Dynamische Okklusion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Die Zahnmedizin versteht unter der dynamischen Okklusion die Kontakte der Zähne, die durch eine Bewegung des Unterkiefers zustandekommen. ZahnärztInnen diagnostizieren die normative oder abweichende dynamische Okklusion mithilfe einer speziellen Folie, die den Abdruck der Zähne aufnimmt. Störungen der dynamischen Okklusion können Beschwerden hervorrufen, die sich unter Umständen auf den ganzen Körper übertragen und es PatientInnen erschweren, die tatsächliche Ursache ihrer Beschwerden zu lokalisieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die dynamische Okklusion?

Die dynamische Okklusion beschreibt eine bestimmte Art des Zahnkontakts. Dabei berühren die Zähne des Oberkiefers die Zähne des Unterkiefers. Beim Gegenstück der dynamischen Okklusion, der statischen Okklusion, besteht dieser Zahnkontakt durch die natürliche Stellung des Kiefers im Ruhezustand. Im Gegensatz dazu geht der dynamischen Okklusion eine Bewegung des Unterkiefers voraus. Sie stellt somit keinen permanenten Zustand dar, sondern beschreibt ein vorübergehendes Phänomen.

Früher verstand die Zahnmedizin unter der Okklusion ausschließlich die Kieferposition in der Schlussbissstellung; heutzutage wird der Begriff von Fachleuten jedoch allgemeiner gefasst. Bei der Schlussbissstellung oder maximalen Interkuspidation handelt es sich um jene Kieferstellung, bei der sich die meisten Zähne des Ober- und Unterkiefers berühren.

Funktion & Aufgabe

Die dynamische Okklusion ist von großer Wichtigkeit, damit Kiefer und Zähne störungsfrei arbeiten können. Die Stellen, an denen die Zähne des Oberkiefers die Zähne des Unterkiefers berühren, bezeichnet die Zahnmedizin als Okklusionspunkte. Ihre Anzahl kann sich zwischen verschiedenen Individuen ebenso unterscheiden wie ihre genaue Position: Nicht jedes Gebiss weist die selben Okklusionspunkte auf, ohne dass es sich dabei grundsätzliche um eine Störung handeln muss.

Bei der Diagnostik der Okklusion hilft eine spezielle Okklusionsfolie. Weitere Bezeichnungen sind Prüffolie, Artikulationspapier und Kontaktfolie. Hersteller beschichten die dünne Okklusionsfolie mit Farbpartikeln, um die Ergebnisse des Bisses besser sichtbar zu machen. Der Diagnostiker legt die Folie zwischen Ober- und Unterkiefer in das Gebiss des Patienten und bittet ihn, wie gewohnt zuzubeißen. Die Okklusionsfolie hält den Abdruck der Zähne wie ein Durchschlagpapier fest und macht somit die Okklusionspunkte sichtbar.

Die dynamische Okklusion beschreibt eine bestimmte Art des Zahnkontakts. Dabei berühren die Zähne des Oberkiefers die Zähne des Unterkiefers.

Innerhalb der Zahnmedizin und Zahntechnik herrscht Uneinigkeit darüber, wie die optimale Okklusion aussehen sollte. So vertreten Fachleute beispielsweise unterschiedliche Meinungen darüber, wie viele Okklusionspunkte bei der dynamischen Okklusion optimal sind.

Das Gegenteil der Okklusion ist die Nonokklusion, bei der es sich um eine Fehlfunktion des Kiefers handelt. Eine Fehlstellung der Zähne oder des Kiefers kann ebenso die Nonokklusion verursachen, wie Störungen in der Kieferbewegung bei der dynamischen Okklusion.

Die Zahnmedizin benötigt die oben beschriebene Okklusionsdiagnostik, um Beschwerden zu erkennen und korrekt zu behandeln. Des Weiteren spielen die genauen Untersuchungsergebnisse für ZahntechnikerInnen eine Rolle, die auf der Grundlage dieser Daten zum Beispiel eine Prothese anfertigen können.

Moderne Software erstellt mithilfe der Ergebnisse der Diagnostik ein virtuelles Modell, das zusätzlich auf beispielhaften Zahnmodellen beruht, die im zahnmedizinischen Jargon den Namen „Bibliothekszähne“ führen. Die Software passt das gewünschte Hilfsmittel oder den Zahnersatz auf diese Weise an die individuellen Bedürfnisse und Maße des Patienten an. Darüber hinaus berechnet das digitale Modell, wie sich statische und dynamische Okklusion durch den Einsatz der Zahnprothese verändern. ZahntechnikerInnen haben dadurch die Möglichkeit, die Okklusionspunkte zu modellieren.

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Krankheiten & Beschwerden

Fehlerhafte Abläufe im Zusammenhang mit der dynamischen Okklusion führen möglicherweise zu einer erhöhten mechanischen Belastung der Kauflächen der Zähne. Die Zähne stehen dadurch unter höherem bzw. ungleichmäßigem Druck oder reiben unvorhergesehen aneinander. Dadurch können Schäden wie Abreibungen und Risse entstehen.

Störungen der dynamischen Okklusion können sich außerdem in Form einer kraniomandibulären Dysfunktion (CMD) äußern. Bei der kraniomandibulären Dysfunktion handelt es sich um eine Sammelbezeichnung für verschiedene Störungen des Kiefergelenks und der Kiefermuskeln. Auch eine Störung der dynamischen Okklusion kann CMD hervorrufen.

CMD verursacht potenziell eine Vielzahl von Beschwerden, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Kiefer stehen müssen. Fehlstellungen des Kiefers oder Okklusionsstörungen rufen feine Adaptationen im gesamten Körper hervor. Zum Beispiel kann eine schiefe Okklusionsebene dazu führen, dass die Kiefermuskulatur ungünstig kontrahiert, um schmerzhafte Zustände zu vermeiden. Daraus ergibt sich möglicherweise eine geänderte Kopf- und Nackenhaltung, die zu leichten Fehlstellungen im Schulter- und Rückenbereich führen kann. Auf diese Weise scheinen viele Körperpartien von Symptomen betroffen, deren Ursache allein in einer gestörten dynamischen Okklusion liegt. PatientInnen können die Symptome deshalb häufig nicht richtig einordnen oder schreiben sie anderen Ursachen zu.

Die Symptome von CMD umfassen Schmerzen und Verspannungen in Kiefer, Gesicht, Schultern, Nacken und Rücken sowie Migräne und andere Kopfschmerzen. Des Weiteren können sich Tinnitus, Augen- und HNO-Beschwerden manifestieren. Selbst Verdauungsprobleme, Schlafstörungen und allgemeine Störungen des Bewegungsapparats lassen sich eventuell auf CMD zurückführen.

KritikerInnen bemängeln die mangelhafte Ausbildung von ZahnärztInnen hinsichtlich der kraniomandibulären Dysfunktion: In der medizinischen Ausbildung werde das Krankheitsbild nicht ausreichend berücksichtigt. Infolge dessen käme es zu unnötigen Fehldiagnosen und die eigentliche Ursache bliebe zu oft unbehandelt.

CMD lässt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zu, wenn sie infolge einer Störung der dynamischen Okklusion auftritt. Dazu gehören unter anderem kieferorthopädische Maßnahmen und Prothesen. Insgesamt ist CMD mit einer Häufigkeit von etwa 8 % in der Gesamtbevölkerung weit verbreitet. Allerdings führt die kraniomandibuläre Dysfunktion nur in rund 3 % der Fälle zu Beschwerden, die eine Behandlung erfordern.

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