Ductus pancreaticus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Die Bauchspeicheldrüse produziert Verdauungssekret, das über den Ductus pancreaticus in den obersten Abschnitt des Dünndarms gelangt. Sind der Ausführungsgang oder die Mündung zum Beispiel durch häufig vorkommende Gallensteine eingeengt, kommt es zu einem Rückstau des Bauchspeicheldrüsensekrets, was zu einer Pankreatitis führen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Ductus pancreaticus?

Der Ductus pancreaticus ist der Ausführungsgang des exokrinen Anteils des Pankreas. Er verzweigt sich bis in die Azini des Pankreasparenchyms, wo er die sezernierten Verdauungsenzyme aufnimmt und zum Zwölffingerdarm transportiert. Der Pankreasgang mündet an der Papilla duodeni major (Vateri) in der Pars descendens des Duodenum.

Anatomie & Aufbau

Das Ausführungsgangsystem des Pankreas besteht aus intralobulären und interlobulären Abschnitten und dem Hauptausführungsgang, dem Ductus pancreaticus. Innerhalb der Azini beginnen Schaltstücke mit geringem Durchmesser und niedrigem Epithel.

In vielen anderen Speicheldrüsen folgen Streifenstücke mit Zylinderepithel auf die Schaltstücke. Solche Streifenstücke fehlen im Pankreas. Das Pankreasparenchym ist in Lobuli unterteilt. Jedes dieser Läppchen, das aus mehreren serösen azinösen Drüsen besteht, hängt an einem Ausführungsgang, der die Schaltstücke vereinigt. Die interlobulären Abschnitte zeigen ein hochprismatisches Epithel mit kurzen Mikrovilli und sezernieren neutralen, sialomuzinreichen Schleim. Sie münden in den Ductus pancreaticus, der längs durch das Pankreas verläuft. Er gleicht histologisch den interlobulären Anteilen; hier kommen jedoch abschilfernde Zellen vor, und es münden vereinzelt mukoide Drüsen ein.

Der Ductus pancreaticus major (Wirsungi) ist 2 mm dick und endet in den meisten Fällen gemeinsam mit dem Ductus choledochus, dem Hauptgallengang, auf der Papilla duodeni major. Die Mündung wird von einem Schließmuskel, dem Sphincter Oddi, gebildet. In der Embyronalentwicklung entstehen die Bauchspeicheldrüse und ihre Ausführungsgänge durch die Verschmelzung der ventralen und der dorsalen Pankreasanlage. Bei 6-10% der Menschen bleibt diese Verschmelzung aus, und es entsteht ein Pancreas divisum. Diese Individuen weisen einen Ductus pancreaticus minor oder accessorius (Santorini) auf, der an der Papilla duodeni minor mündet.

Funktion & Aufgaben

Der Ductus pancreaticus transportiert die in der Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungsenzyme zum Zwölffingerdarm. Es handelt sich um Lipasen (zur Fettverdauung), Amylasen (zur Spaltung von Kohlenhydraten) und Proteasen. Die Proteasen werden in Form von Proenzymen, also inaktive Vorstufen, freigesetzt. Sie werden erst im Dünndarm aktiviert, um eine Autodigestion des Pankreas zu verhindern. Diese Proteasen sind Trypsin, Chymotrypsin, Elastase, Phospholipase A und Carboxypeptidase.

Auch in das Pankreas gelangende Gallensäuren könnten eine Selbstverdauung auslösen. Der Druck im Pankreasgangsystem ist aber höher als der im Gallengangsystem, was einen Reflux von Gallenflüssigkeit verhindert. Fett- und Aminosäuren in der Nahrung bewirken die Produktion von Cholezystokinin in den I-Zellen von Duodenum und Jejunum. Dieses, sowie vegetative bzw. neurale Stimulation, ist ein Reiz für die Azinuszellen des Pankreas, Verdauungsenzyme zu produzieren und zu sezernieren. Sekretin, das in den S-Zellen des Duodenums gebildet wird, wenn Speisebrei aus dem Magen den pH-Wert im Zwölffingerdarm senkt, fördert in den Zellen der pankreatischen Ausführungsgänge die Abgabe von Wasser, Bikarbonat und Muzinen.

Insgesamt werden so 1000-2000 ml Pankreassekret pro Tag produziert, das allein durch den Sekretdruck vorwärts bewegt wird. Der Ductus pancreaticus enthält keine myoepithelialen Zellen, kann also nicht kontrahieren.

Krankheiten

Gallensteine und Tumore an oder neben der Papilla duodeni Vateri können den Ausführungsgang verlegen bzw. von außen komprimieren. Duodenaldivertikel können den Sphincter Oddi funktionell beeinträchtigen.

In diesen Fällen kommt es zu einem Rückstau des Pankreassekrets in die Bauchspeicheldrüse. Die proteolytischen Enzyme werden dann noch innerhalb des Pankreasgangsystems aktiviert, was zu einer Autodigestion des Pankreas, zu Nekrosen und zu einer akuten Pankreatitis führt. Elastase greift die Gefäßwände an, wodurch Blutungen verursacht werden. Lipasen und Gallensäuren rufen Fettgewebsnekrosen hervor. Phospholipase A wandelt Lezithin in das zytotoxische Lysolezithin um. Auch Kallikrein wird unter anderem in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Wird es aktiviert, führt es zu einer Freisetzung von Bradykinin, das eine Vasodilatation bis hin zum Schock bewirkt. Akute Pankreatiden haben eine Gesamtletalität von 10-20%.

Traumata können eine Zerreißung der Ausführungsgänge hervorrufen. Durch das Austreten der Pankreasenzyme in den Bauchraum entstehen dort Nekrosen und Peritonitis. Autodigestive Nekrosen in der Bauchspeicheldrüse führen zu einer Fibrosierung und narbigen Verengung der Pankreasgänge im betroffenen Abschnitt, und durch diese Stenosierung steigt wiederum das Risiko für eine erneute Pankreatitis. Das vor der Stenose liegende Pankreasgewebe atrophiert.

Obwohl es meist symptomlos bleibt, begünstigt ein Pancreas divisum die Entstehung einer akuten oder chronischen Pankreatitis, wenn die Papilla duodeni minor eine zu geringe Drainagekapazität aufweist oder auch nur geringfügig stenosiert ist, zum Beispiel durch eine fokale Entzündung. Von den epithelialen Zellen der Ausführungsgänge geht außerdem das duktale Adenokarzinom hervor. Es hat insgesamt eine niedrige Inzidenz von 10 pro 100.000 pro Jahr, ist aber der weitaus häufigste Pankreastumor.

Es ist hochmaligne und hat eine hohe Letalität. Das Pankreaskarzinom ist meistens im Pankreaskopf lokalisiert, was zu einer Stenose der intrapankreatisch verlaufenden Anteile des Ductus pancreaticus und des Ductus choledochus führen kann. Symptome treten aber erst in einer späten Phase auf, so dass bei Diagnosestellung der Tumor oft schon inoperabel ist.

Tumore an der Papilla Vateri, die die gleiche Histologie aufweisen wie das duktale Pankreaskarzinom, verursachen hingegen durch den Rückstau der Gallenflüssigkeit früh eine Gelbsucht. Dieser führt zu einer schnelleren Diagnosestellung, weshalb diese Neoplasien eine bessere Prognose haben.

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