Emotionale Taubheit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 19. Oktober 2016
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Emotionale Taubheit wird als eigenständiges Krankheitsbild äußerst selten diagnostiziert. Häufig tritt sie als untergeordnetes Symptom einer bestehenden Erkrankung auf. Die Betroffenen äußern eine Unfähigkeit, ihre Gefühlswelt angemessen wahrnehmen zu können. Die Heilungschancen richtigen sich nach der Grunderkrankung. Medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen wurden in ihrer Wirksamkeit bislang nicht ausreichend bestätigt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Emotionale Taubheit?

Emotionale Taubheit bezeichnet eine vorübergehende oder chronische Unfähigkeit, die eigenen Gefühle und Empfindungen wahrzunehmen, zu verarbeiten und auf angemessene Weise zu artikulieren. Die fehlende Emotionalität wird in vielen Fällen durch intensive körperliche Reize kompensiert.

Dies kann drastische Maßnahmen beinhalten, auf die die Umgebung oft mit Befremden reagiert. Soziale Isolation und Selbstentfremdung bis hin zur Depersonalisation können die Folge einer ausgeprägten emotionalen Empfindungsstörung darstellen.

Ursachen

Emotionale Taubheit tritt meist in Verbindung mit einer anderen Grunderkrankung auf. Sie kann auf psychologischer Ebene etwa als Folge einer posttraumatischen Belastungsstörung oder Depression entstehen. Nach traumatischen Erlebnissen wird das Ausschalten der Gefühlswelt oft von Betroffenen bewusst selbst hervorgerufen, um in Alltagssituationen zurechtzukommen.

Zur Vermeidung irrationaler Panikzustände in Situationen, die entsprechend vorbelastete Menschen an vergangene Traumata erinnern, begeben sich diese notgedrungen in einen Zustand völliger Gefühlskälte. Akute Zustände emotionaler Taubheit sind nicht zwangsläufig auf schwerwiegende seelische oder neurologische Erkrankungen zurückzuführen.

Auch Schlafmangel, PMS und Stress können Auslöser einer vorübergehenden emotionalen Störung sein. Zeitweilig auftretende empfindungsfreie Zustände können durch die Einnahme bestimmter halluzinogener Drogen oder durch intensives Meditieren erreicht werden.

Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Schizophrenie können Auslöser einer emotionalen Taubheit sein. Dabei spielen weniger psychosomatische Prozesse eine Rolle, sondern vielmehr hormonelle oder funktionelle Störungen bestimmter Hirnareale.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Menschen, die unter emotionaler Taubheit leiden, nehmen ihre Gefühle nur noch sehr abgeschwächt wahr und fühlen sich in ihrer Umgebung fremd und allein gelassen. Gefühle wie Angst, Zorn, Liebe oder Lust finden keine emotionale Basis mehr und werden in der Folge eher als physische denn als psychische Faktoren eingeordnet. Entsprechend versuchen die Betroffenen oft, durch körperliche Aktivitäten einen Gefühlszustand zu kompensieren oder überhaupt erst zu aktivieren.

Gefährlich wird dies, wenn nur durch große körperliche Empfindungen wie Schmerzen oder einschlägige Genussmittel überhaupt eine Verbindung zur Außenwelt hergestellt werden kann. Am deutlichsten sichtbar wird eine beginnende emotionale Taubheit am Rückgang der sozialen Interaktion und an einer allgemeinen Vernachlässigung ehemaliger Freizeitaktivitäten.

Mit dem zunehmenden Unverständnis der eigenen Gefühlswelt ist es den Betroffenen unmöglich, sich auf zwischenmenschliche Bedürfnisse einzulassen oder ein grundlegendes empathisches Verständnis für die Gefühlswelt anderer aufrecht zu erhalten. Oft stößt eine derartige Empfindungslosigkeit bei Mitmenschen auf Unverständnis und mitunter auf Unwillen. Diese Reaktion kann vom Betroffenen nicht angemessen kompensiert werden, was zu einem weiteren emotionalen Rückzug führen kann.

Menschen, die gezwungen sind, sich in einer ausgeprägten emotionalen Isolation zu bewegen, tendieren im weiteren Verlauf der Erkrankung zu genereller Hoffnungslosigkeit, einer alles zugrundeliegenden inneren Leere. Dies macht sich in schweren Depressionen, ausgeprägter Antriebsschwäche und allgemeiner Freudlosigkeit bemerkbar. Hierunter leiden nicht nur soziale Kontakte. Auch die Leistungs- und Lernbereitschaft in Beruf und Alltag wird durch die fehlende innere Motivation stark geschwächt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Aktuell bemängelt die Wissenschaft eine viel zu geringe Aufmerksamkeit der herrschenden Symptomatik gegenüber. Oft werden fälschlicherweise psychische Erkrankungen wie Angststörung oder Depression diagnostiziert, wobei die emotionale Taubheit nur als Unterpunkt gilt. Die Krankheit kann in unterschiedlichen Mustern ablaufen.

Von einem plötzlichen oder auch schleichenden Beginn ausgehend können sich die Symptome schubartig oder kontinuierlich verschlimmern. Auch Mischformen sind möglich – etwa ein unauffälliger Beginn, schleichender Fortschritt und letztendlich ein für die Umwelt gänzlich unverständliches, schubartiges Voranschreiten der Krankheit.

Behandlung & Therapie

Da die emotionale Taubheit per se nicht als Erkrankung gewertet wird, wird in erster Linie die Grunderkrankung behandelt. Einschlägige Methoden konnten sich hierbei bislang nicht etablieren. Auf medikamentöser Ebene liegen große Hoffnungen auf Antidepressiva und Neuroleptika.

Diese sollen durch die gezielte Anregung beziehungsweise Hemmung bestimmter Hormonausschüttungen Einfluss auf die Wahrnehmbarkeit der eigenen Gefühle nehmen. Auch psychosomatisch gibt es bislang keine einschlägigen Therapieverfahren.

Große Hoffnungen liegen im Bereich der Traumatologie auf der Verhaltenstherapie. Die gezielte Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse soll dem Betroffenen ermöglichen, sich angstfrei im Alltag zu bewegen und somit eine bewusste Einschränkung der Gefühlswelt überflüssig machen.

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Vorbeugung

Im Zuge einer bereits bekannten Grunderkrankung ist eine regelmäßige psychologische Beurteilung der emotionalen Empfindungsfähigkeit anzuraten. Die Einnahme entsprechender Medikamente sollte unbedingt laut ärztlicher Anweisung erfolgen.

Kurzweilige Zustände können durch eine gesunde, ausgewogene Lebensweise vermieden werden. Auch der Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin fördern ein gesundes Verhältnis zur eigenen Gefühlswelt und zur emotionalen Aufnahme und Verarbeitung von Umweltreizen.

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