Dyskinetische Stimmstörung

Letzte Aktualisierung am 29. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine falsche Stimmtechnik sowie die schädliche Belastung der Stimmlippen führen häufig zu einer dyskinetischen Stimmstörung. Dabei hört sich die Stimme rau oder heißer an und der Patient klagt über ein Kratzen im Hals oder ein Druckgefühl im Bereich des Kehlkopfs. Therapeutische Maßnahmen helfen eine richtige Stimmtechnik zu erlernen und die Stimmlippen beim Sprechen richtig zu belasten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine dyskinetischen Stimmstörung?

Zur Gruppe der dyskinetischen Stimmstörung gehören alle funktionellen Stimmstörungen, die ihre Ursache nicht in organischen Schäden haben. Vielmehr wird diese Störung durch eine falsche Stimmtechnik, eine falsche Belastung der Stimmlippen oder durch eine Überbelastung der Stimme ausgelöst. Sie tritt als hyper- oder hypofunktionelle Dysphonie auf und äußert sich in einer veränderten Stimmqualität.

Die Stimme hört sich meist auffallend rau und heiser an. Sowohl Kinder als auch Erwachsene sind von der Krankheit betroffen. Häufig tritt sie jedoch bei Personen auf, die ihre Stimme stark beanspruchen. Ein klassisches Beispiel sind Lehrer und Erzieher. Schließlich müssen diese Berufsgruppen bei einem hohen Geräuschpegel lange und laut reden. Außerdem neigen Kinder, die überdurchschnittlich viel schreien, zu dieser Stimmstörung. Nicht selten bilden sich bei Frauen im Verlauf der Krankheit Stimmlippenknötchen aus.

Ursachen

Eine dyskinetische Stimmstörung hat verschiedene Ursachen. Da es sich um eine funktionelle Störung des Stimmapparates handelt, sind jedoch keine organischen Schäden für die Störung verantwortlich. Meist sind die Stimmwerkzeuge nur eingeschränkt funktionsfähig.

Häufigster Grund sind starke physische Belastungen der Stimmlippen, wie sie bei Schreck oder Schmerz auftreten. Infolge ordnen sich die Stimmlippen beim Sprechen nicht richtig an (sogenannte Phonationsstellung) oder sie pressen sich fest zusammen. Die hyperfunktionelle Dysphonie wird durch eine zu stark ausgeprägte Anspannung der Stimmlippen beim Sprechen verursacht.

Hingegen führt die übermäßige Schonung der Stimmlippen beim Sprechen zur hypofunktionellen Dysphonie. Außerdem gibt es schädliche Einflüsse, die zusätzlich die Stimme belasten und eine dyskinetische Stimmstörung begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Alkohol und Nikotin sowie häufiges Schreien.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei Patienten mit hyperfunktioneller Dysphonie sind die Taschenfalten vorgewölbt und die Epiglottis steht auffallend tief. Folglich liegen die Stimmbänder dicht aneinander und der Kehlkopfeingang ist verengt. Hingegen fällt die hypofunktionelle Dysphonie durch eine hoch stehenden Epiglottis und unvollständig aneinander liegenden Stimmbändern auf.

Zudem tritt in diesem Falle eine Verkürzung der Tonhaltedauer ein. Die betroffenen Personen klagen in der Regel über ein Druckgefühl im Kehlkopfbereich sowie über ein Kratzen im Hals. Bereits kleinste Belastungen des Stimmapparates lösen eine auffallend heisere und raue Stimme auf. Bei Frauen bilden sich zudem manchmal Stimmlippenknötchen aus.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht der Verdacht auf eine dyskinetische Störung sollte umgehend ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt konsultiert werden. Dieser beurteilt zunächst die Stimme des Patienten, denn deren Veränderung ist das Leitsymptom der funktionellen Stimmstörung. Häufig gibt sie auch erste Aufschlüsse über mögliche Ursachen der Störung. Der Arzt führt eine umfangreiche Befragung der betroffenen Person durch.

Dabei informiert er sich unter anderem über den Beruf, mögliche Allergien und eingenommene Medikamente. Anschließend folgt eine Untersuchung, wobei der Arzt auf die Atemtechnik, den Redefluss und den Sprachgebrauch achtet. In vielen Fällen wird die Diagnostik durch Methoden der Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung) und Stroboskopie ergänzt. Sie dienen dazu, organische Schäden festzustellen beziehungsweise auszuschließen.

Basierend auf der Diagnose leitet der Arzt die notwendigen Therapiemaßnahmen ein. Dadurch nimmt die Krankheit meist einen positiven Verlauf. Der falsche Stimmgebrauch lässt sich korrigieren und die Dysphonie verschwindet in der Regel. Bei Kindern vergeht die Stimmstörung häufig auch von allein. Langanhaltende Stimmprobleme sollten aber auch bei ihnen professionell behandelt werden.

Komplikationen

Eine dyskinetische Stimmstörung ist eine funktionelle Störung des Sprechapparates. Die Stimme erscheint heiser oder rau, manchmal mit Kratzen im Hals und Unwohlsein im Kehlkopfbereich. Bei Nichtbehandlung kann es zu einer Verschlechterung der Symptome kommen.

Eine dyskinetische Stimmstörung wird mitunter von falsch angeleiteter Stimmtechnik, Überlastung der Stimme oder Stimmlippen verursacht. Hilfreich ist, die Stimmtechnik auf ein gesundes Niveau zu verbessern, um die Belastung für den Sprechapparat zu reduzieren. Aber auch eine übermäßige Unterforderung der Stimmlippen (hypofunktionelle Dysphonie) kann zu dyskinetischen Stimmstörungen führen.

Von einer Überanstrengung der Stimme sind Menschen betroffen, die berufsbedingt viel sprechen müssen. Dazu zählen Lehrer, Dozenten, Erzieher, Sänger und Telefonisten. Eine Nichtbehandlung der Stimmstörung kann existentielle Folgen haben. Auch Kinder, die im Kinderhort viel schreien, können dyskinetische Stimmstörungen entwickeln.

Ihnen muss ein schonender Umgang mit der Stimme beigebracht werden, damit keine bleibenden Schäden im Stimmbild entstehen. Kurzfristig helfen Schonung oder Inhalieren mit heißem Wasser. Langfristig sollten jedoch die Sprechgewohnheiten umgestellt werden. Zunächst sollte ein HNO-Arzt konsultiert werden, der einen Logopäden einschaltet.

Dieser hilft durch therapeutische Maßnahmen in Form von Stimmtraining ein harmonisches und ökonomisches Sprechen zu vermitteln. Dazu zählen Verbesserung von Redefluss und Sprachgebrauch sowie Atemübungen unter professioneller Anleitung. Da Alkohol, Nikotin und häufiges Schreien die Symptome verstärken, sollte darauf verzichtet werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Besteht der Verdacht auf eine dyskinetische Stimmstörung empfiehlt sich ein Arztbesuch. Ein Kratzen im Hals sowie ein Druckgefühl im Kehlkopfbereich sind eindeutige Warnzeichen, die rasch abgeklärt werden sollten. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Stimmprobleme lange anhalten oder anderweitige Symptome wie Schmerzen, Schluckbeschwerden oder Entzündungen hinzukommen. Mit Kindern, älteren und kranken Menschen sowie Patienten mit einer Immunschwäche sollte bei Beschwerden umgehend der Arzt eingeschaltet werden. Personen, die wenig sprechen oder die Stimmlippen überlasten sind besonders gefährdet, an einer dyskinetischen Stimmstörung zu erkranken.

Allergien und eingenommene Medikamente können ebenfalls Probleme mit den Stimmlippen verursachen. Auch schädliche Einflüsse wie Nikotin und Alkohol gehören zu den Risikofaktoren und Betroffene sollten einen Hals-Nasen-Ohrenarzt konsultieren, wenn diese Faktoren zutreffen. Bei genannten Beschwerden kann der Mediziner zunächst eine Verdachtsdiagnose stellen, indem er die Stimme des Patienten beurteilt und auf Veränderungen untersucht. Basierend auf der Diagnose kann anschließend die notwendige Behandlung eingeleitet bzw. der Patient an einen spezialisierten Facharzt oder eine Fachklinik für Stimmbanderkrankungen verwiesen werden.

Behandlung & Therapie

Eine Dysphonie lässt sich auf unterschiedlichen Weisen behandeln. Je nach Ursache kommen operative oder konservative Methoden zum Einsatz. Dabei werden therapeutische Maßnahmen bevorzugt verwendet. Sind diese erfolgreich, kann schließlich auf eine OP verzichtet werden. Häufig erfolgt die Therapie bei einem Logopäden. Dabei lernt der Patient in schulenden Gesprächen den richtigen Stimmgebrauch.

Außerdem führt er verschiedene Sprach- und Atemübungen unter professioneller Anleitung durch. Sie helfen der betroffenen Person eine wenig belastende Stimmtechnik zu entwickeln. Haben sich beim Patienten hartnäckige Stimmbandknötchen ausgebildet, werden diese chirurgisch entfernt, sofern die Therapie nicht anschlägt.

Auf eine solche Operation folgt eine erneute Stimmtherapie. Anderenfalls können sich die Knötchen bei falschem Stimmgebrauch innerhalb weniger Tage erneut bilden. Je nach Schwere der Störung ist eine psychologische Betreuung ebenfalls sinnvoll.

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Aussicht & Prognose

Die dyskinetische Stimmstörung hat eine günstige Prognose. In einer logopädischen Therapie lernt der Patient die richtigen Techniken für ein optimales Sprechen. Fehlerhafte Belastungen der Stimmbänder, Muskeln oder Probleme der Aussprache werden in verschiedenen Trainings und Übungen korrigiert. Der Behandlungsplan wird den individuellen Bedürfnissen des Patienten angepasst. Erfolgserlebnisse werden gefördert und die Freude am Sprechen unterstützt.

Ohne eine Therapie bleiben häufig lebenslang Probleme oder Auffälligkeiten bei der Lautgebung erhalten. In Einzelfällen tritt eine Verschlechterung der Stimmstörung ein oder der Patient verweigert vollständig das Sprechen. In vielen Fällen kommt es zu einer herabgesetzten Lautstärke beim Sprechen, einem Sprachfehler oder einem bleibenden Akzent.

Die beste Prognose wird Patienten gegeben, die unterstützend zur Logopädie eine Psychotherapie in Anspruch nehmen. Oftmals sind Hindernisse der Sprachgebung an emotionale oder seelische Hemmnisse gebunden. Sie entstanden nach Traumata, in Phasen starker Herausforderungen des Lebens oder durch unverarbeitete emotionale Prozesse.

Wird die dyskinetische Stimmstörung aufgrund organischer Probleme wie der Bildung von Stimmknoten ausgelöst, wird ein operativer Eingriff zur Korrektur vorgenommen. Im Anschluss an die Operation wird unverzüglich eine Stimmtherapie verschrieben, in der die Stimmgebung neu erlernt wird. Wird diese Therapie nicht in Anspruch genommen, kommt es zu einer erneuten Stimmstörung, da sich wiederholt Knoten bilden.

Vorbeugung

Bei Kindern lässt sich eine dyskinetische Stimmstörung vorbeugen beziehungsweise früh entdecken. Dazu sollten Eltern auf die Sprachentwicklung ihrer Sprösslinge achten und häufiges Schreien unterbinden. Sobald sie Auffälligkeiten an der Stimme feststellen, sollten sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Er kann den Ursachen auf den Grund gehen und entsprechende Behandlungen einleiten.

Wer einen stimmintensiven Beruf ausführt (zum Beispiel Erzieher, Lehrer oder Pfarrer) sollte ebenfalls aufmerksam seinen Stimmgebrauch beobachten und viel Wert auf eine richtige Stimmtechnik legen. Weiterhin ist es ratsam schädliche Einflüsse wie Alkohol und Nikotin zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer dyskinetischen Stimmstörung handelt es sich um eine funktionelle Stimmstörung, die nicht auf organische Ursachen, sondern eine falsche Nutzung der Stimmwerkzeuge zurückzuführen ist. Bei Verdacht auf diese Erkrankung sollte unverzüglich ein Spezialist, am besten ein HNO-Arzt, aufgesucht werden.

Nach einer umfassenden Untersuchung der Stimmwerkzeuge, insbesondere der Stimmbänder, an denen sich sehr schnell Knötchen bilden, werden dem Patienten therapeutische Maßnahmen empfohlen, die dieser unbedingt beachten sollte. Bei Kindern reicht es häufig schon, diese dazu anzuhalten, beim Spielen nicht mehr ständig laut zu schreien. Eltern, die sich gegenüber ihren Kindern nicht durchsetzen können, sollten zügig professionelle pädagogische Hilfe in Anspruch nehmen.

Auch für Erwachsene ist es in der Regel erforderlich, ihre Stimme einige Zeit zu schonen. Das gilt insbesondere für berufliche Vielredner wie Lehrer und Erzieher. Diese Berufsgruppe muss sich im Fall einer dyskinetischen Stimmstörung darauf einstellen, dass sie ihre Tätigkeiten für einige Zeit nicht verrichten kann. Ärztlich verordnete Ruhephasen sollten unbedingt beachtet werden.

Darüber hinaus ist es notwendig, den richtigen Umgang mit den Stimmwerkzeugen zu erlernen, um das erneute Auftreten einer dyskinetischen Stimmstörung zu verhindern. In der Regel wird hierzu ein Logopäde zugezogen, der mit den Betroffenen Sprach- und Atemübungen exekutiert und ihnen den richtigen Gebrauch der Stimme vermittelt. Die erlernten Techniken sollten unbedingt eingesetzt werden, um einem Rückfall vorzubeugen.

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008

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