Dopaminagonist

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Ein Dopaminagonist oder Dopaminantagonist ist ein Arzneistoff, der Dopamin-Rezeptoren stimulieren kann. Dopaminagonisten werden unter anderem zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit, beim Restless-Legs-Syndrom oder als Emetika eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Dopaminagonist?

Dopaminagonisten können sich ebenso wie der Neurotransmitter Dopamin an Dopamin-Rezeptoren (D-Rezeptoren) binden. Je nach Rezeptorselektivität werden die Agonisten in D1/5- und D2/3/4-Agonisten unterteilt.

Durch die Rezeptorbindung rufen die Dopaminagonisten eine dopaminähnliche Wirkung hervor. Die selektiven D1/5-Agonisten wie SKF 81297 oder Dihydrexin spielen in der Behandlung von Erkrankungen keine Rolle. Agonisten, die sich an die D2-Rezeptoren binden, spielen eine Rolle bei der Therapie verschiedener Krankheitsbilder.

Bekannte D2-Rezeptoren sind die Arzneistoffe Ropinirol, Rotigotin, Piribedil oder Pramipexol. Beim Einsatz von Dopaminagonisten können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, niedriger Blutdruck, Halluzinationen oder Verwirrtheit auftreten.

Pharmakologische Wirkung

Dopaminagonisten wirken über die Stimulation der Dopamin-Rezeptoren wie Dopamin. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der zur Gruppe der Katecholamine gehört. Er wird im menschlichen Körper aus den Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin hergestellt. Der Neurotransmitter gehört zu den Sympathikomimetika. Diese Stoffe verstärken die Wirkung des Sympathikus. Dopamin steigert in einer niedrigen Konzentration die Durchblutung der Bauch- und der Nierengefäße.

Ein dopaminerger Verarbeitungspfad ist das Mesostriatale-System, das seinen Ursprung in der Substantia nigra im Mittelhirn hat. Hier übernimmt Dopamin wichtige Aufgaben bei der Steuerung von Bewegungen. Störungen in diesem System sind eine der Ursachen für die hypokinetischen Bewegungsstörungen beim Morbus Parkinson.

Im mesolimbischen System kommt es bei einem Mangel an Dopamin zu Antriebslosigkeit. Dopaminantagonisten können einen Dopaminmangel ausgleichen und den Patienten zu mehr Aktivität und Lebensfreude verhelfen. Bei einer Unteraktivität des mesocorticalen Systems können sich Psychosen des schizophrenen Formenkreises entwickeln. Auch in diesem System werden Dopaminagonisten wirksam, indem sie sich an die entsprechenden Rezeptoren binden.

Auch im tuberoinfundibulären System entfalten Dopaminagonisten ihre Wirkung. Sie hemmen an den Neuronen, die vom Nucleus arcuatus zum Vorderlappen der Hypophyse ziehen, die Freisetzung des Hormons Prolaktin. Prolaktin ist ein Hormon, dass für die Milchsekretion (Laktation) während der Stillzeit verantwortlich ist.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Dopaminagonisten werden unter anderem zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit, beim Restless-Legs-Syndrom oder als Emetika eingesetzt.

Eine der Hauptindikationen für den Einsatz von Dopaminagonisten ist der Morbus Parkinson. Durch degenerative Veränderungen im extrapyramidalmotorischen System (EPMS) entsteht ein Dopaminmangel. Dadurch gerät der Neurotransmitterhaushalt durcheinander. Dies äußert sich durch neurologische Störungen und insbesondere durch Störungen der Motorik. Typische Symptome des Morbus Parkinson sind Bewegungslosigkeit, eine verlangsamte Willkürmotorik, eine gesteigerte Grundspannung der Skelettmuskulatur und ein Zittern (Tremor). Um den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die klinischen Beschwerden zu mildern, wird den Patienten meist Dopamin in Form der Vorstufe L-Dopa verabreicht. Die Wirksamkeit dieser Vorstufe allein reicht in der Regel jedoch nicht aus, sodass die D2-Rezeptoren zusätzlich mithilfe der Agonisten simuliert werden.

Eine weitere Indikation für Dopaminagonisten ist das Restless-Legs-Syndrom (RLS). Die Störung des extrapyramidalmotorischen Systems gehört zu den Hyperkinesen. Die Erkrankung äußert sich durch Zuckungen, Missempfindungen und Schmerzen in den Beinen. Ähnlich wie der Morbus Parkinson wird das Restless-Legs-Syndrom mit einer Kombination aus L-Dopa und Dopaminagonisten behandelt.

Doch die Dopaminagonisten spielen nicht nur eine Rolle für die Motorik, sie wirken auch hemmend auf die Prolaktin-Sekretion. Deshalb werden sie auch zum Abstillen eingesetzt. Sie kommen zudem bei der Behandlung von hormonellen Beschwerden, die mit einer vermehrten Produktion von Prolaktin einhergehen, zum Einsatz. So werden Prolaktinome mit Dopaminagonisten wie Cabergolin oder Bromocriptin behandelt.

Prolaktinome sind hormonproduzierende Tumore des Hypophysenvorderlappens. Durch die entstehende Prolaktinämie kommt es bei Frauen zu einer Hypoöstrogenämie mit fehlendem Eisprung und ausbleibender Menstruationsblutung. Bei der Hälfte der Patientinnen tritt spontan Muttermilch aus den Brustdrüsen aus (Galaktorrhö). Einige Dopaminagonisten werden zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzt. Der Begriff erektile Dysfunktion bezeichnet die fehlende Erektion des Penis bei Erregung.

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Risiken & Nebenwirkungen

Typische Nebenwirkungen von Dopaminagonisten sind Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Es kann zu Blutdruckabfall und Müdigkeit kommen. Einige Patienten leiden unter Somnolenz oder unter Schlafstörungen. Auch Unruhe wird häufig beobachtet.

Weitere Nebenwirkung von Dopaminagonisten sind Inkontinenz, Ödeme, Haarausfall oder Schwindel. In seltenen Fällen entwickeln die Patienten nach der Einnahme von Dopaminagonisten Halluzinationen oder gar eine Psychose.

Bei einigen Patienten ist die Hemmung der Prolaktinproduktion erwünscht. Während der Stillzeit muss die Wirkung der Dopaminagonisten auf den Milchfluss jedoch beachtet werden. Andernfalls kann der Milchfluss unbeabsichtigterweise versiegen.

Dopaminagonisten dürfen nicht bei Organfibrosen verabreicht werden. Es besteht dann das Risiko einer bindegewebigen Umwandlung (Fibrosierung) der Herzklappen. Auch ein Pleuraerguss und zu hoher Blutdruck sind Kontraindikationen. Der Einsatz von Dopaminagonisten bei einer Leberinsuffizienz ist ebenfalls kontraproduktiv. Die Arzneistoffe dürfen in der Regel nicht mit Neuroleptika kombiniert werden.

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