Endemische Syphilis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 19. Oktober 2016
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Die endemische Syphilis ist eine nicht venerische Variante der Syphilis. Krankheitserreger ist das Bakterium Trepnoma pallidum ssp. endemica. Die Behandlung erfolgt durch die mehrwöchige Gabe von Penicillin.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine endemische Syphilis?

Endemien sind Erkrankungen, die auf eine bestimmte Population oder ein begrenztes Gebiet bezogen auftreten. Syphilis existiert beispielsweise als endemische Variante in Afrika, auf der Arabischen Halbinsel und im Nahen Osten. Bei jeder Form der Syphilis handelt es sich um eine Geschlechtskrankheit in Folge einer Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum.

Anders als bei der gewöhnlichen Syphilis" findet die Übertragung bei der endemischen Syphilis nicht venerisch statt. Infektionen erfolgen durch Schmierinfektion und sind die Folge aus engem Sozialkontakt in sozioökonomisch meist schlechten Verhältnissen. Dier endemische Form der Syphilis ist auch als Bejel oder Njoverav bekannt und betrifft vor allem Kinder im Alter von vier bis zehn Lebensjahren.

Der nicht venerische Übertragungsweg meint in diesem Fall Infektion ohne Sexualkontakt. Die endemische Syphilis betrifft vor allem nomadische Bevölkerungsgruppen in engem Sozialverband bei hygienisch schlechten Bedingungen. Unter den Nomaden der Sahelzone, den Pygmäen zwischen der Republik Kongo und der Zentralafrika sowie bei Beduinenvölkern in Saudi-Arabien ist die endemische Form der Syphilis am weitesten verbreitet.

Trockene Gebiete wie der Irak, der Iran, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Afghanistan und Xinjiang waren in der Vergangenheit ebenfalls Risikogebiete. Landesinterne Bezeichnungen sind Frenga, Dichuchwa, Siti und Skerljevo.

Ursachen

Wie bei der "echte Syphilis" ist ein gramnegatives Schraubenbakterium der Familie Spirochaetaceae der Krankheitserreger der endemischen Syphilis. Anfangs wurde für die endemische Syphilis eine eigene Bakterienart namens Trepnoma endemica bestimmt. Da der Krankheitserreger allerdings hohe Ähnlichkeit zum Erreger der „echten Syphilis“ aufweist, werden beide Bakterienspezies mittlerweile als Subspezies der Art Trepnoma pallidum behandelt.

Für die endemische Syphilis lautet die Subspezies genauer gesagt Trepnoma pallidum ssp. endemica. Der Subspezies fehlen einige Pathogenitätsfaktoren, die der Erreger der „echten Syphilis“ besitzt. Anders als die „echte Syphilis“ kann die endemische Syphilis kein Nervengewebe infizieren oder in Narbengewebe überleben. Morphologische Unterschiede zwischen den beiden Erregern existieren nicht.

Bei beiden handelt es sich um schraubenförmige Bakterien mit einer Länge zwischen fünf und 20 µm und einer Breite zwischen 0,1 und 0,4 µm. Die Fortbewegungsart beider Krankheitserreger besteht aus längsseitigen Rotationsbewegungen.

Wegen der Umweltlabilität und der Trockenheitssensibilität werden beide Bakterien vor allem in direktem Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen. Etwas seltener findet die Übertragung von Bejel beim Stillen oder über den indirekten Kontakt statt, wie er durch Fliegen oder die gemeinsame Nutzung von Geschirr stattfindet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wie alle Bakterien der Art Trepnoma zeichnet sich Bejel durch einen Verlauf aus mehreren Phasen aus. Offene Hautwunden sind das Leitsymptom. Die Primärläsionen treten an der Eintrittsstelle des Bakteriums auf und sind oft nicht direkt sichtbar. Nach einer Inkubationszeit von bis zu drei Monaten entzünden sich die Mundwinkel der betroffenen Person.

Kleinere Läsionen treten an den Mundschleimhäuten auf. Die Ulcera bluten leicht. Zuweilen treten sichtbare Wunden in der anogenitalen Region oder am Kehlkopf auf. Hautveränderungen und Knochenbefall sind ein mögliches, aber nicht sonderlich verbreitetes Anzeichen im frühen Stadium. Während des ersten Stadiums wird der Allgemeinzustand der Patienten in der Regel nicht beeinträchtigt.

Nach rund sechs bis neun Monaten tritt das latente Stadium der Infektion ein. Die langen Röhrenknochen des Schienbeins und die Gesichtsknochen des Nasenbeins werden befallen. Eine proliferative, deformierende Periostitis tritt ein. Ulzerierende Hautläsionen oder größere Hautdefekte liegen vor. Zuweilen schreitet die Infektion jahrelang fort und mündet in entstellende Gewebsdefekte. Das Zentralnervensystem und das Herz bleiben anders als bei der „echten Syphilis“ verschont.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der endemischen Syphilis erfordert den mikrobiologischen Nachweis des Bakteriums Trepnoma pallidum. Bei routinemäßigen Untersuchungen des Gewebes oder lassen sich die dünnen Bakterien in den meisten Fällen nicht kenntlich machen. Zum Nachweis des Erregers ist meist eine native Dunkelfeldmikroskopie oder eine spezifische Fluoreszenzmikroskopie erforderlich.

In der Frühphase der Erkrankung liegen Antikörper vor, die mittels Treponema-pallidum-Hämagglutinations-Assay und Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptionstest belegt werden. Die Abgrenzung von der „echten Syphilis“ gelingt ausschließlich in einem Speziallabor. Für Patienten mit endemischer Syphilis besteht eine weitaus bessere Prognose als für Patienten mit „echter Syphilis“.

Behandlung & Therapie

Bei der endemischen Syphilis handelt es sich um eine bakterielle Infektion. Wie die meisten anderen Infektionen erfordert die Behandlung vor allem eine gezielte Therapie mit Antibiotikum. Die antibiotische Behandlung erstreckt sich für Patienten der endemischen Syphilis über mindestens zwei Wochen.

Als Medikament kommt Penicillin zum Einsatz. Bei leichter Erkrankung in der Anfangsphase reicht die einmalige Gabe von Depotpräparaten oft aus. Trotz wachsender Bakterienresistenz sind die Erreger der endemischen Syphilis bislang nicht resistent gegenüber Penicillin. Falls der Patient Überempfindlichkeiten gegenüber Penicillin besitzt, kommen statt dem Medikament Makrolide und Tetracycline zum Einsatz.

Bei schwerer Erkrankung in einem späteren Stadium wird die konservativ medikamentöse Behandlung der endemischen Syphilis länger fortgesetzt. Oft kommt es während der Therapie zu einem massenhaften Zerfall der Bakterien. Eine Herxheimer-Reaktion mit akuten Vergiftungserscheinungen ist aus diesem Grund denkbar. Nach der antibiotischen Therapie liegen oft schwere Gewebsdefekte vor, die später im Zuge einer plastischen Operation korrigiert oder rekonstruiert werden können.




Vorbeugung

Ein präventiver Impfstoff gegen Treponemen ist bislang nicht bekannt. Aus diesem Grund ist die Prophylaxe im Fall der endemischen Syphilis auf die Vermeidung von engem Sozialkontakt in den beschriebenen Gebieten und eine Verbesserung der hygienischen Umstände begrenzt.

Die Aufklärung über die Erkrankung und den Übertragungsweg wird von Forschern für den wichtigsten Vorbeugeschritt gehalten. Durch eine medizinisch verbesserte Versorgung soll der Erreger aus den bedrohten Bevölkerungsgruppen eliminiert werden.

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