Dyarthrie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 18. Oktober 2016
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Der Begriff Dysarthrie umfasst eine Reihe von Störungen beim Sprechen. Schreiben, Lesen, Grammatik und Sprachverständnis sind davon nicht betroffen. Gestört ist nur die Motorik des Sprechens durch Beeinträchtigungen von Gehirnnerven oder Schädigungen des Gehirns.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Dysarthrie?

Sprechen ist ein hochkomplexes Zusammenspiel von mehr als hundert Muskeln, dem Kehlkopf und der Atmung. Bei der Atmung sorgen das Zwerchfell als Hauptatmungsmuskel und andere Atmungsmuskeln dafür, dass Brustkorb und Bauchraum ausgedehnt werden und die Luft einströmen kann. Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell nach unten und schafft so Platz für die einströmende Luft, beim Ausatmen hebt es sich wieder an und presst die Luft damit nach draußen.

Die einströmende und ausströmende Luft wird über den Kehlkopf geführt. Er besteht aus vielen Muskeln und Knorpeln und in seinem Inneren befinden sich die Stimmlippen. Um Töne erzeugen zu können, schließen sich die Stimmlippen und die Atemluft drückt gegen sie. Sie beginnen zu vibrieren und dadurch entstehen Töne. Diese Töne werden im Mund und Rachen zu Worten artikuliert. Daran sind Zunge, Lippen, Kiefer und Gaumensegel beteiligt.

Damit das alles ungehindert funktionieren kann, sind Kopf- und Körperhaltung wichtig. Nur bei aufrechter, gerader Oberkörperhaltung und aufgerichtetem Kopf kann der Atem frei fließen und die Stimme und die Artikulation werden nicht beeinträchtigt.

Gesteuert wird diese Leistung im Gehirn. Die Gehirnnerven leiten die Bewegungsimpulse an die verschiedenen Muskeln weiter und schaffen so die nötige Feinabstimmung, damit das Sprechen einwandfrei gelingt.

Durch eine Schädigung oder Erkrankung des Gehirns oder Nervensystems kann es zu einer Dysarthrie kommen. Die an dem Sprechvorgang beteiligten Nerven und Muskeln können entweder gelähmt sein oder Koordinationsstörungen aufweisen. Das kann Zunge, Gaumensegel, Lippen, Kiefer, Rachen, Kehlkopf oder die Atemmuskeln betreffen.

Ursachen

Die Dysarthrie ist eine neurologisch bedingte Störung. Es gibt verschiedene Auslöser für diese Sprechstörung. Sie kann von frühster Kindheit an bestehen durch frühkindliche Hirnschädigungen oder später durch Schlaganfälle, Hirnblutungen oder Unfälle mit schweren Kopfverletzungen, Hirntumore oder fortschreitende Erkrankungen des Nervensystems wie Morbus Parkinson und Multiple Sklerose hervorgerufen werden. Ebenso kann ein Schlaganfall, ein Schädel-Hirn-Trauma oder Chorea Huntington als Ursache für die Sprechstörung in Frage kommen.

Es können verschiedene Beeinträchtigungen der Sprache beobachtet werden. Die Sprache kann verwaschen und undeutlich klingen, etwas wie alkoholisiert, sie kann rau und gepresst sein, heiser und leise. Manchmal ist die Sprechweise sehr monoton oder die Geschwindigkeit zu langsam oder zu schnell.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Vom äußeren Erscheinungsbild können verschiedene Arten von Dysarthrie unterschieden werden. Die spastische oder hypertone Dysarthrie wird durch eine Erhöhung der Muskelspannung der beteiligten Muskeln hervorgerufen. Dadurch klingt die Stimme rau und gepresst und das Sprechen erfolgt stoßweise und undeutlich.

Die hypotone Dysarthrie dagegen wird durch einen Mangel an Muskelspannung hervorgerufen. Dadurch wird die Artikulation undeutlich und die Lautstärke und die Sprachmelodie gestört. Außerdem ermüden die daran Erkrankten schnell beim Sprechen.

Bei der hyperkinetischen Dysarthrie sind die Sprechbewegungen oft explosionsartig und überschießend. Das zeigt sich an starken Schwankungen der Lautstärke und Tonhöhe und Artikulation. Es kann zusätzlich zu Grimassieren und zu zusätzlichen unwillkürlichen Geräuschen, wie beispielsweise Schnalzen, kommen.

Die hypokinetische Dysarthrie dagegen zeigt eine Einschränkung und Reduzierung der Beweglichkeit der beteiligten Muskulatur auf. Die Sprechweise ist in diesem Fall monoton, die Artikulation undeutlich. Auch die Mimik der Gesichtsmuskulatur kann eingeschränkt und starr sein.

Ataktische Dysarthrie ist gekennzeichnet von Koordinationsstörungen. Das wirkt sich auf Lautstärke, Tonhöhe und Artikulationsgenauigkeit aus. Sie variieren ständig und unkontrolliert.

Diese Einzelformen treten aber häufig zusammen als gemischte Dysarthrie auf. Um eine Diagnose zu stellen, werden verschiedenen Verfahren angewandt. So etwa die Aachener Materialien zur Diagnostik Neurogener Sprechstörungen (AMDNS), das Münchner Verständlichkeitsprofil (MVP) und die Frenchay-Dysarthrie-Untersuchung.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlung versucht, die verschiedenen Störfaktoren zu kompensieren oder wenn möglich, sogar wieder zu beseitigen. Bei Dysarthrien durch einmalige Ereignisse, Schlaganfälle oder Unfälle mit Gehirnverletzungen wird man darauf hinarbeiten, den Ursprungszustand wieder herzustellen. Bei fortschreitenden Erkrankungen wird daran gearbeitet, so lange wie möglich das Fortschreiten der Dysarthrie hinaus zu zögern und die Sprachfähigkeit zu erhalten.

Eine Therapie umfasst verschiedene Ansätze und Zugänge. Zunächst einmal wird an der Körperhaltung gearbeitet. Dies kann auch in Zusammenarbeit mit einem Physiotherapeuten geschehen. Eine gute Kopf- und Körperhaltung zu erlernen ist hier sehr wichtig. Bei erhöhter Körperspannung werden Entspannungstechniken gelehrt, bei zu niedriger Körperspannung werden spannungsaufbauende Übungen gemacht.

Atemübungen gehören mit zum Programm. Atemvertiefung und Atemstromverlängerung werden eingeübt. Die Bauchatmung wird bewusst durchgeführt und darauf hingearbeitet, dass sie beim Sprechen bewusst eingesetzt werden kann. Dadurch wird der Atemstrom verlängert und es steht mehr Luft zur Lautbildung zur Verfügung.

Stimmlippen und weitere Kehlkopfmuskeln werden durch Stimmübungen trainiert. Das Ziel ist es, die Schwingungen der Stimmlippen zu harmonisieren, damit die Stimme wohlklingend wird und die Lautstärke angemessen ist. Dies wird durch den Einsatz von Brumm-, Summ-, Laut- oder Silbenübungen bewirkt. Dadurch wird neben der Lautstärke und dem Stimmeinsatz noch die Tonhaltedauer und die Tonhöhenunterscheidung geübt.

Die Artikulation wird passiv und aktiv geübt. Massagen oder Vibrationen an den Sprechwerkzeugen haben oft einen positiven Einfluss. Sie werden zusätzlich noch durch mundmotorische Gymnastik, wie beispielsweise verschiedene Lippenstellungen, ergänzt. Das erhöht die Funktionsfähigkeit und ermöglicht eine deutlichere Sprechweise. Mit Sprechübungen wird das spontane Reden gefördert.

Zudem werden noch problematische Sprechsituationen angeschaut und durchgespielt. Die verbesserte Sprechfähigkeit wird zusätzlich in Rollenspielen und Übungssituationen im Alltag gefestigt und so immer mehr in den Alltag integriert.

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Vorbeugung

Da neurologische Erkrankungen kaum vorgebeugt werden können, ist die Dysarthrie als Folgeerkrankung ebenso wenig präventiv beizukommen. Daher bleibt lediglich eine gesunde Lebensführung mit mäßigem Alkoholkonsum und einer ausgewogenen Ernährung als Maßnahme, einer möglichen neurologischen Schädigung vorzubeugen.

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