Defäkationsdrang

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Der Defäkationsdrang wird durch Mechanorezeptoren in der Wand des Darms ausgelöst, die die steigende Spannung bei steigendem Füllstand des Rektums registrieren. Die Rezeptoren schicken die Information über das Rückenmark an das zentrale Nervensystem, wo sie in das Bewusstsein übertritt. Hämorrhoiden bedingen oft anhaltenden Stuhldrang.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Defäkationsdrang?

Die Darmtätigkeit nach den Mahlzeiten befördert den Darminhalt mit propulsiven Massenbewegungen, der sogenannten Darmperistaltik, in Richtung Enddarm. Wenn der verdaute Darminhalt ins Rektum eintritt, registrieren Mechanorezeptoren in den Darmwänden eine erhöhte Spannung der Darmwand. Bei den Mechanorezeptoren oder Dehnungsrezeptoren handelt es sich um Sinneszellen des Tastsinns, die in jeder Haut- und Schleimhautfläche zu finden sind und der ersten Instanz für Druck- und Berührungswahrnehmungen entsprechen. Sobald die Rezeptoren in der Darmwand die Druckerhöhung registrieren, wandeln sie sie in eine bioelektrische Erregung um und senden sie über afferente Nervenbahnen an das Gehirn weiter, wo die Information ins Bewusstsein übertritt. Wenn dies geschehen ist, nimmt der Mensch einen sogenannten Defäkationsdrang wahr.

Abhängig von der Zeitspanne, in der der Stuhlgang unterdrückt wird, passt sich das Rektum einem mehr oder weniger großen Füllungsvolumen an. Sobald der Stuhlgang nicht mehr unterdrückt werden kann, ist von einem imperativen Stuhldrang die Rede.

Die Kontrolle über die Defäkation ist erlernt und besteht nicht von Geburt an. Sobald die Dehnungsrezeptoren von Kleinkindern also eine Dehnung melden, entleert sich der Darm von selbst und verkürzt die Zeitspanne des Stuhldrangs damit auf wenige Sekunden.

Funktion & Aufgabe

Durch den physiologischen Vorgang der Defäkation entleert sich das Rektum des Menschen und entsorgt auf diese Weise unverdauliche Nahrungsreste. Der erwachsene Mensch besitzt in der Regel Kontrolle über seinen Stuhlgang, was mit dem Begriff der Kontinenz beschrieben wird.

Zur Defäkation findet eine propulsive Massenbewegung im Darm statt, die sich vor allem auf die weit oralen Darmabschnitte bezieht. Diese Bewegungen treten nach einer Mahlzeit ein und werden dann gastrokolischer Reflex genannt.

Durch den physiologischen Vorgang der Defäkation entleert sich das Rektum des Menschen und entsorgt auf diese Weise unverdauliche Nahrungsreste.

Der Anus verschließt das Rektum, in das der verdaute Darminhalt durch die Darmbewegungen eintritt. Mechanorezeptoren regsitrieren beim Eintritt des verdauten Darminhalts in das Rektum eine Erhöhung der Wandspannung und werden von dieser Dehnung erregt. Sie wandeln die Reize in ein proportionales Aktionspotential um, das sie über viszerosensibel afferente Nervenbahnen, die sogenannten Nervi splanchnici pelvici, an die Hinterstrangbahnen des Rückenmarks senden. Vom Rückenmark aus wandern die Signal in den somatosensorischen Kortex des Gehirns ein.

Während sich das Rektum füllt, erweitert sich der Musculus sphincter ani internus in einer Reflexantwort. Dass der Mensch trotzdem die unwillkürliche Defäkation verhindern kann, liegt am willkürlich innervierten Musculus sphincter ani externus. Dieser Muskel bleibt auch nach dem ersten Stuhldrang kontrahiert und erhält so die Kontinenz aufrecht.

Die Gesamtheit der beschriebenen Situation wird vom Menschen als Defäkationsdrang wahrgenommen. Je nachdem, wie lange der Stuhldrang unterdrückt wird, kontrhiert der Musculus sphincter ani internus und das Rektum adaptiert an das steigende Füllungsvolumen im Rektum. Erst beim Stuhlgang erschlaffen beide Muskeln des Anus. Auch der Musculus puborectalis kontrahiert nicht mehr. Der Corpus cavernosum recti schwillt zur selben Zeit ab. Das Rektosigmoid kontrahiert reflektorisch und treibt die Entleerung des Darminhalts von Seiten der oralen Darmabschnitte voran. Bei entsprechendem Füllstand des Rektums öffnet sich der Anus automatisch, sobald sich der Betroffene in die Hocke begibt.

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Krankheiten & Beschwerden

Eine pathologische Sonderform des Stuhldrangs sind schwerwiegende Arten des imperativen Stuhldrangs. Solche Beschwerden können Darmkrankheiten wie die Colitis ulcerosa begleiten, wobei es sich meist um Symptome besonders fortgeschrittener Krankheitsstadien handelt. Bei einem extrem imperativen Stuhldrang kann der Betroffene den Stuhl oft nicht mehr halten, sobald der Defäkationsdrang einsetzt. Ein Ausharren oder Verdrücken ist den Betroffenen nicht möglich. Sie müssen die Toilette unmittelbar nach Einsetzen des Defäkationsdrangs aufsuchen. Extrem imperative Stuhldränge schränken das alltägliche Leben der Betroffenen erheblich ein, lassen sich glücklicherweise allerdings behandeln.

Grundsätzlich sollte ein Stuhlgang nach Einsetzen von Stuhldrang nicht zu lange hinausgeschoben werden, da sich ansonsten Beschwerden bei der Defäkation einstellen können. Allerdings sollte der Stuhlgang ebenso wenig vorzeitig angegangen und durch extremes Pressen hervorgerufen werden.

Bei einigen Menschen hält das Gefühl von Drang an, obwohl sie sich gerade erleichtert haben. In solchen Fällen kann leichtes Pressen den verdauten Mageninhalt zusätzlich anschieben. Wenn allerdings nicht mehr genügend Stuhl im Rektum liegt lässt sich die automatische Afteröffnung zur Defäkation unter Umständen nicht mehr triggern. In einem solchen Fall sollte der Toilettengang vorzeitig abgebrochen werden.

Keine Defäkation sollte mehr als einige Minuten in Anspruch nehmen. Wenn der Stuhldrang anhält, obwohl aufgrund des Füllungsvolumens im Rektum keine Defäkation mehr möglich ist, haben diese Beschwerden oft pathollogischen Wert. In den meisten Fällen hängt anhaltender Stuhldrang mit Hämorrhoiden zusammen, die den Patienten oft zu fortgesetztem Pressen anregen. Dieses Vorgehen führt allerdings oft eine zusätzliche Vergrößerung der Hämorrhoiden herbei. So sind Stuhlregulierungsprobleme und übertrieben starke Pressbewegungen bei der Defäkation mit die häufigsten Ursachen für vergrößerte Hämorrhoiden. Das Phänomen sollte daher zB medikamentös behandelt und mit einem Arzt abgesprochen werden.

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