Dracontiasis

Letzte Aktualisierung am 29. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
Startseite » Krankheiten » Dracontiasis

Als Dracontiasis wird eine auf dem Rückmarsch befindliche Parasitose bezeichnet, die durch den Medina- oder Guineawurm hervorgerufen wird. Die Krankheit zeigt sich etwa ein Jahr nach Verzehr infizierter winziger Ruderfußkrebschen anhand etwa taubeneigroßer Geschwüre, die bei Kontakt mit Wasser aufplatzen. Auch der Uterus des Fadenwurms, der sich zusammen mit seinem Kopfende in dem Geschwür zeigt, platzt auf und entlässt Tausende von Larven.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Dracontiasis?

Als Dracontiasis wird eine Parasitose bezeichnet, die durch einen Fadenwurm, Medina- oder Guineawurm genannt, verursacht wird. Der Erreger benötigt den Generationenwechsel zwischen Mensch oder anderen Säugetieren und einem winzigen Ruderfußkrebschen, das in Süßwasser lebt. Durch Hygienemaßnahmen, vor allem hinsichtlich der Beachtung gewisser hygienischer Standards beim Umgang mit Trinkwasser, konnte die Krankheit in den letzten Jahren stark eingedämmt werden.

Infizierte Ruderfußkrebschen enthalten sogenannte L3-Larven des Wurms, was dem letzten Larvenstadium entspricht. Nach Verzehr durch den Menschen oder ein anderes Säugetier entwickeln sich die Larven weiter zum weiblichen oder männlichen Medinawurm. Sichtbar wird die Dracontiasis etwa ein Jahr nach Aufnahme der L3-Larven, die sich mittlerweile zu Würmern entwickelt und gepaart haben. In den weiblichen Exemplaren wachsen in ihrem Körper Tausende von Larven heran.

Nach deren Reifung scheiden die Würmer eine Substanz aus, die die Haut zur Ausbildung eines etwa taubeneigroßen Geschwürs veranlasst, das bei Berührung mit Wasser aufplatzt und die Larven in das Wasser entlässt. Sichtbar ist die Krankheit nur anhand der typischen Geschwüre, in denen sich nach Aufplatzen auch der oberste Teil des Wurms zeigt.

Ursachen

Die Dracontiasis wird ausschließlich durch den weiblichen Medinawurm (Dracunculus medinensis) verursacht. Die Geschwüre (Ulkus) einer Dracontiasis mit der typischen kreisrunden Form entstehen aufgrund eines Sekrets des weiblichen Wurms, das er an seinem Kopfende ausscheidet, wenn die Larven in seinem Uterus das Reifestadium erreicht haben. Das Sekret des Fadenwurms sorgt nicht nur für die typische Form der Ulzera.

Es sorgt auch dafür, dass sie bei Berührung mit Wasser von der Mitte her aufplatzen. Der Wurm, dessen Kopfende dann sichtbar ist, entlässt innerhalb von zwei bis drei Wochen Tausende seiner Larven in mehreren Schüben immer dann, wenn das Ulkus mit Wasser in Berührung kommt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Frühstadium ist die Dracontiasis symptomfrei. Erste Beschwerden stellen sich ein, wenn sich die aufgenommenen Larven zu ausgereiften Würmern entwickelt haben und sich die befruchteten weiblichen Fadenwürmer in Richtung Zielgewebe bewegen. Sie verursachen auf ihrer „Wanderschaft“ im Bindegewebe in Richtung Extremitäten wie Unterschenkel und Füße unangenehme Schmerzen.

Auch die spätere Bildung der Ulzera ist mit Schmerzen verbunden. Das rötlich angeschwollene Umgebungsgewebe des Ulkus juckt und brennt und macht einen entzündeten Eindruck. Es ist gleichzeitig sehr schmerzempfindlich. Die Substanzen, die der Wurm freisetzt, um das Ulkus zu erzeugen, können auch allergische Reaktionen auslösen, die zu Atembeschwerden, juckendem Ausschlag oder zu Erbrechen führen können.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine sichere Diagnose kann gestellt werden, wenn sich ein typisches Ulkus gebildet hat und das Kopfende des weißen Fadenwurms nach Aufreißen des Geschwürs sichtbar ist. Das bedeutet, dass bereits etwa ein Jahr seit Aufnahme der infizierten Ruderfußkrebse vergangen sein kann. Als Zwischenwirt kommen neben dem Menschen auch andere Säugetiere in Frage.

Die Larven aus dem Ruderfußkrebschen gelangen zunächst – meist zusammen mit dem Trinkwasser - in den Verdauungstrakt. Sie sind in der Lage, die Darmschleimhaut zu penetrieren und in Bindegewebe einzudringen. Hier wachsen sie zu kleinen männlichen und längeren weiblichen Fadenwürmern heran und paaren sich. Nach der Paarung stirbt der männliche Wurm ab und wird vom umgebenden Gewebe eingekapselt.

Der weibliche Wurm wächst weiter und wandert allmählich in das subkutane Bindegewebe der Extremitäten, vorzugsweise in Unterschenkel und Füße. Der weibliche Medinawurm kann eine Länge von über einem Meter erreichen, und nach Heranreifen von Larven in seinem Uterus, nahe seines Kopfes, veranlasst er die Haut seines Wirts zur Ausbildung eines Geschwürs, das bei Berührung mit Wasser aufplatzt und das obere Ende des Wurms sichtbar werden lässt.

In dem sichtbaren oberen Teil des Wurms befindet sich der Uterus mit Tausenden Larven im ersten Larvenstadium (L1). Sie werden schubweise ausgeschieden und in das Wasser entlassen. Unbehandelt stirbt der weibliche Fadenwurm nach Beendigung der Larvengeburt. Die Ulzera bilden sich wieder zurück, es sei denn, dass sich dort eine der häufig auftretenden Sekundärinfektionen gebildet hat.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Für eine Infektion mit dem Medinawurm steht keine medikamentöse Behandlung zur Verfügung. Da der Parasit auch unbehandelt nach Beendigung der Larvenausschüttung abstirbt und die durch den Wurm verursachten Hautgeschwüre dann meist abheilen, unterbleibt in den Risikogebieten eine ärztliche Behandlung der Betroffenen in aller Regel. Für Europäer ist dies jedoch keine Option. Da sich der Wurm sehr aggressiv vermehrt und Ansteckungsgefahr für Dritte besteht, sollte bereits beim ersten Verdacht auf eine Dracontiasis unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Die Symptome der Krankheit zeigen sich allerdings nicht sofort, sondern meist erst etwa ein Jahr nach der Kontaminierung.

Die weiblichen Fadenwürmer wandern dann nach der Paarung durch das Bindegewebe und verursachen dabei insbesondere in den Unterschenkeln und den Füßen Schmerzen, für die keine Ursachen erkennbar sind. Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, sollte unverzüglich einen Arzt aufsuchen, wenn er solche Symptome bemerkt. Im nächsten Schritt kommt es zur Bildung von Geschwüren, die die Größe von Taubeneiern erreichen können und mit tausenden Larven gefüllt sind. Spätestens jetzt sollten Betroffene einen Spezialisten, am besten einen Arzt für Tropenmedizin, hinzuziehen. Wird die Krankheit nicht behandelt, besteht nicht nur ein beträchtliches Ansteckungsrisiko für das soziale Umfeld, die durch den Wurm verursachten Geschwüre können sich außerdem entzünden, was Sekundärinfektionen nach sich ziehen kann.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei der Dracontiasis in den ersten Monaten nach der Infektion zu keinen Komplikationen und auch zu keinen Symptomen. Dem Patienten ist meistens nicht bewusst, dass er erkrankt ist. Die Schmerzen treten dann auf, wenn die Larven ausgereift sind und sich im Gewebe bewegen.

Dabei leidet der Patient an Schmerzen, welche vor allem an den Extremitäten auftreten. Es kommt in vielen Fällen auch zu einem Jucken und Brennen und einem starken Ausschlag auf der Haut. Nicht selten leiden die Patienten an einem permanenten Erbrechen, welches die Lebensqualität stark verringern kann. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch die Entfernung des Wurmes aus dem Gewebe. In der Regel wird der Wurm täglich um einige Zentimeter entfernt, sodass die Behandlung einige Monate andauern kann.

In dieser Zeit leidet der Patient an den beschriebenen Symptomen. Alternativ kann auch ein operativer Eingriff erfolgen. Die Lebenserwartung wird von der Dracontiasis nicht beeinflusst. Allerdings kann die Dracontiasis nochmals im Leben des Betroffenen auftreten. Nach der erfolgreichen Behandlung kommt es zu keinen weiteren Beschwerden und Komplikationen.

Behandlung & Therapie

Eine direkte medikamentöse Therapie zur Bekämpfung des parasitären Medinawurms ist nicht bekannt. Eine seit dem Altertum angewandte Methode zur behutsamen Entfernung der Würmer wird auch heute noch vielfach praktiziert. Nachdem sich der obere Teil des Wurms innerhalb des Ulkus zeigt, wird das obere Ende auf ein dünnes Holzstäbchen – beispielsweise ein Streichholz – gewickelt, ohne ihn abzureißen.

Die Methode erfordert einige Übung, Geschick und Geduld, denn es können auf diese Art nur etwa zehn Zentimeter täglich bewältigt werden. Das bedeutet, dass die Wickelmethode sich bis auf zwei oder mehr Wochen hinziehen kann. Als Alternative zur Wickelmethode besteht auch die Möglichkeit zur operativen Entfernung der Würmer.

Allerdings bestehen nicht in allen Endemiegebieten die notwendigen technischen Voraussetzungen, und für viele der Betroffenen übersteigen die Kosten für eine Operation ihre finanziellen Möglichkeiten. Auch nach einer überstandenen Infektion wird kein Immunschutz aufgebaut, so dass jederzeit eine Neuinfektion erfolgen kann.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Aussicht & Prognose

Die Prognose einer Dracontiasis ist in den meisten Fällen günstig. Bei ca. 50 Prozent aller Erkrankten kommt es zur folgenlosen Ausheilung, nachdem der Medinawurm den Körper verlassen hat. Allerdings erzeugt der Wurm juckende und schmerzende Blasen, die eine Eintrittspforte für Bakterien bilden. So sind verschiedene bakterielle Infektionen möglich, die zu einer späteren Defektheilung führen können. In einigen Fällen werden Sehnen und Gelenke beschädigt, die sich in der Nähe einer solchen Blase befinden. Diese Schädigungen werden durch Gelenkentzündungen und ständige Abszesse an den betreffenden Stellen hervorgerufen. In der Folge können sich die Gelenke versteifen.

Des Weiteren garantiert eine Infektion mit dem Mediawurm jedoch nicht, dass keine Neuinfektionen mehr auftreten. Die betroffene Person kann sich immer wieder mit dem Spulwurm Dracunculus medinensis infizieren, weil eine Immunität gegen den Wurm nicht aufgebaut wird. So kommt es in den gefährdeten Gebieten bei Trockenheit zu ständigen Neuinfektionen, wenn die Bevölkerung bei einer unsicheren Trinkwasserversorgung auf ungefiltertes Wasser von Wasseransammlungen angewiesen ist.

Im Gegensatz zum größten Teil der Bevölkerung verläuft die Erkrankung bei Neugeborenen meist tödlich. Bei überlebenden Säuglingen führt sie zu schwersten gesundheitlichen Schäden. Obwohl im Erwachsenenalter die Erkrankung häufig folgenlos ausheilt, kann es jedoch auch hier in einigen Fällen zu schweren Folgeschäden kommen. Das trifft vor allem dann zu, wenn als Komplikation der Infektion eine Meningoenzephalitis auftritt.

Vorbeugung

Die beste und wirksamste Vorbeugemaßnahme besteht in der Beachtung einfacher Hygienemaßnahmen im Umgang mit Trinkwasser in den wenigen verbliebenen Endemiegebieten. Beispielsweise reicht es aus, das Trinkwasser durch ein Seihtuch zu filtern oder abzukochen.

Das können Sie selbst tun

Wurde eine Dracontiasis festgestellt, besteht die wichtigste Maßnahme in einer raschen Entfernung des Wurms. Bei weniger aggressiven Würmern können die Betroffenen die Entfernung der Parasiten selbst vornehmen. Hierzu wird das sichtbare Ende des Wurms auf einen Holzstab gewickelt, ohne den Wurm abzureißen. Dieser Vorgang muss täglich wiederholt werden, bis der gesamte Wurm aus dem Körper gezogen wurde. Der Parasit kann anschließend entsorgt und die Prozedur an anderen Geschwüren wiederholt werden. Meist dauert es einige Tage bis Wochen, bis ein Medinawurm vollständig entfernt wurde. Darum ist es angezeigt, die Behandlung von einem Arzt überwachen zu lassen.

Falls starke Schmerzen oder Juckreiz auftreten, können einige Mittel aus der Naturheilkunde zum Einsatz kommen. Bewährt haben sich Präparate mit Arnika oder Teufelskralle, doch auch homöopathische Mittel wie Belladonna können eingesetzt werden.

Sollte sich der Wurm nicht von selbst lösen, muss ein Arzt konsultiert werden. Der Parasit muss dann operativ entfernt werden. Für den Patienten stellt der Eingriff meist keine große Belastung dar. Nach ein bis zwei Wochen sollte die Wunde abgeheilt sein. Aufgrund des erhöhten Risikos für eine Neuinfektion sind anschließend regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt angezeigt.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Thomas, C. (Hrsg.): Atlas der Infektionskrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2010

Das könnte Sie auch interessieren: