Dysenterie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Dezember 2017
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Die Dysenterie ist eine Entzündung des Darms, die oft zu starker Diarrhö, Magenschmerzen und Erbrechen führt. Verursacht wird sie meist durch eine bakterielle Infektion, kann jedoch auch durch Viren- und Parasitenbefall erfolgen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Dysenterie?

Die Dysenterie ist eine Entzündungskrankheit des Darms, spezieller noch des Dickdarms. Sie löst schwere Diarrhö aus, die Blut und Schleim enthält, zudem Fieber, Magenschmerzen und Stuhlzwang.

Verursacher der Entzündung können vielzählige Infektionen sein, sowohl bakteriell als auch viral, oder durch parasitären Befall. Die Krankheitserreger erreichen den Dickdarm über den Verdauungstrakt und werden oral durch verseuchte Nahrung oder Flüssigkeit aufgenommen. Jeder Erreger hat andere Auswirkungen auf den Körper, doch alle befallen die Innenwände des Darms und schädigen diese, was zu einer Reaktion des Immunsystems führt.

Diese Abwehrreaktionen des Körpers führen zu Krämpfen, erhöhter Temperatur und großem Flüssigkeitsverlust durch den Stuhl. Nicht selten infizieren sich Reisende an einem tropischen Urlaubsort mit den Erregern, indem sie verseuchtes Wasser trinken oder Obst essen.

Ursachen

Die häufigste Ursache für eine Dysenterie ist die bakterielle Infektion. Je nach Region herrschen andere Bakterienstämme vor, die eine Dysenterie verursachen können.

Shigellose bspw. ist sehr verbreitet in Lateinamerika, Campylobacter-Bakterien in Süd-Ost-Asien. Sehr viel seltener wird Dysenterie durch Chemikalien oder Parasiten wie Würmer hervorgerufen. Die Bakterien attackieren die Innenhaut des Darms und lösen dadurch die unangenehmen Symptome aus. Beide Infektionsmöglichkeiten werden verbreitet durch die Nahrungsaufnahme von Kot, der sich in versuchtem Wasser oder Nahrung befindet.

Besonders in Regionen großer Armut und Überbevölkerung, in der die Hygienestandards äußerst gering sind, laufen Menschen erhöhte Gefahr sich mit den Erregern zu infizieren und Dysenterie zu bekommen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose wird schnell und vor Ort durch eine physische Untersuchung und einigen Fragen zu den Symptomen ausgeführt. So kann eine Behandlung direkt eingeleitet werden. Infizierte Personen können schwere, leichte oder gar keine Symptome haben.

In extremen Fällen können Menschen bis zu einem Liter Flüssigkeit in der Stunde verlieren. Häufiger werden Menschen über Schwindel und Magenschmerzen klagen, sowie über einen starken und faul stinkenden Durchfall, der mit Blut und Schleim gemischt ist, sowie Schmerzen verursacht. Auch Erbrechen und Gewichtsverlust lässt sich oft feststellen und unterstützt die Diagnose.

In seltenen Fällen kann die Dysenterie und ihre Infektion auch andere Bereiche des Körpers befallen, bspw. lebenswichtige Organe, wie Leber, Gehirn und Lunge. Mund, Gesicht und Lippen sind höchstwahrscheinlich trocken durch den starken Flüssigkeitsverlust. Durch einen Blut- oder Stuhltest sollte schließlich festgestellt werden, welcher Erreger die Dysenterie ausgelöst hat.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn plötzlich ein wässriger Durchfall entsteht, handelt es sich womöglich um eine Dysenterie. Ein Arztbesuch ist anzuraten, wenn die Beschwerden nach spätestens drei bis fünf Tagen nicht abgeklungen sind. Sollte der wässrige Durchfall in blutige oder schleimig-eitrige Diarrhö übergehen, ist von einem schweren Verlauf auszugehen. Die Erkrankung sollte dann zeitnah ärztlich abgeklärt und behandelt werden. Patienten, die außerdem an Fieber, Bauchkrämpfen und Koliken leiden, suchen am besten direkt das nächste Krankenhaus auf.

Dies gilt insbesondere dann, wenn Anzeichen einer Dehydration bemerkt werden. Komplizierte Symptome wie arthritische Gelenkveränderungen, Nierenversagen oder Entzündungen von Harnröhre und Bindehaut sind umgehend notärztlich zu behandeln. Unter Umständen müssen außerdem Erste-Hilfe-Maßnahmen geleistet werden. Bei einem solch schweren Verlauf ist ein längerer Krankenhausaufenthalt nötig. Je nachdem, ob bereits Langzeitschäden entstanden sind, müssen anschließend weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Um dies zu vermeiden, gilt: bei Anzeichen einer Dysenterie sofort zum Arzt gehen. Bei einer frühzeitigen Behandlung sind Komplikationen extrem unwahrscheinlich.

Komplikationen

Bei der Dysenterie leiden die Patienten an starken Beschwerden im Bereich des Magens und des Darms. In der Regel ist für den Patienten eine gewöhnliche Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit nicht möglich, sodass es zu Untergewicht und einer Dehydrierung kommt. Die Beschwerden ähneln dabei stark den Beschwerden eines typischen Magen-Darm-Infektes.

Dabei klagen die Betroffenen über Erbrechen und Durchfall. Auch tritt starkes Fieber auf, welches die Lebensqualität des Patienten stark verringern kann. Nicht selten ist der Durchfall blutig, was bei einigen Menschen zu einer Panikattacke führen kann. Die Patienten leiden an einem allgemeinen Krankheitsgefühl und können sich durch die Dysenterie nicht mehr körperlich betätigen. In der Regel benötigt der Patient einige Tage Bettruhe, um die Erkrankung erfolgreich auszukurieren.

In den meisten Fällen ist keine direkte Behandlung notwendig, oft verschwindet die Erkrankung nach einem Tagen von alleine wieder, ohne dass es zu weiteren oder schwerwiegenden Komplikationen kommt. Andernfalls können auch Antibiotika eingesetzt werden. Dabei treten ebenfalls keine weiteren Komplikationen auf. Die Lebenserwartung wird aufgrund der Dysenterie nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Dysenterie wird umgehend behandelt durch eine WHO-Trinklösung. Wenn diese Therapie keinen Erfolg hat, da der Patient zu stark erbricht oder Flüssigkeit über den Darm verliert, kann die Flüssigkeitsaufnahme auch intravenös erfolgen.

Im Idealfall sollte jede medikamentöse Therapie warten, bis herausgefunden wurde, mit welchem Erreger sich der Patient infiziert hat. Falls diese Analyse nicht möglich ist, muss eine doppelte Therapie angewandt werden, sowohl gegen Parasiten, als auch mit Antibiotika gegen die Bakterien. Bei milder Shigellose wird der Arzt ggf. keine Medikation verschreiben, nur viel Flüssigkeitsaufnahme und Bettruhe verordnen.

Eine Dysenterie, die durch Parasiten verursacht wird, muss mit einer medikamentösen Doppelstrategie bekämpft werden. Nach einer zehntägigen Therapie mit Metronidazol erfolgt eine Kur mit Diloxanidfuroat, einem speziellen Mittel gegen diesen parasitären Befall. Bei Ureinwohnern von Tropengebieten auf der ganzen Welt werden die Blätter des Kapokbaums zur Linderung der Symptome genutzt. Allein auf diese Behandlung zu bauen, ist jedoch nicht zu empfehlen.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose der Dysenterie ist bei der Inanspruchnahme einer schnellen medizinischen Versorgung gut. Innerhalb weniger Tage kommt es bei der selten auftretenden Erkrankung mit den richtigen Medikamenten und einer fachärztlichen Behandlung zu einer Besserung des gesundheitlichen Zustandes. Nach ca. 1 ½ bis 2 Wochen wird im Normalfall eine Genesung erreicht. Der Patient benötigt meist noch einige Zeit, bis er vollständig beschwerdefrei ist.

In leichten Fällen ist keine medikamentöse Behandlung bei der Dysenterie notwendig. Bei einem stabilen und gesunden Abwehrsystem kann der Organismus selbständig eine Heilung erwirken. Die Keime sterben ab und werden anschließend aus dem Körper transportiert. Halten die Beschwerden über mehrere Tage an oder nehmen sie an Intensität zu, kann es zu Komplikationen und weiteren Erkrankungen kommen.

In schweren Fällen droht eine Austrocknung des Organismus und damit eine Dehydration. Dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand des Körpers, der ein Notfall darstellt. Es kann zu einem Organversagen und in Folge zum Ableben des Patienten kommen. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben insgesamt eine ungünstigere Prognose. Dies gilt insbesondere, wenn sie sich in keine Behandlung begeben. Die für die Dysenterie verantwortlichen Bakterien breiten sich innerhalb kurzer Zeit im Organismus aus und schwächen den Körper. Es kann zu Funktionsstörungen und Ausfällen kommen.

Vorbeugung

Um eine Dysenterie vorzubeugen sind besonders hygienische Ratschläge zu befolgen. So sollte sich nach jedem Gang zur Toilette gründlich mit Seife die Hände gewaschen werden. Regelmäßiges Händewaschen ist grundsätzlich empfohlen. Auch vor dem Kontakt mit Lebensmitteln, kleinen Kindern oder beim Füttern älterer Menschen sollten sich die Hände gereinigt werden. Mit infizierten Menschen sollte möglichst kein enger Kontakt ausgeführt werden. Auch das Teilen von Wasch- und Hygienemitteln sollte vermieden werden.

Das können Sie selbst tun

Die Möglichkeiten der Betroffenen, ihrem Körper beim Überstehen der Dysenterie zu unterstützen, richten sich nach der Schwere der Krankheit. Ein alleiniges Verwenden von Hausmitteln ist in der Regel nicht zu empfehlen, da die Krankheitserreger mittels Pharmazeutika abgetötet werden sollten. Andernfalls wird die Dauer der Ruhr stark verlängert.

Betroffene sollten in jedem Falle ein Schonverhalten an den Tag legen, das nur durch die häufigen Toilettengänge unterbrochen wird. So sollten Wege zur Toilette frei gehalten werden. Bei mobil eingeschränkten Personen können Windeln oder Unterlagen für das Bett nötig werden.

Viel zu trinken ist, ergänzend zur medikamentösem Therapie, wichtig. So wird dem Körper die verlorene Flüssigkeit wieder zugeführt. Eine elektrolythaltige Ernährung (Reis, Bananen, Äpfel, Gemüsebrühen usw.) kann vom Betroffenen selbst forciert werden, wird in schweren Fällen der Dysenterie aber stationär und intravenös nötig sein.

Betroffene sollten Wasch- und Hygieneartikel, die sie in der Zeit ihrer Krankheit verwenden, nach dem Abheilen auskochen oder entsorgen. Dies dient Schutze anderer Personen und vor einer möglichen Wiederinfektion mit den Keimen.

Es kann ferner unterstützend auf Kapok (die Faser des Kapokbaumes) zurückgegriffen werden. Diese besitzt eine antibakterielle Wirkung, ersetzt aber keinesfalls Antibiotika.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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