De-Grouchy-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
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Das De-Grouchy-Syndrom ist ein Fehlbildungskomplex, von dem verschiedene Unterarten existieren. Die multiplen Fehlbildungen werden durch Deletionen auf Chromosom 18 verursacht. Die Behandlung der Patienten erfolgt ausschließlich symptomatisch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das De-Grouchy-Syndrom?

Die sogenannten Fehlbildungssyndrome sind eine Gruppe aus Erkrankungen, die sich in einem Komplex aus verschiedenen Fehlbildungen manifestieren. Eine Untergruppe dieser Krankheitsgruppe ist das sogenannte De-Grouchy-Syndrom, das sich in zwei unterschiedliche Typen mit verschiedenen Symptomen aufgliedert. Die Erstbeschreibung des De-Grouchy-Syndroms erfolgte unter wissenschaftlichen Aspekten 1963.

Seit der ersten Fallbeschreibung wurden etwas mehr als 100 Fälle dokumentiert. Der erste Typ des Syndroms gilt als schwere Form und geht mit zahlreichen Symptomen einher, so vor allem mit verringerter Muskelspannung, Fehlbildungen der Hände, Autoimmunsymptomatik und Herzfehler. Der Typ II des Syndroms ist etwas leichter ausgeprägt und wird zum Beispiel nicht mit organischen Fehlbildungen assoziiert. Stattdessen liegt bei diesem Typen leitsymptomatischer Minderwuchs vor.

Die beiden Syndrome werden mitunter als Deletions-Syndrome des Chromosoms 18 zusammengefasst, da sie auf deletierende Mutationen dieses Chromosoms zurückgehen. Eine Mischung der beiden Unterformen liegt im Rahmen des sogenannten 18-R-Syndroms vor. Die Ausprägung der Syndrome kann äußerst unterschiedlich ausfallen und hängt von der Länge der chromosmalen Deletion im Einzelfall ab.

Ursachen

Die Ursache für alle Formen des De-Grouchy-Syndroms ist eine genetische Mutation, die mit familiärer Häufung assoziiert ist. Bei allen Erkrankungen der Gruppe ist das Chromosom 18 von Deletionen betroffen. Teile des Chromosoms sind also gelöscht worden, wodurch sich die einzelnen Symptome der Syndrome erklären. Damit liegen allen Formen des Syndroms partielle Monosomien zugrunde.

Bei dieser Art der numerischen Chromosomenaberration fehlen einzelne Chromosomen. Im Fall des De-Grouchy-Syndroms beziehen sich die Monosomien auf Chromosomenabschnitte im Genort 18q23. Das Chromosom 18 enthält zum Beispiel Gene, die in der DNA für das Glykoprotein APCDD1 codieren. Zusätzlich sind Gene enthalten, die für den Stoffwechselregulator Bcl-2 der Mitochondrien zu ischämischen Bedingungen codieren. Darüber hinaus codieren bestimmte Gene des Chromosoms für das basische Myelinprotein MBP, das vor allem für die Myelinscheide der Nervenzellen bedeutsam ist und die charakteristische Muskelschwäche der Syndrom-Betroffenen erklärt.

Bei Typ I des De-Grouchy-Syndroms liegt ein Stückverlust auf dem kurzen Arms von Chromosom 18 vor. Typ II des Syndroms basiert auf einem Stückverlust auf dem langen Arms 18q22-23 des Chromosoms. Wenn das Ringchromosom 18 Deletionen auf dem langen und kurzen Arm trägt, stellt sich eine Kombinationen aus den typischen Merkmalen von De-Grouchy-Patienten des Typ I und II ein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten des De-Grouchy-Syndroms Typ I haben ein niedriges Geburtsgewicht und zeigen eine somatische Hypotrophie mit verringerte Muskelspannung. Häufig sind ihre Hände groß nd tragen kurze Fingern, die manchmal mit Vierfingerfurche, seitliche gebogenen Fingergliedern und Zehensyndaktylien vergesellschaftet sind. Zusätzlich liegt oft ein Herzfehler und eine Darmlageanomalien vor.

Weitere Symptome können große Ohren sein. Außerdem manifestiert sich Typ I häufig als Atresie oder Stenose der Gehörgänge. Auch eine Trichterbrust und Gehirn- oder Kopfanomalien wie Kurzköpfigkeit kommen vor. Darüber hinaus kann neben Brachyzephalie und Holoprosenzephalie Einäugigkeit oder eine Nichtanlage des Riechhirns vorliegen. Die Schädelnähte der Betroffenen verschließen sich oft vorzeitig und rufen eine kognitive Behinderung hervor.

Fehlbildungen der Augenmuskulatur, okulare Dysmorphien und Fehlbildungen der Augenhöhlen sind bei Typ I ebenso charakteristisch wie orbitare Dysmorphien und kleine oder weit auseinanderliegende Augen. Neben Hypertelorismus können enge Lidspalten, Blepharophimose und das Herabhängen der Augenlider für den Typ I sprechen. Auch eine Ptosis, ein Glaukom oder eine Schielerkrankung mit Augenzittern ist charakteristisch.

Der Unterkiefer der Patienten ist oft unterentwickelt oder rückverlagert, die Mundspalte ist breit und die Zähne entwickeln sich abnormal. Die Nasenhöhlen sind oft mit dem Rachen verbunden und die Patienten leiden an retardiertem Knochenalter, das zu einer Wachstumsverzögerung führt. Die Wirbelsäule verbiegt sich häufig und lässt einen Buckel entstehen.

Zusätzlich treten oft Schilddrüsenentzündungen auf, wobei auch eine Immunschwäche mit autoimmunologischer Symptomatik und Mangel des Immunglobulins A entstehen kann. Oft leiden die Patienten schon in der Jugend an Diabetes mellitus Typ 1. Betroffene Mädchen menstruieren häufig nicht. Leitsymptomatisch liegt bei Typ II des De-Grouchy-Syndroms ein hypophysär bedingter Minderwuchs vor.

Dieses Symptom ist mit Mikrozephalie, einer Muskelhypotonie oder Verengungen der Gehörgänge und Augenfehlbildungen vergesellschaftet. Charakteristisch sind für Typ II außerdem Zahnanomalien, kognitive Behinderung oder Immunschwächen. Beim 18-R-Syndrom können alle beschriebenen Symptome vorliegen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Da das Deletions-Syndrome auf Chromosoms 18 selten ist und die Symptome extrem variabel ausfallen, ist das De-Grouchy-Syndrom in allen Formen schwer zu diagnostizieren. Bei der Diagnostik ist die Chromosomenanalyse das Mittel der Wahl. Differentialdiagnostisch gilt es das Syndrom vor allem vom cerebro-okulo-fazio-skelettalen Syndrom abzugrenzen. Die Prognose der Patienten hängt von der Ausprägung und den Symptomen im Einzelfall ab.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine kausale Behandlung des De-Grouchy-Syndroms ist leider nicht möglich. Aus diesem Grund muss ein Arzt immer dann aufgesucht werden, wenn es zu verschiedenen Beschwerden durch das De-Grouchy-Syndrom kommt. In erster Linie sollte eine ärztliche Behandlung dann erfolgen, wenn der Patient eine Immunschwäche zeigt und dadurch häufig an Infektionen oder Entzündungen leidet. Auch Diabetes in einem jungen Alter oder das Schielen können dabei auf das De-Grouchy-Syndrom hindeuten.

Vor allem Diabetes bedarf einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung, um weitere Schäden und Komplikationen zu vermeiden. Auch beim Auftreten von kognitiven Einschränkungen und Behinderungen ist eine frühzeitige Diagnose sinnvoll und wirkt sich sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit aus. Viele der Fehlbildungen sind im Gesicht zu erkennen und können durch operative Eingriffe behandelt werden. Die Behandlung dieser Missbildungen und Fehlbildungen erfolgt durch verschiedene Fachärzte. Die erste Diagnose kann allerdings schon von einem Kinderarzt gestellt werden. Auch Störungen des Wachstums können dabei durch eine ärztliche Behandlung relativ gut eingeschränkt werden.

Komplikationen

Aufgrund des De-Grouchy-Syndroms leidet der Patient an verschiedenen Beschwerden, die zu unterschiedlichen Komplikationen führen. Der weitere Verlauf hängt dabei stark von der Ausbildung der Symptome ab. Da es beim De-Grouchy-Syndrom keine direkte Behandlung gibt, können in der Regel nur die Symptome gelindert werden. In vielen Fällen sind Finger und Hände vom Syndrom betroffen.

Der Patient klagt dabei über kurze Finger und große Hände. Diese können den Alltag einschränken und bei Kindern zu Mobbing und Hänseleien führen. Ebenso entwickelt sich in den meisten Fällen auch ein Herzfehler. Abstehende Ohren führen oft zu einem verminderten Selbstwertgefühl. Auch der Kopf kann durch das Syndrom betroffen sein und dabei zu klein wachsen. Oftmals kommt es zu einer Immunschwäche, aufgrund welcher häufiger Erkrankungen und Entzündungen auftreten.

Der Betroffene leidet an Schielen und an Diabetes. Die Lebensqualität nimmt aufgrund der Symptome extrem stark ab. Es ist in der Regel nicht möglich, alle Symptome zu lindern. In erster Linie werden die Immunschwäche und der Herzfehler behandelt, damit der Patient nicht an Infektionen verstirbt. Die Lebenserwartung ist durch das De-Grouchy-Syndrom allerdings verringert. Beschwerden an den Muskeln können therapiert werden, wobei es zu keinen weiteren Komplikationen kommt.

Behandlung & Therapie

Da es sich bei allen Formen des De-Grouchy-Syndroms um chromosomale Deletionen handelt, steht keine ursächliche Therapie zur Behandlung der Patienten zur Verfügung. Die Betroffenen werden rein symptomatisch behandelt, wobei den organischen Fehlbildungen zunächst besondere Aufmerksamkeit gilt. Wenn zum Beispiel ein Herzfehler besteht, wird dieser Herzfehler möglichst früh meist operativ behoben.

Falls die abnormale Schädelform das Gehirn im Wachstum beschränkt oder der Hirndruck ansteigt, müssen die Schädelknochen operativ geöffnet werden, um den Druck zu senken. Wachstumsstörungen aufgrund von hypophysärem Hormonmangel kann unter Umständen mit einer Hormonsubsitution begegnet werden. Die Fehlbildungen der Hände können operativ korrigiert werden. Außerdem ist eine augenärztliche Behandlung erforderlich, die bei Schielerkrankungen zumeist einer Schieloperation entspricht.

Wegen der Muskelschwäche sollte eine physiotherapeutische Behandlung erfolgen, die die Muskeln stärkt und eine Anhebung des Muskeltonus durch gezielte Übungen zum Ziel hat. Stenosen der Gehörgänge können unter Umständen operativ versorgt werden. Um die kognitive Entwicklung der Patienten zu unterstützen, kann eine Frühförderung sinnvoll sein.

Nicht alle Missbildungen des Syndroms müssen aus medizinischer Sicht zwingend korrigiert werden. Einige der Fehlbildungen führen nicht zu funktionaler Beeinträchtigung, sondern sind ein rein kosmetisches Problem. Diese Fehlbildungen kommt zunächst weniger Aufmerksamkeit bei der Therapieplanung zu als den funktionalen Beeinträchtigungen. Eltern betroffener Kinder erhalten eine genetische Beratung und werden über die Wiederholungswahrscheinlichkeit in Kenntnis gesetzt.

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Aussicht & Prognose

Beim De-Grouchy-Syndrom handelt es sich um eine erblich bedingte Erkrankung, welche aus diesem Grund nicht durch eine symptomatische Behandlung therapiert werden kann. Den Betroffenen steht aus diesem Grund eine rein symptomatische Behandlung zur Verfügung. Eine Selbstheilung tritt bei diesem Syndrom nicht auf.

Sollte das De-Grouchy-Syndrom nicht behandelt werden, so leiden die Betroffenen an verschiedenen Fehlbildungen am Körper, die das Leben extrem einschränken. Es kommt weiterhin zu einem deutlich geschwächten Immunsystem, sodass die Betroffenen verstärkt an Entzündungen und Infektionen leiden. An diesen können sie im schlimmsten Falle auch versterben, sodass eine Behandlung des Syndroms immer notwendig ist. Weiterhin leiden die Betroffenen an einer verzögerten Entwicklung und damit an kognitiven Einschränkungen und an einer geistigen Retardierung.

Diese Einschränkungen und Verzögerungen können in vielen Fällen durch eine intensive Therapie gelöst werden. Dadurch kann sich der Betroffene gewöhnlich entwickeln. Die verschiedenen Fehlbildungen am Körper werden durch operative Eingriffe ebenfalls gelindert und die Lebensqualität dadurch deutlich erhöht. Eine vollständige Heilung des De-Grouchy-Syndroms wird jedoch nicht erreicht. Infektionen und Entzündungen können zwar nicht verhindert, allerdings nachträglich immer behandelt werden. In der Regel verringert das De-Grouchy-Syndrom nicht die Lebenserwartung des Patienten.

Vorbeugung

Dem De-Grouchy-Syndrom lässt sich allenfalls über genetische Beratung während der Familienplanung vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Die verschiedenen Formen des De-Grouchy-Syndroms können bislang nicht ursächlich behandelt werden. Die Selbsthilfe-Maßnahmen konzentrieren sich deshalb darauf, die symptomatische Therapie zu unterstützen und dem Betroffenen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern.

Im Allgemeinen sollte bei chromosomalen Deletionen eine umfassende Beratung durch einen Facharzt stattfinden. Gerade bei Kindern kann dadurch die Entstehung vieler typischer Ängste und Unsicherheiten, die mit der Erkrankung verbunden sind, vermieden werden. Die Eltern betroffener Kinder können eine genetische Beratung in Anspruch nehmen, welche über den Umgang mit der Erkrankung und die Wiederholungswahrscheinlichkeit informiert. Die physiotherapeutische Behandlung kann durch gezielte Übungen und regelmäßige Bewegung unterstützt werden. Bei schweren Fehlbildungen empfiehlt sich allerdings der Besuch einer Spezialklinik. Dort können unter fachlicher Anleitung die geeigneten Maßnahmen ergriffen werden, um die Bewegungseinschränkungen zu reduzieren und somit auch die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Da trotz aller Maßnahmen immer Beschwerden und Einschränkungen im Alltag zurückbleiben, müssen frühzeitig die nötigen Förderungsmaßnahmen organisiert werden. Auch etwaige Hilfsmittel wie orthopädische Schuhe, Sehhilfen oder ein Rollstuhl sollten in Rücksprache mit dem Arzt schon frühzeitig organisiert werden.

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Quellen

  • Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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