Elektrokoagulation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Die Elektrokoagulation ist ein operatives Verfahren der HF-Chirurgie, bei dem Gewebe mittels hochfrequentem Strom absichtlich beschädigt und entfernt wird. Das Verfahren kann in diesem Zusammenhang zum Beispiel an Tumoren zum Einsatz kommen und verschließt gleichzeitig mit dem Schnitt die entstehende Wunde. Die Elektrokoagulation kann in extrem trockenen Geweben nicht stattfinden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Elektrokoagulation?

Bei der Hochfrequenz-Chirurgie leitet ein Team aus Ärzten hochfrequenten Wechselstrom durch den menschlichen Körper. Das HF-Verfahren will Gewebe gezielt beschädigen oder zerschneiden. Gewebestrukturen sollen durchtrennt oder vollständig entfernt werden.

Anders als im Rahmen der konventionellen Schneidetechnik kann die Wunde gemeinsam mit dem Schnitt im Rahmen der HF-Chirurgie verschlossen werden. Damit ist die Blutung gestillt, da die Gefäße im Schnittbereich verschlossen sind. Das Instrument der HF-Chirurgie ist der Elektroskalpell. Ein Verfahren aus diesem Chirurgiebereich ist die Elektrokoagulation. Bei der Elektrokoagulation wird ein einzelner Funke abgegeben, der das Gewebe punktförmig verbrennt und so Gewebestrukturen voneinander trennt.

Die schnelle und gleichzeitig effiziente Elektrokoagulation und die damit verbundene Blutstillung kommt vor allem im Rahmen von fehlender Spontangerinnung zum Einsatz, so zum Beispiel bei Blutungen in Zusammenhang mit Tumoren. Bei den eher kleinen Gefäßen ersetzt das Verfahren teuren Fibrinkleber oder die Ligatur. Damit erspart die Elektrokoagulation dem Arzt sowohl Aufwand, als auch Geld. Auch der Patient profitiert durch die sofortige Blutstillung von dem Verfahren der HF-Chirurgie.

Funktion, Wirkung & Ziele

Der Begriff Koagulation kann sich auf zwei unterschiedlich operative Techniken beziehen. Neben der Tiefenkoagulation existiert die elektrische Blutstillung im Sinne der Elektrokoagulation. Auch die Tiefenkoagulation ist eine Elektrokoagulation. Das Verfahren erhitzt das Gewebe auf bis zu 80 Grad Celsius.

Die Erhitzung wird über Elektroden erreicht. Zum Einsatz kommen in diesem Zusammenhang neben Kugel- und Plattenelektroden auch Walzenelektroden. Diese Instrumente dienen im Verlauf der Operation dem Abtrag von Gewebe. Bei der Elektrokoagulation im Sinne der Tiefenkoagulation wird eine hohe Stromdichte verwendet. Zum Einsatz kommt ausschließlich Strom ohne Impulsmodulation, also unmodellierter Strom. Über die Größe der Stromstärke beeinflussen die Ärzte die Tiefe der Koagulation. Wenn großer Strom zum Einsatz kommt, bildet sich Brandschorf. Die Wärme kann sich damit nicht weiter in die Tiefe ausbreiten.

Wenn später die Elektrode entfernt wird, entfernt der Arzt im selben Schritt das verbrannte Gewebe, das noch immer an der Elektrode hängt. Wenn kleiner Strom zu hoher Einwirkungsdauer verwendet wird, verkocht das Gewebe um die Elektrode herum. Die Verbrennungen reichen etwas tiefer als der Elektrodendurchmesser. Zur Elektrokoagulation im Sinne eines Blutstillungsverfahrens wird anders als zur Tiefenkoagulation impulsmodulierter HF-Strom verwendet, der an Klemmen und Pinzetten hängt. Die Spitzen der Instrumente greifen den zu stillenden Bereich, der sich durch die Dehydration verengt und am Ende komplett verschließt.

Die Elektrokoagulation ist ein operatives Verfahren der HF-Chirurgie, bei dem Gewebe mittels hochfrequentem Strom absichtlich beschädigt und entfernt wird. Es wird zum Beispiel an Tumoren zum Einsatz kommen.

Dieses Verfahren der Koagulation findet in bipolarem Betrieb statt. Monopolare Pinzetten werden nur selten verwendet. An Sickerblutungen findet die Blutstillung mit großflächigen Elektroden statt, die über impulsmodulierten Strom betrieben werden. Weitere Formen der Koagulation sind die Desikkation und die Fulguration. Dabei handelt es sich um Spezialformen des Verfahrens. Die Fulguration wird als oberflächliche Koagulation durchgeführt. Intra- und Extrazellulärflüssigkeit verdampfen bei diesem Verfahren aufgrund des Funkenüberschlags von einer Spitze der Elektrode, die der Arzt wenige Millimeter über das Gewebe führt.

Die Desikkation entspricht im Allgemeinen diesem Verfahren, allerdings ist wird Nadelelektrode bei dieser Koagulationsart ins Gewebe eingestochen. Von Soft Koagulation ist bei Stromstärken unter 190 V die Rede. Diese Verfahren lassen weder Funken, noch Lichtbögen entstehen. Auf diese Weise ist ungewolltes Schneiden ausgeschlossen und Karbonisation ist verhindert. Darüber hinaus gibt es die forcierte Koagulation, die bis hin zu Stromstärken von 2,65 kV reicht und Lichtbögen für eine höhere Koagulationstiefe erzeugt. Die Spray Koagulation arbeitet wiederum mit Stromstärken von bis zu 4 kV und lässt damit besonders starke und lange Lichtbögen entstehen, um das Gewebe sowohl exogen, als auch endogen zu erwärmen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Elektrokoagulation ist mit einigen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Wie gewohnt muss der Patient mit den konventionellen Risiken und Nebenwirkungen einer jeden Operation rechnen. Dazu gehören zum Beispiel ungewollte Blutungen, Kreislaufzusammenbrüche aufgrund des Anästhetikums oder Komplikationen im Halsbereich, die durch das Beatmungsgerät eintreten können.

Wie alle anderen Operationen kann die Elektrokoagulation aufgrund des Anästhetikums Übelkeit oder Erbrechen bewirken. Darüber hinaus können an den behandelten Stellen mehr oder weniger starke Schmerzen auftreten. Über die konventionellen Operationsrisiken hinaus ist die Elektrokoagulation mit einigen spezifischen Risiken und Komplikationen assoziiert. Dazu zählt zum Beispiel der Klebeeffekt, der sowohl bei der Soft Koagulation, als auch Forcierter Koagulation eintreten kann. Bei höheren Stromstärken ist auch ein unerwartet hoher Funkenschlag nicht vollständig auszuschließen, der im Extremfall ungeplant Gewebe verletzt oder sogar entfernt.

Dieses Risiko ist allerdings zu vernachlässigen, solange sich der Patient in den Händen von professionellen HF-Chirurgen befindet, die den Eingriff täglich mehrmals durchführen. Unter gewissen Umständen ist eine Elektrokoagulation nicht möglich. Das gilt zum Beispiel dann, wenn das Gewebe extrem trocken ist. In trockenem Gewebe entsteht kein ausreichender Stromfluss. Aus diesem Grund lässt sich in solchem Gewebe überhaupt nicht elektrokoagulieren. Die Ärzte müssen vor der geplanten Koagulation daher genau eruieren, wie trocken das zu behandelnde Gewebe ist.

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Quellen

  • Henne-Bruns, D., Barth, H.: Duale Reihe Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Nürnberger, H.: Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer, München 2010
  • Schumpelick, V., Bleese, N., Mommsen, U.: Kurzlehrbuch Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2010

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