Einschlafzuckungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. Dezember 2017
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Von Einschlafzuckungen, auch Einschlafmyoklonus genannt, spricht man, wenn es während des Einschlafens zu Zuckungen des Körpers, teilweise im Verbund mit anderen Auffälligkeiten, kommt. Einschlafzuckungen sind meistens harmlos und können im Laufe des Lebens auftreten und wieder von selbst verschwinden. Erst wenn durch Einschlafzuckungen ein Einschlafen erschwert oder verhindert wird, spricht man von einer Krankheit.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Einschlafzuckungen?

Unter dem Begriff Einschlafzuckungen werden verschiedene Phänomene zusammengefasst, die während des Einschlafens oder in der ersten Schlafphase beobachtet werden können.

Neben Zuckungen des Körpers kann es zu visuellen, auditiven und sensorischen Einschlafzuckungen kommen. Zuckungen des Körpers zeigen sich in plötzlichen und kurzen Zuckungen der Gliedmaßen oder des Rumpfes, die Myoklonien genannt werden. Bei visuellen Einschlafzuckungen nimmt der Einschlafende Lichtblitze wahr, die es nicht gibt.

Bei auditiven Einschlafzuckungen hingegen hört der Einschlafende laute Geräusche, zum Beispiel ein Knallen, welche ebenso wie die Lichtblitze nicht von anderen wahrgenommen werden können. Bei sensorischen Einschlafzuckungen hingegen verspürt der Einschlafende ein Gefühl des Fallens oder Stolperns. Visuelle, auditive und sensorische Einschlafzuckungen können Zuckungen des Körpers begleiten.

Nur in seltenen Fällen - bei starker Ausprägung der Einschlafzuckungen - erwacht die betroffene Person durch die Einschlafzuckungen wieder. Zudem kann es zu einem beschleunigten Herzschlag und einer unregelmäßigen Atmung kommen.

Ursachen

Bislang sind weder für milde noch für starke Einschlafzuckungen Ursachen bekannt. Sie werden als natürliches Phänomen eingeordnet, da es während des Einschlafens bei ungefähr siebzig Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens zumindest zeitweise zu Einschlafzuckungen kommt.

Vor allem bei kleinen Kindern können Zuckungen der Gliedmaßen beobachtet werden, die völlig unbedenklich sind. Obwohl die Ursachen unbekannt sind, konnte beobachtet werden, dass Einschlafzuckungen gehäuft als Reaktion auf äußere Geräusche und bei Personen, die gestresst sind, auftreten.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es beim Einschlafen zu Veränderungen der Nervenzellen im Gehirn oder im Rückenmark kommt, die durch eine einem Netz ähnelnde Struktur aus grauer und weißer Substanz ausgelöst wird. Diese Anordnung wird als Formatio reticularis bezeichnet. Sie sendet während des Einschlafvorgangs hemmende Signale an das Nervensystem und sorgt somit für das Entspannen der Muskeln. Damit könnten Einschlafzuckungen möglicherweise mit dem Formatio reticularis zusammenhängen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

In der Regel handelt es sich bei den Einschlafzuckungen um eine harmlose Beschwerde, die sich meistens nicht negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen auswirkt und diese auch nicht verringert. Nur in seltenen und schwerwiegenden Fällen leiden die Betroffenen durch die Einschlafzuckungen an starken Schlafbeschwerden und damit an psychischen Verstimmungen oder sogar an Depressionen und einer Gereiztheit.

Die Betroffenen zucken dabei vor dem Einschlafen oder sogar noch nach dem Einschlafen und wachen aufgrund dieser Zuckungen wieder auf. Sie können dabei unterschiedlich stark ausgeprägt sein und in einigen Fällen den Schlaf stören. Bei einigen Betroffenen sind die Einschlafzuckungen so stark, dass es dabei zu einem epileptischen Anfall kommt, bei welchem es an den Muskeln zu sehr starken Schmerzen kommt.

Auch Krämpfe können dabei auftreten. Weiterhin kann über die Regelmäßigkeit dieser Zuckungen in der Regel keine Aussage getroffen werden, sodass die Einschlafzuckungen spontan auftreten, danach allerdings wieder von alleine verschwinden können. Die Beschwerden lassen sich in den meisten Fällen relativ gut behandeln, sodass es zu keinen besonderen Komplikationen kommt. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Einschlafzuckungen nicht verringert. In vielen Fällen kann Stress die Beschwerden verstärken.

Diagnose & Verlauf

Im Rahmen der Diagnose müssen Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden, da Myoklonien ein Begleitsymptom von verschiedenen Erkrankungen sein können. So kommt bei Einschlafzuckungen auch fragmentarischer oder propriospinaler Myoklonus, das Restless-Legs-Syndrom (kurz RLS), Krämpfe der Muskulatur und Epilepsie in Frage.

Mit Restless-Legs-Syndrom wird eine neurologische Erkrankung bezeichnet, bei der ein erhöhter Bewegungsdrang vorliegt und es zu unwillkürlichen Bewegungen kommen kann. Einschlafzuckungen sind mittels Elektromyografie oder kurz EMG messbar. Hierbei wird entweder die elektrische Spannung in einem Muskel oder die Spannung in einer Muskelfaser untersucht. Bei Einschlafzuckungen kommt es dann zu kurzen, hohen Spannungsspitzen.

Allerdings müssen die Einschlafzuckungen nicht allabendlich auftauchen. Sie können nach vielen Jahren plötzlich auftreten, für eine Weile das tägliche Einschlafen begleiten und dann ebenso plötzlich wieder verschwinden. Sie können jedoch auch nur unregelmäßig auftreten.

Komplikationen

Bei Einschlafzuckungen handelt es sich in der Regel um ein gewöhnliches und vor allem harmloses Symptom, welches nicht durch einen Arzt behandelt werden muss. Die Einschlafzuckungen kommen bei fast jedem Menschen vor und sind nicht immer für den Betroffenen eindeutig. Oft werden diese nur vom Partner festgestellt.

Sollten die Einschlafzuckungen stark sein, so können sie den Partner stören und sich dabei negativ auf die Beziehung auswirken. In einigen Fällen wacht der Betroffene nach den Einschlafzuckungen auch selbst auf, wobei es zu Schlafproblemen und Schlafmangel kommen kann. Hierbei kommt es zu Stress, einer aggressiven Grundhaltung und weiteren Beschwerden, die im Zuge von Schlafmangel auftreten.

Eine Behandlung wird in der Regel nicht durchgeführt, sodass es auch zu keinen weiteren Komplikationen kommt. Allerdings sollte dann ein Arzt aufgesucht werden, wenn durch die Einschlafzuckungen kein erholsamer Schlaf mehr möglich ist. Hierbei kann es sich um ein psychisches Problem oder das sogenannte Restless-Leg-Syndrom handeln. Eine Behandlung führt in den meisten Fällen zu einem positiven Krankheitsverlauf ohne weitere Komplikationen. In den meisten Fällen findet allerdings keine Behandlung statt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Einschlafzuckungen sind in aller Regel harmlos und bedürfen meistens keiner ärztlichen Untersuchung. Sollten die Zuckungen allerdings Probleme hervorrufen, muss dies abgeklärt werden. Wer im Zusammenhang mit den Muskelkontraktionen beispielsweise nicht mehr ein- oder durchschlafen kann oder Ängste entwickelt, spricht am besten mit dem Hausarzt. Sollte sich der Partner durch die Zuckungen gestört fühlen, ist dies ebenfalls abzuklären. Meist lassen sich Einschlafzuckungen durch Selbsthilfe-Maßnahmen (z.B. Yoga, sportliche Betätigung oder beruhigende Tees) oder eine sanfte Medikation abschwächen.

Manchmal liegt ihnen allerdings ein psychisches Trauma zugrunde. Wer ein schlimmes Erlebnis hinter sich hat oder in der Vergangenheit psychische Probleme hatte, sollte die Einschlafzuckungen zum Anlass für ein Psychologengespräch nehmen. Sollte den Kontraktionen ein Unfall vorausgegangen sein, liegen womöglich Muskel- oder Nervenbeschwerden zugrunde. Alleine, um Komplikationen auszuschließen, sollte ein Arzt konsultiert werden, der die Ursache abklärt und gegebenenfalls behandelt. Sollten Beschwerden wie Herzrasen oder Atemnot hinzukommen, muss mit Einschlafzuckungen grundsätzlich medizinischer Rat eingeholt werden.

Behandlung & Therapie

Auch wenn die kurzen, hohen Spannungsspitzen in den Muskeln unangenehm sein können, müssen Einschlafzuckungen im Normalfall nicht behandelt werden. Alle auftretenden Phänomene sind harmlos. Wenn allerdings ein erholsamer Schlaf durch Einschlafzuckungen dauerhaft verhindert wird, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

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Vorbeugung

Wer Einschlafzuckungen vermeiden möchte, sollte auf einen übermäßigen Konsum von Koffein, gleich ob in Kaffee oder anderen Getränken, verzichten.

Neben Kaffee sollten auch andere stimulierende Substanzen vermieden werden. Nikotin wird ebenso mit Einschlafzuckungen in Verbindung gebracht. Das betrifft nicht nur Zigaretten, sondern beispielsweise auch Nikotin-haltige Pflaster. Da Wissenschaftler beobachten konnten, dass es bei gestressten Personen vermehrt zu Einschlafzuckungen kommt, sollte man seinem Geist vor dem Einschlafen genügend Zeit geben, um sich zu entspannen. Besser wäre es, Stress zu vermeiden.

Auch ein stark beanspruchter Körper neigt vermehrt zu Einschlafzuckungen. Verzichtet werden sollte daher ferner auf Aktivitäten, die den Körper stark belasten.

Das können Sie selbst tun

Den vielfach harmlosen Einschlafzuckungen lässt sich gut mit Entspannung vor dem Zubettgehen begegnen. Von hektischem Alltagsstress Betroffene können mit Entspannungstechniken wie Autogenem Training, Yoga oder Medidation zur inneren Ruhe gelangen, was ein besseres Einschlafen ermöglicht. Auch körperliche Arbeit bringt den Körper auf Hochtouren und lässt ihn nicht so schnell in die gewollte Erholungsphase finden. Von daher gilt es, größere Anstrengungen und Aktivitäten zu dieser Tageszeit zu meiden.

Patienten, die vor dem Schlafen gerne lesen, sollten sich für eine positive, entspannende Lektüre entscheiden und von spannenden Titeln Abstand nehmen. Optimal ist es, zum Abschalten ein festgelegtes Ritual zu entwickeln, um Körper und Seele darauf vorzubereiten. Auch das Führen eines Tagesbuchs kann ein brauchbares Mittel dafür sein.

Neben Stress kann auch Koffein das Auftreten der Einschlafzuckungen begünstigen. Es ist daher ratsam, auf den Konsum koffeinhaltiger Getränke wie Kaffee, schwarzer Tee oder Cola in den Abendstunden zu verzichten. Da auch Nikotin einen negativen Einfluss auf die Ruhe- und Einschlafphase haben kann, sollten sich Raucher und Patienten, die ein Nikotin-Pflaster verwenden, auf einen Zeitraum vor dem Schlafengehen beschränken.

Bücher über Schlafstörungen

Quellen

  • Bob, A., Bob, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009
  • Diener, H.-C., et al.: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012

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