Emetophobie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 6. Juli 2017Geprüfte Qualität
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Unter einer Emetophobie wird eine panische Angst vor dem Erbrechen verstanden. Sie zählt zu den phobischen Erkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Emetophobie?

Fast jeder Mensch fürchtet sich davor, sich übergeben zu müssen. So handelt es sich bei Übelkeit und Erbrechen um sehr unangenehme Empfindungen. Manche Menschen verspüren jedoch schon eine regelrechte panische Angst davor, wenn sie auch nur daran denken. Die Angst vor dem Erbrechen ist selbst dann vorhanden, wenn überhaupt kein Grund dazu besteht.

Mediziner sprechen in solchen Fällen von einer Emetophobie. Die Emetophobie wird zu den psychischen Erkrankungen gerechnet und übersteigt den normalen Ekel vor dem Erbrechen deutlich. So gilt sie als Angststörung, weil die betroffenen Personen irrationale Angstempfindungen verspüren, sich übergeben zu müssen.

Diese Angst haben sie auch dann, wenn sie andere Personen beim Erbrechen beobachten. Sogar Filme, Fotos oder das Erbrechen als Gesprächsthema lösen bei ihnen Ängste aus. Frauen scheinen von einer Emetophobie häufiger betroffen zu sein als Männer. So wiesen Studien bei ihnen deutlich höhere Fallzahlen auf.

Ursachen

Wodurch eine Emetophobie entsteht, konnte bislang noch nicht präzise ergründet werden. Viele Betroffene litten allerdings in ihrer Kindheit unter traumatischen Erlebnissen, bei denen das Erbrechen im Vordergrund stand. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Strafe handeln, weil sich das Kind im Auto übergeben musste.

Dadurch glaubte das Kind, dass es durch das Erbrechen weniger geliebt wurde. Bei zahlreichen anderen Patienten gab es ein solches traumatisches Erlebnis jedoch nicht. Allerdings tun sie sich schwer mit Druck, der von außen entsteht. So stellt die Emetophobie bei ihnen lediglich das Symptom anderer psychischer Probleme dar.

Nicht selten sind die Betroffenen in einem Teufelskreis aus sozialen Ängsten und Panikattacken gefangen. Bei vielen Patienten liegt außerdem eine ausgeprägte Essstörung vor. Weil sie Angst haben, sich nach den Mahlzeiten übergeben zu müssen, essen sie nur geringe Portionen oder nur unregelmäßig. Bestimmte Lebensmittel werden gänzlich vermieden.

Um das Erbrechen zu verhindern, nehmen rund 75 Prozent aller Erkrankten nur bestimmte Nahrungsmittel zu sich und überprüfen deren Haltbarkeit auf Herz und Nieren, da sie Angst haben, das Essen könnte verdorben sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Emetophobie äußert sich sowohl durch körperliche als auch durch psychische Symptome. Die physischen Beschwerden ähneln Panikattacken. So leiden die Patienten häufig unter Herzrasen, Übelkeit, Schweißausbrüchen, Magenschmerzen, Zittern, Schwächeanfällen und Schüttelfrost.

Darüber hinaus werden sie von der ständigen Angst begleitet, sich übergeben zu müssen. Erwachsenen und jugendlichen Patienten ist oftmals bewusst, dass ihre Angst vor dem Erbrechen übertrieben ist, sind aber nicht in der Lage, etwas daran zu ändern. Stattdessen schränken sie ihr berufliches und soziales Leben zunehmend ein.

Einige Emetophobiker umgehen strikt jegliche Situation, die bei ihnen Erbrechen auslösen könnte. So meiden sie zum Beispiel Feierlichkeiten wie Familienfeste, Betriebsfeste oder Partys. Gerade bei Partys, auf denen Alkohol konsumiert wird, haben sie Angst davor, möglicherweise sehen zu müssen, wie sich ein Betrunkener übergibt. Von betroffenen Kindern werden Klassenfahrten oder Ausflüge vermieden.

Auch Reisen oder das Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln sind Emetophobikern zu riskant, weil sie Angst vor Reiseübelkeit oder möglichen Erkrankungen in fremden Ländern haben. Das Essen an anderen Orten als in den eigenen vier Wänden wird vermieden. Kommt es im beruflichen Umfeld zu Erkrankungen wie einer Magen-Darm-Grippe, lassen sich die Emetophobiker aus Sicherheitsgründen vorsorglich krankschreiben.

Eine Schwangerschaft ist für betroffene Frauen undenkbar. Sogar der Kontakt mit schwangeren Frauen wird gemieden, weil diese sich eventuell übergeben könnten. Die größte Angst der Emetophobiker besteht darin, in einem Raum eingeschlossen zu sein, in dem sich Menschen erbrechen könnten. Daher halten sie stets Ausschau nach Fluchtwegen.

In Arztpraxen oder Krankenhäuser begeben sie sich nicht, weil sie Angst vor dort grassierenden Keimen haben, die Übelkeit und Erbrechen auslösen. Zur Vorbeugung nehmen die Betroffenen oft Anti-Brechmittel ein. Nicht selten tritt dadurch eine Abhängigkeit von diesen Medikamenten ein. Dagegen vermeiden sie Medikamente, die mögliche Nebenwirkungen wie Erbrechen aufweisen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Emetophobie zu diagnostizieren gilt als schwierig. So ist diese psychische Erkrankung bislang nur wenig bekannt. Außerdem stehen nur wenige geeignete Diagnoseinstrumente zur Verfügung. Von niederländischen Medizinern wurde ein spezieller Fragebogen entwickelt, der in der Forschung zum Einsatz gelangt.

Er beinhaltet insgesamt 115 Fragen, die sich mit der Angst vor dem Erbrechen sowie den körperlichen Empfindungen befassen. Dabei muss der Patient die Fragen auf einer Skala zwischen 1 und 5 beantworten. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Symptome der Emetophobie wie das Vermeidungsverhalten.

Gelingt es dem Patienten, sich zu einem Arztbesuch und einer Therapie zu überwinden, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung der Emetophobie gut. Allerdings muss der Patient auch den festen Willen zu einer Therapie haben.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlungsmöglichkeit der Emetophobie stellt die Verhaltenstherapie dar. Dabei erfolgt eine verhaltenstherapeutische Reizkonzentration, bei der der Patient genau den Situationen ausgesetzt wird, vor denen er Angst hat. Das heißt, dass der Betroffene sich beispielsweise Videofilme ansehen muss, in denen sich Menschen übergeben.

Außerdem gehen sie auf Feste oder besuchen Restaurants, um ihre Ängste schließlich zu überwinden. Mithilfe von speziellen Atemübungen und Entspannungstechniken lernen die Patienten, sich besser zu entspannen.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Emetophobie sind nicht bekannt. So ließen sich die genauen Auslöser der psychischen Störung noch nicht ermitteln.

Bücher über Emetophobie & andere Phobien

Quellen

  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2015

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