Ductus thoracicus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Der Ductus thoracicus ist als Teil des lymphatischen Systems für den Transport von Nähr- und Abfallstoffen verantwortlich. Er sammelt die Lymphe aus den beiden unteren sowie dem linken oberen Körperquadranten und führt sie zurück in das venöse System. Der Ductus thoracicus leitet die Lymphe durch Lymphknoten, die ein wichtiger Teil des Immunsystems sind und im diagnostischen Prozess Aufschluss über mögliche Erkrankungen geben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Ductus thoracicus?

Die Bezeichnung Ductus thoracicus leitet sich vom lateinischen Wort für Gang und dem griechischen Begriff für Brustkorb ab. Als größter Lymphstamm des menschlichen Körpers transportiert er etwa drei Viertel der gesamten Lymphflüssigkeit aus den beiden unteren und dem linken oberen Körperquadranten.

Die Lymphe ist eine hellgelbe, wässrige Flüssigkeit, die Zellen und Lymphplasma beinhaltet. Im Deutschen wird für den Ductus thoracicus synonym auch der Begriff Milchbrustgang verwendet. Dies resultiert aus der milchig-trüben Qualität der Lymphe, welche nach der Nahrungsaufnahme durch die im Darm resorbierten Fette entsteht. Diese fettreiche Lymphe wird auch als Chylus bezeichnet. Der Ductus thoracicus wurde erstmals im 17. Jahrhundert bei Hunden, einige Jahre später auch beim Menschen medizinisch beschrieben.

Anatomie & Aufbau

Der Ductus thoracicus entsteht in der Cisterna chyli, der Lendenzisterne. Diese Stelle ist häufig erweitert, da hier die Lymphe der unteren Extremitäten, des Beckens und des Abdomens zusammenfließen. Die drei aus den unteren Körperquadranten führenden Lymphstämme sind die paarigen Trunci lumbales und der unpaare Truncus intestinalis.

Der Ductus thoracicus nimmt die Lymphe dieser drei Gefäße auf, ehe er rechts hinter der Aorta das Zwerchfell durchdringt. Von dort zieht er an der Wirbelsäule entlang nach oben durch den Thorax und verläuft dann im Halsbereich in einem Bogen zum linken Venenwinkel. Die Mündungsstelle ist in der Nähe des Zusammenflusses von Vena jugularis interna und Vena subclavia zur Vena brachiocephalica lokalisiert. Kurz vor der Mündungsstelle nimmt der Ductus thoracicus noch den Truncus bronchomediastinalis, den Truncus subclavius und den Truncus jugularis auf.

Diese drei Gefäße sammeln die Lymphe des linken Körperquadranten. An der Mündungsstelle verhindert eine Klappe das Übertreten von venösem Blut in den Ductus thoracicus. Anatomisch ist der Ductus thoracicus mit einem Blutgefäß vergleichbar, allerdings ist das Lumen der Lymphgefäße zum Transport von Eiweißen und geronnenem Blut nach Verletzungen größer

Funktion & Aufgaben

Als Teil des Lymphgefäßsystems ergänzt der Ductus thoracicus das Blutgefäßsystem. Er transportiert Flüssigkeit, die nicht von den Blutgefäßen resorbiert wurde, und führt sie wieder dem venösen Blutkreislauf zu. Die Lymphflüssigkeit im Ductus thoracicus transportiert Eiweiße, Fette, Immunzellen und Wasser. Nach besonders fettreichen Mahlzeiten ist die Fettkonzentration der Lymphe erhöht, wodurch die Lymphflüssigkeit trübe und milchig wird.

Vor der Mündung in die Vene liegen Lymphknoten, durch welche der Ductus thoracicus die Lymphflüssigkeit leitet. Dort wird sie von Fremdkörpern, Tumorzellen und Krankheitserregern gereinigt. Lymphknoten sind außerdem ein wesentlicher Teil des menschlichen Immunsystems. Je nach Vorkommen von Erregern in der Lymphflüssigkeit aktivieren und vermehren sie Antikörper. Diese werden im Anschluss zur Erregerbekämpfung in die Blutbahn abgegeben. Ist die Aktivität aufgrund einer Infektion oder eines Tumors erhöht, schwillt der Lymphknoten an. Dies gibt bei medizinischen Untersuchungen Aufschluss über das Vorliegen und die Art der Erkrankung.

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Krankheiten

Wie alle Lymphgefäße kann der Ductus thoracicus von angeborenen oder erworbenen Erkrankungen betroffen sein. Ein Lymphödem tritt auf, wenn die Rücktransportkapazität überfordert ist. Bei dem Ödem handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellraum.

Dieses kann als Symptom einer Begleiterkrankung wie beispielsweise einer Rechtsherzinsuffizienz auftreten. Die umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichnete Lymphangitis kann den Ductus arteriosus ebenfalls betreffen. Es handelt sich dabei um eine meist durch Bakterien ausgelöste Entzündung der Lymphe. Das nach außen hin auffälligste Symptom ist ein roter, vom Entzündungsherd ausgehender Streifen auf der Haut. Im entsprechenden Gebiet zeigen sich vergrößerte Lymphknoten, darüber hinaus kann es zu allgemeinen Symptomen wie Fieber kommen.

Eine chronische Lymphangitis kann aufgrund einer Abflussstörung mit der Zeit ebenfalls ein Lymphödem verursachen. Das Lymphangiom ist vergleichbar mit dem Hämangiom im Blutgefäßsystem. Dabei handelt es sich um eine seltene, gutartige Tumorerkrankung. Das Lymphangiom tritt meist im frühen Kindeslater auf, wobei es in der Regel bereits bei der Geburt vorliegt. Im Gegensatz zu Hämangiomen bilden sich Lymphangiome nicht von selbst zurück. Eine vollständige Entfernung ist erforderlich, da sich bei Rückständen im Gewebe schnell Rezidive bilden. Ist das Lymphangiom nicht auf eine singuläre Masse beschränkt, sondern im Körper verbreitet, liegt eine Lymphangiomatosis vor. Diese Erkrankung lässt die Lymphgefäße in innere Organe, Knochen, Haut oder Weichgewebe wuchern.

Die Lymphangiomatosis kann Flüssigkeit im Herzen, in Bauch- oder Lungenhöhle sowie Fieber und interne Blutungen zur Folge haben. Weitere Anzeichen sind massive Schmerzen und Lymphödeme. Die Prognose hängt stark von der Lokalisation und der Verbreitung der Erkrankung ab. Bei einer Lymphangiektasie kommt es ebenfalls zu einer spindel-, sack- oder schlauchförmigen Erweiterung der Lymphgefäße. Sie kann als Begleiterscheinung eines Syndroms angeboren sein oder im Rahmen einer erworbenen Erkrankung auftreten. Kommt es aufgrund eines Traumas zu einer Ruptur des Ductus thoracicus, tritt Lymphflüssigkeit in die Brusthöhle aus. Sollte eine mehrtägige parenterale Ernährung zu keiner Besserung führen, ist eine operative Behebung der Ruptur vonnöten.

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