Elizabethkingia

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Elizabethkingia ist eine gramnegative Bakterie aus der Familie der Flavobakterien. Das Bakterium ist wie auch die Vielzahl der übrigen Flavobakterienarten fast allgegenwärtig in Böden und in Gewässern. Gelegentlich tritt die Art Elizabethkingia meningoseptica als Verursacher von Hirnhautentzündung bei Frühgeborenen, Babys und Kleinkindern auf. Seit November 2015 wurde in Wisconsin, USA, eine mysteriöse Infektionswelle beobachtet, die durch das Bakterium Elizabethkingia anophelis verursacht wird und an der bisher bis Mitte März 2016 über 50 Menschen erkrankten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Elizabethkingia?

Elizabethkingia ist ein gramnegatives, stäbchenförmiges, leicht gekrümmtes, unbewegliches Bakterium aus der Familie der Flavobakterien (Flavobacteriaceae). Das Bakterium, das 1960 von der US-amerikanischen Bakteriologin Elizabeth O. King, entdeckt wurde, erhielt vorübergehend den Namen Flavobacterium meningosepticum, was darauf hinweist, dass die Bakterie mit Hirnhautentzündung (Meningitis) und Sepsis in Verbindung gebracht werden kann.

Erst 2005 wurde festgestellt, dass das Bakterium zusammen mit einer weiteren Spezies eine eigene Art der Flavobakterien begründet und erhielt daraufhin zu Ehren seiner Entdeckerin den Namen Elizabethkingia. Es sind mindestens zwei Unterarten, Elizabethkingia meningoseptica und Elizabethkingia anophelis, bekannt. Die Zuordnung des Bakteriums zu den Flavobakterien bedeutet, dass sie wie die übrigen Mitglieder der Familie eine gelbliche Färbung aufweisen. Die gelbliche Färbung, die durch das Pigment Flexirubin hervorgerufen wird, ist bei größeren Kolonien von Flavobakterien gut zu erkennen.

Einige Stämme von Flavobakterien leben aerob und andere wiederum anaerob. Elizabethkingia ist ein obligat aerobes Bakterium, das für seinen Energiehaushalt auf Sauerstoffzufuhr angewiesen ist und das in der Natur, im Boden und in Gewässern fast allgegenwärtig ist.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Die Mikrobe Elizabethkingia ist – wie oben ausgeführt - in der Umwelt fast ubiquitär zu finden, besonders in Ackerböden und in Süß- oder Salzwasserseen sowie in nahezu sämtlichen stehenden Gewässern. Sie unterscheidet sich in ihrem Vorkommen nicht grundsätzlich von anderen Mitgliedern der großen Familie der Flavobakterien. Nur in seltenen Fällen wirkt das Bakterium fakultativ pathologisch.

Elizabethkingia vermehrt sich ausschließlich durch Sprossung, da das Bakterium keine Sporen ausbilden kann. In angelegten Bakterienkulturen sind die Reaktionen bei entsprechenden Nachweistests hinsichtlich der Enzyme Katalase, Indol und Oxidase positiv, während die Reaktion auf das Enzym Urease negativ ist. Das bedeutet, dass Kolonien von Elizabethkingia über die als positiv getesteten Enzyme durch Eigensynthese selbst verfügen, während das Enzym Urease als Ergebnis der Negativtestung nicht produziert wird.

Die Unterart Elizabethkingia meningoseptica tritt gelegentlich auch als nosokomialer Keim auf, also als ein krankenhausspezifischer Keim, der gegen einige der bekannten Antibiotika resistent ist. Das Bakterium verfügt über die Fähigkeit, Enzyme wie Betalaktamasen und erweiterte Betalaktamasen (ESBL) zu synthetisieren, mit denen sie bestimmte Antibiotika deaktivieren können.

Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht bei Frühgeborenen, Babys und Kleinkindern, deren Immunsystem geschwächt oder künstlich supprimiert wurde. Auch Dialysepatienten tragen ein erhöhtes Infektionsrisiko. Typische Krankheitsbilder, die durch den Keim verursacht werden können, sind Hirnhautentzündung (Meningitis), Lungenentzündung (Pneumonie) und eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Auch eine Sepsis, eine systemisch verbreitete Entzündung, kann durch Elizabethkingia meningoseptica ausgelöst werden.

Klinikgeräte, Leitungswasser und kontaminierte Venenkatheder können als Hauptinfektionswege betrachtet werden. Eine direkte Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch besteht nicht.

Bedeutung & Funktion

Das Flavobakterium Elizabethkingia ist ebenso allgegenwärtig wie die meisten anderen Familienmitglieder der Flavobakterien. Dass sie als Pathogene in Erscheinung treten, ist relativ selten. Allerdings sind bisher auch keine Studien bekannt geworden, die eine Vergesellschaftung des Bakteriums mit anderen Bakterien belegen, die Haut oder Schleimhäute besiedeln oder Teil der gesunden Darmflora sind. Sehr wahrscheinlich ist es, dass die obligat aeroben Mikroben keine unmittelbare und besondere Bedeutung für Körper und Gesundheit des Menschen haben.

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Krankheiten & Beschwerden

Trotz ihrer fast Allgegenwärtigkeit sind Flavobakterien und auch Elizabethkingia normalerweise nicht pathogen mit Ausnahme des Bakteriums Elizabethkingia meningoseptica, das teils, wie oben beschrieben, als nosokomialer Keim Probleme bereiten kann.

Seit November 2015 tritt in Wisconsin, USA, ein spezieller Keim mit dem Namen Elizabethkingia anophelis in Erscheinung. Im Zeitraum 1. November 2015 bis 16. März 2016 sind in Wisconsin 54 Personen im Alter von über 65 Jahren nachweislich an dem Keim erkrankt. Alle erkrankten Personen litten gleichzeitig an einer weiteren Krankheit, so dass auch hier mit hoher Wahrscheinlichkeit ein geschwächtes oder stark beanspruchtes Immunsystem eine Infektion erleichtert hat.

Allgemeine Symptome einer Infektion mit Elizabethkingia anophelis sind typischerweise Fieber, Atemnot und Frösteln. Bei den meisten Patienten stellt sich eine Lungenentzündung ein.

Von den 54 infizierten Personen sind bereits 15 Patienten gestorben, wobei die Todesursache auch jeweils in einer ebenfalls bestehenden weiteren Erkrankung liegen kann. Die Behörden in den USA suchen weiter nach den Infektionsursachen. Offensichtlich spricht Elizabethkingia anophelis auf bestimmte Antibiotika an, so dass effiziente Behandlungsmöglichkeiten gegeben sind.

Einige Indizien sprechen dafür, dass der Erreger durch Mücken übertragen wird. Einen ähnlich brisanten Fall einer Serie von Infektionen mit Elizabethkingia lieferte vor einigen Jahren ein Londoner Hospital, in dessen Intensivstation 30 von insgesamt 900 Patienten mit dem Keim infiziert wurden. Nach langer Suche wurden bestimmte Wasserhähne als Infektionsherde identifiziert. Im Unterschied zu der Infektionsserie in London, die ausschließlich in der Intensivstation eines Krankenhauses erfolgte, haben sich in Wisconsin auch Personen außerhalb von Krankenhäusern infiziert, was die Suche nach dem oder den Infektionsherden erschwert.

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