Eigenreflex

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Der in der Medizin am einfachsten aufgebaute Reflex wird als Eigenreflex bezeichnet. Der Reflex tritt also an ebender Stelle auf, an der er ausgelöst wurde. Ein Beispiel hierfür ist der Patellarsehnenreflex im Bereich der Kniescheibe, der durch einen leichten Schlag auf selbige hervorgerufen wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Eigenreflex?

Beim Eigenreflex wird die Reaktion genau dort hervorgerufen, wo der Reiz stattfand. Der Begriff stammt aus der Neurophysiologie und bezeichnet in der Regel vor allem Muskelreflexe. Wird ein Muskel durch einen Reiz gedehnt, führt dies über Synapsen und Verschaltungen im Rückenmark zu einem Zucken des gereizten Muskels.

Wie stark die Reaktion ausfällt, hängt vom Reflexbogen und dem Zustand des Motoneurons im Rückenmark ab. Der Eigenreflex ist allerdings nicht unveränderbar. So kann er durch Übungen, gesteigerte Aufmerksamkeit oder entsprechende Anspannung des Muskels beeinflusst werden. Zudem kann er in manchen Fällen gänzlich ausbleiben.

Im Gegensatz zum Fremdreflex ist der Eigenreflex nicht habituierbar. Als solches wird in der Medizin die Gewöhnung an einen Reiz bezeichnet. Die Reaktionen werden also bei Eigenreflexen nicht durch Wiederholung abgeschwächt oder bleiben gänzlich aus. Er ist nicht ermüdbar.

Zudem hat er eine kurze Latenzzeit. Aufgrund der wenig komplexen Verzweigung erfolgt die Reaktion also unmittelbar und ohne größere Verzögerung. Beim Fremdreflex hingegen kommt es erst im Rückenmark zu einer Umschaltung der Nerven auf andere Organe beziehungsweise Muskeln, die dann ihrerseits auf den Reflex reagieren. Ein Beispiel hierfür ist die Überprüfung des Pupillenreflexes bei Verdacht auf eine Hirnschädigung. Lichteinfall auf ein Auge sorgt in der Regel zur Verengung beider Pupillen.

Funktion & Aufgabe

Die Liste der Eigenreflexe ist lang. Einige werden von Ärzten genutzt, um die Funktion verschiedener Rückenmarksnerven zu testen. Eigenreflexe erfüllen verschiedene Aufgaben, wobei es sich in aller Regel um Schutzmechanismen handelt. Die Dehnungsreflexe schützen den Menschen beispielsweise vor Stürzen, wie es bei dem PSR (Patellarsehnenreflex) der Fall ist. Knickt das Knie ein, wird der Unterschenkel reflexartig zum Vorschnellen bewegt, wodurch ein Sturz durch Stabilisierung des Gleichgewichts verhindert werden kann. Es handelt sich also um die Ausführung einer zügigen Routineaufgabe. Daher ist die kurze Latenzzeit vonnöten. Die Eigenreflexe erfüllen damit eine lebenswichtige Funktion.

Der sogenannte Reflexbogen besteht aus einem Rezeptor – dem Sinnesorgan –, der beteiligten Nervenfaser, dem Zentralnervensystem sowie der motorischen Faser und dem Effektor. Der Effektor ist der Muskel oder das Organ, das die Reaktion auf den Reiz ausführt. Beim Eigenreflex sind Rezeptor und Effektor nach oben aufgeführter Erläuterung identisch. Auslösende Reize können dabei beispielsweise Zug, Beschleunigung, Druck, Schall, Temperatur, Licht oder chemische Substanzen sein.

Der in der Medizin am einfachsten aufgebaute Reflex wird als Eigenreflex bezeichnet. Ein Beispiel hierfür ist der Patellarsehnenreflex im Bereich der Kniescheibe.

Im Folgenden werden zur Veranschaulichung einige der Eigenreflexe aufgegriffen, um die Funktion und Reaktion zu verdeutlichen. Beim Achillessehnenreflex beispielsweise wird durch einen leichten Schlag auf die gespannte Achillessehne eine Reaktion des Sprunggelenks ausgelöst. Der Bauchdeckenreflex reagiert auf die Auflage von Fingern auf die Bauchmuskulatur und einen Schlag auf die Fingerrücken. Das dadurch bedingte Anspannen der Bauchmuskeln ist beispielsweise ein Mechanismus, der vor der Schädigung innerer Organe bei dumpfen Schlägen im Bauchbereich schützt. Schläge gegen das Kinn lösen wiederum das automatische Schließen des Mundes aus, um Schädigungen im Mund zu verhindern.

Daneben gibt es allerdings auch Reflexe, die nur dann auftreten, wenn es zu Schädigungen der Zentralmotorik gekommen ist. Dazu gehört beispielsweise der Zehenbeugereflex, der dann auftritt, wenn kurz und mit Nachdruck auf die Zehenbeeren geschlagen wird. Werden die Zehen gebeugt, deutet dies auf Verletzungen hin.

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Krankheiten & Beschwerden

Schädigungen an Nerven oder im Rückenmark können demnach die Eigenreflexe beeinflussen. So führen beispielsweise Schäden des ersten motorischen Neurons zu einer starken Reflexsteigerung. Hierzu gehört auch der Zehenbeugereflex. Kommt es allerdings zu Schädigungen innerhalb des Reflexbogens, fällt der Reflex gänzlich aus. Dies kann durch mechanische Schäden oder eine Neuritis der Fall sein. So kann durch eine ausführliche, neurologische Untersuchung herausgefunden werden, ob einzelne Nervenbahnen geschädigt sind oder ob eine Nervendysfunktion vorliegt. Nach Schlaganfällen kann es zur Steigerung der Eigenreflexe von Muskeln kommen. Mediziner bezeichnen ein solches Fehlverhalten als Spastik. Dabei sind auch Fremdreflexe in benachbarten Muskelgruppen möglich.

Neben dem Zehenbeugereflex gibt auch der sogenannte Adduktorenreflex (ADR) Aufschluss über Erkrankungen. Wird hierbei ein Schlag auf die Sehnen der Innenseite des Oberschenkelknochens beim Kniegelenk ausgeübt, reagiert das Bein mit Adduktion in der Hüfte. Ist der Reflex gesteigert, reagieren beide Beine auf den einseitigen Reiz wie es auch bei der Reaktion beider Augen auf Lichtverhältnisse der Fall ist. Für den ADR verantwortlich sind die Nervenbahnen L2, L3 und L4 sowie der Nervus obturatorius. Hierbei handelt es sich um einen Nerv des Lendengeflechts.

Bei einem Bandscheibenvorfall kann es zudem zu einem Ausfall des Achillessehnenreflexes kommen, sofern eine Kompression der Wurzeln vorliegt. Der Orbicularis-oris-Reflex führt bei Beklopfen der Mundmuskulatur zum rüsselartigen Hervorstrecken der Lippen. Dieser Eigenreflex ist ein Anzeichen für Muskel-Überregbarkeit und kann beispielsweise bei Tetanie auftreten.

Nicht jedem Ausbleiben eines Eigenreflexes liegt eine Erkrankung zugrunde. So gibt es einige Reflexe, die schwellennah sind und daher nicht immer ausgelöst werden können. Im Zweifelsfall wird ein Mediziner zur sicheren Diagnosestellung von Erkrankungen weitere Tests heranziehen.

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