Denys-Drash-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Das Denys-Drash-Syndrom wird bedingt durch einen angeborenen Gen-Defekt, der zur Manifestierung eines nephrotischen Syndroms führt. Mit einer Inzidenz von 1:100.000 bei Neugeborenen ist das Denys-Drash-Syndrom eine seltene Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Denys-Drash-Syndrom?

Als Denys-Drash-Syndrom wird eine seltene autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung bezeichnet, die in aller Regel mit der Symptomtrias progressive Nierenerkrankung mit Manifestierung eines frühen, oftmals beidseitig feststellbaren benignen Wilms-Tumors (Nephroblastom), diffuser mesangialer Sklerose (wuchernde Bindegewebszellen in den Nierenkörperchen) sowie Genitalanomalien (maskuline Pseudohermaphroditismus) assoziiert wird.

Das Denys-Drash-Syndrom wird entsprechend zum Spektrum der nephrotischen Syndrome gezählt. Der Gen-Defekt kann sich klinisch zunächst anhand eines Wilms-Tumors manifestieren. Postnatal entwickelt sich die diffuse mesangiale Sklerose in Kombination mit einem nephrotischen Syndrom und einer ausgeprägten Proteinurie (erhöhte Proteinkonzentration im Urin), wobei in einem Zeitraum von 1 bis 4 Jahren mit einem Nierenversagen zu rechnen ist.

Inkomplette Subformen des Denys-Drash-Syndroms können sich durch diffuse mesangiale Sklerose mit einem maskulinen Hermaphroditismus oder einem Nephroblastom äußern.

Ursachen

Das Denys-Drash-Syndrom ist eine kongenital bedingte (angeborene) Erkrankung, die autosomal-rezessiv vererbt wird. In aller Regel (etwa 90 Prozent der Fälle) ist beim Denys-Drash-Syndrom eine Mutation des auf Chromosom 11p13 liegenden WT1-Gens (Wilms-Tumor-Suppressor-Gen) feststellbar, die für die Manifestierung des Wilms-Tumors verantwortlich gezeichnet wird.

Hierbei ist in der Mehrzahl der Fälle das Exon 8 oder 9 auf der heterozygoten Keimbahn im Zinkfinger-Motiv betroffen. Die zugrundeliegende Mutation stellt in 90 Prozent der Fälle eine de novo Mutation (Neumutation) dar. Das korrespondierende Gen reguliert die Kodierung eines bestimmten Zinkfinger-Proteins, das als Transkriptionsfaktor an der Entwicklung des Urogenitaltraktes und der Nephrogenese beteiligt ist.

Infolge des für das Denys-Drash-Syndrom charakteristischen Gen-Defekts manifestieren sich nicht nur Genitalanomalien und Wilms-Tumoren, sondern das Nierengewebe verhärtet und vernarbt zunehmend (sklerosiert), so dass die Funktionsfähigkeit der Nieren sukzessiv immer stärker restringiert wird, bis die Nieren vollständig ausfallen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Denys-Drash-Syndrom wird in aller Regel zwei Wochen bis 1,5 Jahre nach der Geburt anhand der charakteristischen Symptome diagnostiziert. Die Fehlbildungen der äußeren Genitalorgane (u.a. kleiner Penis bei betroffenen Jungen, vergrößerte Labien bei Mädchen) können in den meisten Fällen bereits unmittelbar nach der Geburt festgestellt werden.

Nephrotische Syndrome gehen zudem mit abdominalen Schwellungen, verminderter Urinausscheidung, Proteinurie infolge der diffusen mesangialen Sklerose sowie hohem Blutdruck einher. Zum Ausschluss bzw. Nachweis eines Nephroblastoms sollten die Nieren sonographisch und/oder computertomographisch untersucht werden. Im Rahmen einer Computertomographie können darüber hinaus Fehlbildungen der Sexualorgane bildlich dargestellt werden.

Differenzialdiagnostisch sollte ein Denys-Drash-Syndrom vom WAGR-Syndrom abgegrenzt werden, das ebenfalls eine mit Fehlbildungen und dem Wilms-Tumor einhergehende Erkrankung darstellt. Zudem können hyperechogene Nieren auch bei Zystennieren pränatal nachgewiesen werden.

In aller Regel ist bei von einem Denys-Drash-Syndrom betroffenen Kindern vor Abschluss des dritten Lebensjahres eine Niereninsuffizienz (Nierenversagen) festzustellen und die Mehrzahl entwickelt innerhalb der ersten zwei Lebensjahre einen Wilms-Tumor. Bei Kindern mit transplantierter Niere ist die Prognose hingegen gut.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel handelt es sich beim Denys-Drash-Syndrom schon um ein angeborenes Syndrom, sodass keine zusätzliche Diagnose dieser Krankheit durch einen Arzt notwendig ist. Durch die verschiedenen Fehlbildungen und anderen Symptome ist das Kind auf verschiedene Untersuchungen und Behandlungen angewiesen. Ein Arzt sollte daher dann aufgesucht werden, wenn es durch die Fehlbildungen zu Einschränkungen im Alltag und im Leben des Patienten kommt. Durch chirurgische Eingriffe können diese Fehlbildungen eventuell korrigiert werden.

Auch bei einem Nierenversagen ist der Betroffene auf eine medizinische Behandlung angewiesen. Weiterhin sollten auch Schwellungen oder ein zu hoher Blutdruck von einem Arzt untersucht werden. Die Untersuchung der Krankheit erfolgt in der Regel in einem Krankenhaus. Eine weitere Behandlung erfolgt durch einen Facharzt und zum Beispiel mit einer Dialyse. Hierbei ist auch die Transplantation einer Niere möglich, um die Niereninsuffizienz vollständig zu bekämpfen. Da die Betroffenen aufgrund des Denys-Drash-Syndroms relativ häufig an Infekten und Entzündungen leiden, sollten diese ebenfalls von einem Arzt untersucht werden.

Behandlung & Therapie

Ein Denys-Drash-Syndrom kann nicht kausal therapiert werden, da dieses auf einen kongenital bedingten Gen-Defekt zurückgeführt wird. Entsprechend zielen die Therapiemaßnahmen insbesondere auf die Kontrolle und Regulierung der Nierenfunktion, die Behandlung des Bluthochdrucks und der Proteinurie sowie die Reduzierung der spezifisch mit dem nephrotischen Syndrom einhergehenden Beschwerden.

Die Proteinurie lässt sich hierbei nicht durch konventionelle Medikamente kontrollieren. Analoges gilt für das nephrotische Syndrom, das nicht durch Kortikosteroide oder andere Immunsuppressiva behandelt werden kann und dessen Therapie vor allem in der Blutdialyse mit anschließender ein- oder beidseitiger Nephrektomie (Nierenentfernung) sowie Nierentransplantation besteht.

Ziel der Nephrektomie ist in erster Linie die Vermeidung der Entwicklung eines Wilms-Tumors. Transplantierte Nieren sind in aller Regel nicht von einem Denys-Drash-Syndrom betroffen. Die intersexuellen Genitalorgane werden in den meisten Fällen dem externen Phänotyp chirurgisch angepasst. Darüber hinaus kann in einigen Fällen eine chirurgische Entfernung der abnormalen Sexualorgane angezeigt sein, um das Risiko für eine Manifestierung von Tumoren in diesen Gewebestrukturen weitestgehend auszuschließen.

Unterstützend wird bei einem Denys-Drash-Syndrom eine adäquate Ernährung sowie eine angemessene Prophylaxe im Hinblick auf Infektionserkrankungen empfohlen.

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Aussicht & Prognose

Da es sich beim Denys-Drash-Syndrom um eine genetische Erkrankung handelt, kann diese nicht durch eine kausale Therapie behandelt werden. Den Betroffenen stehen daher nur symptomatische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die Beschwerden zu lindern.

Sollte es beim Denys-Drash-Syndrom nicht zu einer Behandlung kommen, so leiden die Betroffenen an schweren Fehlbildungen der Geschlechtsorgane. Es kommt dabei nicht zu einer Selbstheilung, sodass die Betroffenen keine sexuellen Handlungen ausüben können. Ebenso kann es zu Fehlbildungen an den Nieren kommen, welche im weiteren Verlauf zu einer Niereninsuffizienz führen. Diese kann für den Betroffenen tödlich enden und wird daher durch eine Dialyse oder durch eine Transplantation behandelt.

Die Behandlung des Syndroms richtet sich immer nach der Schwere der Fehlbildungen. Diese können durch operative Eingriffe korrigiert werden, sodass die Patienten am Geschlechtsverkehr teilnehmen können. Die Beschwerden an den Nieren können in der Regel nicht aufgehalten oder geheilt werden, sodass die Betroffenen immer auf eine Transplantation angewiesen sind. Die Lebenserwartung des Patienten ist durch das Denys-Drash-Syndrom meist eingeschränkt. Ein frühzeitiger Therapiebeginn wirkt sich jedoch immer positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus.

Vorbeugung

Da es sich bei einem Denys-Drash-Syndrom um eine kongenital bedingte Erkrankung handelt, kann diesem nicht vorgebeugt werden.

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Quellen

  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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