Dyschezie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 18. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Dyschezie

Bei der Dyschezie handelt es sich um eine Störung der Defäkation, die auf eine Koordinationsstörung des Analschließmuskels zurückzuführen ist. Die Patienten empfinden zwar Stuhldrang, aber haben Probleme mit der Stuhlentleerung. Über die Behandlung entscheidet die primäre Ursache der muskulären Koordinationsstörung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Dyschezie?

Der Analschließmuskel oder Sphinkter ist ein ringförmiger Muskel den Darm völlig abdichtet. Der Vorwärts- und Rückwärtsfluss von verdauter Nahrung wird durch den Muskel verhindert. Der Schließmuskel ist aus glatter Muskulatur aufgebaut und damit nur in kleinen Teilen der willkürlichen Betätigung zugänglich.

Trotzdem kann der Analschließmuskels wie jeder andere Muskel von Koordinationsstörungen betroffen sein. In den meisten Fällen gehen Koordinationsstörungen des Muskels mit einer koordinativen Schwäche der gesamten Beckenbodenmuskulatur einher. Unter der sogenannten Dyschezie wird eine Koordinationsstörung des Analschließmuskels verstanden, die zu Schwierigkeiten bei der Defäkation führt.

Die Betroffenen spüren zwar den Stuhldrang, können sich wegen der koordinativen Störung des Muskels aber nicht regulär entleeren. Die primäre Ursache für das Unvermögen zur Stuhlabsetzung kann im Rahmen der Dyschezie mit verschiedenen Erkrankungen in Zusammenhang stehen. Die Dyschezie ist somit lediglich ein Symptom, nicht aber die Primärerkrankung selbst.

Ursachen

Bei der Defäkation erhöht sich der Druck innerhalb des Enddarms und es kommt zu einer gleichzeitigen Erschlaffung des äußeren Schließmuskels. Eine verminderte Rektalkontraktion oder eine Tonuserhöhung des Schließmuskels stören diesen Prozess und verursachen eine Dyschezie. Das Phänomen beruht häufig auf einem durchlebten Rektumprolaps, also einer in der Vergangenheit stattgefundenen Invagination der Mastdarmwand.

Das Phänomen kann aber auch auf einen größeren Erkrankungsrahmen hinweisen, so beispielsweise auf einen Morbus Hirschsprung oder ein Reizdarmsyndrom. Ebenso oft kommt es im Rahmen von Hämorrhoiden-Erkrankungen, Analfissuren oder Klysmen zu einer Dyschezie. In Einzelfällen tritt treten die Symptome der Dyschezie für Frauen auch zyklusabhängig auf.

In diesem Fall liegt meist eine Endometriose zwischen der Vagina und dem Rektum als Ursache vor. Allgemeine Beckenbodenproblematiken sind in der Regel nicht als Ursache einer Dyschezie, können das Phänomen aber begleiten. In vielen Fällen handelt es sich bei Patienten mit Dyschezie auch um Personen, die häufig ihren Entleerungsreflex unterdrücken. Darüber wurde die Entleerungsstörung oft an Patienten beobachtet, die in der Vergangenheit regelmäßig einen Einlauf erhalten haben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Dyschezie verspüren beim Stuhlgang mehr oder weniger starke Schmerzen. Die Qualität des abgesetzten Stuhls wechselt zwischen Durchfall und Obstipation. Die Betroffenen erleben oft starke Blähungen. Am Schließmuskel treten zum Teil Spasmen auf. In besonders schweren Fällen verursacht schon der Stuhldrang selbst Schmerzen, die dann als Tenesmen bezeichnet werden.

In Einzelfällen liegt außerdem Nausea vor, also ein Übelkeitsgefühl aus dem Magen-Darm-Trakt, das mit Brechreiz einhergeht. In fast allen Fällen ist die Beckenbodenmuskulatur von der Koordinationsstörung des Analschließmuskels mit betroffen. Alle weiteren Begleitsymptome der Dyschezie hängen von der primären Ursache im Einzelfall ab. Das gilt auch für den Verlauf der Symptome.

Bei einer ursächlichen Endometriose zwischen der Vagina und dem Rektum treten die Beschwerden zum Beispiel nicht anhaltend auf, sondern verlaufen zyklisch und verändern sich während des weiblichen Zyklus. In Einzelfällen leiden Patienten mit Dyschezie zusätzlich an einer Rektozele oder Enterozele. Dieses Phänomen ist aber weder ein verbindliches Diagnosekriterium, noch ursächlich von Bedeutung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnostik einer Dyschezie wird eine Untersuchung des Beckenbereichs und des Rektums veranlasst, die Hypertonien der Beckenmuskulatur und der Analmuskeln abklärt. Meist findet der Arzt bereits in der Anamnese erste Hinweise auf eine Dyschezie, so zum Beispiel einen zurückgelegenen Rektumkolps oder eine Erkrankung wie Morbus Hirschsprung.

Neben der Tonusprüfung der Muskeln im Beckenbereich ordnet der Arzt zur Diagnosesicherung einer Dyschezie meist eine Defäkationsproktographie an. Auch anorektale Manometrie oder Ballonexpulsion können diagnosesichernd wirken. Die Dyschezie wird im Rahmen der Diagnostik auf eine primäre Erkrankung zurückgeführt. Die Prognose hängt für die Patienten von dieser Primärursache ab.

Behandlung & Therapie

Zur symptomatischen Behandlung einer Dyschezie nutzen die Patienten häufig Abführmittel. Nicht nur machen Abführmittel aber süchtig, außerdem ist der Gebrauch im Rahmen der Dyschezie nur unbefriedigend und beseitigt keineswegs die primäre Ursache. Um die Dyschezie auf Dauer zu heilen, muss die Ursache der Symptome beseitigt werden. Eine ursächliche Behandlung wird der symptomatischen Therapie also klar und deutlich vorgezogen.

Die Behandlung von Patienten mit Dyschezie hängt damit wesentlich von der Primärursache ab. Bei einer ausgedehnt rekto-vaginalen Endometriose stehen zum Beispiel invasive Verfahren zur Beseitigung der Ursache zur Verfügung. Operationen sollten in diesem Fall immer in Betracht gezogen werden, um auf Dauer Abhilfe zu schaffen. Auch bei Patienten des Morbus Hirschsprung sind Operationen meist die Therapie der Wahl.

Symptomatische Behandlungsmöglichkeiten laufen sich für Patienten mit Dyschezie in der Regel krankheitsunabhängig auf Biofeedback hinaus. Durch dieses Verfahren können zumindest kurzfristige Verbesserungen des Beschwerdebilds erreicht werden. In der Vergangenheit wurde zur symptomatischen Therapie auch die versuchsweise Gabe von Laxantien ausprobiert. Dieses Vorgehen konnte allerdings wesentlich weniger Verbesserungen erzielen als die Biofeedback-Methode.




Vorbeugung

Der Dyschezie lässt sich nur in Maßen vorbeugen. Eine Vorbeugemaßnahme besteht zum Beispiel in einer möglichst schnellen Stuhlentleerung nach Einsetzen des Stuhldrangs. Darüber hinaus sollten sämtliche Vorbeugemaßnahmen zur Prophylaxe von Primärerkrankungen wie Hämorrhoiden und Rektumprolaps beachtet werden, um in der Zukunft nicht an einer Dyschezie zu erkranken.

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