Dyspraxie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 24. April 2017
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Wenn Kinder Probleme bei der Koordination von Bewegungen haben, kann eine Dyspraxie vorliegen. Dabei handelt es sich um eine lebenslängliche Störung beim Erlernen von Bewegungsabläufen. Die Ursachen lassen sich nicht behandeln, allerdings können gezielte Therapiemaßnahmen die Grob- und Feinmotorik der Patienten deutlich verbessern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Dyspraxie?

Dyspraxie ist eine lebenslang auftretende Koordinations- und Entwicklungsstörung, die auch als Syndrom des ungeschickten Kindes bezeichnet wird. Etwa acht bis zehn Prozent aller Kinder leiden unter der Störung. Jungs sind häufiger betroffen als Mädchen.

Dyspraxie-Patienten haben Probleme, Bewegungen und Handlungen in Einklang zu bringen oder können solche Aktionen nicht zielorientiert planen. Dadurch können sie nicht einfach das tun, was sie gerne tun möchten. Jede Aufgabe muss Schritt für Schritt durchdacht werden, um vom Anfang zum Ende zu gelangen. Will ein dyspraktisches Kind zum Beispiel seine Schnürsenkel binden, muss es zunächst genau wissen, wie der Schürsenkel fertig gebunden aussieht.

Ursachen

Eine planvolle und vorausschauende Handlung ist für jede Bewegung genauso notwendig wie die funktionierenden motorischen Fähigkeiten. Bei dyspraktischen Kindern funktioniert das allerdings nicht automatisch. Im Gegenteil: Sie müssen über jede Bewegung zuvor nachdenken. Dabei ist die Fähigkeit Bewegungsabläufe zu planen bei ihnen deutlich eingeschränkt, woraus sich die motorischen Schwierigkeiten ergeben.

Die genauen Ursachen der Dyspraxie sind noch nicht vollständig geklärt und müssen weiter untersucht werden. Fest steht nur, dass sie aus einer Schädigung des Gehirns resultieren. Möglicherweise ist die Störung eine Folge unreifer Neuronenentwicklungen. Oft ist sie Teil eines Kontinuums verwandter Koordinations- und Entwicklungsstörungen. Zum Beispiel tritt die Dyspraxie häufig in Verbindung mit Autismus, ADHS, dem Asperger-Syndrom, Dyslexie oder Dyskalkulie auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Dyspraxie äußert sich in grob- und feinmotorischen Störungen. Betroffenen Kindern fällt es schwer, Bewegungen und Handlungen zu erlernen und zu planen. Das heißt, gewisse Bewegungsabläufe können sie nicht speichern und bei Bedarf wieder abrufen. Des Weiteren haben sie Schwierigkeiten bei der gleichzeitigen Bewegung von Armen und Beinen.

Dadurch haben sie Probleme bei der Ausführung von Tätigkeiten, die gleichaltrige Kinder normalerweise durchführen. Dazu gehören zum Beispiel Schnürsenkel binden, einen Ball fangen oder einen Turm aus Holzklötzern bauen. Weitere Symptome sind das Entgleiten von Gesichtszügen sowie die unkontrollierte Bewegung einzelner Gliedmaßen.

In der Schule zeigt sich die Dyspraxie häufig in Form einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. Zahlen und Buchstaben werden verwechselt. Aus 18 wird 81, aus 6 wird 9 oder aus b wird p. Außerdem haben die betroffenen Kinder Probleme den Füller zu halten und gleichzeitig etwas zu schreiben. Hinzukommen Schwierigkeiten mit Formen, Längen, Größen, Richtungen und Raumbeziehungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Kindern mit der Diagnose Dyspraxie mangelt es an der Fähigkeit Bewegungsabläufe zu erlernen. Sie fallen aufgrund unkoordinierter Handlugen und Bewegungen auf. Außerdem brauchen sie deutlich länger, um gewisse Dinge zu lernen. Alltägliche Aufgaben, wie beispielweise das morgendliche Anziehen, können diese Patienten oft nicht bewältigen. Hinzukommen häufige Hänseleien durch Mitschüler während der Schulzeit.

Dyspraxie-Patienten werden von ihren Klassenkameraden als weniger intelligent und langsamer wahr genommen. Infolge kann sich langfristiges Mobbing stark auf die Psyche des Kindes auswirken. Außerdem können Depressionen aufgrund ständiger Misserfolge oder Unverständnis im sozialen Umfeld auftreten. Da Dyspraxie ein Leben lang besteht, ist eine frühzeitigt Diagnose äußerst signifikant. Nur dadurch können die Beschwerden erfolgreich verbessert werden.

Behandlung & Therapie

Besteht der Verdacht auf Dyspraxie wird der zuständige Kinderarzt zunächst eine Anamnese des Kindes durchführen. So können somatische und neurologische Schäden ausgeschlossen werden. Anschließend erfolgt eine Beurteilung der Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung des Patienten. Die Ursachen von Dyspraxie lassen sich bislang nicht behandeln.

Vielmehr können Eltern betroffener Kinder versuchen die grob- und feinmotorische Koordination ihres Sprösslings zu verbessern. Dazu bieten sich Methoden der Ergotherapie, Krankengymnastik oder Motopädie an. In der Therapie führen Kinder gezielte Bewegungsabläufe unter Anleitung durch und finden dadurch zu mehr Sicherheit. Je nach Ausmaß der Krankheit kann auch eine logopädische Behandlung notwendig sein.

Eine zielgerichtete mundtherapeutische Therapie kann beispielweise Probleme beim Essen und Trinken beheben. Zusätzlich sollten die Eltern betroffener Patienten für einen kontinuierlichen Tagesablauf sorgen. Jeder Tag sollte klar strukturiert sein und dem vorhergehenden stark ähneln. Vielen Kindern hilft es, wenn die Eltern mit ihnen bereits am Abend den nächsten Tag vorbereiten. Dafür können sie zum Beispiel gemeinsam das Frühstück bereitstellen und die Kleidung auswählen.

Zudem müssen Eltern ihr Kind besonders fördern und unterstützen. Dazu benötigt es Geduld, Fürsprache, Lob, Verständnis und Einfühlungsvermögen. Gemeinsam sollten sie mit dem Kind über die Störung reden. Das führt häufig zu einer großen Erleichterung auf beiden Seiten. Hingegen führt unangebrachtes Tadeln des Kindes oft zu schweren Selbstzweifeln.

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Vorbeugung

Nach aktuellem Wissenstand gibt es einige Risikofaktoren, die eine Dyspraxie begünstigen. Dazu gehören Komplikationen während der Schwangerschaft und bei der Geburt, wie zum Beispiel Wachstumsretardierungen des ungeborenen Kindes, Infektionen während der Schwangerschaft, ein geringes Geburtsgewicht oder eine Frühgeburt. Entsprechend sollten sich schwangere Frauen ausgewogen ernähren und generell auf eine sehr gesunde Lebensweise achten.

Bücher über Dyspraxie & Entwicklungsstörungen bei Kindern

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Koletzko, B.: Basiswissen Pädiatrie. Springer Medizin Verlag, Berlin 2009

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