Diffuser Haarausfall

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
Startseite » Krankheiten » Diffuser Haarausfall

Bei diffusem Haarausfall, der medizinisch alopecia diffusa oder diffuse Alopezie genannt wird, fallen Haare flächendeckend auf dem ganzen Kopf aus. Diffuser Haarausfall ist selbst keine Krankheit, sondern ein Anzeichen oder die Folge einer bestehende Erkrankung oder Störung. Mit einer auf die Auslöser abgestimmten Behandlung oder nach Beseitigung der Ursachen beginnen die Haare in den meisten Fällen wieder zu wachsen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist diffuser Haarausfall?

Unter diffusem Haarausfall versteht man das allmähliche Ausdünnen der Kopfbehaarung. 'Diffus' bedeutet 'verteilt' oder 'verstreut', das heißt, die Haare fallen nicht nur an bestimmten Stellen aus, beispielsweise am Oberkopf oder am Stirnansatz, sondern mehr oder weniger gleichmäßig verteilt über den ganzen Kopf.

Diffuser Haarausfall unterscheidet sich vom anlagebedingten Haarausfall, der zu den sogenannten Geheimratsecken führt oder eine Stirnglatze entstehen lässt. Ein gewisses Maß an Haarausfall ist normal, man spricht von etwa 100 Haaren pro Tag.

Die Haarwurzel durchläuft einen bestimmten Zyklus, an dessen Ende das Haar ausfällt und ein neues zu wachsen beginnt. Bei diffusem Haarausfall ist dieser Rhythmus gestört.

Ursachen

Es bestehen verschiedene mögliche Ursachen für diffusen Haarausfall. So können durch bestimmte Infektionskrankheiten die Haare ausfallen, wie beispielsweise durch eine schwere Grippe, eine Lungenentzündung, Typhus oder Syphilis. Auch Diabetes kann zu diffusem Haarausfall führen.

Die Einnahme bestimmter Medikamente kann verstärkten Haarausfall verursachen. Die bei einer Chemotherapie verabreichten Zytostatika sollen das Wachsen von bösartigen Zellen verhindern, sie stören aber auch den Wachstumszyklus der Haarwurzeln. Ein weiterer Grund für diffusen Haarausfall können hormonelle Veränderungen darstellen. Meist kommt es nach Absetzen von Hormonpräparaten oder nach einer Schwangerschaft, aber auch bei Eintreten in die Wechseljahre zu diffusem Haarausfall.

Auch Stress oder Depressionen sind mögliche Auslöser. Des weiteren kann eine mangelhafte Ernährung, wie sie bei extremen Schlankheitsdiäten oder bei Magersucht und Bulimie auftritt, dazu führen, dass die Haarwurzeln zu wenig Nährstoffe erhalten und diffuser Haarausfall entsteht.

Diagnose & Verlauf

Der Haarausfall im Bereich der Geheimratsecken sind meist die ersten Anzeichen für eine weit ausgeprägte Glatze.

Diffuser Haarausfall fällt zuerst beim Kämmen oder Haarewaschen auf. Es bleiben mehr Haare im Waschbecken oder im Kamm als das normalerweise der Fall ist. Mit der Zeit beginnt man am Kopf die Veränderung zu sehen, die Behaarung wird so dünn, dass die Kopfhaut durchschimmert. Männern sehen das oft als den normalen, anlagebedingten Haarausfall an, für Frauen ist es weit problematischer.

Während einer Chemotherapie fallen die Haare sehr schnell aus, meist innerhalb von 3-4 Wochen. Liegen andere Ursachen zugrunde, verläuft der diffuse Haarausfall langsam und allmählich. Der Verlauf orientiert sich daran, wie stark die auf die Haarwurzeln einwirkende Schädigung ist. Diffuser Haarausfall führt aber in der Regel nicht zu einer vollständigen Glatze.

Um die Ursachen herauszufinden - sofern sie nicht bekannt sind, wie im Fall der Chemotherapie - wird der Arzt zunächst die Krankheitsgeschichte und Lebensumstände des Patienten erfassen. Außerdem wird die Kopfhaut untersucht, sowie die einzelnen Haarwurzeln. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über Mängel oder die erhöhte Konzentration bestimmter Stoffe geben und hilft beim Erstellen der Diagnose des diffusen Haarausfalls.

Komplikationen

In den meisten Fällen verliert der Patient durch den diffusen Haarausfall die kompletten Haare auf dem Kopf. Dies stellt vor allem bei Frauen eine sehr schwerwiegende Komplikation der Ästhetik dar und kann zu psychischen Beschwerden und zu Depressionen führen. Allerdings treten auch bei Männern aufgrund von Haarausfall Minderwertigkeitskomplexe auf und ein verringertes Selbstwertgefühl auf.

Oft wachsen die Haare allerdings wieder nach, wenn die grundlegende Erkrankung beseitigt wurde. In den meisten Fällen ist neben der ursächlichen Behandlung auch eine Therapie durch einen Psychologen notwendig, um den Patienten vor starken psychischen Beschwerden zu bewahren. Ebenso können verschiedene Mittel verwendet werden, die das Haarwachstum wieder antreiben und damit dem Haarausfall entgegenwirken.

Allerdings kann der Haarausfall nur dann verschwinden, wenn auch die Grunderkrankung vollständig gelöst wurde. Bei der Behandlung kommt es daher nicht zu weiteren Komplikationen. Falls der Haarausfall durch einen Nährstoffmangel auftritt, kann der Betroffene diesem relativ einfach entgegenwirken. Die Lebenserwartung wird durch den Haarausfall selbst nicht verringert. Falls dieser allerdings im Laufe einer Krebserkrankung aufgetreten ist, treten dabei die gewöhnlichen Komplikationen eines Tumors auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Diffuser Haarausfall ist keine eigenständige Krankheit, sondern Symptom einer anderen Störung. Dabei ist die Grenze zwischen normalem und behandlungsbedürftigem Haarausfall fließend. Falls ein Betroffener befürchtet, zu viele Haare zu verlieren, sollte er versuchen, den Haarausfall zu quantifizieren. Ist das Sieb des Waschbeckens nach dem Haarewaschen geradezu verstopft, dann sollten die Haare entfernt, getrocknet und anschließend gezählt werden.

Gerade lange Haare wirken sehr schnell sehr zahlreich. Ein Verlust von bis zu hundert Kopfhaaren ist völlig natürlich und kein Grund zur Sorge. Sofern über einen längeren Zeitraum deutlich mehr Haare verloren gehen, sollte aber ein Arzt aufgesucht werden. Der diffuse Haarausfall kann höchst unterschiedliche Ursachen haben. Als erster Ansprechpartner eignet sich der Hausarzt. Sofern dieser keine Diagnose stellen kann, wird er den Patienten an einen Facharzt, in der Regel einen Hautarzt, überweisen.

Frauen, die nach einer Schwangerschaft oder einer Geburt plötzlich an verstärktem Haarausfall leiden, sollten ihre Gynäkologin aufsuchen. Bei diesem Phänomen, das recht häufig auftritt, handelt es sich allerdings nicht um diffusen Haarausfall, sondern um eine hormonell bedingte Form.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des diffusen Haarausfalls orientiert sich an dessen Ursache. Ist eine Krankheit der Auslöser, so wird diese behandelt. Sind Ernährungsfehler schuld am Verlust der Haare, so empfiehlt sich eine Umstellung der Essgewohnheiten, am besten begleitet von einem Ernährungsberater.

Bei psychischen Problemen als Ursache ist eine Psychotherapie empfehlenswert. Des weiteren kann man die Behandlung von diffusem Haarausfall durch Präparate unterstützen, welche die Haarwurzeln stärken. Es gibt sowohl Mittel zur Einnahme, als auch Tinkturen, die direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Letztere haben die günstige Nebenwirkung, dass beim Auftragen die Kopfhaut massiert wird, was sich zusätzlich positiv auf die Haarwurzeln auswirkt.

Bei diffusem Haarausfall sollte man auf aggressive Haarpflegemittel verzichten und keine Stylingprodukte verwenden. Die Haare sollten mit einem sanften Haarwaschmittel gepflegt werden und keiner extremen Hitze durch den Föhn ausgesetzt werden. Sind die Ursachen des diffusen Haarausfalls beseitigt, wird das Haar in den meisten Fällen innerhalb eines Jahres wieder normal nachwachsen.

Die Haartransplantation bezeichnet die Verpflanzung von Körperhaar. Haartransplantationen kommen vor allem bei Haarausfall zur Anwendung. Klicken, um zu vergrößern.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Aussicht & Prognose

Bei einem diffusen Haarausfall kommt es ohne eine Behandlung meist zu keiner Veränderung des aktuellen Zustandes. Im ungünstigen Fall nimmt der Haarausfall zu und der Betroffene bekommt allmählich eine Glatze. Zusätzlich können Folgeerkrankungen auftreten und damit den allgemeinen Gesundheitszustand weiter verschlechtern.

Mit einer Behandlung besteht die Aussicht auf eine Verbesserung der Gegebenheiten. Schlagen die ergriffenen Maßnahmen an, kann der Patient innerhalb eines Jahres wieder zu einer vollen Haarpracht kommen. Die Prognose einer Wiederbehaarung ist daher bei Inanspruchnahme einer medizinischen Versorgung grundsätzlich gut, da in den meisten Fällen die Ursache des Haarausfalls behandelbar ist. Oftmals liegen Mangelerscheinungen vor, die in einem Bluttest diagnostiziert werden können. Ein vorhandenes Ungleichgewicht wird im Anschluss medikamentös oder durch eine Ernährungsumstellung behandelt. Das führt zu einer Linderung der Beschwerden und ein Neuwuchs der ausgefallenen Haare setzt ein.

Kommt es nach dem Absetzen der Medikamente zu einem erneuten diffusen Haarausfall, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Oftmals ist es notwendig, die bisherigen Lebensgewohnheiten und die Nahrungszufuhr dauerhaft umzustellen. Auf diesem Weg kann ein Rückfall der Beschwerden vermieden werden. Handelt es sich bei der Grunderkrankung um eine Entzündung, wird diese ebenfalls medikamentös behandelt. Das Immunsystem wird unterstützt, damit genügend Abwehrkräfte zur Verfügung stehen und eine Beschwerdefreiheit eintreten kann.

Vorbeugung

Für einen gesunden Haarwuchs ist eine ausgewogene Ernährung hilfreich. So kann man diffusem Haarausfall wegen Nährstoffmangel sicher vorbeugen. Liegen andere Erkrankungen vor, so empfiehlt sich deren schnelle und umfassende Behandlung, damit diffuser Haarausfall gar nicht erst entsteht.

Das können Sie selbst tun

Diffuser Haarausfall ist meist nur eine vorübergehende Erscheinung. Sind die Ursachen behoben, wachsen die Haare in der Regel wieder nach. Betroffene können einiges selbst tun, um diesem Beschwerdebild zu entgegnen.

Zunächst sollten alle aggressiven Pflegeprodukte und jegliche Styling-Produkte abgesetzt werden. Auch die Zufuhr starker Hitze durch Fön oder Glätteisen wirkt sich negativ aus. Die Haare müssen zudem nicht jeden Tag gewaschen werden. Betroffene sollten ein mildes Shampoo zur Reinigung wählen. In der Apotheke oder Drogerie erhältliches Birkenwasser kann unterstützend als Haarspülung verwendet werden. Es pflegt Haare und Kopfhaut auf milde Weise. Ebenfalls erhältlich sind Präparate die einen vermehrten Haarwuchs versprechen. Sie stärken die Haarwurzeln und stimulieren diese. Derartige Produkte sind als Tinkturen oder auch in Tablettenform erhältlich. Beim Auftragen eines Pflegeproduktes sollte die Kopfhaut intensiv massiert werden. Auch dies fördert nachweislich das Haarwachstum, da es die Durchblutung anregt.

Oft liegt bei Patienten mit diffusem Haarausfall auch ein Vitalstoffmangel vor. Dieser kann mit Hilfe eines Blutbildes ermittelt werden. Eine Nahrungsumstellung und zeitweise Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann diesem Mangel entgegenwirken. Unterstützen sollte diese Umstellung eine Ernährungsberaterin, der behandelnde Arzt oder ein Heilpraktiker. Auch die psychische Gesundheit sollte überprüft werden. Liegt eine Depression oder Belastung durch Stress vor, sollte diesem durch eine Therapie oder Entspannungsmethoden entgegnet werden.

Bücher über Haarausfall & Glatze

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: