Echopraxie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Die sogenannte Echopraxie ist dadurch gekennzeichnet, dass Betroffene in zwanghafter Weise die Bewegungen anderer imitieren und wiederholen. Das Erscheinungsbild gehört zu den Echomatismen, die bei Erwachsenen symptomatisch im Rahmen psychischer Krankheiten wie beispielsweise des Tourette-Syndroms oder der Schizophrenie auftreten. In einigen Fällen kann die Echopraxie auch bei Demenzkranken vorkommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Echopraxie?

Unter dem Begriff Echopraxie wird die pathologische Nachahmung beobachteter Bewegungen anderer Personen verstanden. Das komplexe Störungsbild bezieht sich auf die Motorik und tritt immer unwillkürlich auf. In einigen Fällen tritt sie in Verbindung mit der Katatonie als sogenannte Echolalie in Erscheinung.

Hier unterliegen die Betroffenen dem Zwang, gehörte Worte anderer nachzusprechen. Die Echopraxie tritt im Allgemeinen bei Schizophrenie, Asperger-Syndrom, Autismus, Oligophrenie und dem Tourette-Syndrom auf. In einigen Fällen können auch Alzheimer-Patienten betroffen sein. Werden ausschließlich Gesten und Gebärden nachgeahmt, wird von der sogenannten Echomimie gesprochen.

Ursachen

Die Bewegungen anderer Personen werden von den Betroffenen der Echopraxie direkt nachgeahmt. In diesem Fall wird von sofortiger Echopraxie gesprochen. Sie kann allerdings auch verzögert auftreten und sich permanent wiederholen. Beim sogenannten Tourette-Syndrom handelt es sich um eine Tic-Störung, bei der die Echopraxie häufig vorkommt.

Es werden von den Betroffenen unwillkürlich und plötzlich Muskelbewegungen ausgeführt, die sich häufig auf stereotype Weise wiederholen. Meist sind sie auch nicht zweckgebunden. Das Krankheitsbild tritt auch bei anderen neurologischen Erkrankungen wie der Schizophrenie auf. Meist geht diese mit Symptomen wie Halluzinationen, Störungen des Ichs und Wahnvorstellungen einher.

Die Echopraxie tritt aber auch bei der globalen Aphasie auf. Diese bezeichnet eine Schädigung des Sprachzentrums beider Hirnhälften, welche beispielsweise durch einen Tumor, ein Trauma oder einen Schlaganfall hervorgerufen werden kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome der Echopraxie sind durch motorische Tics gekennzeichnet. Sie können in manchen Fällen mit Gesichtszuckungen, verminderter Impulskontrolle, Räusperzwang, und Aggressivität verbunden sein. Diese Tics sind sehr unterschiedlich ausgeprägt und individuell verschieden. In besonders schweren Fällen können die Betroffenen keine willkürlichen Bewegungen mehr durchführen.

Auch das sogenannte Restless-Legs-Syndrom gehört zu den Varianten einer Echopraxie. Dieses Krankheitsbild ruft unwillkürlich ausgeführte Beinbewegungen hervor. Die Echopraxie tritt auch auf bei kindlichen Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen, unterschiedlichen Zwängen, Selbstverletzung] und vielen anderen Verhaltensstörungen auf. Beim Tourette-Syndrom kommte es meist zwischen dem zweiten und zehnten Lebensjahr zu den ersten Symptomen.

Die motorischen Tics treten häufig am Anfang der Erkrankung auf. Ein großer Teil der Betroffenen leiden unter komplexen Tics, die gleichzeitig mehrere Muskelbereiche des Körpers betreffen. Während des Krankheitsverlaufs bildet sich in etwa 50 Prozent der Fälle eine Echoraxie aus, die zu einem späteren Zeitpunkt auch spontan wieder nachlassen kann. Dieser Vorgang wird als Remission bezeichnet. Bei der Echopraxie kommt es meist auch zu begleitenden Störungen wie beispielsweise Zwangsstörungen oder Aufmerksamkeitsstörungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnose der Erkrankung wird eine ausführliche Anamnese der Betroffenen durchgeführt. Die einzelnen Symptome werden dann sehr genau beobachtet und analysiert. Dies erfolgt über einen langen Zeitraum, um die Schwere der Erkrankung einordnen zu können.

Die Diagnose erfolgt mittels eines Fragebogens und einer Schätzskala, welche speziell zur Diagnostik psychischer und neurologischer Erkrankungen bereitgestellt werden. Wichtig ist auch die Patientenbeurteilung bezüglich seines Gesundheitszustandes. Dabei wird auch die Familie einbezogen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wer bei sich oder anderen immer wieder motorische Tics feststellt, sollte mit einem Arzt sprechen bzw. gemeinsam mit dem Betroffenen zum Arzt gehen. Der Zwang, Bewegungen zu imitieren, deutet auf eine Echopraxie hin, die in jedem Fall ärztlich behandelt werden muss. Es empfiehlt sich, bei ersten Anzeichen dieser Störung medizinischen Rat einzuholen. Sollte es nach einem Trauma, Schlaganfall oder Tumor zu Symptomen der Echopraxie kommen, muss in jedem Fall der zuständige Arzt konsultiert werden. Menschen, die bereits an einer psychischen Erkrankung leiden, sollten mit genannten Symptomen umgehend zum verantwortlichen Therapeuten gehen.

Wird die Echopraxie frühzeitig erkannt und behandelt, sind die Heilungsaussichten generell sehr gut. Begleitend zur ärztlichen Behandlung sind regelmäßige Besuche bei einem Psychologen angezeigt. In schweren Fällen ist ein vorübergehender Klinikaufenthalt sinnvoll. Da die Symptome der Echopraxie sehr unterschiedlich verlaufen können, sind außerdem regelmäßige Kontrollbesuche beim Arzt angezeigt. Sollten sich weitere Beschwerden einstellen, ist eine Umstellung der Medikation notwendig.

Behandlung & Therapie

Die Echopraxie kann in den meisten Fällen medikamentös behandelt werden, wobei die Symptome häufig nicht ganz verschwinden. Die Medikamente werden zur Linderung des Erscheinungsbildes eingesetzt. Auch psychosozialer Sicht kann so die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessert werden. Die Therapie erleichtert den Wiedereinstieg in die Gesellschaft und trägt zum allgemeinen Wohlbefinden der Patienten bei.

Da die Symptome der Echopraxie individuell sehr unterschiedlich verlaufen, wird allgemein eine langsame Steigerung der Medikamentendosis empfohlen. Schlägt die Therapie an, kann die Dosis zunächst beibehalten werden. Verstärken sich die Symptome jedoch, so ist es ratsam, eine Medikationsänderung erst dann einzuleiten, wenn die sich die Symptome über einen Zeitraum von mehreren Wochen wieder steigern. Auf diese Weise soll ein ständiger Wechsel der Medikamente verhindert werden.

Zur Linderung der Beschwerden bei einer Echopraxie werden häufig Antipsychotika wie beispielsweise Risperidon oder Aripiprazol eingesetzt. Diese führen jedoch nicht selten zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Gewichtsschwankungen und Müdigkeit. Um dem entgegenzuwirken, kommen gleichzeitig benzamidhaltige Medikamente wie Sulpirid oder Tiaprid zum Einsatz.

Zur klassischen Therapie der Echopraxie werden unter anderem auch Halperidol oder Pimozid verwendet. Bei der Einnahme dieser Präparate kommt es vergleichsweise häufig zu Nebenwirkungen. Weiterhin wird die Echopraxie mit Tic-reduzierenden Medikamenten wie Tetrabenazin, Topiramat und Tetrahydrocannabinol therapiert.

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Vorbeugung

Einer Erkrankung wie der Echopraxie kann im Allgemeinen nicht vorgebeugt werden. Dies gilt vor allem auch für das sogenannte Tourette-Syndrom. Das liegt darin begründet, dass diese Krankheitsbilder bis zum heutigen Zeitpunkt nicht restlos definiert wurden. Somit fehlt die entsprechende Grundlage zur Vorbeugung.

Es wird aber davon ausgegangen, dass die Ursachen zum Teil genetisch bedingt sind, zum Teil aber auch in der frühen Kindheit erworben wurden. Denkbar ist auch ein Zusammenhang mit unterschiedlichen Stressfaktoren, die sich ungünstig auf die Hirnentwicklung in der Kindheit auswirken. Hierbei spielt das Stresshormon Cortisol eine nicht unbedeutende Rolle.

Aber auch im Erwachsenenalter können Stresssituationen bei gleichzeitig vorhandener genetischer Vorbelastung eine Echopraxie auslösen. Daher sollte zur Vorbeugung jeglicher Stress vermieden werden. Hierbei helfen auch diverse Entspannungsübungen.

Das können Sie selbst tun

Die Echopraxie ist eine motorische Störung, bei der dritte Personen zwanghaft und unwillkürlich nachgeahmt werden. Teilweise werden auch gehörte Worte als sogenannter Tic wiederholt. Das Syndrom kommt oftmals als Begleiterscheinung bei Asperger, Autismus, Schizophrenie und Tourette einher. Es kann aber auch aufgrund eines Traumas oder Tumors, welcher eine Schädigung des Sprachzentrums beider Hirnhälften ausgelöst hat, in Erscheinung treten.

Eine Selbsthilfe für Betroffene basiert nur auf wenige Möglichkeiten den Alltag so weit es geht, selbständig zu bewältigen. Da die plötzlichen Muskelbewegungen und verbalen Tics je nach Fall verschieden stark ausgeprägt sind, muss bei einer individuell gestellten Anamnese der Therapieplan auch im Rahmen der Selbsthilfe eingehalten werden. Die Tic-reduzierenden Medikamente können den Körper stark belasten und Nebenwirkungen hervorrufen. Daher ist eine fettarme und vitamin- sowie mineralstoffreiche Ernährungsweise zu befolgen. Schlechte Angewohnheiten wie Rauchen, Alkohol- und Drogenmissbrauch sind zu vermeiden. Bei Stress kann sich das Syndrom verschlimmern. Empfohlen werden regelmäßige Entspannungsübungen und ausgiebige Spaziergänge in der Natur, möglichst mit Begleitung zu unternehmen.

Lässt sich das Symptom auf ein Kindheitserlebnis zurückführen, ist eine Psychotherapie zur Bewältigung des Traumas eine hilfreiche Maßnahme. Wird die Echopraxie von schweren Wahnvorstellungen und Halluzinationen begleitet, sollte bezüglich der Verletzungsgefahr des Patienten das betreute Wohnen eingeleitet werden.

Bücher über Tic & Tourette-Syndrom

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Schneider, F.: Facharztwissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Berlin 2012

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