch in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt. Die Einschränkung der Indikationen und die dazugehörigen Leitlinien wurden kontrovers diskutiert. Es gibt keinen eindeutig dokumentierten Nutzen für die Endokarditisprophylaxe. Jedoch steht es den Ärzten immer noch frei, nach einer gründlichen Risiko-Nutzen-Abwägung eine Endokarditisprophylaxe durchzuführen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut. Das Endokard kleidet die Herzhöhlen aus und bildet die Herzklappen. Zu den auslösenden Keimen der Endokarditis gehören Bakterien aus der sogenannten HACEK-Gruppe.

Keime dieser Gruppe sind Aggregatibacter aphrophilus, Aggregatibacter actinomycetemcomitans, Cardiobacterium hominis, Eikenella corrodens und Kingella kingae. Der natürliche Lebensraum dieser Bakterien ist die Mundhöhle. Bei einem Eingriff in diesem Bereich können sie in die Wunde eindringen und über die Blutbahn zum Herzen gelangen. Auch Enterokokken, Staphylokokken, Streptokokken und Brucella melitensis können eine Endokarditis hervorrufen.

Die Endokarditis geht in 90 Prozent der Fälle mit Fieber einher. Die Betroffenen sind zudem schwach, haben wenig Appetit und verlieren an Gewicht. Herzgeräusche und Zeichen einer Herzinsuffizienz können auftreten. In 30 Prozent der Fälle werden Petechien oder Osler-Knötchen sichtbar.

Durch die Endokarditis können die Herzklappen geschädigt werden. Entzündliche Beläge können sich aus dem Herzen lösen und über den Blutkreislauf in die Organe gelangen. Dadurch können eine Lungenembolie, ein Hirnschlag oder eine Nierenembolie entstehen. Auch die Verschleppung von Keimen in andere Organe mit anschließender Abszessbildung ist möglich.

Bei unkomplizierten Fällen wird den Patienten zur Endokarditisprophylaxe eine Stunde vor dem Eingriff oral das Antibiotikum Amoxicillin verabreicht. Amoxicillin ist ein Antibiotikum aus der Wirkgruppe der Aminopenicilline. Das Antibiotikum wirkt bei grampositiven und bei gramnegativen Kokken. Auch Escherichia coli, Listerien, Proteus-Arten und Enterokokken gehören zum Wirkspektrum von Amoxicillin. Die American Medical Association empfiehlt für Erwachsene eine Gabe von 2 Gramm. Die Dosierung bei Kindern sollte bei 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht liegen.

Wenn das Antibiotikum nicht oral verabreicht werden kann, kann der Arzt das Mittel intravenös applizieren. Bei zahnärztlichen Eingriffen kommt dafür ebenfalls Ampicillin zum Einsatz. Auch bei HNO-Eingriffen oder bei Operationen der Atemwege und des Ösophagus wird Ampicillin verabreicht. Bei Eingriffen am Darm, an den Gallenwegen oder im Urogenitaltrakt wird neben Ampicillin i. v. auch Gentamycin i. v. eingesetzt.

Wenn beim Patienten eine Allergie gegen Penicilline und Penicillinderivate vorliegt, kann auf eine orale Verabreichung von Azithromycin, Linezolid, Cephalosporinen, Clindamycin und Clarithromycin ausgewichen werden. Alternativ kann auch Vancomycin intravenös verabreicht werden. Eine Endokarditisprophylaxe wird bei zahnärztlichen Eingriffen und bei ärztlichen Eingriffen im Bereich von Mund, Hals, Rachen und Zähnen empfohlen. Dazu gehören Zahnextraktionen, Wurzelbehandlungen, Entfernungen der Mandeln, Entfernungen von Lymphknoten, Polypektomien und Zahnsteinentfernungen.

Prophylaxen im Rahmen von Eingriffen am Respirationstrakt, am Gastrointestinaltrakt oder am Urogenitaltrakt werden nur noch bei bereits bestehenden Infekten durchgeführt oder wenn bei den Eingriffen ein Entzündungsherd eröffnet wird. Solche Entzündungsherde sind beispielsweise Abszesse oder Furunkel. Bei Ösophagogastroduodenoskopien, Koloskopien, Bronchoskopien und bei endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographien wird keine Endokarditisprophylaxe mehr empfohlen.

Eine Endokarditisprophylaxe wird in der Regel bei chirurgischen oder endoskopischen Eingriffen empfohlen. Dazu gehören vor allem zahnärztliche Eingriffe, die mit einer Verletzung des Zahnfleisches einhergehen.

Ein erhöhtes Risiko für eine infektiöse Endokarditis besteht bei Menschen mit Herzklappenprothesen oder Herzklappenfehlern. Auch angeborene Herzfehler und vorangegangene Herztransplantationen erhöhen das Risiko einer Endokarditis. Dasselbe gilt für eine vorausgegangene Endokarditis oder für eine häufige venöse Punktion (z.B. bei der Dialyse oder bei intravenösem Drogenabusus). Die American Heart Association (AHA) empfiehlt eine Endokarditisprophylaxe bei Hochrisikopatienten mit Herzklappenprothesen, mit angeborenen Herzfehlern, mit vorangegangener Herztransplantation oder Valvulopathie und nach überstandener Endokarditis.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) schließt sich diesen Empfehlungen weitgehend an, empfiehlt aber eine Prophylaxe bei allen Herzklappenfehlern und nicht ausschließlich bei den angeborenen Herzklappenfehlern.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Auf Amoxicillin reagieren viele Patienten allergisch. Etwa einer von 7000 Patienten reagiert auf die Verabreichung mit starken allergischen Symptomen. Die Symptome einer Allergie gegen Amoxicillin reichen von einer leichten Rötung der Haut bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Durch Penicilline wie das Amoxicillin werden zudem die nützlichen Bakterien der Darmflora abgetötet. Dadurch können Durchfälle oder andere Verdauungsbeschwerden entstehen. Falls sich im Rahmen der Antibiotikabehandlung im Darm schädliche Mikroorganismen ausbreiten, kann sich eine antibiotikaassoziierte Kolitis entwickeln. Es handelt sich dabei um eine Entzündung des Dickdarms, die mit starken Schmerzen und Durchfällen einhergeht. Bei der Verabreichung von Amoxicillin kommt es zudem gelegentlich zu Arzneimittelfieber. Auch mit Durchfällen, Erbrechen und Übelkeit muss gerechnet werden. Selten leiden die Patienten unter Schlafstörungen, Ermüdungserscheinungen oder Verwirrtheitszuständen.

Wer auf ein Antibiotikum zur Prophylaxe verzichten möchte oder verzichten muss, sollte der Zahnpflege und der Zahnsanierung eine besondere Bedeutung zukommen lassen. Eine gute Zahnhygiene kann die Bakterienlast im Mund verringern und so ebenfalls einer Endokarditis vorbeugen.

Bücher über Antibiotika

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Lehnert, H., Werdan, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2006
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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