Echoviren

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Die Abkürzung ECHO im Namen der Echoviren steht für Enteric Cytopathic Human Orphan. Es handelt sich um ein Virus aus der Familie der Enteroviren, das gastro-intestinale Infektionen, Hautauschläge sowie neurologische und grippeähnliche Beschwerden verursacht. In den meisten Fällen gelangen Echoviren über den Verdauungstrakt in den menschlichen Kreislauf. Weitere Eintrittspforten sind die Atemwege sowie eine fäkal-orale Übertragung. Echoviren zeichnen sich durch eine hohe Umweltresistenz aus.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Echoviren?

Echoviren sind unbehüllte, sphärische RNS-Viren, die zum Genus Enterovirus gehören. Wie Coxsackie- und Polioviren werden sie zur Familie der Picornaviridae gezählt. Humane Echoviren, deren Reservoir (Wirt) der Mensch ist, werden in der molekularen Klassifikation (Humana Enteroviren HEV A-D) unter der Spezies Humanes Enterovirus B (HEV-B) zusammengefasst.

Insgesamt werden 27 Serotypen unterschieden, wobei die Typen 22 und 23 dem Genus Parechovirus zugeordnet wurden. Dieses Virus ist eines der vielen Viren, die vorzugsweise den Magen-Trakt befallen. Nach den Rhinoviren, die Erkältungssymptome verursachen, sind die Enteroviren die bei Menschen am häufigsten auftretende Viren-Art.

Der Namensbestandteil „orphan“ (Waise) geht darauf zurück, dass Echoviren erstmalig in den 1950er-Jahren entdeckt wurden, ohne dass eine eindeutige Assoziation mit anderen Infektionskrankheiten bestand. Echoviren sind weder pathogenetisch noch systematisch eindeutig zuzuordnen.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Die Bezeichnung „Picornaviridae“ geht auf die Größe dieser Virengattung zurück, denn die einzelnen Viren sind gerade einmal 22 bis 30 nm groß und zählen zu den kleinsten ihrer Art. Die weiteren Namensbestandteile beschreiben ein enterisches, zytopatisches und humanes Virus.

Echoviren sind weltweit anzutreffen, hauptsächlich jedoch in Ländern mit geringen sozioökonomischen Infrastrukturen, wobei geringere Hygiene und kontaminiertes Abwasser eine große Rolle spielen. In Ländern mit gemäßigten Klimazonen treten Infektionen durch das Echovirus überwiegend im Sommer und Herbst auf. Häufig vorkommende Serotypen wie Typ 30 werden auch ganzjährig nachgewiesen.

Einige Virenarten wie Echo 13 und Echo 18 können nach einer längeren Latenzphase verstärkte Meningitis-Ausbrüche verursachen. In den meisten Fällen dringt das Echovirus über die lymphoiden Organe und Epithelien des Rachenraums und des Verdauungstrakts in den menschlichen Kreislauf ein. Dort vermehrt es sich, um anschließend auf das umliegende Gewebe überzugreifen.

Weitere Ansteckungsmöglichkeiten mit dem Echovirus bestehen über eine Schmierinfektion durch fäkal-orale Übertragung sowie über die Atemwege mittels Tröpfcheninfektion. Dabei spielen kontaminierte Hände eine entscheidende Rolle. Die indirekte Übertragung geschieht über virenbelastete Gegenstände, Badewasser oder Nahrungsmittel. Die Viren verbreiten sich auf allen Gegenständen, die mit den Händen und belasteten Fäkalien in Berührung kommen und können dort über einen längeren Zeitraum überleben.

Echoviren weisen eine besondere Affinität zum Herzmuskelgewebe auf und entfalten daher eine kardiotrope (auf das Herz einflussnehmende) Wirkung. Der häufigste Subtyp im Antikörpernachweis ist das Echovirus 30. Nach erfolgreicher Vermehrung im Verdauungstrakt breiten sich die Echoviren im gesamten Körper aus und können ernsthafte Erkrankungen des Zentralen Nervensystems verursachen. Auch eine Infektion von Lunge, Milz, Leber und Knochenmark ist möglich.

Infizierte Menschen scheiden Echoviren über mehrere Wochen mit dem Stuhl aus. Ein Impfstoff steht bisher noch nicht zur Verfügung, das Infektionsrisiko kann jedoch durch regelmäßiges Händewaschen sowie sorgfältige hygienische Maßnahmen bei der Zubereitung und dem Verzehr von geschältem Obst und gekochten Speisen vermindert werden.

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Krankheiten & Beschwerden

Für Kinder und Erwachsene mit einem gesunden Immunsystem ist eine Infektion mit Echoviren in der Regel ungefährlich, wenn sie rechtzeitig behandelt wird. Häufig spüren infizierte Menschen keine Symptome, da ein gesundes Immunsystem normalerweise in der Lage ist, eine Infektion mit Echoviren abzuwehren. Wer einmal eine Infektion mit Enteroviren durchlaufen hat, entwickelt eine typenspezifische Immunität. Stellen sich dennoch Beschwerden ein, spüren die Patienten milde, neurologische Symptome mit Fieber und Hautausschlag sowie Sommergrippe-ähnliche Begleiterscheinungen. Weitere milde Begleitsymptome sind Halsschmerzen und trockener Reizhusten.

Bei seiner generalisierten Erkrankung können Lungenentzündung, Gehirnentzündung, Herzmuskelentzündung, Herzbeutelentzündung sowie Blutvergiftung auftreten, wobei Echo 11 als besonders gefährlich einzustufen ist. Echo 7, 11 und 70 gehen häufig mit einer Bindehautentzündung einher, Echo 6 und 9 verursachen hauptsächlich Schmerzen im Rippenfellbereich und Muskelschmerzen. Eine virale Hirnhautentzündung ist das häufigste Krankheitsbild, das Schüttelfrost, Übelkeit, Nackensteife, Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit verursachen kann. In der Regel verschwinden die Symptome innerhalb von zwei Wochen ohne Komplikationen wieder.

Kinder und Kleinkinder reagieren häufig besonders reizbar. Komplikationen während der Schwangerschaft wurden bei einer Infektion mit Echoviren bisher nicht festgestellt. Bei Säuglingen endet diese Infektion in seltenen Fällen tödlich, wenn sie unentdeckt bleibt oder die Behandlung zu spät einsetzt, da sie sich vorzugsweise im Herzen oder der Leber absetzt und häufig noch nicht ausreichend Antikörper gebildet wurden. Obwohl Kinder und Kleinkinder gefährdeter sind als Erwachsene, ist der Krankheitsverlauf bei ihnen weniger schwer.

Die durchschnittliche Inkubationszeit beträgt 7 bis 14 Tage, jedoch ist auch eine Latenzphase von 2 bis 35 Tagen möglich. Die rein symptomatische und auf das betroffene Organsystem ausgerichtete Behandlung erfolgt mit Virostatika, die den Vermehrungs- und Freisetzungsprozess der Bakterien hemmen. Bei schweren Krankheitsverkäufen werden Gamma-Globuline eingesetzt. Speziell auf Echoviren ausgerichtete Tests werden jedoch nicht durchgeführt, da der Krankheitsverlauf in der Regel nicht ernst ist.

Die Diagnose erfolgt über einen Rektalabstrich, einen Rachenabstrich, eine Stuhlprobe oder eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit. Eine Differenzialdiagnose muss dabei zu anderen Enteroviren vorgenommen werden, die ähnliche Krankheitsbilder herrufen können.

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