Durchgangssyndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
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Bei einem sogenannten Durchgangssyndrom handelt es sich um eine Erkrankung, innerhalb derer die Betroffenen meist mit einem schweren und langen Leidensdruck zurechtkommen müssen. Dies hat verschiedene Gründe, die auch in der extremen Komplexizität dieser gesundheitlichen Beeinträchtigung liegen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Durchgangssyndrom?

In der medizinischen Fachsprache wird unter einem Durchgangssyndrom eine ganze Reihe von psychischen Störungen verstanden, deren Auslöser nicht immer bekannt sind.

Da es sich bei Durchgangssyndrom um eine Anhäufung verschiedener Krankheitsbilder handelt, ist die eindeutige Diagnosestellung oftmals erschwert. Zu den eher untypischen Symptomen, die in ihrer Gesamtheit für eine Definition des Durchgangssyndroms wichtig sind, gehören die allgemeine Desorientiertheit und Verwirrtheit der Betroffenen sowie ein unter Umständen aggressives Auftreten.

Als körperliche Anzeichen des Durchgangssyndroms treten meist ein Bluthochdruck, ein erhöhter Puls und ein übermäßiges Schwitzen auf.

Ursachen

Bei den Ursachen, die zu einem Durchgangssyndrom führen können, geht es um eine ganze Ansammlung von auslösenden Faktoren. Die Entstehung des Durchgangssyndroms konnte bislang noch nicht konkret nachvollzogen werden.

Bei einem Durchgangssyndrom liegt ein enger Zusammenhang zwischen körperlichen Erkrankungen und deren Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem vor. Das Durchgangssyndrom wird häufig nach einer schweren Erkrankung oder einem umfangreichen operativen Eingriff beobachtet. Erstaunlicherweise halten die beim Durchgangssyndrom auftretenden Leiden nur einen begrenzten Zeitraum an, können aber auch Auslöser einer schweren psychischen Störung werden.

Von einem Durchgangssyndrom sind überwiegend Patientinnen und Patienten betroffen, die sich über eine lange Zeit in einer stationären Behandlung befanden und womöglich darauf hin verschiedene psychische Auffälligkeiten entwickeln. Überstandene Herzoperationen, Organtransplantationen, Unfälle oder Nachwirkungen auf bestimmte Narkosemittel können ebenfalls im ursächlichen Zusammenhang mit einem Durchgangssyndrom stehen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Im Verlaufe des Durchgangssyndroms stellen sich zunächst akut auftretende körperliche Beschwerden wie Lichtempfindlichkeit, Angst, starke Stimmungsschwankungen oder Missempfindungen auf. Die Patienten leiden im weiteren Verlauf unter Verwirrungszuständen, sind in ihrem Denkvermögen und ihrer Wahrnehmung eingeschränkt.

In einigen Fällen treten Halluzinationen und Furchtzustände auf. Die Beschwerden steigern sich und beeinträchtigen das "normale" Auftreten der Betroffenen stark, sodass ein Gang zum Arzt früher oder später auch aus Gründen der Selbstgefährdung nicht vermeidbar ist.

Bei der Diagnostik des Durchgangssyndroms stützt sich der Arzt zunächst auf die Anamnese, die Krankenbefragung und nimmt eine körperliche (hauptsächlich neurologische) sowie labormedizinische Untersuchung vor. Darüber hinaus muss bei einer Diagnose des Durchgangssyndroms eine sogenannte Ausschlussdiagnostik betrieben werden. Erweitert werden diese Maßnahmen durch die Nutzung spezieller Röntgenverfahren.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Durchgangssyndrom muss im Normalfall nicht ärztlich behandelt. Meist verschwinden die auftretenden Symptome nach wenigen Stunden oder Tagen wieder. Sollte diese Spontanheilung jedoch ausbleiben, ist eine ärztliche Versorgung nötig. Zusätzliche Beschwerden wie zum Beispiel eine ungewöhnlich hohe oder niedrige Körpertemperatur oder Verfärbungen der Haut sollten dem zuständigen Mitarbeiter oder dem Arzt gemeldet werden. Selbiges gilt, wenn eine Veränderung im Verhalten bemerkt wird oder der Betroffene in Panik verfällt. Patienten, die von der Operation körperlich geschwächt sind, bedürfen beim Vorliegen eines Durchgangssyndroms einer regelmäßigen Kontrolle.

Der Arzt sollte vor allem den Blutdruck prüfen und sicherstellen, dass der Patient ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Sollte der Patient die Anweisungen des Pflegepersonals missachten und sich oder andere gefährden, kann in Rücksprache mit den Angehörigen eine Fixierung erfolgen. Meist reicht es jedoch aus, wenn der Patient überwacht und gegebenenfalls mit einem leichten Beruhigungsmittel versorgt wird. In schweren Fällen – wenn sich der Betroffene selbst verletzt oder intensive Halluzinationen hat - können die Symptome des Durchgangssyndroms im Anschluss an die Behandlung mit einem Therapeuten aufgearbeitet werden.

Behandlung & Therapie

Ist das Bestehen eines Durchgangssyndroms eindeutig nachgewiesen worden, kommt es zu speziellen therapeutischen Maßnahmen. Liegen keine weiteren körperlichen Erkrankungen vor, bezieht sich die Behandlung beim Durchgangssyndrom überwiegend auf die Verbesserung der psychischen Verfassung der Betroffenen.

Hilfreich sind in diesem Moment die als Neuroleptika bekannten Arzneimittel. Diese bewirken bei einem Durchgangssyndrom eine Beruhigung und werden bei Bedarf über die Vene eingegeben. Es geht hierbei hauptsächlich um Medikamente wie Haloperidol oder Risperidon. Diese Wirksubstanzen verbessern bei den unter einem Durchgangssyndrom leidenden Patienten den Schlaf.

Ergänzt werden diese Arzneimittel bei starken psychischen Auffälligkeiten nach einer intensiven psychiatrischen Diagnostik des Durchgangssyndroms gegebenenfalls durch Psychopharmaka wie Antidepressiva (gegen depressive Zustände) oder Benzodiazepine.

Nicht in jedem Fall sind sehr umfangreiche Maßnahmen bei einem Durchgangssyndrom erforderlich. Dies hängt immer von der jeweiligen Ausprägung und dem Schweregrad der Belastung beim Durchgangssyndrom ab. Um der Verschlechterung eines Durchgangssyndroms vorzubeugen, sollte auf alkoholische Getränke verzichtet werden.

Mit Geduld und der Unterstützung der Angehörigen ist das Durchgangssyndrom nach einigen Tagen meist überstanden. Beim Durchgangssyndrom sind die Patientinnen und Patienten in der Regel nervlich durcheinander und müssen erst nach und nach zur Ruhe kommen.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen ein Durchgangssyndrom ist nicht möglich. Der Körper reagiert in verschiedenen Situationen auf eine Bedrohung über und befindet sich in einem Alarmzustand. Jeder Mensch verarbeitet eine intensive medizinische Behandlung und einen stationären Aufenthalt in einer Klinik anders. Auch intensive Eingriffe und Unfälle hinterlassen trotz sachgerechter medizinischer Betreuung und Versorgung ihre Spuren in der Seele und müssen erst verarbeitet werden.

Das können Sie selbst tun

Ein Durchgangssyndrom als organisches Psychosyndrom lässt sich nur bei bekannten Ursachen erfolgreich medizinisch behandeln. Eine Selbsthilfe ist für die Betroffenen aufgrund der häufig vorkommenden Verwirrtheit und Desorientierung nicht möglich. Zudem sind die Patienten normalerweise stationär aufgenommen, so dass auch Maßnahmen zur Alltagsbewältigung im akuten Zustand keine Option darstellen.

Angehörige können dagegen durch einige Maßnahmen dafür sorgen, dass für die Patienten eine möglichst stressfreie Umgebung geschaffen und die Orientierung gestärkt wird.

Ein abgeschwächtes Licht bei Nacht kann zum Beispiel hilfreich sein, um Angstzuständen und Desorientierung vorzubeugen. Auch sollten die Patienten immer wieder mit Namen angesprochen werden, um die Erinnerung zu stimulieren. Bekannte Musik oder auch Gerüche können im individuellen ebenfalls hilfreich sein. Auch regelmäßige Besuche in freundlicher und ruhiger Atmosphäre können für die Erkrankten mit einem Durchgangssyndrom hilfreich sein. Auf die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit zur Aufrechterhaltung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes ist zu achten, da es hier bei Mangelzuständen zusätzlich zu Desorientierung kommen kann.

Da die Patienten bei einem Durchgangssyndrom nicht selbst zu helfenden Maßnahmen in der Lage sind, sollten Angehörige und Besucher darauf achten, dass die pflegerische und sensorische Umgebung möglichst optimal gestaltet wird. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankten sich erholen.

Bücher über Durchgangssyndrom

Quellen

  • Grüne, S., Schölmerich, J.: Anamnese, Untersuchung, Diagnose. Springer, Heidelberg 2007
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Hanna kommentierte am 19.05.2017 um 22:25 Uhr

Als ich meinen Mann nach einer mehrstündigen Operation und dreitägigem Aufenthalt in der Intensivstation wieder sah, hatte ich den erschreckenden Eindruck, er erkenne mich nicht. Er war total verändert. Starrte mich mit leerem Blick an, sprach kaum ein Wort, höchstens "Trinken". Zuerst dachte ich, dass das noch von der Operation käme, aber das war am nächsten Tag nicht viel anders. Ein Arzt hat nicht mit mir darüber gesprochen, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte. Bei Entlassung fiel mir eine extreme Unfreundlichkeit, bzw. Boshaftigkeit bei ihm auf. Mittlerweile ist diese Operation sechs Jahre her und mein Mann ist bis heute nicht mehr der Gleiche. Nun habe ich zufällig im Apothekerheft einen Bericht über ein Durchgangssyndrom gelesen und festgestellt, dass dort vieles ähnlich beschrieben wurde, wie es bei meinem Mann der Fall war. Seit zweieinhalb Jahren leben wir getrennt, weil seine Art einfach nicht mehr auszuhalten war. Ich habe keine Hoffnung mehr, dass er sich ändert.

Rosemarie kommentierte am 12.08.2016 um 19:50 Uhr

Ich hatte mit 67 Jahren eine Hüft-OP. Nach zwei Tagen verlor ich ganz allmählich die Lust an jeglicher Art von Kommunikation. Die Klinik reagierte umgehend, wegen Verdachts auf Schlaganfall. Doch der Verdacht auf Schlaganfall bestätigte sich nach allen Untersuchungen nicht, der zweite Verdacht war : eventuelle Hirnhautentzündung, doch das bestätigte sich auch nicht. Also blieb "Durchgangssyndrom". Meine eigenen Empfindungen zu dieser Zeit waren: ich konnte niemanden mehr verstehen, alles kam als "Kabelsalat" an, doch ich konnte selbst ebenfalls nichts reden. Ich konnte nicht mehr mit Besteck essen, benutzte dazu die Finger. Ich konnte mir auch nicht das Wasser aus der Karaffe ins Glas schütten, ich konnte den Ausguss nicht zur Glasöffnung koordinieren. Dazu hatte ich schöne (Gaugin) Halluzinationen im Ruhezustand, wenn ich an die Decke schaute oder die Augen schloß, und die Gesichter der Schwestern, Ärzte, Menschen waren zweigeteilt, sie hatten eine übergroße Gesichtshälfte. Im Kopf fühlte ich mich selbst ganz klar und ich bemühte mich Tag und Nacht wieder die beiden Worte Steffi und Paul zu artikulieren, die Namen meiner Tochter und Enkelsohn, was mir in der vierten Nacht ganz plötzlich auch gelang. Und nach dann anschließender Reha für die Hüfte konnte ich diese schon nach 14 Tagen verlassen, weil es mir mittlerweile so gut ging, mit der operierten Hüfte ebenso wie mit meinem Allgemeinzustand. Nur habe ich jetzt natürlich Bedenken, wenn ich an eine eventuell zweite anstehende Hüft-Op denke, bzw. an jede Art von anderer OP. Was kann man dagegen unternehmen? Nach Rücksprache mit meinem damaligen behandelnden Anästhesisten (Hüft-OP) und Untersuchung des Narkoseprotokolls stellte er fest, dass seiner Meinung nach ein Absinken des Sauerstoffs eine Rolle hätte spielen können.

lunalila64 kommentierte am 30.01.2016 um 23:21 Uhr

Ich befand mich vor kurzem im Krankenhaus in Behandlung. (Acht Tage Intensivstation/ vier Tage Innere) wegen einer Sepsis, Pneunomie und Nierenversagen. Auf der Intensivstation entwickelte ich ein schweres Durchgangssyndrom mit ausgeprägt autoaggressiver Symptomatik. Mir wurde von den Ärzten danach berichtet, dass ich mir die gelegten Zugänge heraus riss. Daraufhin wurde ich für mehrere Tage fixiert und medikamentös stillgelegt. Jedoch wurde die Dosis kurze Zeit später heruntergefahren. Die letzten Tage der Fixierung war ich wieder einigermaßen bei Bewusstsein. Die Erinnerung an diese Gefühle des vollkommenen Ausgeliefertseins ruft noch heute in mir Angst aus.

Anton tuennes kommentierte am 08.06.2015 um 21:51 Uhr

Kann ein Durchgangssyndrom nach einer Woche nach OP und später nach 5 Wochen erneut auftreten? In den Zwischenzeiträumen war wieder geistige Normalität eingetreten. Nur jetzt dauert der Zustand des Verwirrtsein und der Aggressivität an.

Irene kommentierte am 06.06.2014 um 20:42 Uhr

Mein Mann war zur Mettallentfernung mit Rückenmarksnarkose im Krankenhaus. Er hat Parkinson und erhielt das Medikament Zopidem. Eine Stunde nach der Einnahme hatte er ein Durchgangssyndrom mit aggressivem Verhalten. Kann das die Nebenwirkung des Schlafmittels sein?

Annerl kommentierte am 13.12.2013 um 19:07 Uhr

Ich hatte einen Herzinfarkt. Ich bekam einen Stent, trotzdem hatte ich drei Monate später die gleichen Schmerzen. Nach drei Tagen auf der Intensivstation kam ich auf Station, hatte aber die gleichen Schmerzen wie beim Infarkt. Mir hat niemand geglaubt.
Nach langer Zeit hat man endlich einen Schnelltest gemacht. Der Bypass hat sich wieder verschlossen. Also, nach drei Tagen eine Re-Operation. Ich hatte also eine Thrombose im Arm, die operiert wurde. Eine Embolie im Oberschenkel, die einen circa 50cm. langen Schnitt und drei Tage Koma als Folge hatte. Danach hatte ich regelrechte Wahnvorstellungen. Ich traute mich nicht mehr einzuschlafen, war ständig wach und hatte schreckliche Bilder vor Augen. Das ist jetzt sechs Jahre her und diese Bilder verfolgen mich Tag für Tag und Nacht für Nacht.
Ich habe mich erholt, bin zwar verrentet, aber ich lebe noch und mir geht es gut.
Schlafen kann ich heute noch nicht, nur vor Erschöpfung. Verdaut habe ich meine schlimmen Träume noch nicht.

Bekannt aus: