Diabetes insipidus (Wasserharnruhr)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. Dezember 2017
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Diabetes insipidus ist mit erhöhter Harnausscheidung und ständigem Durstgefühl verbunden. Die Heilungschancen hängen von der Erscheinungsform des Syndroms ab. Denn 2 Typen kennzeichnen die Klassifizierung des Diabetes insipidus.

Inhaltsverzeichnis

Definition Diabetes insipidus

Diabetes insipidus (diabainein, griechisch: durchfließen, insipidus, lateinisch: fade, geschmacklos) ist im Deutschen als Wasserharnruhr bekannt. Trotz des gleichen Hauptbegriffes hat der Diabetes insipidus mit dem als Zuckerkrankheit bezeichneten Diabetes mellitus nur Ähnlichkeiten in der Symptomatik.

Beim Diabetes insipidus ist die Regulation der Wasserbilanz gestört. Der Körper scheidet zu viel Wasser aus, sodass der Patient ständig Durst verspürt und sehr viel trinken muss. Trotzdem besteht ständig die Gefahr einer Austrocknung (Dehydration). Diabetes insipidus tritt in zwei Formen auf. Der häufigere Typ ist der Diabetes insipidus centralis, bei dem im Gehirn das Hormon Vasopressin nicht oder unzureichend produziert wird.

Dieser Botenstoff zügelt die Wasserausscheidung in der Niere. Beim Diabetes insipidus renalis (renalis, lateinisch: die Niere betreffend) spricht die Niere nicht auf Vasopressin an. Die Folge einer verstärkten Wasserausscheidung kennzeichnet beide Formen des Diabetes insipidus.

Ursachen

Diabetes insipidus kann gemäß seiner zwei Erscheinungsformen auch zwei verschiedene Ursachen haben. Beim Diabetes insipidus centralis liegt eine Schädigung des Hypothalamus vor. Das ist eine Gehirn-Region, die sich oberhalb der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) befindet und eine Vielzahl von Hormonen produziert.

Verschiedene Krankheiten können dem Nervengewebe des zentralen Kerngebietes zusetzen, sodass es seine Funktion nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann. Tumore und Durchblutungsstörungen wie auch Schlaganfälle oder Hirnhautentzündungen sind die häufigsten Grunderkrankungen, die den Diabetes insipidus auslösen.

Sehr selten scheint dieser Untertyp genetisch bedingt zu sein. Der Diabetes insipidus renalis resultiert aus Krankheiten, die eine Schädigung der Niere zeitigen. Oft sind dies Vergiftungen, darunter auch Nebenwirkungen von Medikamenten, aber auch Nierenbeckenentzündungen oder zu hoher Blutdruck. Auch schwere Schwangerschaften gelten als mögliche Ursache des renalen Diabetes insipidus.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Diabetes insipidus macht sich durch heftiges Durstgefühl bemerkbar. Beim Vorliegen dieses Symptoms wird der Arzt zunächst durch eine Bestimmung des Blutzuckers einen Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ausschließen wollen. Denn dieses Anzeichen haben die beiden sehr verschiedenen Krankheiten gemein.

Liegt der Blutzucker im Normbereich, versucht der Mediziner den Diabetes insipidus mit einer Wasserbilanz aufzudecken. Dabei werden Flüssigkeitsaufnahme und Urinausscheidung genau bestimmt. Parallel dazu nimmt der Arzt zweimal täglich Blut- und Urinuntersuchungen vor. Ist der Urin verdünnt und die Mineralkonzentration im Blut gleichzeitig erhöht, so ist die Diagnose des Diabetes insipidus gesichert.

Zur Unterscheidung der beiden Varianten des Krankheitsbildes bekommt der Patient nun das Hormon Vasopressin medikamentös verabreicht. Wenn die Symptome daraufhin verschwinden, liegt ein Diabetes insipidus centralis vor. Reagiert der Körper nicht, leidet der Kranke unter dem Diabetes insipidus renalis. Leicht behandelbar ist die erste Form, komplizierter und komplikationsträchtiger jedoch der renale Diabetes insipidus.

Komplikationen

Durch den Diabetes insipidus leidet der Patient an einer stark erhöhten Ausscheidung von Urin, welche im Extremfall bis zu 25 Liter am Tag betragen kann. Dabei wird der Alltag des Patienten stark eingeschränkt und es kommt in vielen Fällen zu psychischen Beschwerden und Depressionen. Der Betroffene leidet dabei auch an einem gesteigerten Durstempfinden, wobei viele Betroffene allerdings versuchen, die Flüssigkeitsaufnahme zu reduzieren.

Es kommt ebenfalls zu Schlafstörungen und zu Krämpfen. Die Lebensqualität des Patienten wird stark verringert. Vor allem kleine Kinder können an starken Beschwerden und Folgeschäden leiden, wenn der Körper an einer andauernden Dehydrierung leidet. Die Behandlung des Diabetes insipidus erfolgt in den meisten Fällen kausal und richtet sich dabei nach der Grunderkrankung.

Oft können die Symptome mit Hilfe von Medikamenten eingeschränkt werden und entwickeln sich zurück. Dabei treten für den Patienten keine weiteren Komplikationen auf. Sollte die Krankheit durch einen Tumor auftreten, so kann dieser entweder operativ entfernt oder bestrahlt werden.

Der weitere Verlauf hängt dabei stark von der Ausbreitung und der Art des Tumors ab. In den meisten Fällen ergibt sich allerdings ein positiver Krankheitsverlauf und die Lebenserwartung des Patienten wird nicht eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Als selten vorkommende Diabetes-Form ist der Diabetes insipidus an einer ungewöhnlich hohen Urinmenge pro Tag erkennbar. Wer drei zu zwanzig oder mehr Liter Harn täglich absondert, ohne entsprechende Mengen Flüssigkeit zu sich genommen zu haben, sollte unbedingt zum Arzt gehen.

Der Arzt muss zunächst feststellen, ob eine der beiden Formen des Diabetes insipidus die Ursache für die ungewöhnlich hohen Harnausscheidungen ist. Möglicherweise ist ein Tumor im Bereich des Hypothalamus oder der Hypophyse der Auslöser für die ungewöhnlichen Symptome. Auch Nierenerkrankungen, Operationsfolgen im Bereich des Gehirns oder andere Traumata können Ursache einer Diabetes insipidus-Erkrankung sein.

Anschließend geht es darum, eventuelle Folgererscheinungen des Diabetes insipidus zu behandeln. Vor allem muss der behandelnde Arzt dem Hormonmangel abhelfen, der vermutlich für die Erkrankung verursachend war. Außerdem können als Folge der Polyurie bereits Störung im Elektrolythaushalt sowie eine Austrocknung (Dehydratation) vorliegen.

Da die Störungen bei Diabetes insipidus gravierend sind, ist eine Selbstbehandlung oder die Reduktion der Getränkedosis eine falsche Wahl. Ohne medizinische Hilfe kann eine so große Urinausscheidung samt aller nachfolgenden Folgen tödlich enden. Ohne eine schnelle Diagnostik und eine ursachenbezogene bzw. symptomatische Behandlung kann kein Patient einen Diabetes insipidus unbeschadet überstehen. Der Wasserhaushalt muss im Gleichgewicht bleiben, weil er für das Überleben essenziell ist.

Behandlung

Diabetes insipidus erfordert als erste Sofortmaßnahme eine Korrektur des Mineralhaushaltes im Blut. Die weitere Therapie ist vom Krankheitstyp abhängig. Rein symptomatisch hilft beim Diabetes insipidus centralis eine medikamentöse Gabe von künstlichem Vasopressin. Eine weitere Möglichkeit sind Medikamente, die die Sekretion des Vasopressins im Gehirn anregen können.

Immer sollte der Patient darauf achten, nicht zu viel zu trinken. Ferner muss der Arzt klären, worin die Schädigung des Hypothalamus besteht. Liegt ein Gehirn-Tumor vor, muss ihn der Chirurg entfernen und der Patient muss sich einer Chemotherapie unterziehen.

Die Behandlung des Diabetes insipidus renalis setzt am Mineralhaushalt an. So ist der Arzt bestrebt, die Blutkonzentration von Natrium und Kalzium zu senken. Das entscheidende ist hier eine kochsalzarme Diät. Einige harntreibende Medikamente (Thiaziddiuretika) reduzieren indirekt die Ausscheidung reinen Wassers. Das geschieht durch eine erhöhte Ausschüttung von Natrium über die Niere, wodurch Wasser im Körper zurückgehalten wird.

Eine weitere Unterstützung erfährt die geschädigte Niere durch eine eiweißarme Diät. Sie schont das Organ und kann, allerdings nur in leichten Fällen, die gestörte Funktion wiederherstellen. Das Maßnahmenbündel erhält ein labiles Gleichgewicht zwischen Wasser und Mineralien. Daher muss der Patient sein Gewicht regelmäßig überprüfen, denn bei Fehleinstellungen sind Wasseransammlungen eine Folge der Therapie bei renalem Diabetes insipidus.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose eines Diabetes insipidus hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Im Allgemeinen ist sie aber gut. So ist in einigen Fällen sogar eine vollständige Heilung möglich. Das ist besonders dann der Fall, wenn als Ursache des Diabetes insipidus unter anderem erhöhte Kalziumwerte infrage kommen, die durch bestimmte Medikamente oder Hirntumoren hervorgerufen werden. Durch Absetzen der entsprechenden Medikamente oder die erfolgreiche Behandlung des Tumors verschwindet dann auch der resultierende Diabetes insipidus vollständig.

Manche Formen des Diabetes insipidus können zwar nicht geheilt werden, sie sind jedoch durch eine Hormonersatztherapie mit Desmopressin gut beherrschbar. So können unter einer gut eingestellten Therapie auch Personen mit einem erblich bedingten oder durch andere Ursachen chronischem Mangel an Vasopressin ein ganz normales Leben führen. Wichtig ist bei dieser Therapie allerdings auch die Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr, da es ansonsten sogar zu einer Überwässerung des Körpers kommen kann.

Ohne Behandlung kann ein Diabetes insipidus jedoch zum Tod durch Austrocknung (Exsikkose) führen, weil der Körper durch Ausscheidung großer Harnmengen bis zu 25 Liter Flüssigkeit pro Tag verliert. Auch das Trinken großer Mengen an Wasser kann den Flüssigkeitsverlust allein nicht stoppen. Quälender Harndrang und starkes Durstgefühl führen außerdem zu Schlafstörungen, die wiederum das Entstehen psychischer Erkrankungen begünstigen. Neben den direkten Folgen eines Diabetes insipidus bestimmen auch die jeweilig zugrunde liegenden Erkrankungen den weiteren Verlauf.

Vorbeugung

Diabetes insipidus vorzubeugen heißt, Bluthochdruck und Arteriosklerose im Vorfeld zu unterbinden. Die allgemeinen Maßgaben dazu sind der Prophylaxe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen identisch. Allerdings kann dies nur weinige Faktoren beeinflussen, die den Diabetes insipidus fördern. Gegen die meisten Ursachen der Wasserharnruhr kann sich der Mensch nicht wappnen. Freilich sind Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt zur Früherkennung auch dieser Krankheit sinnvoll. Denn je eher die Behandlung einsetzt, umso besser sind auch die Heilungschancen beim Diabetes insipidus.

Das können Sie selbst tun

Diabetes insipidus, auch als Wasserharnruhr bekannt, hat nichts mit Diabetes mellitus Typ 2 oder Typ 1 (Zuckerkrankheit) zu tun. Das Leitsymptom besteht in einer krankhaft gesteigerten Wasserausscheidung über die Nieren und führt zu ständigem Durstgefühl. Aufgrund der übermäßigen Flüssigkeitsausscheidung kommt es zu einem gestörten Elektrolythaushalt, der erhebliche Sekundärschäden zur Folge haben kann. Das Verhalten im Alltag sollte auf Ausgleich des Elektrolythaushalts ausgerichtet sein und Maßnahmen einschließen, die zur Vorbeugung von Arteriosklerose und Bluthochdruck geeignet sind. Unterstützend wirkt eine Senkung der Natrium- und Kalziumkonzentration im Blut, so dass eine extrem kochsalzarme Ernährung empfohlen wird.

Parallel zu den obigen Maßnahmen und obiger Selbsthilfe sollte medizinisch abgeklärt werden, worin die Ursachen für die Wasserharnruhr bestehen. Beispielsweise kann ein Hirntumor durch Raumbeanspruchung die Steuerhormonzentrale des Körpers, den Hypothalamus und die Hypophyse, beeinträchtigen, so dass in den winzigen Drüsen zu wenig Vasopressin produziert wird, das die übermäßige Harnproduktion stoppen würde. Je nach Diagnose wird eine sofortige medizinische Behandlung bzw. Operation zur Vermeidung eines kritischen Verlaufs der Erkrankung dringend notwendig.

Betroffene, die nachts wegen häufigem Harndrang oft aufwachen und kaum die Chance zum Durchschlafen haben, sollten während des Tages besonders aufmerksam sein, da ihre Konzentrationsfähigkeit und Wachsamkeit häufig durch Tagesmüdigkeit beeinträchtigt wird. Besonders Autofahren erfordert Aufmerksamkeit und häufige Pausen, um einem gefährlichen Sekundenschlaf vorzubeugen.

Bücher über Diabetes insipidus

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Usadel, K.-H., Wahl, P.: Diabetologie und Stoffwechsel. In: Bob, A. u. K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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