Diethylcarbamazin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
Startseite » Wirkstoffe » Diethylcarbamazin

Wer an einer Wurmerkrankung leidet, kommt um Diethylcarbamazin nicht herum. Der Wirkstoff ist sogar so wichtig, dass er von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufgenommen wurde. Das verwundert nicht, sterben doch immer noch gut 200.000 Menschen jährlich an Wurmerkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Diethylcarbamazin?

Diethylcarbamazin ist chemisch gesehen ein Piperazinderivat. Es wirkt gegen bestimmte Arten von parasitärem Wurmbefall und wird deshalb zur Gruppe der Anthelmintika gezählt. Verabreicht wird es stets als Citrat.

Diethylcarbamazincitrat ist ein weißes, kristallines Pulver mit einem Schmelzpunkt von ca. 138 °C. Es ist sehr gut wasserlöslich, aber nur wenig löslich in Alkohol (1 g in 35 ml). Es nimmt relativ schnell Luftfeuchtigkeit auf. Die Patentierung des Wirkstoffes erfolgte zuerst im Jahr 1949 von der Firma American Cyanamid.

Diethylcarbamazin kursiert unter den Handelsnamen Hetrazan®, Carbilazine®, Caricide®, Cypip®, Ethodryl®, Notézine®, Spatonin®, Filaribits® und Banocide Forte®. Die üblichen Verabreichngsformen sind Tabletten zu 50 mg oder Suspensionen zu 24 g/ml.

Pharmakologische Wirkung

Diethylcarbamazin wird nach oraler Aufnahme fast vollständig über den Darm aufgenommen und in allen Körperregionen außer den Fettgeweben verteilt.

Die maximale Blutkonzentration liegt nach 1-2 Stunden vor. Wie das Molekül gegen die Würmer wirkt, ist nicht vollständig geklärt; eine Annahme lautet, dass Diethylcarbamazin ähnlich wie Nikotin auf das zentrale Nervensystem der Parasiten wirkt und sie dadurch lähmt. Weiterhin geht man davon aus, dass die Oberflächenstruktur der Würmer verändert wird, so dass die körpereigenen Fresszellen sie leichter erkennen und eliminieren können.

Der Wirkstoff wird schnell verarbeitet und hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden. In den ersten 24 Stunden nach Einnahme werden bereits 70 % der Dosis im Urin nachgewiesen, davon 10-25 % in unveränderter Form.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Diethylcarbamazin wirkt gegen bestimmte Arten von parasitärem Wurmbefall und wird deshalb zur Gruppe der Anthelmintika gezählt.

Grundsätzlich kann Diethylcarbamazin nur gegen bestimmte Wurmarten eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um sogenannte Filarien, die der Gruppe der Fadenwürmer (Nematoden) zugerechnet werden. Diese Parasiten befallen den Menschen als Wirt, vermehren sich aber nicht in ihm - man spricht dabei von einer Infestation. Das größte Anwendungsgebiet ist die Loiasis, eine durch die Filarie Loa loa hervorgerufene tropische Wurmerkrankung des Menschen.

Von ihr sind nach WHO-Schätzungen weltwelt ca. 13 Millionen Menschen infiziert. Diethylcarbamazin kann hier sowohl in der zeitlich begrenzten Vorbeugung (Prophylaxe) als auch in der Behandlung verwendet werden.

Für Hundebesitzer war das Medikament ebenfalls interessant, da es gegen frühe Larvenstadien von Dirofilaria immitis wirkt. Dieser Fadenwurm wird von Stechmücken übertragen und befällt das Herz des Hundes, wo sich die 20-30 cm langen, erwachsenen (adulten) Herzwürmer entwickeln. Mittlerweile sind in Deutschland für Tiere jedoch keine Präparate auf Diethylcarbamazin-Basis mehr zugelassen.

Bei Onchozerkose ist eine Wirksamkeit nur gegen Mikrofilarien, die sehr frühen Larvenstadien der Fadenwürmer, beschrieben. Die Krankheit kommt in den tropischen Gegenden Afrikas und Amerikas vor und wird durch Filarien der Art Onchocerca volvulus hervorgerufen. In etwa 10 % der Fälle führt sie zur Erblindung, der sogenannten Flussblindheit.

Die WHO empfiehlt zur Bekämpfung von Wurmerkrankungen beim Menschen unter anderem die Gabe von Diethylcarbamazin in Kombination mit Praziquantel. Hierdurch kann ein breites Spektrum von Würmern erfasst werden - das ist deswegen so wichtig, weil man den oder die Erreger oft nicht genau bestimmen kann. Diethylcarbamazin wird nicht verabreicht bei eingeschränkt arbeitenden Nieren (Niereninsuffizienz) und Urinalkalose.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Risiken & Nebenwirkungen

Charakteristische Nebenwirkungen von Diethylcarbamazin sind Störungen und Überreaktionen des Immunsystems, welche besonders bei der Behandlung einer Onchozerkose auftreten. Dazu zählen Juckreiz, Fieber und starke Kopfschmerzen. Weitere Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Druckgefühl im Bauchbereich, Schwindel und Müdigkeit.

Auch von Atemnot, Husten, beschleunigtem Herzschlag (Tachykardie) und Proteinurie (erhöhte Proteinausscheidung durch den Urin) wurde berichtet. Alle diese Symptome lassen sich durch die sprunghaft ansteigende Konzentration an toxischen Abfallprodukten aus dem Abtöten und Zersetzen der Würmer erklären. Die Nebenwirkungen treten einige Stunden nach Verabreichung auf, verschwinden aber meist nach etwa fünf Tagen wieder.

Bücher über Würmer & Wurmbefall

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: