Daclizumab

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Daclizumab stellt einen therapeutischen monoklonalen Antikörper dar, der gegen den Interleukin-2-Rezeptor (CD25) wirkt. Das Medikament wurde zur Verringerung von Abstoßungsreaktionen bei Nierentransplantationen entwickelt. Es hat aber auch seine Wirksamkeit gegen multiple Sklerose unter Beweis gestellt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Daclizumab?

Daclizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der für die Immunsuppression bei Organtransplantationen entwickelt wurde. Insbesondere galten die ersten Anwendungen der Reduzierung von Abstoßungsreaktionen bei Nierentransplantationen.

Das Medikament stellt einen humanisierten monoklonalen Antikörper dar, der zum Typ IgG1 gehört. Die Produktion des Antikörpers erfolgt durch murine GS-NSO Myelomzellen. Die GS-NSO Myelomzellen werden durch die Verschmelzung von B-Zellen mit Myelomzellen erzeugt. Myelomzellen sind maligne, entartete Immunzellen, die nach der Vereinigung mit antikörper-produzierenden B-Zellen für die dauernde Zellteilung und damit Neuproduktion der Zellen sorgen.

Die entstehende Zelllinie erzeugt ständig Antikörper, die nur gegen einen bestimmten Bereich (Epitop) auf der Oberfläche des Antigens wirken. Zunächst wurde der Wirkstoff Daclizumab in den USA am National Institutes of Health von dem Unternehmen PDL Biopharma entwickelt. Es wird jedoch von dem Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche unter dem Handelsnamen Zenapax® für die immunsuppressive Behandlung nach einer Nierentransplantation hergestellt und vertrieben.

Später bildete PDL Biopharma eine Allianz mit den Biotechnologieunternehmen Biogen Idec und entwickelte Daclizumab zur Behandlung von multipler Sklerose weiter. Die Erfolge bei der Eindämmung dieser Erkrankung sind gut. In Studien wurde nachgewiesen, dass sich die neurologische Situation der Patienten mindestens stabilisiert und manchmal sogar verbessert hat.

Pharmakologische Wirkung

Daclizumab besitzt immunsuppressive Wirkungen. Die monoklonalen Antikörper wirken gegen den Interleukin-2-Rezeptor (CD25). Dieser Rezeptor dient als Andockstelle für Interleukin-2. Interleukin-2 ist ein Wachstumsfaktor und regt das Wachstum und die Neubildung von B- und T-Lymphozyten an. Des Weiteren stimuliert es die Bildung von Interferonen, anderen Interleukinen und Tumornekrosefaktoren. Gleichzeitig aktiviert es auch zytotoxische Zellen wie natürliche Killerzellen, lymphokinaktivierte Killerzellen oder tumorzerstörende Lymphozyten an.

Schließlich sorgt es auch für die Aktivierung der Makrophagen. Allerdings kann Interleukin-2 diese Funktionen nur nach der Bindung an die Interleukin-2-Rezeptoren erfüllen. Wird der Rezeptor durch den monoklonalen Antikörper blockiert, können die Immunzellen nicht mehr so stark aktiviert werden. Das Immunsystem wird geschwächt und damit auch die Abstoßungsreaktionen gegen fremde Organe. Bei der multiplen Sklerose wird wiederum die Autoimmunreaktion des Immunsystems gegen die Markscheiden des zentralen Nervensystems gehemmt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Das Medikament wurde zur Verringerung von Abstoßungsreaktionen bei Nierentransplantationen entwickelt.

In Europa wurde Daclizumab für die Anwendung nach Nierentransplantationen im Rahmen einer Kombinationstherapie mit Kortikosteroiden und Ciclosporin angewendet. Die Zulassung wurde jedoch auf Antrag des Herstellers zum 01.01.2009 aus kommerziellen Gründen wieder zurückgenommen. Die Rücknahme hat demnach nichts mit eventuellen Nebenwirkungen zu tun.

Neben der Anwendung bei Nierentransplantationen zeigten klinische Studien auch gute Ergebnisse bei Herztransplantationen. Außerdem wird es heute auch erfolgreich bei Uveitis eingesetzt. Uveitis ist eine Entzündung der mittleren Augenhaut. Diese Erkrankung ist eine Autoimmunreaktion gegen die Uvea (mittlere Augenhaut) nach vorausgegangenen Infektionen. Durch die Anwendung der monoklonalen Antikörper gegen den IL-2-Rezeptor treten Verbesserungen der Symptome auf, da die immunologisch bedingten Entzündungsreaktionen abgeschwächt werden.

Nach dem gleichen Mechanismus wird auch multiple Sklerose behandelt. Bei multipler Sklerose reagiert das Immunsystem gegen die Myelinscheiden des zentralen Nervensystems. Es kommt zu Läsionen in diesen Myelinscheiden, die langfristig zu neurologischen Problemen führen. Durch die Reduzierung der Entzündungsreaktionen können solche Verletzungen der Markscheiden anfangs auch wieder rückgängig gemacht werden.

Sowohl bei Nierentransplantationen als auch bei multipler Sklerose wird Daclizumab intravenös verabreicht. Bei Nierentransplantationen gibt es insgesamt fünf Infusionen. So wird zunächst 24 Stunden vor der Transplantation erstmalig das Medikament intravenös verabreicht. Danach erfolgt alle 14 Tage eine Infusion. Bei multipler Sklerose wird nach derzeitigen Studien anfangs eine zweimalige Gabe innerhalb von zwei Wochen und danach jeweils alle vier Wochen eine Infusion empfohlen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Daclizumab ist absolut kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff und während des Stillens. Überempfindlichkeitsreaktionen treten sehr selten auf. Dabei handelt es sich um eine Anaphylaxie, die sich auch bis zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock entwickeln kann.

Häufigere Nebenwirkungen sind jedoch Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Tremor, arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Atemprobleme, verschiedene Verdauungsstörungen, Schmerzen in der Skelettmuskulatur und Ödeme.

Daclizumab hat jedoch in den Studien keine Auswirkungen auf die Infekthäufigkeit oder die Häufigkeit, an Krebs zu erkranken, gezeigt. Des Weiteren wurden auch keine toxischen Wirkungen nachgewiesen. So gibt es, laut der Studien, keine maximal tolerierbare Dosis der Anwendung.

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