Diät und Ernährung bei Gallenerkrankung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Dezember 2016
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Wohl einer der häufigsten Beschwerdekomplexe wird durch die Erkrankung der Gallenblase und Gallenwege hervorgerufen. Im Allgemeinen leiden mehr Frauen unter diesen Erkrankungen als Männer. Die ersten Schmerzen zeigen sich meist während oder kurz nach einer Schwangerschaft. In diesem Fall spielt die Raumbeengung und die große Stoffwechselbeanspruchung der Leber eine wesentliche Rolle. Häufig sind es auch Entzündungen, die auf Grund von Bakterienbefall der Gallenblase oder einer Viruserkrankung der Leber (Hepatitis epidemica) auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Erkrankungen der Galle & Gallenblase

Die Steinbildung in der Gallenblase verursacht ebenfalls starke Schmerzen. Auch Lebewesen, medizinisch Lamblien genannt, die als Parasiten in der Gallenblase leben, können erhebliche Beschwerden hervorrufen.

Durch Sondierung des Dünndarms mit Hilfe eines dünnen Gummischlauches kann man feststellen, ob Bakterien oder Parasiten im Gallensaft enthalten sind und ob die Reflextätigkeit der Gallenblase vorhanden ist. Viele Patienten fürchten sich vor dieser Untersuchung, doch ist die Angst unbegründet, da der Würgereflex durch Hilfeleistung eines erfahrenen Arztes leicht zu überwinden ist. Zudem gibt es Mittel, die den Würgereflex minimieren lassen. Für den Arzt ist diese Diagnose sehr wichtig, weil er die Ursachen der Erkrankung genau erkennen muss, um eine entsprechende Behandlung und Ernährung festsetzen zu können.

Wenn die Gallenblase erkrankt ist, vermindert sich die Abgabe der Gallensäfte in den Zwölffingerdarm. Gallensaft ist aber für eine regelrechte Verdauung unbedingt notwendig, da die Galle die Fette emulgiert und das Einwirken der im Darm befindlichen Wirkstoffe (Fermente) auf diese Art erleichtert. Es erfolgt die chemische Spaltung der Fette, die in dieser Form von der Darmwand aufgesogen werden (Resorption). Ist durch Erkrankung der Gallenblase zu wenig Gallensaft im Dünndarm vorhanden, muss es zu Störungen in der Fettverdauung kommen.

So erklärt sich die Abneigung gegen Fette, die für den Gallenkranken einen doppelten Nachteil haben. Sie bereiten dem empfindlichen Organ Schmerzen und überladen den Darm mit Substanzen, die ihm wegen der schlechten Resorption nicht bekommen. Oft entstehen im Verlauf einer Gallenkrankheit heftige Diarrhöen, oder auch Verstopfungen, die miteinander abwechseln können. Wie schon erwähnt, hängt die Kost für Gallenkranke von der jeweiligen Diagnose ab. Es ist deshalb notwendig, bei jeder Gallenerkrankung den Arzt aufzusuchen, um sich mit ihm zu beraten.

Eine sehr häufige Erscheinung ist die Gallenkolik. Es handelt sich dabei um Schmerzanfälle, die auf einem heftigen Krampfzustand im Ausführungsgang der Gallenblase beruhen. In solchem Fall empfiehlt sich zuerst einmal die völlige Ruhigstellung des erkrankten Organs. Das bedeutet, Fette und Eiweißstoffe, die auch eine gallenreizende Wirkung haben, sowie Kohl, Bohnen, Linsen und Zwiebeln wegen ihres reichen Gehaltes an Zellulose und ätherischen Ölen zu meiden. Man sollte nach einer Kolik in den ersten drei Tagen nach Möglichkeit gar nichts essen, sondern nur reizmildernde Flüssigkeiten wie Tee zu sich nehmen.

Diät & Ernährung

Pfefferminztee, ungesüßt oder mit Traubenzucker versetzt, hat eine besonders günstige Wirkung. Nachdem man ein bis zwei Tage auf feste Nahrung verzichtet hat, kann man mit einer Kost beginnen, die in erste Linie aus Kohlenhydraten, das heißt Stärketrägern, besteht. Besonders eignen sich dafür Hafer- und Vollkornmehle in Suppen- und Breiform. Es ist nicht nötig nur Weißmehle oder Weißbrot, Zwieback und ähnliche schonende Nahrungsmittel zu verwenden, im Gegenteil, es muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass auch bei der Diät der Vitamin- und Mineralienbedarf des Körpers gedeckt werden muss.

Nach einigen Tagen kann man diesen Suppen Milch und rohe Butte in kleinsten Mengen beigeben. Aus unseren weiter unten angefügten Vorschlägen für die Zusammenstellung einer Dauerschonkost können Sie weitere Hinweise für die Ernährung von Gallenkranken entnehmen.

Fettverdauung

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Gallenblase mit Gallensteinen. Klicken, um zu vergrößern.

Noch eine Bemerkung zur Fettverdauung. Rohe Butter und Öle können von den Gallensäften besonders leicht verarbeitet werden. Außerdem sind sie Träger des Vitamin A und anderer Vitamine, die eine günstige Wirkung auf die Tätigkeit der Leberzellen haben. Butter ist im Sommer sogar noch vitaminreicher als im Winter. Die schlechte Verträglichkeit anderer tierischer Fette erklärt sich aus deren Schmelzpunkt. Am schwersten wird Schmalz und Fleischfette vertragen.

Bei vielen Patienten bestehen Unklarheiten über die Verträglichkeit von Eiern. Das rohe oder geschlagene Ei ist verhältnismäßig leicht verdaulich. Die Verdaulichkeit wird allerdings durch das Kochen oder Braten erheblich gemindert. Außerdem übt das Eigelb einen starken Reit auf die Reflextätigkeit der Gallenblase aus und kann dadurch eine schwere Kolik hervorrufen. Es ist zu empfehlen, das Ei rohe an die Speisen zu rühren. In anfallsreichen Krankheitsperioden ist es aber ratsam, Eier ganz zu meiden.

Allgemein muss gesagt werden, dass die Verträglichkeit von Speisen von der Zubereitung abhängt. Gallenkranke dürfen nichts essen, was aus der Pfanne kommt. Durch das Braten werden die Fette chemisch verändert, und die entstehende Kruste wird besonders schwer verdaulich. Diese Ernährungsprinzipien gelten auch nach Gallenoperationen. In solchen Fällen ist es besonders wichtig, häufig kleinere Mahlzeiten einzunehmen, langsam zu essen und gut zu kauen. Die einzelnen Gerichte sollen bei der Zubereitung fein geschnitten und zerteilt werden, denn das Wohlbefinden des Kranken hängt nicht zuletzt von der Küchentechnik und der Art zu essen ab.

Ernährungsplan

Nach einer Operation besteht die Möglichkeit, die Kost nach anfänglich strenger Disziplin wieder zu lockern. Gewarnt seien alle Gallenkranken vor übermäßigem Essen. Appetit und echter Hunger ist ein großer Unterschied.

Vorschläge für eine Gallenschonkost:

1. Frühstück:

Pfefferminztee. Auch heller schwarzer Tee, mit etwas Zitrone oder auch Milch, gezuckert. Knäckebrot, altbackenes Weizenvollkornbrot, gut abgelagertes Mischbrot oder altbackene Brötchen. Etwas frische Butter, Honig, Gelee, Weißkäse.

2. Frühstück: Pfefferminztee. Haferflocken, gekocht oder als Müsli (ein Esslöffel Haferflocken am Abend vorher einweichen in drei Esslöffel kaltem Wasser, morgens etwas Milch angießen, zuckern oder mit Honig süßen, einige geriebene Äpfel dazugeben, evtl. mit einem Esslöffel Zitronensaft verrühren).

Mittag und Abendessen:

Gemüsesuppen (keine Linsen, Erbsen-, Bohnensuppen), entfettete Fleischbrühen.

Fleisch: gut weich gekochtes mageres Rind-, Kalb- oder Hühnerfleisch, auch gegrillt, nicht gebraten. Magere Fischsorten, gedünstet oder gegrillt.

Gemüse: Karotten, Spinat, geschälte Tomaten, Schwarzwurzeln, Spargel, Blumenkohl, zarter Rosenkohl und Kohlrabi. Zarter grüner Salat oder Kresse, mit Sonnenblumenöl zubereitet. Kartoffelpüree oder zerfallende Salzkartoffeln. Alle Teigwaren.

Obst: Kompotte aus Äpfeln, Birnen, Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Brombeeren. Rohes Obst: Geriebene, mürbe Äpfel, Bananen, Pampelmusen, sehr weiche, reife Birnen, Apfelsinen, geschlagene Erdbeeren und Himbeeren.

Nachmittags essen wie zum Frühstück. Vor dem Schlafengehen empfiehlt sich nochmals heißer starker Pefferminztee.

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