Darmtuberkulose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2017
Startseite » Krankheiten » Darmtuberkulose

Die Darmtuberkulose ist die weltweit häufigste Entzündung des Darms. Sie wird durch Mykobakterien verursacht und geht mit starken Bauchschmerzen und Durchfällen einher.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Darmtuberkulose?

Die Darmtuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch Mykobakterien hervorgerufen wird. Weltweit ist die Darmtuberkulose weit verbreitet. In Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern ist sie mittlerweile aber sehr selten anzutreffen. Dies ist vor allem auf die verbesserte Lebensmittelhygiene zurückzuführen. Früher wurde die Milch direkt nach dem Melken verkauft und war häufig mit Mykobakterien verseucht.

Heute wird die Milch vor dem Verkauf pasteurisiert. Dabei werden die Erreger abgetötet. Auch die effektiveren Methoden der Tiermedizin haben dazu beigetragen, dass die Fälle von Rindertuberkulose und damit auch die Infektionen mit Darmtuberkulose beim Menschen zurückgegangen sind. Die Darmtuberkulose kann den gesamten Magen-Darm-Trakt befallen. Die bevorzugten Lokalisationen sind allerdings der Krummdarm und der Blinddarm.

Ursachen

Bei den Ursachen kann zwischen einer primären und einer sekundären Darmtuberkulose unterschieden werden. Die primäre Darmtuberkulose ist die Folge einer Rindertuberkulose. Der Erreger, das Mycobacterium bovis, geht in die Milch der infizierten Rinder über und wird bei Konsum der verseuchten Milch auf den Menschen übertragen. Diese Übertragungsform ist in den westlichen Ländern durch das Pasteurisieren der Milch selten geworden.

Heutzutage erfolgt die Infektion in der Regel durch das Verschlucken von Mykobakterien, die bei einer Lungentuberkulose hochgehustet werden. Die Lungentuberkulose wird am häufigsten durch den Erreger Mycobacterium tuberculosis verursacht. Sie ist weltweiten Statistiken zufolge die tödlichste Infektionskrankheit. Kommt es auf diesem Wege zu einer Entzündung des Darms, handelt es sich um eine sekundäre Darmtuberkulose. Auch eine Infektion über den Blutweg ist möglich.

In den sogenannten Peyer-Plaques des Darms kommt es nach der Ansteckung zu einer Infiltration mit den Erregern. Diese verursachen dort zunächst eine Verkäsung und später Darmgeschwüre.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Hauptsymptome der Darmtuberkulose sind starke Bauchschmerzen und heftige Durchfälle. Die Durchfälle gehen mit großem Natrium-, Eiweiß- und Kaliumverlust einher. Häufig findet sich Blut im Stuhl. Dieses kann aufgelagert oder mit dem Kot vermischt sein. Des Weiteren leiden die Betroffenen unter Fieber und Nachtschweiß. Es kommt zu Gewichtsverlust.

Die Schmerzen und die Blutungen werden durch eine Geschwürbildung in der Darmwand verursacht. Durch diese Geschwüre kann es auch zu Verstopfungen bis hin zum Darmverschluss kommen. Bei einem Darmverschluss können Stuhl und Winde nicht mehr abgehen. Eventuell erbrechen die betroffenen Patienten Kot. Die Geschwüre können auch Fisteln ausbilden. Diese röhrenartigen Verbindungen führen dann vom Darm in die Bauchhöhle und verursachen dort eine Entzündung mit Bauchwassersucht (Aszites).

Hat sich die Darmtuberkulose auch im Bereich des Mastdarms ausgebildet, können Analfisteln entstehen. Dabei treten die Entzündungshöhlen in der Afterregion aus. Typisch ist eine Sekretion aus den Öffnungen der Fisteln. Patienten mit Analfisteln haben ständig stuhl- oder blutverschmierte Unterwäsche. Analfisteln können zudem sehr schmerzhaft sein. Grundsätzlich gilt, dass bei unklaren Schmerzen im Bauchraum, Fieber und einer Bauchwassersucht immer auch eine tuberkulöse Peritonitis abgeklärt werden sollte.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf eine Darmtuberkulose wird zunächst eine Stuhluntersuchung durchgeführt. Diese eignet sich allerdings nur bedingt zur Diagnosestellung. Zielführender ist eine Darmspiegelung mit Biopsie und anschließender Mikroskopierung. Des Weiteren wird eine Ultraschalluntersuchung des Darms durchgeführt. Hyperplastische Formen der Darmtuberkulose können Darmkrebs vortäuschen.

Differenzialdiagnostisch müssen immer auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ausgeschlossen werden. Auch eine Blinddarmentzündung kommt als Differenzialdiagnose in Betracht. Weiteren Aufschluss bei der Diagnosestellung gibt eine Computertomografie des Bauchraums.

Komplikationen

Bei einer Darmtuberkulose leidet der Patient an starken Beschwerden im Bauch und im Magen. Dabei kommt es zu Durchfall und zu starken Bauchschmerzen. In der Regel ist der Betroffene während der Erkrankung auf Bettruhe angewiesen und ist nicht in der Lage, körperliche Tätigkeiten auszuführen. Durch den starken Durchfall kommt es zu einem Gewichtsverlust und zur Dehydrierung.

Daher ist vor allem eine hohe Flüssigkeitszufuhr im Falle einer Darmtuberkulose wichtig. Ebenso kann der Stuhl blutig sein. Bei vielen Menschen führt Blut im Stuhl zu Panik. Falls es zur Ausbildung von Geschwüren kommt, kann es im schlimmsten Falle auch zu einem Darmverschluss kommen. Dabei kann der Patient Kot erbrechen und leidet in der Regel auch an starken Entzündungen in der Bauchhöhle. Neben den Schmerzen kommt es auch zu Fieber.

Die Behandlung wird mit Hilfe von Antibiotika und anderen Medikamenten durchgeführt. Falls mit der Behandlung schon früh begonnen wird, kommt es in der Regel zu keinen Komplikationen. Allerdings kann die Behandlung selbst ein halbes Jahr andauern, wobei der Patient in dieser Zeit an den Beschwerden leidet. Durch die Einnahme der Antibiotika kann es zu Störungen der Darmflora kommen. Ebenso können Antibiotika zu Beschwerden an den Augen oder Ohren führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Durchfall und anhaltenden, starken Bauchschmerzen, die mit Fieber und Nachtschweiß verbunden sind, liegt der Verdacht einer Darmtuberkulose nahe. Ärztliche Hilfe ist notwendig, wenn die Symptome nach spätestens drei bis vier Tagen nicht abgeklungen sind. Insbesondere der später hinzukommende Gewichtsverlust sowie Verstopfung und Durchfall müssen rasch abgeklärt werden. Betroffene sollten auf die Signale des Körpers achten und den Verlauf der Erkrankung beobachten.

Sollten die Symptome nach einigen Tagen zurückgehen, handelt es sich wahrscheinlich um eine relativ harmlose Magen-Darm-Erkrankung, die von selbst zurückgeht. Kommt es im Verlauf allerdings zum Darmverschluss, muss sofort ein Notarzt konsultiert werden. Schnelles Handeln ist auch bei Analfisteln oder Anzeichen der Bauchwassersucht gefragt. Beides deutet auf eine weit fortgeschrittene Darmtuberkulose hin, die unbehandelt tödlich enden kann. Grundsätzlich gilt also: unklare Schmerzen im Bauchraum, Fieber und Symptome der Bauchwassersucht immer abklären lassen. Sollten während der Behandlung Komplikationen auftreten, empfiehlt sich in jedem Fall ein Anruf beim zuständigen Arzt.

Therapie & Behandlung

Die Darmtuberkulose wird genau wie die Lungentuberkulose behandelt. Die Mykobakterien teilen sich nur sehr langsam und können in Granulomen zudem über sehr lange Zeit ruhen. Deshalb ist die Gefahr einer Resistenzentwicklung hier besonders hoch. Bei einer gesicherten Diagnose oder bei einem hochgradigen Verdacht einer Darmtuberkulose müssen die Patienten mit mehreren Antibiotika gleichzeitig behandelt werden.

Diese Antibiotika, die speziell gegen das Mycobacterium wirken, werden auch Antituberkulotika genannt. Gemäß den Leitlinien zur Tuberkulosebehandlung erfolgt die Therapie mit einer vierfachen Kombination von Rifampicin, Ethambutol, Pyrazinamid und Isoniazid. Diese Antibiotika werden über einen Zeitraum von zwei Monaten verabreicht. Danach wird die Therapie mit Rifampicin und Isoniazid über weitere vier Monate fortgesetzt. Eine Tuberkulosebehandlung dauert also mindestens sechs Monate.

In leichteren Fällen und bei Kindern wird das Antibiotikum Ethambutol meist weggelassen. Kommt es zu Unverträglichkeiten, steht als Reserveantibiotikum Streptomycin zur Verfügung. Während der Behandlung kann es zu Nebenwirkungen kommen. Die Patienten leiden unter Polyneuropathien. Es können auch Leberschäden entstehen. Streptomycin kann die Nieren und das Innenohr schädigen.

Bei der Einnahme von Ethambutol können sich die Sehnerven entzünden. Unterstützend kommen bei der Behandlung der Darmtuberkulose folgende Substanzen zum Einsatz: L-Arginin, hochdosiertes Vitamin D, PDE-4-Hemmer und Laktoferrin.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Aussicht & Prognose

Die Darmtuberkulose hat bei einer medizinischen Behandlung eine gute Prognoseaussicht. Die heute in Deutschland nur noch sehr selten auftretende Erkrankung wird in einer längeren Therapie behandelt. Über sechs Monate bis zu zwei Jahren werden dem Patienten Medikamente verabreicht, damit eine vollständige Genesung eintreten kann.

Über die Gabe von Chemotherapeutika werden die Krankheitserreger abgetötet und die Entzündung heilt aus. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann die Heilung eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Das körpereigene Abwehrsystem muss unterstützt werden, um sich gegen den Krankheitserreger Mycobacterium tuberculosis durchsetzen zu können. Bei Menschen mit einer gesunden Ernährung, einem Normalgewicht und ohne weitere Erkrankungen heilt die Darmtuberkulose innerhalb eines halben Jahres vollständig aus.

Ohne eine Behandlung können die Beschwerden an Intensität zunehmen oder über mehrere Jahre anhalten. Das Risiko weiterer Krankheiten nimmt in diesem Fall zu, da das Immunsystem stark geschwächt wird. Im schlimmsten Fall droht dem Patienten ohne eine Behandlung ein Darmverschluss oder ein Darmdurchbruch. Damit liegen Notfallsituationen vor und es besteht eine Lebensgefahr. Die Darmtuberkulose kann sich nach einer Genesung jederzeit erneut ausbilden, sobald der Betroffene mit dem krankheitsauslösendem Keim in Berührung kommt. Bei einer erneuten Behandlung verlängert sich im Normalfall der Heilungweg für den Patienten.

Vorbeugung

Der primären Darmtuberkulose kann durch eine Behandlung der Milch vorgebeugt werden. Die Erreger sind nur in der Rohmilch vorhanden und werden durch Pasteurisierung abgetötet. Auch die Bekämpfung der Rindertuberkulose ist eine wirksame Prävention. Durch diese vorbeugenden Maßnahmen ist die primäre Darmtuberkulose in Deutschland sehr selten geworden.

Die sekundäre Darmtuberkulose kann nur durch die Bekämpfung der Lungentuberkulose verhindert werden. Derzeit gibt es keinen wirksamen Impfschutz gegen die Tuberkulose. Die wichtigste vorbeugende Maßnahme besteht darin, dass infizierte Personen so schnell wie möglich entdeckt und behandelt werden. Die Tuberkulose gehört deswegen nach § 6 Infektionsschutzgesetz zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten.

Das können Sie selbst tun

Eine Darmtuberkulose wird mit Hilfe von Arzneimitteln behandelt. Einige Maßnahmen unterstützen die Genesung und beugen ernsten Komplikationen vor. Da es im Rahmen einer Darmtuberkulose vermehrt zu Durchfall kommen kann, sollte ausreichend getrunken werden. Eine schonende Ernährung beruhigt den Magen-Darm-Trakt und beugt den oftmals kolikartigen Schmerzen vor. Wenn Fieber und Nachtschweiß auftreten, sollte die Umgebungstemperatur angepasst werden. Der Arzt wird außerdem Entspannung und Bettruhe empfehlen.

Im fortgeschrittenen Stadium muss die Behandlung in einem Krankenhaus erfolgen. Ein Krankentagebuch gibt einen Überblick über die Symptome und den Verlauf der Darmtuberkulose. Dadurch ist vor allem bei chronischen Erkrankung eine Optimierung der Therapiemaßnahmen möglich. Sollte es zu Magenkrämpfen und dem Erbrechen von Stuhl kommen, liegt womöglich ein Notfall wie Verstopfung oder Darmverschluss vor. Ein Notarzt sollte den Betroffenen medizinisch versorgen und mögliche Ursachen abklären. Nach einem Krankenhausaufenthalt ist ebenfalls Schonung anzuraten. Wurde eine ernste Grunderkrankung wie beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa diagnostiziert, sind mitunter weitere Maßnahmen wie der Kauf von Einlagen oder Erwachsenenwindeln sinnvoll. Welche Schritte im Detail notwendig sind, sollte mit dem zuständigen Arzt besprochen werden.

Bücher über Darmentzündung

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: