Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie ist eine neurogene Störung im Zusammenspiel von Detrusor und Sphinkter, die beide an der Entleerung der Blase beteiligt sind. Der äußere Sphinkter kontrahiert reflektorisch zur selben Zeit wie der Detrusor und die Blase leert sich unzureichend. Bei der Behandlung stehen konservative und operative Verfahren zur Auswahl.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie?

Bei einer Dyssynergie ist das Zusammenspiel einer funktionalen Einheit aus unterschiedlichen Strukturen gestört. Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie ist eine Harnblasenfunktionsstörung, bei der der Harnröhrenmuskel und die Blasenmuskulatur in ihrem Zusammenspiel gestört sind. Das Phänomen entspricht genauer gesagt einer mangelnden Koordination des Musculus detrusor Vesicae der Blase und des äußeren Harnröhrensphinkters Musculus sphincter urethrae externus.

Die Koordination dieser beiden Muskeln spielt für den Vorgang der Blasenentleerung im Sinne der Miktion eine entscheidende Rolle. Da eine diesbezügliche Koordinationsstörung der Muskeln auf die Innervation und nervale Steuerung der Muskelelemente zurückzuführen ist, zählt die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie zu den neuromuskulären Dysfunktionen der Harnblase.

Damit handelt es sich um eine neuromuskulär bedingte Blasenentleerungsstörung. Oft ist eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie mit einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur vergesellschaftet, die durch altersphysiologische Veränderungen begünstigt wird.

Ursachen

Die primäre Ursache für eine Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie ist in den neuromuskulären Zusammenhängen zu suchen. Die neuromuskuläre Störung kann auf verschiedene Primärursachen zurückzuführen sein. Statt einer Entspannung des äußeren Sphinkters tritt bei der Miktion eine reflektorisch spastische Kontraktion des Muskels auf, die gleichzeitig zur Kontraktion des Detrusors eintritt. Der Harnabfluss erfolgt so nur unzureichend.

Dadurch kommt es zu einer Restharnbildung, die einen konsekutiven Harnstau hervorruft. Die Koordination der beiden Muskeln wird durch neurogene Störungen beeinträchtigt, die die zentrale Blasenkontrolle betreffen. Solche Störungen sind meist die Konsequenz von Läsionen im zentralen Nervensystem. Diese Läsionen können im Rahmen einer übergeordneten Erkrankung auftreten, so zum Beispiel als Symptom der Multiplen Sklerose.

Sie können andererseits aber auch auf Traumata, Blutungen oder Tumore und Degenerationen zurückgehen. Wenn nicht das Kontrollzentrum im Gehirn von den Läsionen betroffen ist, liegen meist thorakale oder zervikale Rückenmarksläsionen vor.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das klinische Bild von Patienten mit einer Detrusor-Sphinkter-Dyssenergie entspricht dem einer Pollakisurie. Dabei handelt es sich um eine Miktionsstörung, die sich in einer gesteigerten Frequenz der Blasenentleerung zu kleinen Harnmengen manifestiert. Die Urinmenge ist also nicht erhöht. Lediglich die Miktionsgänge vermehren sich.

Als Komplikation einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie können verschiedene Zusatzsymptome auftreten, die vorwiegend auf den verbleibenden Restharn in der Blase zurückzuführen sind. Dieser Restharn kann ein optimaler Nährboden für Bakterien sein und als eine Folge dessen das Risiko von rezidivierenden Harnwegsinfekt stark erhöhen.

Gelegentlich stellen sich im Verlauf einer Detrusor-Sphinkter-Dyssenergie auch Symptome wie der vesikorenaler Reflux ein, der wiederum aszendierende Infektionen verursachen kann und im Extremfall in eine Druckatrophie von Nierenparenchym mündet. Bei dieser Atrophie baut sich das Bindegewebe der Nieren Stück für Stück ab. Daher muss besonders dieser Komplikation durch eine frühzeitige Behandlung vorgebeugt werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der erste Verdacht auf die Dyssynergie ereilt den Arzt nach der Anamnese. Zur Diagnostik und Klärung einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie stehen dem Arzt unterschiedliche Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Eine der wichtigsten Untersuchungen ist in diesem Zusammenhang die röntgenologische Darstellung des Miktionsvorgangs unter Kontrastmittelgabe.

Gleichzeitig zur Röntgendarstellung wird eine Blasendruckmessung per Video-Urodynamik durchgeführt. Meist findet außerdem eine isolierte Druckmessung innerhalb der Harnröhre oder Blase statt. Dieses Verfahren entspricht in der Regel einer Urethro-Cysto-Tonometrie. Zusätzlich zu diesen Diagnostika stehen dem Arzt sonographische Befundungen zur Verfügung.

Per Ultraschall sollte vor allem die Harnblase untersucht werden, um die Restharnmenge zu bestimmen und zusätzlich Folgekomplikationen für das harnableitende System zu entdecken. Die Prognose gilt als relativ günstig, solange noch keine Komplikationen eingetreten sind.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie ist dann ein Arzt aufzusuchen, wenn es zu Beschwerden bei der Entleerung der Blase kommt. Die Blase muss dabei in den meisten Fällen relativ häufig entleert werden und es treten nur sehr geringe Mengen an Harn aus. Dabei entwickeln viele Betroffene auch psychische Beschwerden oder Depressionen, sodass auch eine psychologische Behandlung notwendig sein kann. Weiterhin ist auch dann eine Behandlung durch einen Arzt ratsam, wenn es zu einem Harnwegsinfekt kommt.

Dieser ist in der Regel mit starken Schmerzen verbunden. Auch andere Nierenbeschwerden können auf die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie hindeuten und sollten untersucht werden. Durch eine frühzeitige Diagnose kann der weitere Abbau des Nierengewebes gestoppt werden. Die Diagnose und Behandlung der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie kann in der Regel durch einen Internisten gestellt werden. Da bei der Behandlung die Durchführung verschiedener Therapien notwendig sein kann, werden diese meist von Fachärzten durchgeführt. Mögliche Infekte werden mit Hilfe von Antibiotika behandelt.

Komplikationen

Aufgrund der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie leidet der Betroffene in der Regel an Beschwerden der Blasenentleerung. Diese Beschwerden wirken sich in der Regel stark negativ auf die Psyche des Patienten aus, sodass es zu zahlreichen psychischen Beschwerden und zu Depressionen kommen kann. In den meisten Fällen kann der Patient nur sehr geringe Mengen aus der Blase befördern und muss daher auch die Toilette öfter aufsuchen.

Dies manifestiert sich in einer verringerten Lebensqualität. Ebenso kann es zu einem Harnwegsinfekt kommen, welches mit starken Schmerzen beim Wasserlassen verbunden ist. Das Gewebe an der Niere wird dabei langsam abgebaut, sodass es im schlimmsten Fall zu einem kompletten Funktionsverlust der Niere kommen kann. Die Behandlung erfolgt in den meisten Fällen kausal und richtet sich dabei nach der Grunderkrankung.

Es ist dabei nicht in allen Fällen möglich, die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie komplett einzuschränken. Oft werden unterschiedliche Therapien eingesetzt, welche die Blase anregen sollen. In schwerwiegenden Fällen ist der Patient möglicherweise auf einen Dauerkatheter angewiesen, um den Alltag weiterhin meistern zu können. Bei Entzündungen und Infekten werden Antibiotika verwendet. Bei der Behandlung treten für gewöhnlich keine Komplikationen mehr auf.

Therapie & Behandlung

Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie wird in der Regel mit kausalen Therapieansätzen behandelt. Im Rahmen einer solchen kausalen Therapie soll die primäre Ursache der Erkrankung beseitigt werden. Damit entspricht das Ziel der Behandlung einer koordinativen Verbesserung des Muskelzusammenspiels. Bei dieser Verbesserung der Koordination kann zum Beispiel gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur behilflich sein.

Zusätzlich zum Beckenbodentraining wird den Patienten zu einer Eigenstimulation der Blase geraten. Diese Stimulation entspricht in der Regel dem leichten Beklopfen des Organs. Die sanften Klopfbewegungen sollten idealerweise regelmäßig durchgeführt werden und können unter Umständen die allgemeine Blasenfunktion verbessern. Wenn die spontane Blasenentleerung der Betroffenen nur in extrem unzureichendem Maß erfolgt, steht ein Selbst-Katheterismus zur Diskussion.

Abhängig von der Fähigkeit der Patienten kann alternativ dazu auch die Anlage von suprapubischen Dauerkathetern erfolgen. Wenn sich durch konservative Behandlungswege keine Besserung einstellt, kann eine invasive Therapieoption diskutiert werden. Eine operative Inzision im Sinne einer Sphinkterotomie kann Abhilfe schaffen. Auch eine Lähmung des äußeren Sphinkters durch die Injektion von Botulinumtoxin kommt im Einzelfall infrage.

Auf konservativem Weg lässt sich der Muskel Detrusor durch die Gabe von Anticholinergika außerdem medikamentös hemmen. Falls bereits Harnwegsinfektionen vorliegen, werden diese Infektionen im Akut-Fall über die Gabe von Antibiotika behandelt. In den meisten Fällen entspricht die Therapie einer Kombination von mehreren der genannten Optionen.

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Aussicht & Prognose

Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie führt zu verschiedenen Einschränkungen im Leben des Patienten, falls die Erkrankung nicht behandelt wird. In der Regel wirkt sich die Krankheit dabei sehr negativ auf die Toilettengänge des Betroffenen aus, sodass diese vermehrt die Toilette aufsuchen müssen. Es tritt nur eine geringe Menge an Harn aus, sodass Restharn in der Blase zurückbleibt. Aus diesem Grund führt die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie unbehandelt häufig zu Infekten an den Harnwegen und ebenso zu einem vesikorenalen Reflux, welcher weitere Infektionen verursachen kann. Auch das Nierengewebe wird durch die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie mit der Zeit zerstört, sodass es im schlimmsten Falle zu einer Nierenschwäche_(Niereninsuffizienz)Niereninsuffizienz kommen kann. Dabei ist der Patient auf eine Dialyse oder auf eine Spenderniere angewiesen, um den Tod zu vermeiden.

Die Behandlung dieser Erkrankung kann unterschiedlich durchgeführt werden und hängt vom Stadium der Erkrankung ab. In den meisten Fällen werden die Beschwerden jedoch gut eingeschränkt und die Lebensqualität des Betroffenen wieder erhöht.

Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. In einigen Fällen sind die Betroffenen auf einen Katheter angewiesen. Hierbei wirkt sich eine frühzeitige Diagnose und Behandlung positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.

Vorbeugung

Der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie im Rahmen von neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose lässt sich kaum vorbeugen. Altersbedingten Dyssenergien der beiden Muskeln lässt sich zumindest in Maßen durch regelmäßiges Training der Beckenbodenmuskulatur entgegenwirken. Das prophylaktische Beklopfen der Blase kann außerdem die Blasenfunktion unterstützen.

Das können Sie selbst tun

Grundsätzlich ist es zunächst wichtig, sich nicht für die fehlende Harnkontrolle zu schämen. Dies kann die Symptome sogar durch den psychischen Druck noch verstärken. Es gibt viele Hilfsmittel, die den Urin auffangen können, so dass er sich nicht sichtbar abzeichnen kann. Dazu gehören, bei wenig Urinverlust, Einlagen bis hin zu Windeln oder Urinalkondomen.

Fehlende Harnkontrolle hat mehrere Ursachen, so dass Wissenschaft und Handel genug Möglichkeiten auf dem Markt haben, die den Urin auffangen können. Damit haben Außenstehende keine Möglichkeit, es zu bemerken. Patienten sollten damit offen umgehen, besonders, wenn sie sich beraten lassen möchten. Es ist ein medizinisches Problem, für das man sich auf keinen Fall schämen muss.

Zudem kann der Beckenboden in der Physiotherapie gestärkt und trainiert werden. So kann die Harnblasenmuskulatur stimuliert und verbessert werden. Auch kann die Blase beklopft werden, damit sie stimuliert wird. Hierbei ist wichtig, sich von einem Experten die Methode richtig zeigen zu lassen. Regelmäßiges Training ist der Grundstein zur Verbesserung. Das Beckenbodentraining bringt nach einmaligem Üben keinen einhundertprozentigen Erfolg, sondern der Muskel verhält sich wie jeder andere Muskel im Körper, der regelmäßig angeregt werden muss. Patienten können sich in Selbsthilfegruppen für Inkontinenz austauschen. Vor allem online lassen sich viele hilfreiche Tipps finden.

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Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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