Emotionale Störungen im Kindesalter

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 19. Oktober 2016
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Emotionale Störungen im Kindesalter sind eine Gruppe von psychischen Erkrankungen, die bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Die Störungen sind insbesondere durch Angst gekennzeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was sind emotionale Störungen im Kindesalter?

Dem Klassifizierungssystem ICD-10 zufolge gehören alle Störungen, die eine Verstärkung der normalen Entwicklung aufweisen, zu den emotionalen Störungen im Kindesalter. Im Vordergrund steht die Angst vor einem bestimmten Ding oder einer Situation. Kennzeichnend ist, dass dieses Objekt oder die Situation eigentlich ungefährlich ist.

Im DSM-IV, einem anderen Klassifizierungssystem für Erkrankungen, sind die emotionalen Störungen des Kindesalters hingegen nicht gesondert aufgeführt. Sie werden gemeinsam mit Angststörungen und Phobien von Erwachsenen codiert, sodass der Entwicklungskomponente hier keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Laut ICD und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören jedoch folgende Erkrankungen zu den emotionalen Störungen des Kindesalters:

  • Emotionale Störung mit Trennungsangst des Kindesalters
  • Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters
  • Emotionale Störungen mit Geschwisterrivalität
  • Phobische Störung des Kindesalters
  • Sonstige emotionale Störungen des Kindesalters

Ursachen

Für die Entstehung der emotionalen Störungen im Kindesalter gibt es verschiedene Theorien. Der Lehre der Psychoanalyse zufolge entstehen die Störungen durch eine Nichtbeachtung der kindlichen Bedürfnisse. Häufig ist zudem zu beobachten, dass auch die Bezugspersonen der erkrankten Kinder ängstlich wirken.

Eine weitere Theorie der Psychoanalyse besagt, dass die Ängste in Zusammenhang mit einer Trennungsangst auftreten. Nach den klassischen Lerntheorien und der kognitiven Betrachtungsweise basieren die Ängste hingegen auf einer klassischen Konditionierung. Ein ursprünglich neutraler Reiz erhält durch das räumlich-zeitliche Zusammentreffen mit einem angstauslösenden Reiz dazu, dass auch der eigentlich neutrale Reiz Angst auslöst.

Auch durch Modelllernen kann Angst erlernt werden. So kann beispielsweise das Kind beobachten, dass die Mutter ängstlich auf Hunde reagiert. Daraus schließt das Kind, dass Hunde gefährlich sein müssen und reagiert folglich ebenfalls mit Angst. Einige Forscher vermuten, dass die Angst vor einigen Gegenständen oder Situationen angeboren ist.

Nur durch eine Konfrontation mit der angstauslösenden Situation können Ängste abgebaut werden. Geschieht dies nicht, bleiben die Ängste erhalten. Der amerikanische Psychiater und Psychotherapeut Aaron Temkin Beck geht davon aus, dass die emotionalen Störungen des Kindesalters auf einer kognitiven Triade basieren. Für die Entstehung der Angst sind demnach drei Auslöser erforderlich: ein negatives Selbstbild, eine negative Interpretation der Situation /des Gegenstandes und eine nihilistische Einstellung zur Zukunft.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Rund zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden im Laufe ihrer Entwicklung zumindest kurzzeitig unter einer Angststörung. Bei ein bis vier Prozent kommt es zu Trennungsängsten. Insgesamt betrachtet sind im Kindergartenalter weniger Jungen als Mädchen von emotionalen Störungen betroffen.

Die Angststörungen beginnen häufig bereits in der frühen Kindheit und können sich bis zum Erwachsenenalter chronifizieren. Durch die Störungen kann die normale Entwicklung des Kindes behindert werden. Nicht selten entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung komorbide Störungen. So besteht insbesondere zu anderen Angststörungen eine recht hohe Komorbidität.

Fast die Hälfte aller Kinder mit einer emotionalen Störung leidet noch an einer weiteren Angststörung. Bei vielen Betroffenen finden sich zudem depressive Störungen. Oft gehen die emotionalen Störungen den depressiven Störungen voraus. Auch mit Störungen des Sozialverhaltens, Zwangssymptomen, elektivem Mutismus und Depersonalisationssyndromen finden sich Komorbiditäten. Je nach Störungsart treten zudem unterschiedliche Leitsymptome auf.

Emotionale Störungen mit Trennungsangst äußern sich durch eine anhaltende Sorge, dass der Bezugsperson etwas zustoßen könnte. Die betroffenen Kinder weigern sich zur Schule oder zum Kindergarten zu gehen, um bei ihrer Bezugsperson bleiben zu können. Sie haben Albträume, die die Trennung betreffen. Auch somatische Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen können vor oder während der Trennung auftreten.


Bei der phobischen Störung zeigen die Kinder ausgeprägte Ängste vor bestimmten Gegenständen oder Situationen. In der Angstsituation schwitzen oder zittern die Kinder. Sie können Atembeschwerden, Schwindelgefühle oder Beklemmungen aufweisen. Eine anhaltende Ängstlichkeit in sozialen Situationen weist auf Störungen mit sozialer Ängstlichkeit hin.

Fremden gegenüber agieren die Kinder befangen. Sie sind verlegen oder machen sich übertriebene Sorgen bezüglich ihres Verhaltens. Dadurch sind die sozialen Beziehungen deutlich reduziert und beeinträchtigt. Das wiederum führt bei den Kindern zu Schweigen, Weinen und einem starken unglücklichen Gefühl. Emotionale Störungen mit Geschwisterrivalität äußern sich durch eine Konkurrenz zu jüngeren Geschwisterkindern. Das Kind buhlt um die Aufmerksamkeit der Eltern und zeigt häufig Wutausbrüche.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf eine emotionale Störung des Kindesalters führt der behandelnde Arzt oder der behandelnde Psychiater beziehungsweise Psychotherapeut ein Gespräch mit dem betroffenen Kind und seinen Eltern. Fremdanamnesen mit Geschwisterkindern, anderen Kindern oder Lehrern können weitere Hinweise liefern, ob eine emotionale Störung vorliegt.

Behandlung & Therapie

In den meisten Fällen sind ambulante Behandlungen ausreichend. Dabei wird meistens ein multimodaler Ansatz verfolgt. Zunächst sollten Kindern und Eltern Informationen über die Angststörung vermittelt werden. Dieser Teil der Therapie wird auch Psychoedukation genannt. Zudem können verhaltensorientierte Interventionen, psychodynamische Psychotherapien und auch Körperpsychotherapien durchgeführt werden.

Familientherapien oder die Einbeziehung der Familie in die Therapie können die Behandlungserfolge verbessern. In Einzelfällen kann eine Behandlung mit Psychopharmaka erforderlich sein. In besonders schweren Fällen reicht eine ambulante Behandlung nicht aus, sodass eine stationäre oder teilstationäre Therapie erforderlich sein kann.

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Vorbeugung

Da die genauen Ursachen der emotionalen Störungen des Kindesalters unbekannt sind, kann den einzelnen Störungen nicht vorgebeugt werden.

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