Eagle-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Dezember 2017
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Patienten, die unter dem Eagle-Syndrom leiden, haben im Bereich des Rachens und der Zunge verschiedene Beschwerden. Der Grund hierfür ist zum Beispiel ein atypisch geformter und gelagerter Processus styloideus (Griffelfortsatz). Die Krankheit tritt vor allem bei Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Eagle-Syndrom?

Die Krankheit Eagle-Syndrom bedeutet auf Deutsch „Adler-Syndrom“. Das Leiden wurde zum ersten Mal im Jahr 1937 von Watt Weems Eagle, einem HNO-Arzt, diagnostiziert. Daher stammt auch der Name. Das Eagle-Syndrom führt häufig zu dumpfen, neuralgieartigen Schmerzen im Bereich der seitlichen Region des Rachens und der Zunge, die in den Hals sowie zum Ohr hin ausstrahlen.

Das Eagle-Syndrom ist demzufolge durch Schmerzen in der Kehle, im Mund, im Kopf, Stutzen und Gesicht gekennzeichnet. Beim Schlucken können die Beschwerden verstärkt werden. Die Patienten mit einem Eagle-Syndrom berichten darüber, dass es sich wie ein Fremdkörper im Rachen anfühlt, der mit einem Räusper- und Schluckzwang einhergeht.

Ursachen

Beim Eagle-Syndrom werden die Nerven zwischen dem Griffelfortsatz und dem Zungenbein mechanisch gereizt. Häufig liegt zudem eine Entzündung, meistens eine Knochenhautentzündung, vor. Folgende Faktoren können zur Reizung führen:

  • Zu langer Zungenbeinknochen
  • Verlängerter Knochenfortsatz hinter dem Ohr
  • Insertionstendopathie (Schmerzzustände, die durch eine Reizung der Sehnenansätze bedingt sind)
  • Verkalkte Bänder (Gewebeverhärtungen)

Ein Eagle-Syndrom tritt meist nach Verletzungen, Operationen oder nach einem Trauma zum Stutzen auf. Auch aus Erkrankungen am Griffelfortsatz resultieren ein immer wiederkehrender Druck auf die Halsnerven und eine Einklemmung der Halsblutgefäße. Als Ursache für das Eagle-Syndrom wird auch die Entfernung der Mandeln vermutet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Eagle-Syndrom ist durch eine Deformität des Schläfenbeins gekennzeichnet. Der Griffelfortsatz ist in diesem Fall mehr als 30 Millimeter lang. Eines der häufigsten Beschwerden sind Halsschmerzen. Als sehr unangenehm wird das Fremdkörpergefühl, das bei vielen Betroffenen auftritt, empfunden. Auch Schmerzen im Rachen sowie ein drückender Schmerz in der Fossa tonsillaris treten häufig auf.

Insbesondere beim Schlucken und bei Bewegungen des Halses entsteht das Schmerzempfinden. Atypische Gesichtsschmerzen sind weitere häufige Symptome. Es gibt aber auch viele Betroffene, die keine merklichen Beschwerden haben. Zu den typischen Symptomen des Eagle-Syndroms gehören:

  • Einseitige Schmerzen im Bereich des Rachens und Schlunds
  • Geschmacksstörungen
  • Schluckstörungen mit einem Druckgefühl oder Schmerzen im Bereich der Brust und des Oberbauchs
  • Gefühl dass sich im Schlundbereich ein Fremdkörper befindet
  • Geschwollene Lymphknoten (Kinn, Kiefer oder Hals)
  • Leicht geschwollener Hals oberhalb des Zungenbeins
  • Beim Schlucken einseitiges Knacken im Hals
  • Kieferschmerzen
  • Ohrenschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Rheumatische Beschwerden
  • Veränderte Stimme
  • Husten
  • Schwindel und Gleichgewichtssymptome
  • Appetitveränderungen

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Symptome, die beim Eagle-Syndrom auftreten, verschieben sich zum Teil über Monate und manchmal schwächen sie sich etwas ab. Das Krankheitsbild kann jedoch sehr hartnäckig sein, sodass es eine wirkliche Beschwerdefreiheit nur selten gibt. Das Eagle-Syndrom endet zudem häufig in chronischen dauerhaften Schmerzen.

Die Diagnose stellt meistens ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, doch nicht immer wird die Erkrankung sofort erkannt, da die Symptome auch auf verschiedene Erkrankungen zutreffen können. Das Abtastung der Tonsillenloge (Bereich der Mandeln), eine Computertomographie und eine Röntgenuntersuchung sind dabei erste Maßnahmen, die sich zur Diagnose des Eagle-Syndroms eignen.

Beim Eagle-Syndrom zeigt sich in der bildgebenden Diagnostik ein Griffelfortsatz, der atypisch gelagert, ungewöhnlich lang, medial oder lateral abgeknickt ist. Der Griffelfortsatz ragt über seine normale Länge von 30 Millimeter heraus. Die Untersuchungsmethoden decken möglicherweise eine Kalkbildung auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn die typische Deformität des Schläfenbeins bemerkt wird, sollte dies auf jeden Fall von einem Arzt abgeklärt werden. Bei Gesichtsschmerzen, Geschmacksstörungen, Schwellungen im Halsbereich und anderen typischen Symptomen des Eagle-Syndroms ist ebenfalls ein Arztbesuch zu empfehlen. Sollten sich Komplikationen wie Schwindel und Gleichgewichtssymptome, Appetitveränderungen oder rheumatische Beschwerden einstellen, so muss dies rasch abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden.

Besonders gefährdet sind Personen, die bereits einmal an einer Knochenhautentzündung erkrankt sind. Auch nach Verletzungen, Operationen oder einem schweren Trauma kann ein Eagle-Syndrom auftreten. Auf wen diese Risikofaktoren zutreffen, der sollte mit den genannten Symptomen rasch zum Hausarzt gehen. Weitere Ansprechpartner sind der HNO-Arzt, verschiedene Internisten und Fachärzte für die jeweiligen Symptome. Im medizinischen Notfall sollte der ärztliche Notdienst kontaktiert werden bzw. muss der Betroffene umgehend in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden. Eine umfassende ärztliche Behandlung und Nachsorge ist beim Eagle-Syndrom grundsätzlich erforderlich. Begleitend dazu muss unter Umständen auch ein Physiotherapeut hinzugezogen werden.

Behandlung & Therapie

Um ein Eagle-Syndrom zu behandeln, werden in erster Linie nichtsteroidale Antirheumatika eingesetzt. Dies dient dem Ziel, akute Schmerzen zu beseitigen. Sehr magenschonend und zudem entzündungshemmend sind die so genannten COX-2 Inhibitoren. Mittel zur Entspannung der Muskeln (Muskelrelaxanzien) wie Baclofen können als Ergänzung ebenso hilfreich sein.

Diese Therapien sind in vielen Fällen erfolgreich und oftmals tritt die Erkrankung nicht mehr auf. Starke Schmerzen können allerdings zum Teil nur durch zentral wirkende Analgetika wie Tramadol, beispielsweise im Gehirn oder Rückenmark, gelindert werden. Durch eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Mitteln gegen eine Depression, die teilweise auch bei Schmerzen wirksam sind, können oftmals Schmerzmittel eingespart werden.

Bei allen Medikamenten muss stets auf die Gefahr einer Gewöhnung oder sogar Abhängigkeit von den Schmerzmitteln geachtet werden. In schweren rückläufigen Fällen, wenn die Behandlung keine Wirkung zeigt oder die Beschwerden chronisch werden, muss die Spitze des Griffelfortsatzes manchmal chirurgisch entfernt werden. Auch weiterführende multimodale Behandlungskonzepte, die in einer speziellen Schmerzklinik erfolgen, bringen häufig gute Erfolge.

Hier kommen zum Beispiel eine Akupunktur sowie eine physikalische Therapie wie T.E.N.S., Wärme- oder Kälteanwendungen zum Einsatz. Dabei gilt grundsätzlich: Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Wenn die Schmerzen jedoch bereits längerfristig bestehen, kann davon ausgegangen werden, dass bereits die Chronifizierungsgrade II, wenn nicht sogar III vorliegen.

In diesen Fällen ist eine nur auf den Körper bezogene Behandlung oftmals nicht mehr ausreichend, sodass zusätzlich noch eine psychotherapeutische Intervention erfolgen sollte. Solche Behandlungen sind leider ambulant häufig nicht möglich, da nur sehr wenige, niedergelassene Psychotherapeuten über eine entsprechende Weiterbildung in Bezug auf eine spezielle Schmerzpsychotherapie verfügen.

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Aussicht & Prognose

Obwohl das Eagle-Syndrom durch einen verlängerten Processus styloideus ossis temporalis zurückzuführen ist, leiden nur ca. vier bis zehn Prozent der davon Betroffenen wirklich unter Beschwerden. Die Symptome sind sehr vielfältig und bei den einzelnen Personen auch unterschiedlich ausgeprägt. Daher richtet sich die Prognose der Erkrankung nach den vorherrschenden Beschwerden.

Es handelt sich nicht um eine schwerwiegende, aber teilweise sehr belastende Erkrankung. Komplikationen kommen so gut wie nicht vor. Allerdings wird die Lebensqualität der Betroffenen durch die dauerhaften Schmerzzustände und Schluckbeschwerden oft stark eingeschränkt. Eine einfache Schmerztherapie ist meist erfolglos. Gute Erfolge werden oft durch die Behandlung mit einer Kombination aus nichtsteroidalen Antirheumatika und Muskelrelaxantien erzielt. Wenn die Schmerzen jedoch sehr stark sind, müssen zentral wirkende Schmerzmittel wie Tramadol eingesetzt werden.

Ein dauerhafter Erfolg stellt sich aber bei medikamentöser Behandlung nur selten ein. Deshalb sollte auch bei schwer behandelbaren und chronischen Schmerzen eine chirurgische Verkürzung des Griffelfortsatzes in Erwägung gezogen werden. Der chirurgische Eingriff ist die einzige Möglichkeit, eine vollständige Beschwerdefreiheit zu erreichen. Da diese Operation jedoch mit Risiken wie Gesichtslähmung oder Verletzung der Halsschlagader verbunden sein kann, wird sie meist nur in Fällen mit schwerer Schmerzbelastung durchgeführt. Die medikamentöse Behandlung mit Schmerzmitteln muss jedoch dauerhaft erfolgen, da die Schmerzen nach deren Absetzung sofort wieder auftreten. Das kann allerdings zu Medikamentenabhängigkeit führen.

Vorbeugung

Da die Ursachen noch nicht eindeutig geklärt sind, ist auch eine gezielte Vorbeugung nicht möglich. Im Allgemeinen ist es ratsam, das Immunsystem zu stärken, um Erkrankungen abzuwehren.

Das können Sie selbst tun

Der Patient kann sich im Alltag durch die Teilnahme an Entspannungstechniken helfen. Diese dienen dazu, den Stress zu lindern und dem Schmerzempfinden entgegen zu treten. Durch verschiedene Methoden wie Meditation, Yoga oder autogenem Training gelingt es den Patienten oftmals, ein inneres Gleichgewicht herzustellen. Die Entspannung fördert das Wohlbefinden, was für den Aufbau neuer Ressourcen im Kampf gegen die Erkrankung wichtig ist.

Auch wenn der Patient unter einer Appetitlosigkeit leidet, sollte er sich zur Stärkung des eigenen Abwehrsystems gesund und ausgewogen ernähren. Die Nahrungsaufnahme ist essentiell, um keine weiteren Beschwerden aufzubauen. Die Zufuhr von ausreichender Flüssigkeit ist ebenso wichtig und notwendig. Im Alltag sind zusätzliche Stressoren zu vermeiden. Anfallende Tätigkeiten gilt es umzuverteilen, damit genug Ruhe und Schonung erfolgen kann.

Hilfreich kann für den Patienten eine seelische Unterstützung oder ein emotionaler Beistand sein. Der Erkrankte sollte seiner Umwelt mitteilen, was für ihn wichtig ist, wie es ihm geht und sobald es notwendig, Hilfe in Anspruch nehmen. Trotz der Krankheit und der Beeinträchtigungen im Alltag ist der Lebenssinn nicht aus den Augen zu verlieren. Eine ausreichende Motivation für die Genesung und eine positive Grundeinstellung für eine Verbesserung der vorhandenen Lebensqualität sollten bewahrt bleiben oder gegebenenfalls immer wieder neu aufgebaut werden.

Bücher über Schluckbeschwerden

Quellen

  • Agarwal-Kozlowski, K.: Ganzheitliche Schmerztherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Gürkov, R.: BASICS Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Urban & Fischer, München 2016
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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