Dränage

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. Oktober 2017
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Eine Dränage wird angelegt, um die Ableitung von Wundflüssigkeiten aus dem Körper zu gewährleisten. Das Verfahren lässt sich sowohl therapeutisch als auch präventiv nutzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Dränage?

Bei einer Dränage, auch Drainage geschrieben, handelt es sich um eine medizinische Methode zur Ableitung von Wundflüssigkeiten aus Körperhöhlen, Wunden oder Abszessen. Dazu gehören Blut, Eiter und Sekrete. Aber auch eingedrungene Gase lassen sich mit diesem Verfahren aus dem Körper ableiten. Zu diesem Zweck greifen Mediziner auf sogenannte Drains zurück. Dies sind Hilfsmittel wie Röhrchen oder Schläuche, die zum Ableiten der Wundflüssigkeiten dienen.

Je nach Wirkungsort der Methode, die in erster Linie in der Chirurgie zur Anwendung kommt, wird zwischen äußeren und inneren Drainagen unterschieden. Äußere Dränagen kommen häufiger zum Einsatz als innere. Dabei nimmt der Arzt eine Ableitung aus dem Inneren des Körpers nach außen vor. Um dies zu bewerkstelligen, setzt er spezielle Schläuche aus Kunststoff ein.

Innere Drainagen werden angelegt, um bei einem operativen Eingriff innere Hindernisse zu umgehen. Dabei kann es sich um Kurzschlüsse (Anastomosen) von Hohlorganen wie Magen, Darm oder Speiseröhre handeln, die zur Herstellung einer Kontinuität dienen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Zur Anwendung kommt eine Dränage im Rahmen einer Operation. So sammeln sich bei einem chirurgischen Eingriff meist Blut, Wundsekrete oder Gewebsflüssigkeit an. Bestimmte Flüssigkeitsmengen kann der Körper auch selbst absorbieren und abbauen. Durch das Anlegen einer Drainage lässt sich das Ansammeln von Flüssigkeit in der Wundhöhle verhindern. Auf diese Weise wird der Heilungsprozess deutlich erleichtert.

Mediziner unterscheiden zwischen mehreren Arten von Dränagen. Zu den häufigsten Formen zählt die Redon-Drainage. Diese wurde nach dem französischen Arzt Redon benannt und kommt zumeist im Unterhautfettgewebe oder einem Gelenk zum Einsatz. Dabei entsteht ein Sog, der die Wundflächen zusammenzieht. Dadurch kann die Wunde rascher verkleben und zusammenwachsen. Nach etwa 48 bis 72 Stunden lässt sich die Redon-Drainage wieder entfernen, was letztlich von dem Ausmaß der Wundsekretion abhängt.

Ein geschlossenes Wunddrainagesystem stellt die Robinson-Drainage dar. Dabei erfolgt keinerlei Auswechselung des Beutels. Stattdessen findet die Ableitung des Sekretes über einen Ablaufstutzen statt. Die Robinson-Drainage, die intraabdominal eingelegt wird, funktioniert ohne Sog. Sie dient als Zieldrainage innerhalb der Operationsregion. Durch sie werden auftretende Blutungen nach außen abgeleitet.

Eine weitere Dränageform bildet die Kapillardrainage. Sie wird als Ableitung in der Bauchhöhle oder im Falle von Weichteilinfekten angelegt. Außerdem dient sie zur Vorbeugung einer Anastomoseninsuffizienz. Die Ableitung des Sekrets erfolgt entweder in den Verband oder einen Stomabeutel. Die Kapillardrainage kann solange im Körper verbleiben, bis das Sekret vollständig abgeflossen ist.

Bei einer Dränage handelt es sich um eine medizinische Methode zur Ableitung von Wundflüssigkeiten aus Körperhöhlen, Wunden oder Abszessen.

Als Shirley-Drainage wird ein sogenannter Schlürfer bezeichnet. Diese Dränage kommt in erster Linie in der abdominalen Region bei Abszessen zum Einsatz. Dort leitet sie das Sekret unter Sogeinwirkung ab. Ein Ansaugen wird mithilfe eines Ventils verhindert. Bei einer T-Drainage handelt es sich um eine Dränage im Gallengang, deren Gummirohr wie der Buchstabe T aussieht. Abgeleitet wird das Sekret über die Bauchdecke in einen speziellen Auffangbeutel. Die T-Drainage dient zur zeitweiligen Ableitung der Gallenflüssigkeit im Falle einer Abflussbehinderung, die durch eine Schleimhautschwellung im Anschluss an eine Operation hervorgerufen wird. Ähnlich wie die T-Drainage funktioniert die Pankreas-Drainage, die an der Bauchspeicheldrüse zur Anwendung kommt. Bei einer schwellungsbedingten Behinderung des Abflusses leitet sie das aggressive Sekret der Drüse ab.

Eine weitere Art der Dränage ist die Thorax-Drainage. Mithilfe eines Hautschnittes bringt der Chirurg sie in den Pleuraspalt ein. Sie lässt sich mit einem Dauersog oder einem simplen Wasserschloss betreiben.

Für die unterschiedlichen Drainagearten kommen auch verschiedene Materialien zur Anwendung. Deren Einsatz richtet sich nach dem jeweiligen Verwendungszweck. Zum Material gehören Silikon, das sich für Langzeitdrainagen eignet und gut gewebeverträglich ist, und Polyvinylchlorid (PVC), das fast nur für Saug-Drains Verwendung findet. Weitere Materialien sind silikonisierter Latex, Latex und Naturgummi. Während sich silikonisierter Latex gut für eine Langzeitdrainage eignet, werden Latex und Naturgummi für Kurzzeitdrainagen benutzt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Beim Einlegen einer äußeren Dränage sind nur selten Risiken zu befürchten. So dient dieses Verfahren in erster Linie zur Entlastung des Patienten. In seltenen Fällen kann es allerdings zu einer Arrosionsblutung kommen. Eine solche Schädigung tritt auf, wenn das benachbarte Weichteilgewebe durch das starre Schlauchende in Mitleidenschaft gezogen wird, was durch eine längere Liegedauer möglich ist. Als besonders gefährlich gilt eine Verletzung der Blutgefäße. Diese kann zu einer lebensbedrohlichen Blutung führen.

Ein weiteres Risiko beim Einlegen einer Drainage stellt die Infektionsgefahr dar. So bilden die Drainagen- und Kathetersysteme einen Eingang für Keime verschiedener Art. Der Eintritt der Krankheitserreger erfolgt über den Schlauch, durch den sie in den Organismus des Patienten gelangen. Auch ein Aufsteigen der Keime an der äußeren Wand des Schlauches ist denkbar. Je länger der Patient liegen muss, desto mehr steigert sich sein Risiko, eine Infektion zu erleiden. In den meisten Fällen zeigt sich eine aufsteigende Infektion nach ca. zwei Tagen. Allerdings findet das Entfernen der Drainage zumeist schon nach ein bis drei Tagen statt.

Bleibt eine Dränage für längere Zeit in der Wunde, kommt es zu einer zunehmenden Verwachsung der Schlauchenden innerhalb der Wunde. Dies führt beim Entfernen des Schlauches oftmals zu Schmerzen.

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Quellen

  • Classen, M., Diehl, V., Kochsiek, K. (Hrsg.): Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2009
  • Lohr, M., Keppler, B. (Hrsg.): Innere Medizin – Kompendium für Studium und Klinik. Urban & Fischer, München 2005
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2015

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