Eigengeruchswahn

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. Oktober 2017
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Der Eigengeruchswahn ist ein Wahninhalt, der Patienten an einen abstoßenden Eigengeruch glauben lässt. Für die Entstehung des Wahns spielen übergeordnete Erkrankungen wie Schizophrenie, Zwangsstörung oder hirnorganische Schädigung eine Rolle. Die Behandlung erfolgt in einer Kombination aus Medikamentengabe und Therapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Eigengeruchswahn?

Die Gruppe der Wahnerkrankungen enthält unterschiedliche Krankheitsbilder der Psyche. Wahnkrankheiten unterscheiden sich zum Beispiel deutlich mit dem Wahninhalt. Beim Eigengeruchswahn entspricht der Inhalt der Wahnvorstellung einem schlechten Körpergeruch. Die Betroffenen sind von dem Gedanken besessen, ihr Geruch wirke auf andere abstoßend.

Der Eigengeruchswahn ist auch als Bromidrosiphobie oder Bromosis bekannt und wurde in der Fachliteratur ursprünglich vor dem kulturspezifischen Hintergrund Japans beschrieben. Taijin Kyōfushō gilt als Erstbeschreiber. Seit den 70er Jahren hat der Wahninhalt auch in englischsprachige Publikationen Eingang gefunden. Damit wurde das Krankheitsbild vom japanischen Kontext gelöst und ist seither als Olfactory Reference Syndrome bekannt.

Bei der Störung handelt es sich um eine eher seltene Inhaltsform des Wahns. Mittlerweile ist der Eigengeruchswahn keine eigene, monosymptomatische Störung mehr, sondern wird in den Kontext von psychischen Erkrankungen wie Zwangsstörungen, Schizophrenie und Psychosyndromen gestellt.

Ursachen

Die Ursachen für den Eigengeruchswahn können kulturelle und individuelle erlernte Fehleinschätzungen sein. Darüber hinaus können unterschiedliche Primärerkrankungen zum symptomatischen Bild des Eigengeruchwahns führen. Paranoide Schizophrenie ist die mitunter bekannteste Erkrankung mit Wahnsymptomatik.

Im Fall der paranoiden Schizophrenie ist der Wahn meist ich-syston. Das heißt, die Patienten empfinden den schlechten Eigengeruch als absolut logischen und selbstverständlichen Teil ihrer Persönlichkeit. Als Symptom im Rahmen von zwanghaften Persönlichkeitsstörungen kann der Eigengeruchswahn ebenso ich-syston sein.

Ich-Dystonie liegt für den Wahn dagegen oft im Rahmen von Zwangsstörungen vor. Den Patienten ist in diesem Fall bewusst, dass ihrer Vorstellung vom schlechten Eigengeruch nicht stimmig ist. In einigen Fällen wurde der Eigengeruchswahn auch auf hirnorganische Schädigungen zurückgeführt.

In diesem Zusammenhang kommen zum Beispiel degenerative Erkrankungen als primäre Entstehungsursache der Wahnerkrankung in Frage. Oft bestehen zwischen den möglichen Ursachen fließende Übergänge.

Patienten mit Eigengeruchswahn leiden an einer relativ charakteristischen Reihe von Fehlwahrnehmungen und Fehlbewertungen. Sie sind der Meinung, abstoßendend zu riechen. Dieser Eindruck ist gänzlich subjektiv und unterscheidet sich von der objektiven Realität.

Viele Patienten sprechen von abnormen Geruchsempfindungen ihrer eigenen Person, die vor allem in Abhängigkeit von ihrer Umwelt eintreten. Häufig haben sie das Gefühl, dass die Gesten, der Gesichtsausdruck und das Verhalten anderer Menschen im Kontakt mit ihnen in unweigerlichem Bezug zu ihrem widerwärtigen Körpergeruch steht. Sie suchen oft wie besessen nach organischen Krankheiten, mit denen sich der subjektiv empfundene Gestank ihres Körpers erklären lässt.

Sie greifen exzessiv auf Parfums und andere Mittel zurück, um ihren Geruch zu bekämpfen. Da sie aufgrund ihres Geruchs von sozialen Ängste geplagt werden, stellen sich oft Scham und sozialer Rückzug ein. Abhängig von der primären Ursache ist der Wahn mit weiteren Symptomen vergesellschaftet und wird entweder als persönlichkeitszugehörig oder persönlichkeitsstörend empfunden.

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Diagnose & Verlauf

Der Eigengeruchswahn wurde bislang vorwiegend im Rahmen von Fallsammlungen behandelt. Eine Diagnostik nach ICD-10 oder DSM ist aufgrund der fließenden Ursachenübergänge kaum durchführbar. Grundsätzlich wird die Diagnose vom Psychologen oder Psychotherapeuten gestellt, wobei zur Diagnostik in manchen Fällen mit einem Neurologen zusammengearbeitet wird.

Ursächliche Störungen der Hirnorganik lassen sich mittels Bildgebungen wie dem CT oder MRT nachweisen. Da der Eigengeruchswahn in der Regel im Kontext von anderen Erkrankungen der Psyche steht und damit lediglich einem Symptom entspricht, wird er als Wahnsymptomatik häufig zur Belegung von größeren Krankheitsbildern wie der Zwangsstörung beigezogen.

Die Prognose hängt für die Patienten von der übergeordneten Erkrankung ab. Ich-systone Wahnsymptomatik lässt sich aufgrund der mangelnden Erkenntnis über ihre Unstimmigkeit in der Regel schlechter behandeln, als ich-dystone Wahnsymptomatik.

Komplikationen

Der Eigengeruchswahn ist eine psychische Störung, die nur sehr schwer behandelt werden kann. Die Patienten glauben einen sehr unangenehmen Eigengeruch zu haben und die Therapie wird meist mit Tabletten durchgeführt. Diese Behandlung kann zwar die Ursache dieser Erkrankung eindämmen, geheilt wird diese psychische Störung aber nicht. Hier wäre eine Psychotherapie angesagt, die jedoch von vielen Patienten abgelehnt wird. Dabei wäre diese Therapie besonders wichtig, denn hier wird klargestellt, dass der Körpergeruch keineswegs abstoßend auf Mitmenschen wirkt und dass die Wahrnehmung der Betroffenen verändert werden muss.

Eine Heilung wird in den seltensten Fällen erreicht, einfach weil der Patient „mitarbeiten“ muss. Durch die Medikamente kann die Symptomatik eingedämmt werden, der Patient wird mit den Tabletten also „ruhiggestellt“. Geheilt ist er jedoch noch lange nicht, zudem die Ursachen für diese Krankheit sehr unterschiedlich sind. Diese Erkrankungen geht mit vielen Fehlwahrnehmungen einher, die Patienten haben ihre eigene Meinung, die meilenweit von der Realität entfernt ist.

Die Betroffenen ziehen falsche Schlüsse aus der Gestik anderer Menschen, sie glauben fest daran, dass der Gesichtsausdruck und die Gestik dieser Menschen mit ihrem unangenehmen Geruch zusammenhängt. Oft suchen sie nach organischen Krankheiten, um den abstoßenden Geruch zu erklären. Zwar wird dieser „Gestank“ nur subjektiv empfunden, aber Menschen mit dieser Krankheit ziehen sich mehr und mehr zurück und nehmen am gesellschaftlichen Leben kaum noch teil.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Es ist normal, sich über seine eigene gepflegte Erscheinung Gedanken zu machen. Dazu gehört das Überprüfen eines möglichen Körpergeruchs. Diese Kontrolle ist sogar wünschenswert, denn Körpergeruch von anderen wird fast immer als abstoßend empfunden. Bekannt ist außerdem, dass der eigene Körpergeruch von einem selbst weniger intensiv wahrgenommen wird als von anderen. Wie beim Gebrauch von Parfüm tritt auch für den natürlich vorhandenen Eigengeruch ein Gewöhnungseffekt ein.

Wer jedoch ständig besorgt ist, unangenehm zu riechen, obwohl ihm sein Umfeld auf Nachfragen das Gegenteil bestätigt und auch sonst keine darauf hindeutenden Reaktionen erfolgen, sollte an einen Arztbesuch denken. Es ist möglich, dass eine organische gesundheitliche Störung vorliegt. Erster Ansprechpartner sollte hier der Hausarzt sein. Im Allgemeinen kennt er seinen Patienten seit Jahren und kann dessen Sorge angemessen beurteilen. Eigengeruchswahn beziehungsweise wahrgenommener Eigengeruch kann einen gesundheitlichen Hintergrund haben oder an bestimmten Medikamenten liegen. Manchmal ist das persönliche Umfeld zu höflich, um ehrlich auf Nachfragen zu antworten. Gegebenenfalls veranlasst der Hausarzt weitere Untersuchungen bei Fachkollegen: vor allem Psychiatern, Psychologen oder Psychotherapeuten.

Eigengeruchswahn kann nämlich auf einer psychischen Störung beruhen. Oft fehlt dem Betroffenen hierzu die Selbsterkenntnis. Hier sind Familie und Freunde gefragt, die für einen am Eigengeruchswahn leidenden Menschen eine ärztliche Behandlung zu organisieren.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Patienten mit Eigengeruchswahn hängt von der übergeordneten Ursache ab. In Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Störung können verschiedene Therapieansätze zum Einsatz kommen. Einer davon ist die konservativ medikamentöse Behandlung.

Diese Behandlungsform eignet sich nicht zur Ursachenbekämpfung und wirkt lediglich dem Symptom selbst entgegen. Die Patienten können durch medikamentöse Behandlung zeitweise symptomlos sein. Allerdings ist diese Symptomlosigkeit nicht mit einer Heilung gleichzusetzen, da der Ursache nicht entgegengewirkt wird.

Eingesetzt werden zur symptomatischen Behandlung Medikamente wie Neuroleptika oder Clomipramin. Welche Medikamente besser geeignet sind, entscheidet sich mit der primären Erkrankung. Eine ursächliche Behandlungsform ist die Psychotherapie, die im Fall des Eigengeruchwahns meist in Form von Gruppentherapien oder zumindest in Kombination mit Gruppentherapie stattfindet.

Darüber hinaus kann sich im Einzelfall kognitive Verhaltenstherapie anbieten, bei der der eigene Körpergeruch neu bewertet und die Wahrnehmung der Patienten verändert wird. Die Behandlungsform der kognitiven Verhaltenstherapie eignet sich vor allem bei kulturell- oder anderweitig erziehungsinduzierten Ursachen.

Im Rahmen von hirnorganischen Schädigungen gilt es vorrangig, die ursächliche Erkrankung zu behandeln. Für degenerative Erkrankungen stehen zwar keine heilenden, aber zumindest krankheitsverzögernde Medikamente zur Verfügung. Mitunter am schwierigsten behandelbar ist Eigengeruchswahn im Rahmen einer Schizophrenie. Eine ursächliche Heilung wird in diesem Kontext in der Regel nicht erreicht. Antipsychotika können akute Phasen aber abschwächen.

Aussicht & Prognose

Beim Eigengeruchswahn handelt es sich um ein rein psychisches Problem, weswegen der Eigengeruchswahn auch von einem Psychologen behandelt werden sollte. Die betroffene Person leidet nicht wirklich unter dem schlechten Geruch, sondern bildet sich dieses Symptom nur ein. Dabei entstehen soziale Ängste und Ausgrenzung.

Der Betroffene versucht jede Geste und jede Bemerkung von anderen Menschen auf den eigenen Körpergeruch zu interpretieren und deutet daher immer, dass der eigene Geruch für andere Menschen nicht angenehm ist. Dies führt zu Stresssituationen, vor allem wenn die Person mit vielen Menschen in Kontakt kommt. Oft suchen die Betroffenen nach einer Ursache bei organischen Krankheiten des Körpers und bilden sich bestimmte Krankheiten ein. Die Folge davon sind häufige Besuche bei Ärzten, obwohl es gar kein wirkliches Problem vorliegt. Dadurch kann etwa auch die Arbeitsstelle vernachlässigt werden, was zu Problemen mit dem Arbeitgeber führen kann.

Ein weitaus schlimmeres Symptom ist das ständige Parfümieren und Waschen des Körpers bei einem Eigengeruchswahn. Dadurch soll vermieden werden, dass der eigene Körper einen unangenehmen Geruch hat. Durch das dauerhaft Waschen wird die natürliche Schutzschicht der Haut jedoch beschädigt und es kommt zu Juckreizen auf der Haut.

In jedem Fall sollte der Eigengeruchswahn mit Hilfe eines Arztes behandelt werden. Die Behandlung kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.

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Vorbeugung

Der Eigengeruchswahn kann zahlreiche Ursachen haben. Dem Symptom lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie diesen Ursachen vorzubeugen ist. Da degenerative Gehirnerkrankungen und ebenso Krankheiten wie Schizophrenie oft erbliche Ursachenfaktoren haben, ist eine vollumfängliche Vorbeugung so gut wie ausgeschlossen.

Das können Sie selbst tun

Beim Eigengeruchswahn handelt es sich in den meisten Fällen um ein psychologisches Problem. Daher sollte immer ein Beratungsgespräch bei einem Psychologen vereinbart werden, um die Ursachen des Eigengeruchswahns zu erkennen und damit gezielt bekämpfen zu können.

Sehr häufig führt der Eigengeruchswahn zu einem zwanghaften Waschen und Parfümieren. Dies sollte auf jeden Fall eingeschränkt werden, da durch dieses Verhalten die natürliche Schutzschicht der Haut zerstört wird. Im Idealfall sollte die betroffene Person darauf verzichten, Parfüm und andere Waschmittel mitzunehmen, wenn sie unterwegs ist. Ein Parfümieren und Waschen ist nur vor dem Verlassen der Wohnung notwendig.

Sollte der Eigengeruchswahn wieder stärker werden, so hat dies oft bestimmte Auslöser, wozu vor allem Stress zählt. Stress sollte vermieden werden, es ist auch sinnvoll, Ablenkungen zu suchen, damit der Eigengeruchswahn umgangen werden kann. Ein Gespräch mit anderen Menschen über das eigene Problem ist immer hilfreich. Ein Arzt kann die Ursachen des Problems erkennen und gezielt behandeln. Beim Eigengeruchswahn gibt es leider wenige Selbsthilfemittel, die die betroffene Person selbst einnehmen oder durchführen kann. Sollte die Haut durch das zwanghafte Waschen und Parfümieren schon gereizt sein, ist es höchste Zeit den Rat eines Arztes aufzusuchen.

Bücher über Zwänge

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Berlin 2011
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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